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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.03.2025

Zäh

Internationale Zone
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Wien, internationale Zone, in der unmittelbaren Nachkriegszeit, Sammelpunkt für Besatzer, Besetzte, Flüchtlinge, Schmuggler, Geschäftsleute, Klein- und Großkriminelle. Jeder sucht, sein Leben zu meistern, ...

Wien, internationale Zone, in der unmittelbaren Nachkriegszeit, Sammelpunkt für Besatzer, Besetzte, Flüchtlinge, Schmuggler, Geschäftsleute, Klein- und Großkriminelle. Jeder sucht, sein Leben zu meistern, der Vergangenheit zu entkommen, Geschäfte zu machen mit dem Wiederbeginn eines neuen Lebens nach Jahren des Krieges, der Not, des Hungers, des Mangels. So auch Georges Maines, der mit dem Zigarettenschmuggel sein Geld verdient. Aber ein illegales Geschäft zieht das andere nach sich. Und man weiß nie, wer Freund und Feind ist, weil jeder bereit ist, für den eignen Vorteil den anderen zu verraten. Und neben dem Geldgeschäft spielt auch das politische eine Rolle. Aber auch bei den vermeintlichen Siegern wird schnell zum Verlierer, wer nicht mehr passt oder stört. Es sind noch immer unsichere Zeiten, in der ein kleiner Fehler oder ein blöder Zufall das eigene Leben schnell in Gefahr bringen kann. Und wer könnte da noch helfen, muss sich auch Georges Maines fragen.
Ich bin nicht warm geworden mit der Lektüre. Zu verwickelt und kompliziert am Anfang, zu viele Figuren und Nebenfiguren. Noch in der zweiten Hälfte werden neue Figuren eingeführt und verschwinden genauso schnell, wie sie aufgetaucht sind. Die Figuren, aber auch das Wien der Nachkriegszeit bleiben farb- und gesichtslos. Der Schreibstil ist spröde. Mir fehlt etwas, das mich mit in die Geschichte nimmt. Erst im letzten Drittel fügt sich so etwas wie ein roter Faden zusammen, mit dem es sich etwas flüssiger lesen lässt. Ich hatte aufgrund von Cover, Titel und angekündigter Story mehr erwartet.

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Veröffentlicht am 09.03.2025

Solides Handwerkszeug

Die Brücke von London
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Der historische Roman „Die Brücke von London“ spielt auf zwei Ebenen. Da ist zum einen die Zeit, in der die Brücke, die bislang die einzige Verbindung zur City darstellt, von der Westminster Bridge Konkurrenz ...

Der historische Roman „Die Brücke von London“ spielt auf zwei Ebenen. Da ist zum einen die Zeit, in der die Brücke, die bislang die einzige Verbindung zur City darstellt, von der Westminster Bridge Konkurrenz bekommt. Juliana, die aufgrund der Spielschulden ihres Mannes, eines Tuchhändlers, und seines plötzliches Todes vor dem finanziellen Aus steht, bekommt diese verschlechterte Situation besonders zu spüren. Sie muss sich auf Schmugglergeschäfte einlassen, um ihr Geschäft zu retten. Dabei erhält sie Unterstützung von dem jungen Adler und seiner Bande, einer Reihe obdachlos lebender Kinder, die entweder ohne Eltern oder von zu Hause abgehauen sind. Als der junge Brückenbauer Oliver nach London kommt und mehr als nur geschäftliches Interesse an Juliana zeigt, spitzt sich die Lage zu. Denn Oliver repräsentiert das Bridge House, das auf der Brücke für Recht und Ordnung sorgt. In dieser Mission kommt er auch einem Verbrechen auf die Spur, bei dem die Sicherheit der ganzen Brücke auf dem Spiel steht.
Schon in den Zeiten ihres Baus ist die London Bridge vor Unheil nicht gefeit. Auf der zweiten Zeitebene ca. 500 Jahre zuvor kämpfen Eistrid und ihre Schwester Sybilla, die magisches Wissen hat und Visionen über die Zukunft, gegen das Unheil, das auf der Brücke lastet und das auch über ihrer Familie liegt.
Julius Arth schreibt einen soliden historischen Roman über zwei spannende Kapitel der London Bridge. Besonders die epischen Beschreibungen sowie ein Reigen illusterer Figuren führen dem Leser das Leben in diesen Zeiten bildlich vor Augen. Die Dynamik zwischen den Figuren sorgt für Spannung, auch wenn die Einführung der Personen und der Umstände bisweilen etwas breit gerät.
Ein solider gemachter Roman für ein paar Stunden gute Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 01.03.2025

Positiv überrascht

Von Jade und Drachen (Der Sturz des Drachen 1): Silkpunk-Fantasy mit höfischen Intrigen – Mulan trifft auf Iron Widow
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Mit dem Begriff Steam Punk oder Silk Punkt konnte ich zunächst gar nichts anfangen. Ich hatte den Begriff nur einmal vage im Zusammenhang mit einem Computerspiel gehört. Da ich mich aber nicht sonderlich ...

Mit dem Begriff Steam Punk oder Silk Punkt konnte ich zunächst gar nichts anfangen. Ich hatte den Begriff nur einmal vage im Zusammenhang mit einem Computerspiel gehört. Da ich mich aber nicht sonderlich für Computerspiele interessiere, ging ich also ohne große Erwartungen – oder eher ein wenig skeptisch ob so neumodischen Krams – an die Lektüre. Und wurde sehr positiv überrascht.
Amber Chen schreibt im ersten Band ihrer Reihe, „Von Jade und Drachen, von der jungen Ying, die den Mord an ihrem Vater mitansehen muss und fest entschlossen ist, ihn zu rächen. Ihr Vater war einst Mitglied der Ingenieursgilde, und sein Mord steht in Zusammenhang mit seinen Erfindungen. So macht Ying sich auf in die Hauptstadt des Reiches. Aber nicht nur um den Mörder ihres Vaters zu finden, sondern auch weil ihr sehnlichster Wunsch ist, Teil der Ingenieursgilde zu werden. Allerdings ist Mädchen der Zutritt verboten. Und allein die Verkleidung als Junge hätte ihr vielleicht wenig geholfen, wenn sie nicht einen einflussreichen Gönner getroffen hätte. Allerdings verfolgt dieser nicht nur uneigennützige Pläne.
Chen schreibt voller Phantasie. Wenn sie die fremden Welten, die aus einer Mischung von altem Flair und moderner Technik bestehen – Steam Punk eben!, beschreibt, dann entstehen sehr plastische und teils stark beeindruckende Bilder. Ihren Figur haucht sie ebenso Leben ein, und der Leser fiebert und leidet gleich von der ersten Seite mit Ying, die sich auf einen Weg voller Abenteuer und Gefahren macht. Den Spannungsfaden lässt Chen keine Minute abreißen, sodass der Leser bis zum Schluss gefesselt ist. Immer wieder reißen ihn unerwartete Wendungen aus der Ruhe, die ihm die schönen Beschreibungen für kurze Augenblicke gewährt.
Ein packendes Leseabenteuer mit einer Priese Liebe und ganz viel Phantasie! Her mit Band 2!

  • Einzelne Kategorien
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Veröffentlicht am 23.02.2025

Geist und Ungeist

Heimweh im Paradies
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Martin Mittelmeier zeichnet in „Heimweh im Paradies“ ein lebendiges Bild der Jahre, die Thomas Mann in Kalifornien im Exil verbrachte. Dort entstand unter anderem Manns Roman „Dr. Faustus“, der das Wesen ...

Martin Mittelmeier zeichnet in „Heimweh im Paradies“ ein lebendiges Bild der Jahre, die Thomas Mann in Kalifornien im Exil verbrachte. Dort entstand unter anderem Manns Roman „Dr. Faustus“, der das Wesen des Deutschen ergründet und nach seiner Verführbarkeit durch das Böse, das Dämonische fragt. Diese Frage drängt sich natürlich dem exilierten Autors auf, da er seine Heimat verlassen musste, weil das Dämonische dort die Macht übernommen hatte. Manns Verhältnis zu seiner Heimat, aber auch zu den anderen deutschen Emigranten und das Verhältnis der Amerikaner zu den Deutschen, insbesondere der Deutschen im Exil sind weitere Themen dieser spannenden Zeit in Manns leben.
Der Kampf gegen das Dunkle, Dämonische beginnt in Manns Persönlichkeit selber, der seine eigenen dunklen Seiten mit dem Bildungsbürgerdasein zu unterdrücken versucht. Den Ungeist des deutschen Volkes versucht er in seinem Wesen zu ergründen. Dazu dienen ihm auch die Ideen Horkheimers und Adornos. Beide quasi Nachbarn im Exil, letzterer eine Inspirationsquelle für die Darstellung des Musikers Leverkühn im „Doktor Faustus“. Wie begegnet man dem deutschen Volk, dessen Geist Mann in sich trägt und den er nach außen zu verkörpern beansprucht? Wie ist ein Neustart Deutschlands nach dem Ende der Barbarei möglich? Dabei stehen verschiedene Ideen der Exilanten, aber auch der Amerikanischen Ideologie in Widerstreit. So wie Manns Leben in den Zeiten des Exils im Widerstreit steht zwischen dem Schriftsteller, der die Ruhe zum Schreiben braucht, und dem Mann der Öffentlichkeit, der als führende Persönlichkeit im Exil immer wieder zur Stellungnahme aufgefordert wird.
Mittelmeier spannt in dem kleinen Bändchen beeindruckende Bögen zwischen literatur-, musik-, philosophie- und ideologiegeschichtlichen Entwicklungen. Mit großer Kennerschaft bindet er immer wieder Manns schriftstellerische Werke ein in die aktuellen politischen und mentalitätsgeschichtlichen Entwicklungen der Zeit. Er schildert die verschiedenen, zerbrechlichen Beziehungen Manns nicht nur in der eigenen Familie, sondern auch zu seinen amerikanischen Gönnern und der Exilantengemeinde, die ihm nicht alle freundschaftlich gesonnen sind. Denn Thomas Mann nimmt eine Sonderrolle ein, quasi die des Königs im Exil. Seine Stimme zählt, sein Einfluss ist groß, seine Werke werden gelesen. Er leidet nicht die materiellen Nöte manch seiner Kollegen wie auch seines Bruders. Er sieht sich bei allem Heimweh nicht in seiner Existenz in Frage gestellt. Sein Leben geht weiter, auch wenn er von mancher Seite, wie auch aus Deutschland seiner Heimat, wegen seines Lebens, seiner Haltung angefeindet wird.
Ich finde die Darstellung dieser kurzen Zeit von 1938 bis 1952 auf knappen 200 Seiten überwältigend komplex, lehrreich, unterhaltend und so packend, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Zudem ist es mit seinen Einschätzungen zur Demokratiefähigkeit des deutschen Volkes, wie Thomas Mann und Goethe hier zitiert werden, äußerst aktuell im Hinblick auf die jüngsten politischen Entwicklungen.
Insgesamt ein spannendes Kapitel aus Thomas Manns Leben und ein lohnenswerter Beitrag zum Jubiläumsjahr 2025!

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Veröffentlicht am 22.02.2025

"Elektrisierend" trifft es in der Tat

Wackelkontakt
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Eschers Steckdose in der Küche hat einen Wackelkontakt. Und er wartet auf den Elektriker. Derweil legt er einen Puzzle. Er hegt eine Leidenschaft fürs Puzzeln, seit er zu seinem 19. Geburtstag von einer ...

Eschers Steckdose in der Küche hat einen Wackelkontakt. Und er wartet auf den Elektriker. Derweil legt er einen Puzzle. Er hegt eine Leidenschaft fürs Puzzeln, seit er zu seinem 19. Geburtstag von einer Angebeteten ein Puzzle mit dem Bild eines namensverwandten Künstlers geschenkt bekam, auf dem zwei Hände abgebildet sind, sich beim Malen malen. Das programmatische Motiv des Romans. Danach liest er ein Buch über einen Kronzeugen gegen die Mafia. Dieser kann nachts in seiner Zelle nicht schlafen, weil er um sein Leben fürchten muss. Und so liest er ein Buch über einen Mann namens Escher, der ein Buch liest über einen Mann in einer Zelle, der nicht schlafen kann.
Was wie eine harmlos lustige Endlosschleife klingt, ist mehr als nur eine originelle Idee zur Komposition des Romans „Wackelkontakt“ von Wolfgang Haas. Der Roman ist gleich von Anfang an nicht nur brillant konstruiert durch die immer wieder auf sich selbst verweisenden Motive. Sondern Haas schreibt so en passant noch einen von der ersten Seite an packenden Thriller über Mafia, Kronzeugen, Schutzprogramme und Todesfälle. Galant vermischen sich die Erzählebenen und Leben von Escher und Elio Russo, dem Kronzeugen. Dabei entsteht im Leser schon auf den ersten Seiten, dass das Konsequenzen haben muss für beider Leben.
Originell, entwickelt, klug durchdacht, von Beginn an packend und dabei herrlich leicht geschrieben! Absolutes Lesevergnügen garantiert!

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