Unglaublich bewegend und aufrichtig geschrieben
BeduinenmilchWie bringt man seinen Eltern schonend bei, dass man in Israel bleiben möchte? Talia reist in ihre Heimat und möchte hier ihren 18. Geburtstag feiern. Allerdings will sie nicht, wie verabredet, nach sechs ...
Wie bringt man seinen Eltern schonend bei, dass man in Israel bleiben möchte? Talia reist in ihre Heimat und möchte hier ihren 18. Geburtstag feiern. Allerdings will sie nicht, wie verabredet, nach sechs Wochen wieder in ihre Heimatstadt Berlin zurückkehren. Sie möchte Israel dienen und ihren Wehrdienst absolvieren. Diese Entscheidung fasste sie spontan. Je länger sie aber in Israel bei ihren Verwandten blieb, desto mehr zweifelte sie an der Richtigkeit ihrer Entscheidung. Zu viele Eindrücke, die sie nicht verstehen konnte, ließen sie an der Rechtmäßigkeit von Handlungen ihrer Landsleute festhalten.
Warum gelten alle Araber bei Israelis als gefährlich? Aus welchem Grund sollten Menschen beider Nationalitäten nicht miteinander reden? Freundschaften knüpfen, Verständnis füreinander haben? Talia versteht die Welt nicht mehr, als sie miterleben musste, wie ein junger Palästinenser von israelischer Polizei verhaftet und abgeführt wurde. Je länger sie bei ihrer Großmutter wohnt, desto deutlicher wird ihr, auf welche Weise die „Besatzer“ handeln. Für sie ist rasch klar, dass sie nicht nur Palästinenser unterdrücken. Tatsache ist aber auch, dass sie mit ihrer Meinung nahezu alleine dasteht und sich hüten muss, diese öffentlich zu äußern. Das ist viel zu gefährlich.
Es gibt so viele Meinungen zum Nahostkonflikt und immer Menschen, die denken, sich einmischen zu dürfen. Für mich steht fest, dass es stets zwei Seiten einer Medaille gibt und die Berichterstattung nur sehr selten neutral ist. Allerdings ist ganz klar, dass der Überfall am 07.Oktober außerhalb jeglicher Auffassung über das Für und Wider steht. Dass diese Taten aber einen Ursprung haben, das ist jedem klar, der den jahrzehntelangen Konflikt verfolgt.
Das Buch las ich innerhalb eines Tages durch. So mitreißend schildert die Autorin das Leben zwischen Mut und Belagerung. Kaum vorstellbar, welchen Kampf junge Leute in Israel ausfechten, die auch die Meinung der Unterdrückten hören und sehen.