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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.04.2026

Solider Thriller mit etlichen Wendungen

Home Before Dark
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Marsibi lebt in Reykjavik und nur noch selten besucht sie ihre Eltern, die auf dem Land leben. Das hat seinen Grund. Vor zehn Jahren verschwand ihre große Schwester Stina spurlos. Die Polizei stellte die ...

Marsibi lebt in Reykjavik und nur noch selten besucht sie ihre Eltern, die auf dem Land leben. Das hat seinen Grund. Vor zehn Jahren verschwand ihre große Schwester Stina spurlos. Die Polizei stellte die Ermittlungen ein und für Marsibi ist es viel mehr als ein Cold Case. Sie will wissen, was mit ihrer Schwester geschah. Immer wieder träumt sie davon, dass Stina noch lebt. Irgendwo auf der Welt. Welch wunderbare Vorstellung.

Marsibi fühlt sich in dem großen Haus ihrer Eltern nicht wohl. Ihr Großvater starb hier unten im Keller. Er beging Suizid mit seiner Pistole. Hier ist auch Stina zu präsent. Trotzdem fährt sie am Jahrestag des Verschwindens ins Elternhaus und begibt sich auf die Suche. Sie rollt den Fall noch einmal komplett auf und entdeckt bald, dass die Ermittlungen nicht sehr genau durchgeführt wurden.

"Home Before Dark" ist ein gut durchdachter Thriller mit etlichen Elementen, die für Spannung sorgen. Die Story wird aus der Sicht von Marsibi und Stella getrennt berichtet. Und das sehr ausführlich. Dagegen kommt das Finale dann doch zu schnell und ist für mich nicht wirklich realistisch. Für gute Unterhaltung sorgt das Buch trotzdem und ich gebe eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 08.04.2026

Das Buch sollte jeder Lesen

Pina fällt aus
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Immer, also wirklich immer, wenn Pina an den Tod denkt, sieht sie Leo vor sich. Wie er mutterseelenallein auf einer Lichtung im Wald steht. Völlig einsam und verlassen. Sie ist überzeugt, dass Leo nicht ...

Immer, also wirklich immer, wenn Pina an den Tod denkt, sieht sie Leo vor sich. Wie er mutterseelenallein auf einer Lichtung im Wald steht. Völlig einsam und verlassen. Sie ist überzeugt, dass Leo nicht ohne sie zurechtkommt. Leo, das ist ihr 20jähriger Sohn. Er ist nicht so wie andere Söhne in dem Alter. Fährt täglich in eine Werkstatt für Behinderte und lebt in seiner eigenen Welt. Nur Pia, so denkt sie, weiß wirklich, was ihm Freude macht. Wie er den Alltag bewältigen kann. Bis sie völlig unerwartet mitten auf einem Zebrastreifen zusammenbricht. Der Einkauf kullert auf die Straße und aufmerksame Zeitgenossen alarmieren den Rettungsdienst. Pina hat einen Magendurchbruch und liegt im Koma. Ob sie wieder gesund wird? Keiner weiß es.

Sie hätte so gerne gesehen, wie Leo an seinem ersten Schultag zur Schule rennt, von einer Party spät nach Hause kommt oder seine Freunde mitbringt. Was für die meisten Eltern selbstverständlich ist, für Pia bleibt es ein Traum. Als Leo klar wird, dass seine „Mutsch“ ihn nicht vom Bus abholt und auch später nicht da ist, begreift er es nicht. Er macht seinem Ärger und seiner Verzweiflung Luft. Die Nachbarn wissen nicht, wie sie ihn beruhigen können. Es sind vier Wohnungen in dem Haus und die Mieter könnten unterschiedlicher nicht sein. Aber alle Parteien sehen die Not Leos und sind sich einig, sie werden den jungen Mann in seinem Elend nicht alleine lassen.

Das Buch behandelt ein wichtiges Thema, das in der Bevölkerung kaum Beachtung findet. Es geht um eine Mutter, die restlos überfordert ist. Völlig alleine bewältigt sie ihren Alltag mit einem Kind, das bis an sein Lebensende unselbstständig sein wird. Ihr geht es dabei so, wie vielen Eltern in ähnlichen Situationen. Sie opfern sich auf und denken dabei nie an sich selbst. Bei Pina kam der Zusammenbruch plötzlich und glücklicherweise kümmerten sich die Nachbarn um Leo. Das ist leider nicht immer so.

Obwohl es ein ernstes Thema ist, musste ich beim Lesen immer wieder herzhaft lachen. Die Autorin verstand es einwandfrei, die Problematik von Eltern behinderter Kinder zu verdeutlichen. Auch wenn der Humor dabei nicht zu kurz kam. Die Schwierigkeiten können nicht verleugnet oder wegdiskutiert werden. Klare Leseempfehlung gibt es von mir.

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Veröffentlicht am 07.04.2026

Sehr spannender historischer Kriminalroman

Die weiße Nacht
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Lou Faber streift ziellos durch die Gegend. Sie möchte festhalten, wie ihre Heimatstadt Berlin ausschaut. Direkt nach dem Krieg. Mit so vielen zerstörten Häusern. Dieses Leid, was ihr bei jedem Schritt ...

Lou Faber streift ziellos durch die Gegend. Sie möchte festhalten, wie ihre Heimatstadt Berlin ausschaut. Direkt nach dem Krieg. Mit so vielen zerstörten Häusern. Dieses Leid, was ihr bei jedem Schritt vor Augen steht. Gibt es vielleicht sogar noch Vermisste, hier unter den Trümmern? Aber, was ist das? Dort liegt ein langer Gegenstand im Schnee. Als sie sich hinunterbeugt, sieht sie eine Frauenleiche. Die Hände gefaltet. Ihr kommt es vor, als hätte sie jemand aufgebahrt. Wer ist diese Frau und warum liegt sie hier?

"Die weiße Nacht" ist ein Kriminalroman, der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs spielt. Nachdem Lou sich von dem Schrecken erholte, eilt sie sofort zur nächsten Polizeidienststelle. Hier ist alles noch sehr provisorisch. Auch die Polizisten müssen frieren. Kriminalkommissar Alfred König empfängt die junge Fotografin zunächst recht unwirsch. Als er aber sieht, dass sie ihm bei den Ermittlungen tatsächlich helfen kann, wird er freundlicher.

Es bleibt nicht bei einer Leiche und erst mit der Zeit kristallisiert sich ein Motiv für die Morde heraus. Die Spannung bleibt gleichbleibend hoch und erst kurz vor dem Finale ahnte ich die Lösung. Die Sprecherin machte ihre Arbeit ganz hervorragend. Das war mein erster Roman von Anne Stern und ich freue mich auf die nächsten Bücher um Kommissar König und Fotografin Lou.

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Eine kenntnisreiche Darstellung der Situation Israels

Die Zerstörung des Nahen Ostens
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Kaum ein Konflikt erhitzt die Gemüter so sehr, wie das Vorgehen Israels gegen seine Nachbarn. Allen voran der Umgang mit den Palästinensern. Keine Frage, der Überfall am 07. Oktober 2023 war ein Akt, der ...

Kaum ein Konflikt erhitzt die Gemüter so sehr, wie das Vorgehen Israels gegen seine Nachbarn. Allen voran der Umgang mit den Palästinensern. Keine Frage, der Überfall am 07. Oktober 2023 war ein Akt, der an Brutalität nicht zu überbieten war. Es erstaunt absolut nicht, dass Israel sich rächen wollte. Die Frage ist hier, wo war Netanjahu? Kann es sein, dass er nicht auf seine Berater hörte? Hätte dieses Massaker vielleicht sogar verhindert werden können? Und das, was danach mit den Bewohnern Gazas geschah, ist nicht zu rechtfertigen.

"Die Zerstörung des Nahen Ostens" zeugt von fundierten Kenntnissen das Autors. Er beleuchtet den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern von seiner Entstehung bis heute. Ja, es gab Vorschläge für ein friedliches Ende der Auseinandersetzungen. Leider waren damals schon Kräfte am Werk, die das nicht hinnehmen wollten. Am 04.11.1995 kam es zum Attentat auf Yitzhak Rabin. Der Mann galt als Förderer des Friedens und wollte eine Zweistaatenlösung. Wer damit gar nicht einverstanden war, ist wohl jedem klar, der die Geschehnisse in Israel aufmerksam verfolgt. Was momentan in diesem stark gebeutelten Land vor sich geht, ist kaum zu ertragen. Eine Regierung, die sogar verurteilte Rechtsextremisten in ihren Reihen duldet, für mich kaum zu ertragen. Und das nur, weil ein Ministerpräsident unbedingt an der Macht bleiben möchte? Oder fürchtet er sich vor einer Verurteilung wegen Vorteilsnahme im Amt?

Die Zerstörung Gazas hätte schon vor Monaten beendet werden müssen. Dass nun auch noch weitere Staaten bombardiert werden zeigt, dass Netanjahu und seine Minister außer Rand und Band sind. Zunehmend werden sie von demokratischen Staaten isoliert und bald gibt es nur noch Trump, der ihnen zur Seite steht. Das Buch kritisiert nicht, es zeigt auf, wie Aktion und Reaktion aufeinander folgen.

Das Sachbuch habe ich aufmerksam gelesen. Dabei war für mich sehr wichtig, dass ich einer neutralen Stimme lauschen konnte. Die Fakten sprechen für sich und Juden in der Diaspora sollten niemals angegriffen werden, weil ein Ministerpräsident überdimensioniert agiert. Ich danke dem Autor für seine klare Sicht auf das Geschehen.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Jeder, der den Ausstieg schafft, verdient Hochachtung

Trügerische Heimat
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Ein prügelnder Vater und eine Mutter, die sich nicht wehren kann. So lässt sich mit einem Satz die Kindheit und Jugend Leos beschreiben. In seinem Elternhaus spielt Alkohol eine große Rolle. Eisige Kälte ...

Ein prügelnder Vater und eine Mutter, die sich nicht wehren kann. So lässt sich mit einem Satz die Kindheit und Jugend Leos beschreiben. In seinem Elternhaus spielt Alkohol eine große Rolle. Eisige Kälte herrscht in seinem Zuhause. Ist es ein Wunder, dass er sich nach Geborgenheit und ein wenig Anerkennung sehnt? Die findet er bei einer Clique, die dem nationalsozialistischen Gedankengut nacheifert.

"Trügerische Heimat" ist eine ungeschönte Biographie. Leo Neumann zeigt deutlich, wie er in die Szene gelangte. Welche Erfahrungen er hier sammeln konnte. Er war ein anerkanntes Mitglied der NPD und der „Nationalsozialistischen Front“. Machte bei vielen Aktionen mit und stand stets hinter seinen Kameraden. Erst als die Einwohner von Pivitsheide sich gegen ein Zentrum der „Nationalsozialistischen Front“ stemmten, fing Leo an nachzudenken.

Welch ein aufrührendes Buch. Der junge Mann wollte eigentlich nur dem brutalen Vater entkommen und für seinen Einsatz in der Gruppe anerkannt werden. Diese war wie eine Familie für ihn und es ist nachvollziehbar, dass er sich hier sehr wohl fühlte. Umso erstaunlich ist für mich, dass er die Aktionen dann doch hinterfragte und einen Ausstieg wagte. Ich habe das Buch gerne gelesen und mit Achtung vor dem Mann beendet. Dass er schaffte, sich aus diesem Milieu zu befreien, ist beachtenswert.

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