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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.02.2025

Fall Nummer 7 ist für mich der erste

Der Seher
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„Der Seher“, der siebente Fall in der Reihe der Arne-Stiller-Thriller, war für mich der erste. Wenn es aus den vorhergehenden Bänden etwas geben sollte, was für den Leser wissenswert ist, dann ist es dem ...

„Der Seher“, der siebente Fall in der Reihe der Arne-Stiller-Thriller, war für mich der erste. Wenn es aus den vorhergehenden Bänden etwas geben sollte, was für den Leser wissenswert ist, dann ist es dem Autor, Elias Haller, so gut gelungen, dass ich nicht den Eindruck hatte, etwas versäumt zu haben.

Natürlich hätte ich Arnes Kollegin Inge im Team gern noch näher kennengelernt, aber die wird gerade in die Rente verabschiedet. Dafür kommt mit der Praktikantin Sandy eine junge, selbstbewusste und quirlige Frau ins Team, auf die Stiller scheinbar nicht gerade gewartet hat. Aber sie bringt frischen Wind mit und das gefällt mir.

Auch Hallers Schreibstil gefällt mir. Spannend und abwechslungsreich gestaltete sich die Geschichte um den Fund einer Zeitkapsel bei Bauarbeiten, einen Cold Case, das Verschwinden eines Babys, einen Seher, der eher aufdringlich als hilfreich erscheint und um „die Person“, die immer wieder auftaucht und bei mir so manches Mal für Verwirrung sorgt. Dann gibt es noch einen Geheimcode, den es zu entschlüsseln gilt.

Bis zum Schluss hat mich das Buch gefesselt und dann ein für mich überraschendes gutes Ende gefunden.

Sehr gern empfehle ich den Arne-Stiller-Thriller auch den Leser*innen, die ihn erst jetzt kennenlernen wollen.

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Geschichte zum Genießen

Frau Hempels Tochter. Roman
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Sehr gern habe ich mich zurückführen lassen in die Vergangenheit vor etwa einhundert Jahren und in das Berliner Kleinbürgermilieu. Frau Hempel ist Portiersfrau eines großen Mietshauses mit Menschen aus ...

Sehr gern habe ich mich zurückführen lassen in die Vergangenheit vor etwa einhundert Jahren und in das Berliner Kleinbürgermilieu. Frau Hempel ist Portiersfrau eines großen Mietshauses mit Menschen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten. Hier bewohnt sie mit ihrem Mann, einem Schuster, und ihrer Tochter Laura die Kellerwohnung. Seit sie Mutter geworden ist, war ihr klar, dass ihre Tochter es einmal besser haben sollte als sie. Dafür hat sie getan, was sie konnte, dabei allerdings niemals ein Blatt vor den Mund genommen. Sämtliche Hilfsarbeiten im ganzen Haus hat sie angenommen, um das zusätzlich verdiente Geld für die Zukunft ihrer Tochter zu sparen.

Laura fand eine Anstellung als Kindermädchen bei Bankdirektors Bombach, die ebenso im Hause wohnten wie der verarmte Graf, mit dem Laura von Fenster zu Fenster verträumte Blicke tauschte.


Mir gefällt der lebhafte und oft humorvolle Schreibstil der Autorin Alice Berend unglaublich gut. Sehr wohl habe ich mich in der Familie Hempels gefühlt, und besonders habe ich Frau Hempel bewundert, die mit ihrem eisernen Willen das verwirklicht hat, was sie sich vorgenommen hatte.

Es ist so schade, dass die Bücher von Alice Berend im Nationalsozialismus verboten und verbrannt wurden, weil sie Jüdin war. Umso mehr freue ich mich, dass „Frau Hempels Tochter“ unter RECLAMs Klassikerinnen jetzt wieder in einer Neuauflage erschienen ist. Es gibt in dem Buch viele wunderbare Zitate, die es wert sind, sie zu lesen und einfach zu genießen.

Die Geschichte hat mir unterhaltsame Lesestunden geschenkt und sehr gern gebe ich meine volle Leseempfehlung für diesen Rückblick in vergangene Zeiten.

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Veröffentlicht am 13.02.2025

Von Angst und Mut

Alles Safe. Ein Comic-Abenteuer
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Alles SAFE – „Wunderbar witzig und leicht zu lesen“, heißt es in der Buchbeschreibung. Das kann ich bestätigen, würde allerdings noch erweitern und sagen „… leicht und schnell zu lesen“. Ich weiß gar nicht, ...

Alles SAFE – „Wunderbar witzig und leicht zu lesen“, heißt es in der Buchbeschreibung. Das kann ich bestätigen, würde allerdings noch erweitern und sagen „… leicht und schnell zu lesen“. Ich weiß gar nicht, ob ich jemals mit einem gebundenen Buch schneller fertig war.

Gleich auf der Innenseite des Buchdeckels den Inhalt von Flos Notfallrucksack zu sehen, gefällt mir. Der Junge denkt ja wirklich an alles! Doch für Flo ist es „nur das Nötigste!“ Wenn man sich nur vorstellt, was alles passieren kann während einer Urlaubsreise! Flo könnte ein Lied davon singen, denn auf der Fahrt in den Urlaub sieht er sich gedanklich den größten Gefahren ausgesetzt.

Dann lernt er ausgerechnet Kaya kennen, das wohl mutigste Mädchen der Welt. Flo ist „knallschockverliebt“ (was für ein Wort! 😊). Er lässt sich auf Experimente = Wanderungen ein, an die er ohne Kaya nicht einmal gedacht hätte.

Mir gefällt es gut, die Ängste und die Vorsicht von Flo so übertrieben stark dargestellt zu sehen, ebenso den Mut, das Draufgängerische und manchmal auch den Leichtsinn von Kaya.

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke und daran, wie ähnlich – wenn auch notfallmäßig nicht so gut ausgestattet – ich Flo gewesen bin, dann denke ich auch daran, wie gut es tut zu erkennen, dass selbst ein so mutiges Mädchen wie Kaya auch Ängste haben kann. Und wenn es nötig ist, wird man tatsächlich auch manchmal plötzlich ganz mutig.

Die kurzen Texte von Rüdiger Bertram und dazu die passenden Bilder von Horst Hellmeier sind ein tolles Gespann!

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Veröffentlicht am 09.02.2025

So war das damals

Kronsnest
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Das Buch erzählt die Geschichte des Jungen Hannes, der vor hundert Jahren in dem kleinen Dorf Kronsnest lebte. Es ist keine leichte Lektüre, trotzdem habe ich mich gut hineinfallen lassen können in die ...

Das Buch erzählt die Geschichte des Jungen Hannes, der vor hundert Jahren in dem kleinen Dorf Kronsnest lebte. Es ist keine leichte Lektüre, trotzdem habe ich mich gut hineinfallen lassen können in die Vergangenheit, habe Hannes gern begleitet auf dem schweren Weg seiner Kindheit und Jugend und seiner stillen Liebe zu Mara. Fast immer hatte ich das Gefühl, ihm ganz nah zu sein und nur meine Arme ausbreiten zu müssen, um ihm Halt geben zu können, wenn er verzweifelt war.
Florian Knöppler hat nicht nur die damalige Zeit und das Leben auf dem Land gut eingefangen und beschrieben, sondern auch die Gefühlswelt und dabei sogar die fehlenden Gefühle des Vaters zu seinem Sohn glaubhaft und authentisch dargestellt. Auf Anerkennung, ein wenig Lob oder ein Wort des Dankes hat Hannes vergeblich gewartet – von einem liebevollen Elternhaus ganz zu schweigen.
Umso größer war meine Bewunderung für Hannes und seine Entwicklung. Trotz aller Widrigkeiten übernimmt er Verantwortung und arbeitet neben seiner Schule ohne Unterlass.
Etwas mulmig wurde mir, als Knöppler beschrieb, wie schwer es die Bauern Ende der 1920er-Jahre hatten, gerade junge Menschen sich der Landvolkbewegung anschlossen…
… Plötzlich sehe ich die Gegenwart…
Sehr gern gebe ich meine volle Empfehlung für ein Buch, das mich sehr berührt und zum Nachdenken und Mitempfinden anregt.

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Veröffentlicht am 31.01.2025

Knisternde Spannung vor atmosphärischer Kulisse

Middletide. Was die Gezeiten verbergen
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Bei mir kommt zu diesem Buch das Beste zuerst: Mit ihrem Debütroman hat Sarah Crouch einen Volltreffer gelandet! „Was die Gezeiten verbergen“, das wird von ihr ganz sachte und stückweise aufgedeckt.
Seit ...

Bei mir kommt zu diesem Buch das Beste zuerst: Mit ihrem Debütroman hat Sarah Crouch einen Volltreffer gelandet! „Was die Gezeiten verbergen“, das wird von ihr ganz sachte und stückweise aufgedeckt.
Seit einigen Wochen beschäftige ich mich mit den Cookinseln im Südpazifik. Darum hat es mich gereizt, die Geschichte zu lesen, die ebenfalls im Pazifik angesiedelt ist, wenn auch weit entfernt auf der Nordhalbkugel, abgelegen an einer Meerenge im US-Staat Washington.
Hier lernen Elijah und Nakita sich kennen und lieben. Leider hat ihre Jugendliebe keinen Bestand, denn Elijah verlässt seinen Heimatort, um seinen Traum von einer Karriere als Schriftsteller zu verwirklichen. Erst nach vielen Jahren kehrt er nach dem Tod seiner Eltern mit dem Gefühl des Versagens nach Hause zurück.
Das Cover zeigt eine kleine Landzunge im Licht des Sonnenuntergangs. Ich stelle mir vor, es ist der einsame Platz, an dem Elijahs Hütte steht, in der er jetzt lebt, wo er ein paar Tiere hält und im Garten sein eigenes Gemüse anpflanzt.
Nakita hat er nie vergessen können, doch scheint es für die beiden nach all den Jahren keine gemeinsame Zukunft zu geben.
Das Buch verbreitet eine wohlige Atmosphäre allein durch die Beschreibung der einzigartigen Umgebung, doch durch den zweiten Erzählstrang, der Geschichte eines Mordes, fesselt es mich irgendwie doppelt. Es erzählt nicht nur von einer verloren geglaubten Liebe, sondern ist gleichzeitig ein Thriller mit knisternder Spannung. Die Handlung wechselt gekonnt zwischen den 1970er- und den 1990er-Jahren.
Sehr gern gebe ich meine Empfehlung für ein großartiges Debüt, das von Liebe und Treue, von Ängsten, von Verrat, aber auch von einer tiefen Freundschaft und Hoffnung erzählt.
Gespannt warte ich auf einen weiteren Roman von Sarah Crouch.

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