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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.02.2026

Leichtigkeit verbunden mit emotionaler Tiefe

Entscheidungen auf Tuga
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Mit „Entscheidungen auf Tuga“ erzählt Francesca Segal die Geschichte von Charlotte weiter, die auf der fiktiven Insel Tuga d’Oro im Südatlantik zur Erforschung der Goldschildkröten weilt und den Posten ...

Mit „Entscheidungen auf Tuga“ erzählt Francesca Segal die Geschichte von Charlotte weiter, die auf der fiktiven Insel Tuga d’Oro im Südatlantik zur Erforschung der Goldschildkröten weilt und den Posten der Inseltierärztin übernommen hat. Doch ihre übermächtige Mutter, die Kronanwältin Lucinda Compton-Neville, reist ihr nach – fest entschlossen, sie möglichst schnell zurück nach London zu holen.

Das Buch hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen. Es macht große Freude, Charlotte über die Insel zu begleiten und ihr bei den Begegnungen mit den Inselbewohnern über die Schulter zu schauen. Eine Insel, die weitgehend von der Zivilisation abgeschnitten und nur zeitweise erreichbar ist, wirkt wie ein Sehnsuchtsort: ruhig, beschaulich, gemeinschaftlich. Lucinda wirbelt diese fragile Ordnung jedoch gehörig durcheinander, und Charlotte sieht sich gezwungen, sich ihrer Beziehung zur Mutter und ihren eigenen Lebensentscheidungen zu stellen.

„Entscheidungen auf Tuga“ ist eine Geschichte über Ablösung, Selbstbestimmung und familiäre Verstrickungen. Francesca Segal verbindet Leichtigkeit mit emotionaler Tiefe und schafft mit lebendigen Dialogen und einer einnehmenden Erzählweise einen Roman, in den man sich mühelos hineinziehen lässt.

Ein vergnüglicher Roman, der Fernweh weckt und zugleich von sehr realen familiären Konflikten erzählt.

Veröffentlicht am 18.02.2026

Fessselnde Familiensaga und lebendiges Stück Zeitgeschichte

Altenstein
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In „Altenstein“ erzählt Julie von Kessel die Geschichte der Familie Kolberg. 1945 muss Agnes Gut Altenstein in Brandenburg verlassen und flieht mit ihren zehn Kindern in den Westen, wo sie sich ein neues ...

In „Altenstein“ erzählt Julie von Kessel die Geschichte der Familie Kolberg. 1945 muss Agnes Gut Altenstein in Brandenburg verlassen und flieht mit ihren zehn Kindern in den Westen, wo sie sich ein neues Leben aufbauen. Konrad, der Jüngste und einer von nur zwei Söhnen, kämpft zeitlebens um seinen Platz in der Familie und im Leben. Nach der Wiedervereinigung versucht er, das Gut zurückzubekommen – und löst damit einen Konflikt unter den Geschwistern aus.

Anfangs fiel es mir etwas schwer, in die Geschichte hineinzufinden. Umso mehr war ich im weiteren Verlauf überrascht von dem Sog, mit dem mich die Familie Kolberg in ihren Bann zog. Die Autorin erzählt in verschiedenen Strängen zwischen Vergangenheit und Gegenwart und wechselt dabei die Perspektiven der Geschwister Konrad, Moritz, Nona und Bobby. Immer wieder steht Gut Altenstein als emotionaler und historischer Mittelpunkt im Zentrum. So entsteht nicht nur eine fesselnde Familiensaga, sondern auch ein lebendiges Stück Zeitgeschichte – von den letzten Kriegsjahren über den Wiederaufbau im Westen und die Wiedervereinigung bis in die Gegenwart.

Die wechselnden Figurenperspektiven machen das komplexe Beziehungsgeflecht der Geschwister, ihre Konflikte sowie ihre gesellschaftliche und politische Einbindung besonders greifbar. Der stellenweise lakonische Erzählstil schafft eine eigene, sehr stimmige Atmosphäre und passt hervorragend zum Inhalt.

Veröffentlicht am 14.09.2025

Berührend, charmant und voller Wärme

Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry
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Gabrielle Zevin hat mit "Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry" eine Geschichte geschrieben, die gleichzeitig berührend, charmant und voller Wärme ist. Im Mittelpunkt steht ein Buchhändler, dessen Leben ...

Gabrielle Zevin hat mit "Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry" eine Geschichte geschrieben, die gleichzeitig berührend, charmant und voller Wärme ist. Im Mittelpunkt steht ein Buchhändler, dessen Leben unerwartet neue Wendungen nimmt. Was anfangs melancholisch und nachdenklich wirkt, entwickelt sich zu einer Erzählung, die Hoffnung, Liebe und die Kraft der Bücher in den Vordergrund stellt.

Besonders gefallen hat mir der Ton des Romans: leise, feinfühlig und voller kleiner literarischer Anspielungen. Auch die Figuren wirken authentisch und lebendig – sie machen Fehler, entwickeln sich weiter und wachsen einem im Verlauf der Geschichte ans Herz. Gerade A.J. Fikry hat mich beim Lesen überrascht – je besser man ihn kennenlernt, desto spannender wird seine Wandlung.

Das Buch lädt dazu ein, innezuhalten und über die Bedeutung von Geschichten im eigenen Leben nachzudenken. Es ist keine laute, actionreiche Handlung, sondern eine Erzählung, die durch ihre leisen Töne, ihre Menschlichkeit und ihre Wärme überzeugt. Manche Passagen habe ich ganz bewusst langsamer gelesen, um die Atmosphäre auf mich wirken zu lassen. Und die vielen literarischen Bezüge sind ein kleines Extra, das jedes Bücherherz höher schlagen lässt.

"Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry" ist ein warmherziger Roman über Verlust, Neuanfang und die Kraft der Geschichten. Wer Bücher liebt und sich gern von einer leisen, aber nachhaltigen Geschichte berühren lässt, sollte unbedingt zu diesem Buch greifen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 04.08.2025

Leies, irritierend und sehr besonders

Die Probe
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Der Klappentext hat bei mir sofort Interesse geweckt: Eine Schauspielerin trifft auf einen jungen Mann, der behauptet, ihr Sohn zu sein. Das ist unmöglich – sie hat nie ein Kind zur Welt gebracht. Und ...

Der Klappentext hat bei mir sofort Interesse geweckt: Eine Schauspielerin trifft auf einen jungen Mann, der behauptet, ihr Sohn zu sein. Das ist unmöglich – sie hat nie ein Kind zur Welt gebracht. Und trotzdem beginnt diese Begegnung, in ihr etwas in Bewegung zu setzen.

Katie Kitamura erzählt in einem reduzierten, klaren Stil, ohne Anführungszeichen, mit viel Raum für Zwischentöne. Die Figuren bleiben oft auf Distanz, vieles wird nur angedeutet, verschoben oder umkreist. Als Leserin war ich immer wieder unsicher: Ist das, was ich lese, tatsächlich passiert? Oder nur gedacht, inszeniert, imaginiert?

Vor allem im zweiten Teil verschiebt sich die Realität spürbar. Man hat das Gefühl, in eine andere Welt geworfen zu werden – ohne Erklärung, ohne Rückblick. Das irritiert, aber es hat auch etwas sehr Reizvolles.

Ob mir das Buch gefallen hat? Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher. Es hat mich nicht auf eine klassische Art berührt oder begeistert, aber es hat mich beschäftigt – und tut es noch immer. Es ist ein Buch, das sich nicht leicht einordnen oder abhaken lässt. Vielleicht ist genau das seine Stärke.

Die Probe ist ein leiser, irritierender und sehr besonderer Roman – einer, der sich konventionellen Erwartungen entzieht und gerade dadurch lange nachhallt. Lesenswert!

Veröffentlicht am 03.08.2025

Emotionale Tiefe und kluge, glaubwürdige Frauenfiguren

Wo die Moltebeeren leuchten (Die Norrland-Saga, Bd. 1)
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In "Wo die Moltebeeren leuchten" erzählt Ulrika Lagerlöf auf zwei Zeitebenen: 1938 wagt die junge Siv einen mutigen Schritt und geht allein in die Wildnis Nordschwedens, um im Waldarbeiterlager zu arbeiten. ...


In "Wo die Moltebeeren leuchten" erzählt Ulrika Lagerlöf auf zwei Zeitebenen: 1938 wagt die junge Siv einen mutigen Schritt und geht allein in die Wildnis Nordschwedens, um im Waldarbeiterlager zu arbeiten. Dort begegnet sie nicht nur der harten Realität, sondern auch Nila, einem jungen Samen, mit dem sie eine tiefe, aber gesellschaftlich unerwünschte Verbindung eingeht. In der Gegenwart kehrt Eva, erfolgreiche PR-Beraterin, zurück in ihr Heimatdorf – beruflich, aber bald auch sehr persönlich, denn sie stößt auf ein Familiengeheimnis, das bis zu jenem Sommer 1938 zurückreicht.

Was mich besonders berührt hat: Siv und Eva könnten kaum unterschiedlicher sein – und doch sind beide starke, eigenständige Frauen, die sich gegen Erwartungen behaupten und ihren Platz suchen. Die Natur spielt eine große Rolle – mal rau, mal tröstlich – und Lagerlöf beschreibt sie mit viel Gefühl und Tiefe.

Der Autorin gelingt es, die beide Zeitebenen stimmig zu verknüpfen. Die Figuren wirken glaubwürdig und nahbar, die Naturbeschreibungen sind eindrucksvoll und geben der Geschichte fast etwas Magisches. Trotz des eher leisen Tons gibt es viele emotionale Momente – ohne Pathos, aber mit viel Gefühl.

"Wo die Moltebeeren leuchten" ist ein wunderbar erzählter, berührender Roman über weibliche Stärke, Selbstbestimmung und die Spuren, die Vergangenheit und Entscheidungen hinterlassen. Für alle, die viel Atmosphäre, emotionale Tiefe und kluge, glaubwürdige Frauenfiguren schätzen – ein echtes Lesehighlight!