Symbolisch aufgeladen
Unmöglicher AbschiedMit großer Neugier habe ich zu diesem Buch gegriffen – nicht zuletzt, weil Han Kang als Literaturnobelpreisträgerin zu den international renommiertesten Stimmen der Gegenwartsliteratur zählt. "Unmöglicher ...
Mit großer Neugier habe ich zu diesem Buch gegriffen – nicht zuletzt, weil Han Kang als Literaturnobelpreisträgerin zu den international renommiertesten Stimmen der Gegenwartsliteratur zählt. "Unmöglicher Abschied" ist ein stiller, fein gearbeiteter Roman, der sich mit Verlust, Erinnerung und kollektivem Trauma auseinandersetzt.
Im Mittelpunkt steht die Schriftstellerin Gyeongha, die auf die verschneite Insel Jeju reist, um sich im Auftrag einer Freundin um ihren Vogel zu kümmern. Was wie eine ruhige Gefälligkeit beginnt, führt sie tief in die verdrängte Vergangenheit: Das Massaker von Jeju 1948 wird behutsam angedeutet, nie explizit erzählt – und gerade dadurch eindrucksvoll greifbar.
Han Kangs Sprache ist poetisch und zurückhaltend, mit vielen symbolischen Bildern und einer ganz eigenen, fast traumähnlichen Atmosphäre. Die literarische Qualität ist spürbar, gleichzeitig verlangt der Roman Aufmerksamkeit und Geduld. Mich haben einzelne Szenen berührt – insgesamt aber blieb mir das Geschehen fern, was vor allem an der sehr stillen, oft fragmentierten Erzählweise liegt.
"Unmöglicher Abschied" ist ein nachdenklicher, sprachlich starker Roman, der leise wirkt und lange nachhallt. Wer poetische, symbolisch aufgeladene Literatur mit tieferem historischem Hintergrund sucht, wird hier fündig. Meine Erwartungen waren hoch – nicht alle wurden erfüllt, aber das Buch hat Spuren hinterlassen.