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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.04.2026

Nüchtern erzählt, aber mit besonderem Charme

Das Haus mit den sieben Gärten
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In „Das Haus mit den sieben Gärten“ erzählt Elsemarie Maletzke von Fleur, die eine Stelle als Gärtnerin in Frau Sylvests Villa annimmt. Sie weiß um Fleurs Vergangenheit, die auch einen Gefängnisaufenthalt ...

In „Das Haus mit den sieben Gärten“ erzählt Elsemarie Maletzke von Fleur, die eine Stelle als Gärtnerin in Frau Sylvests Villa annimmt. Sie weiß um Fleurs Vergangenheit, die auch einen Gefängnisaufenthalt einschließt, und gibt ihr dennoch eine Chance. In dem Haus begegnet Fleur unter anderem George Fox Evans, einem Schriftsteller, sowie weiteren Personen, die auf unterschiedliche Weise mit der Villa verbunden sind. Während sie sich in ihrem neuen Umfeld einrichtet, wird sie zugleich von ihrer Vergangenheit eingeholt.

Der Roman lebt von seinen Figuren und der besonderen Atmosphäre rund um das Haus. Erzählt wird aus wechselnden Perspektiven, die den Figuren nahekommen und Einblick in ihre Gedanken geben. Der Erzählstil bleibt dabei insgesamt eher nüchtern und zurückhaltend. Auffällig ist, dass der Ton vor allem bei Fleur und Fox Evans oft fast emotionslos und lakonisch wirkt. Gerade die Figur der Hausherrin, obwohl sie als zentrale Figur den Rahmen der Handlung bildet, bleibt dabei auffallend distanziert.

Frau Sylvest wirkt großzügig und gutgläubig, beinahe wie eine Mäzenin, die den anderen Raum gibt, sich zu entfalten.

In dieser zurückhaltenden Erzählweise liegt einerseits der Reiz des Buches, sie erschwert aber auch den Zugang. Trotzdem hat mich der Roman insgesamt sehr gut unterhalten. Die ungewöhnlichen Figuren und die besondere Stimmung machen seinen Charme aus, auch wenn er sich nicht sofort erschließt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.04.2026

Emotional, ohne kitschig zu wirken

Der Sommer, der uns blieb
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„Der Sommer, der uns blieb“ von Greta Herrlicher ist ein berührender Roman über Erinnerungen, Freundschaft, Verlust und die Spuren, die bestimmte Momente unseres Lebens dauerhaft hinterlassen. Die Geschichte ...

„Der Sommer, der uns blieb“ von Greta Herrlicher ist ein berührender Roman über Erinnerungen, Freundschaft, Verlust und die Spuren, die bestimmte Momente unseres Lebens dauerhaft hinterlassen. Die Geschichte entfaltet sich ruhig, aber sehr eindringlich und zieht einen schnell in die emotionalen Verflechtungen der Figuren hinein.

Im Mittelpunkt stehen Britta, Pia und Martin, die eine Jugend voller gemeinsamer Erlebnisse und in enger Freundschaft verbracht haben, bis sich eines Sommers alles ändert. Die Handlung folgt immer wieder einem der drei Charaktere und wechselt zwischen ihren Geschichten, wodurch sich nach und nach ein vollständigeres Bild der Ereignisse ergibt. Zusätzlich springt der Roman zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit – etwa 20 Jahre zuvor. Stück für Stück wird so deutlich, was damals geschehen ist und welche Auswirkungen diese Ereignisse bis heute auf die Beteiligten haben.

Besonders gelungen fand ich die Atmosphäre des Buches. Greta Herrlicher gelingt es, sowohl die Intensität der gemeinsamen Sommererlebnisse in der Vergangenheit als auch die besondere Stimmung des Wiedersehens in der Gegenwart sehr lebendig einzufangen. Die Figuren wirken authentisch und nahbar, sodass man ihre Gedanken, Hoffnungen und Entscheidungen gut nachvollziehen kann. Ein zentrales Thema des Romans ist auch die Frage, wie gut wir andere Menschen wirklich kennen und wie unterschiedlich Erinnerungen und Wahrnehmungen sein können. Gleichzeitig zeigt die Geschichte, was im Leben wirklich wichtig ist – und wie sehr Beziehungen, Entscheidungen und Ereignisse unseren weiteren Lebensweg prägen.

Mich hat das Buch von Anfang an abgeholt und bis zum Ende gefesselt. Die Geschichte ist emotional, ohne kitschig zu wirken, und regt auch zum Nachdenken darüber an, wie Erinnerungen, Wahrheiten und Perspektiven unser Bild von anderen Menschen prägen.

Für mich ein sehr gelungener Roman, der berührt, nachdenklich macht und noch lange im Herzen bleibt.

Veröffentlicht am 05.04.2026

Zitronenliebe

Amore al Limone
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„Amore al Limone“ von Letitia Clark ist eine Liebeserklärung an Italien, die italienische Küche und ganz besonders an italienische Zitronen. Diese Zitronenliebe wird durch wunderschöne Fotos unterstrichen, ...

„Amore al Limone“ von Letitia Clark ist eine Liebeserklärung an Italien, die italienische Küche und ganz besonders an italienische Zitronen. Diese Zitronenliebe wird durch wunderschöne Fotos unterstrichen, die zusammen mit den Texten schon für sich genommen Lust machen, das Buch immer wieder zur Hand zu nehmen.

Dazu kommen die vielfältigen Rezepte – von salzig bis süß, von einfach bis aufwendig, von Vorspeise über Hauptgericht bis hin zu Dessert und Getränk. Jedes Rezept wird von einer kurzen Einleitung begleitet, gefolgt von einer übersichtlichen Zutatenliste, einer gut nachvollziehbaren Zubereitung und einem passenden Foto.

Optisch ist das Buch sehr reich gestaltet: Neben den vielen Bildern sind auch die Kapitel- und Übersichtsseiten farbig und mit Mustern versehen. Das wirkt stellenweise etwas überladen, ist insgesamt aber stimmig umgesetzt und letztlich Geschmackssache.

Schade ist lediglich, dass keine Angaben zur Zubereitungszeit gemacht werden. Zwar lässt sich diese mit etwas Erfahrung abschätzen, eine Orientierung wäre dennoch hilfreich gewesen.

Insgesamt ist „Amore al Limone“ ein wunderschön gestaltetes Kochbuch mit großer Vielfalt, das Lust aufs Ausprobieren macht – auch wenn man beim Durchblättern schon ins Schwärmen gerät.

Veröffentlicht am 31.03.2026

Gelungene Mischung aus Abenteuer und Selbstfindung

Statt aus dem Fenster zu schauen
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In „Statt aus dem Fenster zu schauen“ erzählt Anna Katharina Scheidemantel von Sophie, die aus Langeweile während eines Praktikums im Internet stöbert und ein spottbilliges Haus in Ostdeutschland kauft. ...

In „Statt aus dem Fenster zu schauen“ erzählt Anna Katharina Scheidemantel von Sophie, die aus Langeweile während eines Praktikums im Internet stöbert und ein spottbilliges Haus in Ostdeutschland kauft. Damit nicht genug: Sie fährt spontan von München dorthin und beginnt mit der Renovierung.

Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt. An mancher Stelle habe ich mich gefragt, wie realistisch die Handlung ist, doch das war schnell nebensächlich. Einfach ausbrechen aus dem täglichen Trott, etwas vermeintlich Unvernünftiges wagen, entgegen allen Konventionen und Erwartungen – ein verlockender Gedanke.

Der Erzählstil ist leicht und sehr lebendig, sodass man sich schnell mitten in Sophies Abenteuer wiederfindet. Mit all ihren Zweifeln, ihrer Begeisterung, ihrer Hoffnung und ihrer Unsicherheit sucht sich Sophie ihren Platz in der ostdeutschen Provinz – Schritt für Schritt, Tag für Tag. Die Autorin zeichnet sie als liebenswerte, sympathische Person, der man wünscht, dass sie ihren Weg zu sich selbst und ihrem Glück findet.

Besonders gefallen hat mir die Mischung aus Abenteuer, Selbstfindung und dem ganz eigenen Charme eines solchen Neuanfangs. Sophies Entscheidung wirkt zunächst verrückt, aber genau darin liegt auch der Reiz der Geschichte.

Ein unterhaltsames und inspirierendes Buch für alle, die manchmal davon träumen, ihr Leben komplett auf den Kopf zu stellen – oder einfach einmal gerne richtig unvernünftig wären.

Veröffentlicht am 29.03.2026

Ruhiger, nachdenklicher Roman über Veränderung

Vor uns die Zeit
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In „Vor uns die Zeit“ erzählt R. C. Sherriff von Mister Baldwin, der nach vierzig Jahren im Berufsleben in den Ruhestand geht. Plötzlich fehlt ihm die feste Struktur, und auch seine Frau Edith muss sich ...

In „Vor uns die Zeit“ erzählt R. C. Sherriff von Mister Baldwin, der nach vierzig Jahren im Berufsleben in den Ruhestand geht. Plötzlich fehlt ihm die feste Struktur, und auch seine Frau Edith muss sich mit der neuen Situation arrangieren. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach einem neuen Lebensinhalt und unternehmen einen Ausflug ins Weldental, der neue Perspektiven eröffnet.

Der Roman nimmt sich viel Zeit für seine Figuren und ihre Gedanken und entfaltet sich in einem ruhigen Tempo. Dabei steht weniger die Handlung als vielmehr die Frage im Mittelpunkt, wie sich ein Leben im Umbruch anfühlt.

Mr und Mrs Baldwin wirken dabei stellenweise etwas einfältig gezeichnet, was vermutlich auch dem historischen Kontext des Romans geschuldet ist. Gerade das verleiht ihnen aber eine gewisse Liebenswürdigkeit und lässt die Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr greifbar werden.

Insgesamt ist „Vor uns die Zeit“ ein ruhiger, nachdenklicher Roman über Veränderung, Neubeginn und die Frage, wie man mit neuen Chancen umgeht – leise erzählt und angenehm zu lesen.