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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.02.2026

Scheinbar ziellos

Grüne Welle
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Nach einem Kinobesuch mit der Freundin fährt die Frau los. Eine Umleitung zwingt sie, den gewohnten Weg zu verlassen. Plötzlich findet sie sich auf einer unbekannten Straße. Sie fährt immer weiter und ...

Nach einem Kinobesuch mit der Freundin fährt die Frau los. Eine Umleitung zwingt sie, den gewohnten Weg zu verlassen. Plötzlich findet sie sich auf einer unbekannten Straße. Sie fährt immer weiter und nimmt sich vor, an der nächsten roten Ampel zu wenden.

In "Grüne Welle" beschreibt Esther Schüttpelz wie die Frau scheinbar ziellos durch die Nacht fährt, sich dabei immer weiter von ihrem Mann entfernt und gleichzeitig sich selbst immer näher kommt. Die Figuren bleiben namenlos, ebenso die Orte. Gerade diese Reduktion verleiht dem Roman eine starke Allgemeingültigkeit. Die Frau steht für viele andere Frauen an einem beliebigen Ort - für Frauen, die in einer Beziehung leben, aus der sie sich lösen müssten.

Der Stil ist eindringlich und zugleich distanziert. In der dritten Person erzählt, wirkt der Roman über weite Strecken wie ein inneres Selbstgespräch, das sich während der Fahrt immer weiter verdichtet. Diese konsequent durchgehaltene Perspektive erzeugt eine Sogwirkung, die lange nachhallt.

Mich hat diese stille, konzentrierte Erzählweise sehr beeindruckt. „Grüne Welle“ ist ein dichter Roman über Bewegung, Stillstand und das vorsichtige Ausloten von Möglichkeiten.

Veröffentlicht am 24.02.2026

Leise und nachdenklich

Sunbirds
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„Sunbirds“ von Penelope Slocombe ist ein ruhig erzählter, literarischer Roman über Familie, Verlust und die Suche nach Orientierung. Die Mutter Anne reist gemeinsam mit ihrer Nichte Esther nach Indien, ...

„Sunbirds“ von Penelope Slocombe ist ein ruhig erzählter, literarischer Roman über Familie, Verlust und die Suche nach Orientierung. Die Mutter Anne reist gemeinsam mit ihrer Nichte Esther nach Indien, um ihren verschwundenen Sohn zu suchen – eine Ausgangssituation, die den Roman trägt, ohne dass äußere Spannung im Vordergrund steht.

Der Text setzt stark auf Atmosphäre und innere Entwicklungen statt auf Handlung und entfaltet dabei eine eher leise, nachdenkliche Stimmung. Trotz der sensiblen Themen habe ich keinen ganz unmittelbaren Zugang zur Geschichte gefunden; die zurückhaltende Erzählweise ließ mich emotional etwas auf Distanz, auch wenn die literarische Qualität spürbar ist.

Ein ruhiger, stimmungsvoller Roman, der mich jedoch nicht vollständig erreicht hat.

Veröffentlicht am 24.02.2026

Emotional intensiv

Die Verlorene
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„Die Verlorene“ von Miriam Georg ist ein bewegendes Buch, ein Buch, das mitreißt, aber auch mitnimmt.

Nach dem Tod ihrer Großmutter Änne reist Laura nach Polen, um das Gut ihrer Vorfahren zu finden. Diese ...

„Die Verlorene“ von Miriam Georg ist ein bewegendes Buch, ein Buch, das mitreißt, aber auch mitnimmt.

Nach dem Tod ihrer Großmutter Änne reist Laura nach Polen, um das Gut ihrer Vorfahren zu finden. Diese Rahmenhandlung führt in die Vergangenheit nach Schlesien und in die letzten Kriegsjahre.

Änne ist dabei alles andere als eine leicht zugängliche Identifikationsfigur. Ihr Verhalten wirkt mitunter hart und emotional distanziert. Ob sie ein Produkt der Umstände ist, lässt der Roman offen – gerade diese Uneindeutigkeit verleiht der Figur eine besondere Eindringlichkeit. Dass Laura ihre Großmutter ganz anders kennengelernt hat, verstärkt diesen Kontrast zusätzlich. Zugleich überrascht die Erzählung durch mehrere unerwartete Wendungen.

Die Geschichte entfaltet eine große Authentizität. Nach der Lektüre brauchte ich Zeit, um das Gelesene sacken zu lassen. Der Roman hinterließ eine gewisse Sprachlosigkeit – nicht nur wegen seiner emotionalen Intensität, sondern auch wegen der historischen Wucht, die er entfaltet. Beim Lesen wirkte die Geschichte so glaubhaft, dass ich sie lange als reale Begebenheit wahrgenommen habe. Zu erfahren, dass sie literarisch gestaltet ist, mindert ihre Wirkung nicht, hat für mich aber den Blick darauf verändert und eine leise Irritation hinterlassen. Gerade diese Ambivalenz macht die Lektüre nachhaltig.

Ein intensiver, sehr eindringlicher Roman, der lange nachwirkt.

Veröffentlicht am 20.02.2026

Möglichkeiten und Grenzen

Mit Pflanzen die Welt retten
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Bernhard Kegel geht in „Mit Pflanzen die Welt retten“ der Frage nach, inwieweit Pflanzen der Atmosphäre Kohlendioxid entziehen und so zur Abmilderung der Klimakatastrophe beitragen können.

Dabei vermittelt ...

Bernhard Kegel geht in „Mit Pflanzen die Welt retten“ der Frage nach, inwieweit Pflanzen der Atmosphäre Kohlendioxid entziehen und so zur Abmilderung der Klimakatastrophe beitragen können.

Dabei vermittelt er eine fundierte Grundlage der zugrunde liegenden Mechanismen – von Photosynthese und Kohlenstoffkreisläufen bis hin zur Bedeutung von Wäldern, Böden und anderen pflanzlichen Ökosystemen. Deutlich wird, dass Pflanzen zwar einen wichtigen Beitrag leisten, ihr Potenzial zur CO₂-Bindung jedoch begrenzt ist und nur einen Teil der Emissionen ausgleichen kann.

Die Darstellung ist faktenreich und dicht und richtet sich eher an Leser*innen, die sich vertieft mit naturwissenschaftlichen Zusammenhängen auseinandersetzen möchten. Statt vereinfachter Lösungen bietet das Buch eine sachliche und gut recherchierte Einordnung der Möglichkeiten und Grenzen pflanzlicher Systeme im Klimaschutz.

Insgesamt eine sehr informative Lektüre zu einem hochaktuellen Thema.

Veröffentlicht am 20.02.2026

Verbindung aus Familiengeschichte und gesellschaftspolitischer Relevanz

Die Erbin der Wut
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In „Die Erbin der Wut“ erzählt Heidi Metzmeier von Hanna, einer sehr engagierten Klimaaktivistin der Letzten Generation. Ihre Großmutter Monika lädt Tochter Yvonne und Enkelin Hanna nach Kreta ein. Dort ...

In „Die Erbin der Wut“ erzählt Heidi Metzmeier von Hanna, einer sehr engagierten Klimaaktivistin der Letzten Generation. Ihre Großmutter Monika lädt Tochter Yvonne und Enkelin Hanna nach Kreta ein. Dort entdecken die drei Frauen die Insel jeweils auf ihre eigene Weise und werden zugleich mit einer überraschenden Entwicklung konfrontiert.

Die kurzen Kapitel erzeugen Tempo und verleihen dem Roman von Beginn an Spannung. Metzmeier greift ein hochaktuelles Thema auf und nimmt die öffentliche Debatte um die Letzte Generation in den Blick. Dabei wird auch der politische Vergleich mit der RAF aufgegriffen – allerdings nicht, um ihn zu bestätigen, sondern um seine Fragwürdigkeit offenzulegen. Gerade im Verlauf der Geschichte wird spürbar, wie überzogen und vereinfachend solche Gleichsetzungen sind. Der Roman setzt hier ein deutliches Fragezeichen und regt dazu an, genauer hinzuschauen: auf Formen des Protests, auf gesellschaftliche Verantwortung und auf den Umgang mit der Klimakatastrophe.

„Die Erbin der Wut“ ist eine Geschichte über Beziehungen. Vor allem aber ist der Roman eine kritische Auseinandersetzung mit dem Umgang mit der Klimakatastrophe – seitens der Aktivist*innen, der Politik und der Gesellschaft.

Ein aktueller, kluger Roman, der wichtige Fragen stellt und lange nachwirkt.