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Veröffentlicht am 16.04.2024

Unerwartete Irritation

Wenn der Frost dein Herz berührt
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Bei Brittainy C. Cherry bin ich es langsam gewöhnt, dass ihre Reihen manches Mal leicht zusammenhängend sind, aber manchmal auch so gar nicht und das ist auch völlig okay, wenn ich es ehrlicherweise aber ...

Bei Brittainy C. Cherry bin ich es langsam gewöhnt, dass ihre Reihen manches Mal leicht zusammenhängend sind, aber manchmal auch so gar nicht und das ist auch völlig okay, wenn ich es ehrlicherweise aber schon zu schätzen weiß, wenn sich bei Reihen schöne Verbindungen ergeben. Manches Mal tue ich mich sogar schwer, bei Cherry zu erkennen, warum diese Geschichte von ihr eine Reihe bilden sollen. Das ist bei „Wenn der Frost dein Herz berührt“ nun auch der Fall. Es ist der zweite und auch schon wieder letzte Band der „Coldest Winter“-Reihe und hat mit dem ersten Band keine deutlich sichtbaren Verbindungen, außer vielleicht dass beide Frauen betrogen wurden und davon aus eine neue Liebesgeschichte ausgeht. Aber letztlich ist die Verbindung auch egal, denn ich will ohnehin jedes Buch für sich bewerten.

Da fängt „Wenn der Frost dein Herz berührt“ tatsächlich mit einem Ausrufezeichen an, denn gleich am Anfang ist eine sehr explizite Szene gesetzt, die auch ganz schön lange andauert. Im Grunde fand ich die Szene auch ganz charmant, aber sie gehört zu dem nachfolgenden Inhalt dazu und wenn ich diese beiden Aspekte in einen Zusammenhang bringen möchte, dann wird es schon schwierig. Ich hatte stellenweise tatsächlich das Gefühl, dass ich zwei verschiedene Bücher lese. Der anfangs unbekannte Mann wird uns als echter ‚Mann‘ vorgestellt, ein echter Hengst, wenn man so will. Und dann stellt die nächste Begegnung alles auf den Kopf und wir erfahren, dass der Hengst heißt Milo und ist noch Schüler, wenn auch immerhin volljährig. Ich war dennoch etwas entsetzt, denn auch wenn es ohne Frage auch 19-Jährige gibt, die schon sehr reif aussehen und auch agieren, so gibt es dennoch eigentlich ein Gespür dafür und da habe ich die Beschreibung aus der Nacht nicht nachvollziehen kann. Es war wirklich lange irritierend, zumal ich in Milo dann auch überhaupt nicht mehr den Mann aus der Szene wiedererkennen konnte.

Mir hat die Wandlung von Milo eigentlich gefallen, weil er trauernd, durchaus sehr sensibel und respektvoll gut bei mir ankam. Aber in der Gesamtsicht, wie er am Anfang rüberkam und dann auf einmal, ich habe das nicht überein bekommen. Cherry hätte sich da wirklich viel erspart, wenn sie diese Anfangsszene etwas angepasst hätte. Zumal man auch nicht argumentieren kann, dass Milo sich von Szene 1 zu Szene 2 so schnell wandeln kann, denn auch bei seinem zweiten Auftritt ist er noch grob, aber man merkt dennoch einen jungen, verletzlichen Mann, der seine Mutter zu früh verloren hat. Normalerweise haben Cherrys Bücher vorab auch nicht so ausführliche Klappentexte, weswegen ich sie schon gar nicht mehr lese. Hier hätte ich es tun können, denn es wird ‚vorgewarnt‘ und vielleicht hätte ich die erste Szene dann gleich anders eingeordnet.

Aber wenn ich diesen Widerspruch weitestgehend ausblende, dann ist es ein sehr typischer Roman für Cherry. Das Alter ist eher ungewöhnlich, weil sie sich sonst reifere Figuren vornimmt, aber dann wäre die ganze Geschichte nicht aufgegangen. Dennoch ist im Kern diese Tiefsinnigkeit, das Spiel mit Sprache wieder gut rübergekommen. Starlet ist auch eine sympathische Figur, der ich nicht wirklich vorwerfen kann, sich als 21-jährige Studentin in einen Schüler im letzten Jahr verliebt, das habe ich in der Schule selbst bei anderen erlebt. Dennoch würde ich insgesamt sagen, dass es neben dem Anfang und der ganzen Charakterisierung von Milo auch nicht das beste Werk war. Seine Erkrankung war sicherlich auch ein positiver Aspekt, weil ich das Thema so auch noch nirgendwo hatte und dennoch ist es keine Geschichte, die tiefen Eindruck bei mir hinterlassen hat. Cherry muss inzwischen wirklich härter bei mir für den Wow-Faktor arbeiten, das merke ich immer wieder.

Fazit: „Wenn der Frost dein Herz berührt“ lässt sich als Cherry-Fan natürlich gut wie immer weglesen, aber dennoch habe ich kein Highlight dargeboten bekommen. Den Milo aus der Anfangsszene mit dem späteren zusammenbringen, hat mich ehrlich gesagt die gesamte Lesezeit beschäftigt. Neben dieser Irritation kam dann leider auch nichts rüber, was mich nachhaltig bewegt hat. Gute Lektüre, aber für diese spezielle Autorin nicht der große Wurf.

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Veröffentlicht am 15.04.2024

Relevant wie gewohnt

Dreams of Sapphire Seas
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Ich wiederhole mich in Bezug auf Anabelle Stehl inzwischen ein wenig, so zumindest mein Gefühl. Aber ich empfinde sie als Autorin, die ich für wichtige Themen so extrem zu schätzen weiß, dass ich ihr wahrscheinlich ...

Ich wiederhole mich in Bezug auf Anabelle Stehl inzwischen ein wenig, so zumindest mein Gefühl. Aber ich empfinde sie als Autorin, die ich für wichtige Themen so extrem zu schätzen weiß, dass ich ihr wahrscheinlich alles anvertrauen würde und wüsste, sie geht damit sensibel um und macht etwas daraus, dass den Menschen auf Dauer helfen wird. Ihre Liebesgeschichten sind dagegen eher austauschbar. Ich sehe die Protagonisten jeweils lieber individuell wachsen als dass ich wirklich gemeinsam für sie mitfiebere und „Dreams of Sapphire Seas“ und damit der zweite Teil der Irland-Reihe passt wieder ideal auf diese Beschreibung.

Ich habe mich über die Rückkehr nach Irland sehr gefreut. Auch wenn Band 1, was sich mehr mit dem irischen Erbe und der Sprache beschäftigt hat, mir noch mehr gelegen hat, aber auch diesmal kam viel von Irland rüber, diesmal war es mehr das städtische Umfeld und an der Wohnungsnot wurde ein sehr akutes Thema des Landes aufgegriffen. Aber die Liebe für das Land und die Leute kam wieder sehr schön rüber. Ich fand auch die generelle Themenwahl, die speziell an der Situation von Obdachlosen beleuchtet wurde, sehr clever. Denn durch Social Media sind wir gefühlt noch viel mehr in das gesellschaftspolitische Leben eingebunden und es gibt viele Fake News, es gibt Verschwörungstheorien mit leidenschaftlichen Anhängern und so gruselig diese Aspekte sind, so sehr ist es gleichzeitig doch auch positiv, dass wir alle mehr geschult werden, uns zu positionieren, uns zu engagieren und uns einfach Gedanken zu machen, warum es uns alle angeht. An Serena wurde diese Problematik sehr schön dargestellt. Denn ich habe gut verstanden, warum sie sich in die Situation der Obdachlosen so hineingedacht hat und auch für sie kämpfen wollte. Da war die Politik als Gegner schnell ausgemacht. Doch das ist auch zu einfach, weil eben nicht alles so schwarz-weiß ist, wie es oft ankommt.

Deswegen habe ich mich an Serena als Figur auch etwas abgearbeitet. Ich fand sie grundsätzlich sehr sympathisch und mit ihrer empathischen Art, sich schnell schuldig zu fühlen, obwohl es keinen Sinn ergibt, konnte ich mich sehr gut identifizieren. Aber spätestens im letzten Drittel war es leider etwas in eine Richtung, wo sie sich extrem verlaufen hat. Wie sie speziell den Bürgermeister als Feindbild auserkoren hat, das war etwas erschreckend, zumal sie dadurch auch Seiten entwickelt hat, wo sie sehr verurteilend agiert hat. Aedan dagegen war ein wirklich durch die Bank sympathischer Protagonist. Auch wenn sein Schweigen natürlich nicht ideal war, aber ich habe seine Fehler in diesem Buch wesentlich besser passend zum Charakter empfunden, auch weil es gezeigt hat, wie wichtig Serena ihm früh schon war. Er war im Grunde auch genau die Balance zwischen Hinterfragen, Kritisieren und Unterstützen, die ich wichtig finde und das fand ich dann als Ausgleich zu Serena gut platziert.

Und auch wenn ich anfangs was zu Liebespaaren sagte, die für mich nicht der Hauptgrund sind, um Stehls Bücher zu lesen, so finde ich hier aber dennoch, dass Serena und Aedan für mich eines der Paare waren, wo es mir leichter fiel, die Gefühle nachzuempfinden, auch wenn wie gesagt Aedan da einen größeren Anteil hat. Aber man hat die Gefühle stets gemerkt, wie sie das in ihren Entscheidungen angetrieben hat und wie es ihnen ging, als so viel zwischen ihnen stand. In dem Sinne habe ich dem Paar am Ende sein Glück sehr gegönnt. Aber dennoch war das Soziale für mich der stärkere Part, dazu der vorsichtige Einblick in die Politik. Man muss der Politik gegenüber skeptisch sein, weil es im Hintergrund so viel Lobby gibt, aber man muss auch darauf vertrauen, dass es ohne gar nicht weitergeht. Da hat das Buch wirklich hervorragende Arbeit geleistet, das zu illustrieren. Deswegen bin ich auch sehr gespannt, was Anabelle Stehl danach jetzt Neues auf die Beine stellen wird.

Fazit: „Dreams of Sapphire Seas“ ist für mich schon wieder ein sehr typisches Buch von Anabelle Stehl. Gesellschaftlich sehr relevant und wichtig und damit vor allem im New Adult-Bereich herausstechend. Dazu gibt es hier eine der stärkeren Liebesgeschichten, wenn ich mich an Serena auch ein wenig abarbeiten musste. Aber auch wieder ein toller Einbezug von Irland.

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Veröffentlicht am 08.04.2024

Nur einseitig sehr interessant

The Idea of You
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Ab dem 2. Mai 2024 ist auf Prime Video die Filmadaption zu „The Idea of You“ nach Robinne Lee zu streamen und das ist Grund genug, das Buch nun auch mal zu lesen, der 2017 nach seiner Erscheinung ehrlich ...

Ab dem 2. Mai 2024 ist auf Prime Video die Filmadaption zu „The Idea of You“ nach Robinne Lee zu streamen und das ist Grund genug, das Buch nun auch mal zu lesen, der 2017 nach seiner Erscheinung ehrlich gesagt völlig an mir vorbeigegangen ist, was sich vielleicht auch davon erklären lässt, dass der Roman erst jetzt auch auf den deutschen Buchmarkt geholt wurde. Ich hatte im englischsprachigen Raum aber auch so schon einen gewissen Hype mitbekommen, was ganz sicherlich am Cast (mit Anne Hathaway und dem aufstrebenden Nicholas Galitzine) und an der Thematik des Altersunterschieds mitsamt Boyband liegt. Also überzeuge ich mich mal, was das Buch zunächst zu bieten hat.

Die Thematik des großen Altersunterschieds (immerhin 20 zu 40 und damit genau das Doppelte) fand ich eigentlich das spannendste, denn wenn man ansonsten bei Liebesromanen oder noch spezieller noch bei New Adult unterwegs ist, dann ist es nicht ungewöhnlich, dass der Protagonist oder auch in selteneren Fällen die Protagonisten bekannte Figuren sind. Meist sind es Rockstars (oder nennen wir es etwas unspezifischer Musiker), aber auch Schauspieler sind immer wieder gerne gefragt. Dementsprechend ist der riesige Altersunterschied sicherlich der Aspekt, der „The Idea of You“ für mich rausstechen lässt. Ich persönlich bin bei dem Thema bewusst zurückhaltend in Urteilen, zumal man es nicht über einen Kamm scheren kann. Denn ab wann ist es ein Altersunterschied? Ab wann ist es vielleicht Vater-/Mutterkomplex? Ab wann ist es klar Missbrauch und wann ist es einfach Seelenverwandtschaft? Denn so wie ich an Liebe über Ethnien und Geschlechter hinweg glaube, so ist dann ganz sicher nicht das Alter der Faktor, der alles zum Erliegen bringt. Zumal es im Buch auch gut angesprochen wird, dass es häufiger für viele zum Problem wird, wenn die Frau älter ist, während es bei älterem Mann und jüngerer Frau schneller normal ist. Natürlich waren im Buch viele Stellen zu entdecken, wo man die unterschiedliche Reife von Solène und Hayes sehr deutlich merken konnte.

Aber vielleicht setze ich mal etwas früher an. Das Buch ist ausschließlich aus Solènes Sicht erzählt. Das passiert durchaus häufiger in Büchern, gerade wenn es auch von einer Autorin ist, die sich dann mit der weiblichen Perspektive leichter tut. Ich bin inzwischen ganz eindeutig mehr Fan von der Gleichberechtigung, weil es mir hilft, bei beiden Figuren mitzufühlen und so auch tiefer in ihre Liebesgeschichte einzutauchen. Dementsprechend hat Hayes hier schon schlechtere Karten. Auch wenn es nicht grundsätzlich ein Problem ist, aber hier war es eins, dass ich Hayes nicht in den Kopf gucken konnte. Ich habe mich daher beim Lesen so oft bei dem Gedanken erwischt, dass ich ihn manches Mal richtig gewandt, gebildet, aufmerksam und anpassungsfähig empfand. Das war dann vor allem auch alles, was mit Solènes Kunst und entsprechenden Kontakten zu tun hatten, aber dann wiederum war er manchmal so kindisch und wirklich wie ein kleines Baby, das immer gewiegt werden muss, in Sicherheit. Deswegen war es auch immer ein Hin und Her im Empfinden der ganzen Liebesgeschichte. Es gibt viele explizite Szenen, da dann an Hayes als Kind zu denken, das wäre fatal, aber so war es auch nicht. Aber dennoch hätte das Ungleichgewicht manchmal nicht größer sein können und dann war ich auch bei toxischen Gedanken in Bezug auf diese Beziehung.

Aufgrund dieses Aspekts wird es im Film sicherlich spannend werden, wie das rüberkommt, denn dort werden die Perspektiven etwas anders verteilt wirken. Aber hier im Buch ist es Solènes Geschichte und wenn die Autorin entsprechend eigene Fantasien in Bezug auf einen Musiker hat, dann verstehe ich auch, dass sie vor allem ihre eigene Perspektive da versucht hat auszuleben. Zumal es da auch genug interessante Ausgangspunkte gab. Wie reagiert das Umfeld? Wie es für die Tochter, die typisch schwärmerisch auf ihr Idol steht? Wie ist es für Solène, wenn es publik wird? gibt es Zukunftsplanungen oder nur im Moment leben? Es gab da doch vieles, was ich sehr spannend fand. Man hat an Solènes Gedanken auch gemerkt, wie inkonsequent sie da war, denn es gibt keine Schablone für dieses Leben. Sie hat aber eigene Erfahrungen schon gemacht, sie hat eine wichtige Lektion in Bezug auf persönliches Glück gelernt, sie kann anders entscheiden als noch als 20-Jährige. Aber mir hätte das Buch ganz sicherlich besser gefallen, wenn Hayes seine Perspektive bekommen hätte. Denn so war der Buchtitel auch Programm und ich habe manches Mal auch gedacht, dass Solène aus einem Traum erwacht. Dem war nicht so, weswegen das Ende auf eine Art auch sehr abrupt wirkte. In der Konsequenz bin ich wohl ganz dabei, aber es ist schon ein echtes Ausrufezeichen.

Fazit: „The Idea of You“ hat mir aufgrund des ungewöhnlichen Aspekts des Altersunterschieds durchaus gefallen. Da Solènes Perspektive so intensiv beleuchtet wird, wurden da auch viele Seiten interessant betrachtet. Aber mir fehlte Hayes' Perspektive, um mehr mitleiden zu können. So wirkte er mal erwachsen, mal sehr kindisch und er war bis zum Ende nicht richtig greifbar. Ja, weil er vielleicht nur die Idee einer echten Person ist. Ich bin jedenfalls froh, es gelesen zu haben, denn es ist anders, auch mit dem gewählten Ende, aber die ideale Lektüre ist es nicht.

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Veröffentlicht am 03.04.2024

Konnte Rollenbilder nicht wegdrücken

An Optimist's Guide to Heartbreak
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Das Cover von „An Optimist's Guide to Heartbreak” konnte einem schon wegen des Covers nicht entgegen. Starke und auffallende Farben, aber auch die Zusammenführung der beiden Titel dieser Dilogie haben ...

Das Cover von „An Optimist's Guide to Heartbreak” konnte einem schon wegen des Covers nicht entgegen. Starke und auffallende Farben, aber auch die Zusammenführung der beiden Titel dieser Dilogie haben mich sofort angesprochen, weil ich da an den klassischen Widerspruch denken musste, dass Gegensätze sich anziehen, aber gleich und gleich sich auch gerne zueinander gesellt. Daher wollte ich unbedingt mal reinlesen, um zu sehen, was die für mich unbekannte Jennifer Hartmann zu bieten hat.

Ich musste tatsächlich bei „An Optimist's Guide to Heartbreak” eher an die früheren Romane denken, die ich im New Adult-Genre gelesen habe. Ob das nun ein Kompliment oder doch eher Kritikpunkt ist, da bin ich sehr unschlüssig, denn das Buch hat mich an die guten und schlechten Seiten von damals erinnert. Das Schlechte sind wohl die Geschlechterrollen. Zwar spricht es Cal über sich an einer Stelle selbst kritisch an, aber dennoch war er einfach so eine Figur, die ich stellenweise als sehr unangenehm empfand. Seine Übergriffigkeit, seine Eifersucht, die gepaart auch Lucy oft in peinliche Bedrängung gebracht hat, und dazu seine Launenhaftigkeit, grr, es war stellenweise echt schwierig. Und das hat mich insofern auch gestört, weil die Andeutungen zu Cal aus der Kindheit ein anderes Bild zeichnen. Da mag er zwar noch nicht der hormongesteuerte Jugendliche und darüber hinaus gewesen sein, aber er wirkte da sehr offen, sehr verständig und angemessen beschützend. Auch in der Gegenwart hat er seine Momente, aber es ging oft so hin und her mit den Launen, dass die schönen und niedlichen Erlebnisse gleich wieder niedergemäht wurden.

Aber auch Lucy kann ich nicht ganz ohne Kritik lassen. Sie hat mir eindeutig besser gefallen, auch wenn ich keine Optimistin bin, aber da lässt man sich doch gerne mitreißen. Dementsprechend fad ich es schade, dass Lucy oft einfach Worte in den Mund gelegt wurden, um sie in peinliche Situationen zu bringen. Ich kenne auch genug Menschen, die erst reden und dann denken, das ist alles in Ordnung, aber es war gefühlt ständig, dass sie schlüpfrige Dinge sagte. Natürlich braucht es auch immer jemanden, der die Doppeldeutigkeit auch wahrnimmt, aber Lucys Sätze haben oft auch gar keinen Interpretationsspielraum gelassen. Ich fand sie auch in einigen Aspekten nicht konsequent gestaltet. Vieles kann ich aus ihrer Lebensgeschichte heraus verstehen, aber anderes hat dazu auch überhaupt nicht gepasst. Sinnbildlich können immer zwei Herzen in einer Brust schlagen, aber spätestens wenn sie sich dann versucht hat herauszureden, da war es mit dem Verständnis dann wieder schwierig. Dennoch muss man auch sagen, dass so Geschichten, schon im Kindesalter verknallt und als Erwachsene wieder zusammenkommend immer irgendwie funktionieren. Also auch wenn ich mich über genug Aspekte geärgert habe, so stimmte die Chemie zwischen den Figuren.

Ob nun unbedingt eine Dilogie nötig gewesen wäre, abgesehen von dem tollen Wortspiel der Titel? Wohl eher nicht. Dieser erste Band ist schon recht knapp, wenn man andere Bücher aus dem Genre liest. Dazu hätte man den Inhalt etwas stucken können und sich vor allem Cals Launen etwas reduzierter geben können, dann hätten Band 1 und 2 sicherlich gut zwischen einen Buchdeckel gepasst. Ich weiß natürlich noch nicht, wie es ausgehen wird, aber es ist bereits jetzt klar zu erahnen. Diese Geschichten kommen anderen Zielgruppen besser entgegen, die auch gerne mehrere Achterbahnrunden mitleiden, aber für mich ist das einfach etwas zu viel. Ich brauche mehr tiefgründigeres Drama, um das wirklich alles mit durchzustehen.

Fazit: „An Optimist's Guide to Heartbreak” ist keine schlechte Lektüre, keinesfalls, aber sie hat eindeutig auch genug Stellen, die für mich bedenklich sind und das liegt vor allem an der männlichen Rolle Cal. Früher habe ich solche Bücher mit solchen Figuren kritikloser gelesen. Aber ich wusste vorher nicht, was ich bekommen werde. Dementsprechend gut und schnell wegzulesen, aber es ist eindeutig ein Buch, wo jeder ganz individuell entscheiden muss, wie die Darstellung von Liebesgeschichten gewünscht ist und welches Rollenbild sich dahinter verbergen muss. Für mich war es nicht ideal.

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Veröffentlicht am 02.04.2024

Guter Mix aus Themen und Intensität

Infinity Falling - Change My Mind
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Sarah Sprinz ist eine Autorin, die ein gutes Gespür für Trends hat. Ihre erste Reihe war eine typische College-Reihe, die zweite spielte an einem Internat, was sich auch als sehr beliebt erwiesen hat und ...

Sarah Sprinz ist eine Autorin, die ein gutes Gespür für Trends hat. Ihre erste Reihe war eine typische College-Reihe, die zweite spielte an einem Internat, was sich auch als sehr beliebt erwiesen hat und nun taucht sie in die Welt von Film und Fernsehen ein mit der „Infinity Falling“-Reihe. Diese ist quasi für mich eine zweite Heimat, weil ich Fernsehserien sehr liebe und mich auch hinter den Kulissen mit den Geschichten auseinandersetze. Daher fand ich schon im ersten Band, dass Sprinz rund um Aven und Hayes eine Geschichte gestrickt hat, die sehr authentisch wirkte, vor allem auch im Hinblick auf das Argument, dass diese Welt nicht nur rosarote Seiten hat.

Schon im ersten Band war auffällig, dass Sprinz die Reihe auch nimmt, um sich Themen anzunehmen, die wir oft aus der Sicht von Frauen erzählt bekommen. Aber nicht, weil die Autoren lazy wären, sondern weil es oft auch um statistische Werte geht. Das war die Essstörung im ersten Band, hier ist es der Missbrauch, der aus der Sicht des Mannes näher ergründet wird. Ich vermute fast, dass es auch in Band 3 noch fortgesetzt wird und finde die Idee wirklich weiter löblich, auch weil ich ähnlich wie bei der Geschichte von Hayes auch bei Ruben hier den Eindruck hatte, dass die Geschichte gut durchdacht ist. Ruben mag schon in keiner Akutphase mehr gewesen sein, aber man erlebt in der Therapie und einige Muster kommen durchaus immer wieder hoch. Mentale Gesundheit geht definitiv auch die Männer an und deswegen hatte ich den Eindruck, dass Ruben da die richtige Einstellung hat und dementsprechend kam es auch rüber. Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich im Vorfeld dachte, dass Holly mir von der Persönlichkeit her aus dem Duo besser gefallen würde, weil ihre Beziehung zu Aven intensiver dargestellt worden ist und ich schon ein besseres Gefühl für sie hatte. Aber im Leseprozess von Band 2 hat sich das doch sehr gewandelt, denn Ruben hatte mich schnell am Haken, auch weil seine Geschichte nicht künstlich im Dunklen gelassen wurde, sondern es war schnell erkennbar, was los ist und ich habe ihn sofort ganz anders wahrgenommen und er hatte schnell mein Herz.

Holly dagegen war eine Nummer für sich. Ich muss generell sagen, dass immer dieses Hin- und Hergereise und immer erreichbar sein, selbst bei mir als Leserin eine gewisse Portion von innerer Unruhe erzeugt hat. Aber Hollys Art, die auch mit Kontrolle und extremer Verantwortlichkeit gepaart wurde, hat dem Ganzen noch einmal etwas aufgesetzt. Denn Ruben kam für mich so nicht rüber, er war deutlich entspannter und auch generell empathischer, auch wenn der Ruf genau andersherum war. Ich mochte die Geschichte der beiden, das soll nun nicht falsch rüberkommen, aber ich war doch überrascht, wie genervt ich manches Mal von Holly war, auch wenn sie in sich eine nachvollziehbare Figur ist. Durch Avens Perspektive wirkte sie viel erwachsener und kontrollierter, aber in ihrem Kopf wurde deutlich, wie sehr das alles eigentlich eine Fassade ist. Aber das Miteinander der beiden war dennoch angemessen und mitreißend gestaltet. Die Chemie ist rübergekommen, auch wenn sie sich anfangs mehr gefetzt haben, aber es wurde auch schnell deutlich, dass Holly das die allermeiste Zeit aufrechterhalten hat. Aber auch sie ist nicht einfach nur eine Frauenfigur, sondern an ihr wird auch gezeigt, wie schwer es Frauen in der Industrie haben können. Das hat sicherlich auch zu ihrer Wirkung beigetragen, weil sie auch immer geahnt hat, was die Beziehung zu Ruben für sie abseits des Emotionalen haben könnte.

Die beiden Figuren haben viele schöne, kleine Momente geschenkt bekommen und ich fand auch, dass es am Miteinander wirklich schön gezeigt wurde, wie eine gesunde Beziehung aussieht. Denn auch wenn zwischen ihnen stellenweise so viel stand, aber wenn sie sich aufeinander eingelassen haben, sie haben einander immer entspannt und sie konnten mehr einander selbst sein. Das hat mir als Gefühl sehr gut verstanden. Rubens Geschichte fühlt sich am Ende runder an als die von Holly, aber ich könnte mir vorstellen, dass die bislang vier Charaktere im Fokus auch im dritten und finalen Band noch ihre Wirkung haben werden. Die Geschichte von Hayes beispielsweise ging hier nahtlos weiter, was ich auch noch unbedingt lobend erwähnen will, weil es zeigt, dass er nicht einfach wundergeheilt wurde. Mentale Gesundheit ist kein An- und Ausknipsen und authentischer kann man es nicht aufzeigen.

Fazit: Auch Band 2 aus der „Infinity Falling“-Reihe nach Sarah Sprinz hat mich insgesamt überzeugen können. Die Reihe hat es sich offenbar auf die Fahne geschrieben, sensible Themen mal aus der Männerperspektive zu erzählen. Das klappt für Ruben super, hatte aber ein wenig zur Folge, dass Holly im Gegensatz zu ihm nicht so gut wegkam, deswegen reicht es für mich nicht zur absoluten Begeisterung. Aber insgesamt eine wieder toll ausgearbeitete Geschichte mit vielen Highlights.

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