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Veröffentlicht am 08.09.2025

Isoliert auf der Insel und dadurch intensiv

Lessons in Falling
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Es gibt manche Reihen im New Adult-Genre, die ziehen sich etwas, entweder gefühlt oder rein faktisch von den Veröffentlichungsdaten her. Dann gibt es aber auch die Reihen, die sind so schnell vorbei, dass ...

Es gibt manche Reihen im New Adult-Genre, die ziehen sich etwas, entweder gefühlt oder rein faktisch von den Veröffentlichungsdaten her. Dann gibt es aber auch die Reihen, die sind so schnell vorbei, dass man nur kurz blinzeln konnte. Da gehört für mich die College-Reihe von Selina Mae zu, die mit „Lessons in Falling“ ihren Abschluss findet.

Caden und Valentina habe ich beide in den beiden Bänden zuvor als nicht so dominant empfunden, dementsprechend muss ich sagen, dass sich dieser finale Band wie ein Standalone-Roman anfühlte. Das wurde auch nochmal dadurch verstärkt, dass wir nicht an der Hall Beck-Universität sind (schon mutig, vor allem wenn der Untertitel so klar Bezug darauf nimmt), sondern im Sommerurlaub auf einer Insel. Auch wenn Caden und Valentina nicht die einzigen sind, die wir haben, aber es wirkt deutlich isolierter, auch wegen des zeitlichen Faktors, weil wir nur die wenigen Monate haben. Schlecht fand ich das keinesfalls, denn da ich es jetzt am Ende des Sommers gelesen habe, konnte ich die Stimmung davon gut aufsaugen. Zudem ist so eine abgeschiedene Erzählung automatisch intensiv, denn ich muss sagen, dass an Charakterarbeit sehr viel für beide getan wurde und es gab auch viele intensive Gespräche. Aber es hat natürlich auch automatisch eine Hypothek dabei, denn in so einem klar begrenzten Setting kann man sich nicht so sehr ausprobieren oder auf andere Figuren entfalten. Caden und Valentina sind in diesem Sommer völlig abgeschieden von weiteren Freunden und Familie. Dabei gab es Themen, die sie sehr betrifft und da hätte ich mir etwas mehr Verbindungen gewünscht, die man auch sieht. Aber das sind einfach gewisse Konsequenzen, wenn man sich für eine Erzählart entscheidet. Mae hat immerhin am Ende auch einen Zeitsprung, der fängt etwas auf.

Ich habe im Grunde alle drei Bücher von Selina Mae gerne gelesen, aber sie hat auch etwas, womit sie mich immer irritiert. Während ihr beispielsweise die Chemie zwischen Caden und Valentina großartig gelungen ist (damit wohl meine Lieblinge), so finde ich gewisse inhaltliche Rahmen etwas seltsam und da gehört vor allem der Grund dazu, warum die beiden aus sich ein Geheimnis machen. Das Leben bietet so viele Hürden und Stolperfallen, größere und kleinere und da finde ich es für eine Autorin schade, wenn man die eigene Idee auf einer solchen Banalität aufbaut. Zumal es am Ende auch innerhalb der Handlung ad absurdum geführt wird. Insgesamt fand ich die Idee einfach nicht natürlich, sondern total übertrieben und das hat einen Teil der Stimmung gekippt. Ansonsten fand ich aber, dass es sehr konsequent dargestellt war, wer die beiden als Menschen sind. Beide sind im Grunde Kümmerer, die sich an Versprechen gebunden sehen, die Verantwortung übernehmen, aber dabei ein Teil von sich selbst hinter dem Berg halten. Es war auch einfach schön, dass sie ehrlich miteinander reden konnten. Natürlich gab es auch Missverständnisse, das gehört wohl einfach dazu, aber beide haben früh Verletzlichkeit miteinander geteilt.

Die Freundesclique ist auch eine gute Idee gewesen. Zwar wäre es sicherlich möglich gewesen, mehr Freundschaftsmomente zwischen die Paarung zu erzählen, aber ich habe die entsprechende Stimmung dennoch aufnehmen können. Es hatte etwas sehr Heimisches, Familiäres. Insgesamt ließ es sich wirklich gut weglesen.

Fazit: Angesichts des Marketings für die Reihe ist dieser isolierte Auslug auf die Insel sicherlich mutig, aber mir hat es gefallen, weil es so noch perfekt in die Jahreszeit passte. Die Liebesgeschichte zwischen Valentina und Caden war prickelnd und anziehend gestaltet, aber die Ausgestaltung des Dramas war doch sehr übertrieben. Insgesamt aber eine Reihe, die mir gefallen hat. Ich bin gespannt, was Selina Mae nun als nächstes macht.

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Veröffentlicht am 02.09.2025

Flüssig zu lesen, aber auch genug Kritikpunkte

The Game Changer – Die Liebe ist ein süßes Spiel
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Lana Ferguson ist auf dem deutschen Buchmarkt noch relativ unbekannt, aber inzwischen hat der Aufbau Verlag schon zwei Werke von ihr übersetzen und veröffentlichen lassen. „The Game Changer“ ist mir dabei ...

Lana Ferguson ist auf dem deutschen Buchmarkt noch relativ unbekannt, aber inzwischen hat der Aufbau Verlag schon zwei Werke von ihr übersetzen und veröffentlichen lassen. „The Game Changer“ ist mir dabei ins Auge gefallen. Auch wenn ich Sports Romance eigentlich immer lesen kann, aber gerade im Sommer passt es doch noch besser und deswegen habe ich zugegriffen.

Mir hat es gefallen, dass es eine erwachsene Geschichte ist. Delilah und Ian stehen beide mitten im Leben und haben schon einiges hinter sich. Zudem haben sie sich beide erfolgreiche Karrieren aufgebaut. Sie kennen sich seit ihrer Kindheit, haben sich aber ewig schon nicht mehr gesehen. Die Geschichte wird mit dem Fake Dating-Trope aufgezogen, was eher etwas unnütz war, denn ich mag den Trope eigentlich nur, wenn er sich wirklich aufbaut, aber hier war es für beide Figuren schnell mehr. Für Lila, weil sie immer schon verknallt war und für Ian, weil er direkt sieht, dass aus dem Mädchen von einst eine richtige Frau geworden ist. Hier war Fake also wirklich nicht lange ein Thema, weil für alle, außer den Bruder, schnell klar war, dass da was in der Luft liegt. Ich mochte die Chemie zwischen den Figuren auch, weil sowohl die alte Sehnsucht, die sich endlich ausleben darf, und von ihm das abrupte Heftige gut gepasst hat.

Insgesamt würde ich auch sagen, dass man „The Game Changer“ gut lesen kann. Der Schreibstil lässt sich flott lesen und die Figuren haben einfach etwas, was auch Humor zulässt, sodass man viele Szenen gerne verfolgt. Dennoch glaube ich nicht, dass Ferguson für mich eine Autorin ist, die ich weiterhin verfolgen werde. Da lohnt sich vielleicht ein Vergleich zu Elsie Silver. Bei ihr habe ich lange gehadert, weil ich ihre Art der expliziten Szenen nicht völlig mag. Aber sie baut drum herum sehr intensive Geschichten auf, die das ausgleichen. Aber „The Game Changer“ hat mir zu wenig angeboten. Lilas Backshow geht irgendwann völlig verloren. Dabei fand ich diese Diskrepanz aus Sport und Backen richtig toll und hätte mir da eine ganz andere Geschichte vorstellen können. Stattdessen gab es zwei kleine Szenen, in denen Ian in der Show zu Gast ist und fertig. Irgendwann geht es gefühlt nur noch um Ian und das fand ich einfach nicht richtig im Gleichgewicht. Lila und ihr Bruder hatten selbst einen harten Schicksalsschlag, aber der spielt keine Rolle. Lila hat nur die Aufgabe, in Ian bedingungsloses Vertrauen zu haben und alles für ihn zu tun. Jetzt kann man umgekehrt nicht behaupten, dass Ian das einfordert. Denn er macht sich umgekehrt genauso Gedanken um Lilas Wohlempfinden. Doch ich fand die Botschaft etwas seltsam.

Dann wäre wir auch bei den expliziten Szenen bzw. auch bei dem, was darauf hingearbeitet hat. Ich fand die Wahl von ein- und demselben Schimpfwort extrem seltsam und habe auch nicht nachvollziehen können, warum das so wiederholt genutzt wurde, auch weil es für mich Dialoge aufgebrochen hat. Die Szenen selbst waren dann echt sehr ähnlich zu denen von Silver. Ich kann es lesen, keine Frage, aber in der Gesamtsicht sage ich dann, das ist der letzte Punkt, dass es für mich vielleicht nicht die passende Autorin ist. Denn es kommt auch hinzu, dass ich das Drama der ganzen Handlung künstlich erzeugt fand. Das Geheimnis von Ian und der Familie meine ich noch nicht mal, aber die ganze Art, wie der Einfluss von Social Media dargestellt wurde und wie Ian als vermeintlicher Ehebrecher gebrandmarkt wurde. Seltsam. Es steht außer Frage, dass es öffentliche Bereiche gibt, in denen alles seziert wird, aber umgekehrt wissen wir auch, dass der Mann sich wesentlich mehr erlauben darf als die Frau und selbst wenn es erstmal Kritik gibt, ist die schnell verschwunden, weil er die Erfolge als Eishockeyspieler noch bringt. Das fand ich also nicht realistisch, auch weil sich dadurch Lilas Produktionsteam ebenfalls Gedanken gemacht hat.

Fazit: „The Game Changer“ ließ sich schnell weglesen und Lana Ferguson hat auch ein Händchen für liebenswerte Charaktere, was auch für die kleineren Rollen gilt. Aber es ist nichts, was mich in dem Genre richtig umhaut. Dafür war zu viel künstlich erzeugt, es war zu einseitig, weil alles bei Ian aufgeladen wurde. Dazu ist die Art der Intimität nicht meins. Da kommt viel zusammen, dass ich das Fazit ziehen würde, für andere ist Ferguson sicherlich genau richtig, für mich leider nicht.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Für Dani Atkins zu banal

Versprich mir, dass du tanzt
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Immer wenn etwas Neues von Dani Atkins angekündigt wird, bin ich auf jeden Fall dabei. Ich finde, dass es extrem schwierig ist, die Autorin und ihren Stil zu beschreiben. Aber ich weiß definitiv, dass ...

Immer wenn etwas Neues von Dani Atkins angekündigt wird, bin ich auf jeden Fall dabei. Ich finde, dass es extrem schwierig ist, die Autorin und ihren Stil zu beschreiben. Aber ich weiß definitiv, dass ich in ihrer Stilistik nie nach anderen suche, die ähnlich schreibe. Da verlasse ich mich ganz auf Atkins und mit welcher Thematik sich mich als nächstes überraschen wird.

„Versprich mir, dass du tanzt“ ist nun das neuste Werk von Atkins und ich wurde überrascht, aber leider eher negativ. Insgesamt lässt sich meine Kritik dadurch zusammenfassen, dass ich das gewählte Thema zu harmlos und zu banal fand. Dazu habe ich beide Liebesgeschichten nicht restlos fühlen können. So hatte ich zwar ein Buch, das ich wie üblich sehr schnell weglesen konnte, aber es hat mich nicht so emotional gepackt, wie ich das schon oft genug bei ihr als Autorin erlebt habe. Aber mir ist klar, dass das auch was mit Erwartungen zu tun hat und genug Bücher zu kennen, sodass ich unweigerlich vergleiche. Ohne Vergleich und ohne Erwartungen ist „Versprich mir, dass du tanzt“ sicherlich für viele ein Highlight.

Wir fangen schon sehr extrem traurig mit der Geschichte an. Das war auch noch der Punkt, bei dem ich voll drin war. Auch wenn es erst schwer war, sich zu orientieren, aber es hat natürlich ordentlich zugeschlagen, dass wir eine intensive Liebesgeschichte enden sehen, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Der Ausschlag für den Rest ist dann Adams Bitte an Lily, dass sie für ihn wieder mit ihrem ehemals besten Freund Josh aufnehmen soll. Die eine Liebe verloren, aber vielleicht Versöhnung und Zukunft mit der anderen? Das ist so grob das Thema des Buchs. Das reicht mir oft genug auch und gerade wenn ich an Cecelia Ahern etc. denke, dann waren das stets schon die Handlungen, die anziehen. Traurige Liebesgeschichten, die aber Hoffnung für etwas Neues ausstrahlen. Aber ich habe einfach die ganze Zeit auf den besonderen Kniff gewartet. Atkins ist keinesfalls eine Fantasy-Autorin, aber sie ist spirituell und hat dementsprechend schon oft übernatürliche Konzepte eingearbeitet. Und irgendetwas in dieser Richtung hätte ich mir für die Handlung gewünscht.

Es kam aber nicht und so hätte ich die Handlung anspruchsvoller und ausgearbeiteter gebraucht. Lily ist unsere Protagonistin, die uns durch alle Zeitebenen leitet. Sie ist für mich dementsprechend als Einzelperson ausgearbeitet und ich habe sie gut verstanden. Doch beide Männer waren mir einfach zu wenig. Da wir Adam schon zu Beginn verlieren, ist es natürlich komplex, aber es gab Rückblenden und da wäre es sicherlich möglich gewesen, ihn als Menschen auszubauen. Ich mochte die erste Begegnung von ihm und Lily sehr und ich habe verstanden, warum er sie nach dem ganzen Herzschmerz durch Josh so mitgerissen hat. Aber ich hätte dennoch gerne mehr über ihn erfahren. Er wirkte auch völlig familienlos, als sei er ein einzelner Mensch ohne Geschichte gewesen. Josh ist ausgearbeiteter, das auf jeden Fall. Aber dennoch habe ich ihn einfach nicht richtig zu packen bekommen. Der jugendliche Josh mit seiner komplizierten Geschichte, der durch die neuen Pflegeeltern und durch Lily Konstanz und Wärme kennenlernt, da war alles fein. Aber wer ist der spätere Josh? Der junge Erwachsene, der, der Lily auf einmal nachjagt, aber dann auch der Einsiedler?

Dadurch, dass beide Männer für mich unter Wert verkauft wurden, habe ich auch bei beiden Liebesgeschichten kein Gefühl empfunden, das einfach durch mit strömt. Ich konnte mich an einigen Stellen erfreuen, weil sie dann zu Herz gehen, aber mehr sprachlich als wirklich menschlich. Was mir zwischendurch aber richtig gut gefallen hat, das war ein kleines Intermezzo zu Mutterschaft, auch ohne Mann an der Seite. Da waren sehr schöne Gedanken festgehalten und auch alles rund um Lilys Kollegin/Freundin war an der Stelle ideal ergänzt. Das hat mir gezeigt, dass es kein großes Tamtam braucht, sondern einfach etwas, was das Herz berührt. Die generelle Thematik war zu gewollt, aber in Kleinigkeiten konnte man definitiv etwas für sich mitnehmen. Aber ich hoffe doch sehr, dass mich Atkins mit dem nächsten Buch wieder mehr mitreißt.

Fazit: „Versprich mir, dass du tanzt“ ist im Vergleich zu anderen Dani Atkins-Werken als eher schwach zu bezeichnen. Ich fand die Themenwahl recht banal, da fehlte das gewisse Etwas. Zudem bekommen wir zwei Liebesgeschichten, die aber beide nicht recht zünden. So bleibt der angenehme Stil und dass sich Atkins immer weich anfühlt, aber sie habe ich sonst besser in Erinnerung.

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Veröffentlicht am 27.08.2025

Zu wenig überspringende Buchliebe

Storybook Ending - Bis ans Ende aller Seiten
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Zu „Storybook Ending“ hat mich vor allem das süße Cover hingezogen, denn als jemand, der Bücher so liebt, Läden, in denen man stundenlang stöbern kann und weiß, wozu Bücher Zugang darstellen, da ist die ...

Zu „Storybook Ending“ hat mich vor allem das süße Cover hingezogen, denn als jemand, der Bücher so liebt, Läden, in denen man stundenlang stöbern kann und weiß, wozu Bücher Zugang darstellen, da ist die Idee hinter dem Cover wirklich süß. Ich kannte die Autorin Moira Macdonald nicht, sodass ich ansonsten völlig offen war, was mich wohl alles erwarten wird.

Ich habe die Hörbuch-Variante gehabt und hatte damit Viola Müller als Erzählerin im Ohr. Angesichts der Art, wie sich die ganze Geschichte entwickelt hat, dass wir nicht nur April, Laura und Westley als Perspektiven hatten, sondern hier noch wen und dort noch wen, fand ich das ehrlich gesagt etwas wenig. Müller hat eine tolle Stimme, das war nicht das Problem. Aber ich habe mehrfach gemerkt, wenn die Gedanken beim Hören nur kurz wegdriften, dann ist es schon gefährlich gewesen, weil ich dann vielleicht schon wieder eine neue Perspektive verpasst hatte. Es wäre zwar auch absurd gewesen, für alle eine Stimme zu haben, aber ich finde, dass zumindest ein Stimmwechsel automatisch die Aufmerksamkeit zieht. Vielleicht wäre da eine clevere Lösung möglich gewesen.

Kommen wir jetzt aber zum Inhalt, der wohl auch nochmal näher erklären wird, warum das Hörerlebnis recht komplex war. Angesichts des Klappentextes war das Missverständnis mit den Briefen bereits angedeutet und ich habe mich gefragt, ob sich vielleicht ein Liebesdreieck entwickelt oder was genau die Absicht des Inhalts ist. Letztlich würde ich resultieren, dass die Autorin leider sehr lange verschleiert, was eigentlich ihre Aussage sein sollte. Am Anfang war es sehr interessant, April, Westley und Laura nach und nach kennenzulernen. Sie sind jeweils sehr unterschiedliche Menschen, in diversen Lebenssituationen. Ich habe erstmal alles aufgesaugt und war dann gespannt, wie sich das Missverständnis um die ausgetauschten Briefe in der Buchhandlung aufbaut und wie es aufgelöst wird. Aber irgendwann habe ich sehr deutlich gemerkt, wie die Geschichte mich verloren hat. Das liegt in einem ersten Punkt an den drei genannten Charakteren. Wir bekommen zu allen dreien wirklich viele Infos, aber Laura etwas ausgenommen, fand ich die anderen beiden zunehmend langweilig und monoton. Westley fand ich richtig persönlichkeitslos. Er hat da einen Job in der Buchhandlung, der ihn sicherlich nicht unglücklich macht, aber er wirkt einfach wie jemand, der immer nur wartet, dass ihm etwas passiert. Das wurde zunehmend anstrengend, vor allem weil auf der anderen Seite immer wieder betont wurde, wie gut er aussieht und wie viel ihm zufällt. Ich fand ihn einfach nicht sympathisch.

April fand ich nicht unsympathisch, auch weil ich im Gegensatz zu Westley finde, dass sie sehr aktiv ist, aber auch sie war in ihrem Handeln sehr wiederholend. Erst am Ende ist über Laura und sie etwas möglich gewesen, was ich als Möglichkeit für eine finale Lösung des Buchs im Kopf hatte. Das hat mir auch am besten gefallen. Es hat gebrochen mit Erwartungen an einen klassischen Liebesroman, aber es hat trotzdem mit schönen Beziehungsmomenten geendet. Aber es war alles in allem sehr schwer zwischendurch mit den Charakteren mitzufiebern. Erschwerend kamen dann die immer mal eingeworfenen Perspektiven hinzu. Auch wenn es die Buchhandlung mit all seinen Angestellten so in den Blick nimmt, aber ich habe den Sinn einfach nicht verstanden. Denn ein Kapitel jeweils ist mehr als nichts, aber irgendwie auch ein Spoiler auf etwas, was dann nie aufgelöst wird. Ich lerne doch nicht Figuren kennen, um sie dann wieder zu verlieren. Vor allem durch den Nebenplot, dass die Buchhandlung als Setting für ein Film genutzt wird, wurde der Geschichte auch etwas genommen. Mir hätte es wirklich besser gefallen, wenn man das gar nicht gehabt hätte und dann mehr in die Buchwelt eingetaucht wäre.

Fazit: „Storybook Ending“ hat für mich leider nicht die Hoffnungen erfüllt, die ich rein vom Cover her hatte. Ich habe mir im weitesten Sinne eine romantische Geschichte (Buchliebe, Liebe in Form von Partnerschaft, Freundschaft etc.) erhofft, aber die Charaktere waren teilweise einfach langweilig und ich habe in den Botschaften zu selten einen roten Faden entdeckt.

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Veröffentlicht am 25.08.2025

Macht Lust auf eine nächste Reihe

In Case We Forget
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Als die Trilogie von Tess Tjagvad in der Anwaltskanzlei Gold, Bright & Partners angekündigt wurde, da war mit einem Vergleich mit „Suits“ gearbeitet worden und da konnte ich echt schlecht nein sagen. Der ...

Als die Trilogie von Tess Tjagvad in der Anwaltskanzlei Gold, Bright & Partners angekündigt wurde, da war mit einem Vergleich mit „Suits“ gearbeitet worden und da konnte ich echt schlecht nein sagen. Der erste Band hat es dann etwas schwierig gemacht, den Hype aufrechtzuerhalten, weil die Liebesgeschichte nicht richtig funkte und weil die juristischen Inhalte mir etwas zu zäh waren. Die Reihe hat sich danach aber gesteigert und jetzt haben wir mit „In Case We Forget“ den Abschlussband, der sich aber mit dem Paar beschäftigt, auf das schon alles hingearbeitet hat.

Auch wenn der dritte Band wie die anderen beiden eine Liebesgeschichte ist, so muss ich doch gleich am Anfang sagen, dass es deutlich mehr Judes Geschichte als die von Nora ist. Das sehe ich in anderen Bänden oft sehr kritisch, weil ich bei beiden Perspektiven auch gerne ein Gleichgewicht empfinden möchte. Hier war ich dann von mir selbst überrascht, dass ich unterm Strich sage, die Entscheidung der Autorin, den größeren Schwerpunkt bei Jude zu suchen, war durchaus richtig. Er war in den Bänden zuvor schon sehr präsent. Er war mysteriös inszeniert und man wollte ihn endlich kennenlernen und verstehen. Nora kennen wir natürlich auch nicht, aber es gab auch nicht viel Kontext, gespannt auf sie zu sein. Dementsprechend bin ich auch mit größeren Erwartungen an Jude an die Geschichte gegangen und das wurde alles sehr, sehr gut erfüllt. Zumal Nora ja keinesfalls austauschbar gestaltet wurde. Wir brauchen sie in ihrem Arbeitsumfeld nicht groß einzubetten, weil es dort einfach keine Probleme gibt, dafür haben wir ihre Familie und dann in der gemeinsamen Geschichte sowie der Freundschaft zu Lauren nehmen wir alles mit. Zumal es auch bei Noras Familie große Konfliktpunkte gibt, die am Ende für mich genau ideal angepackt wurde. Also weniger Erzählzeit für Solo-Nora, aber dafür alles rund. Wenn man als Autorin Entscheidungen trifft, dann muss man sie auch gut begründen und das wurde hier für mich erfüllt.

Der Anfang des Buchs ist voll auf Jude zugeschnitten. Wir bekommen Rückblenden, die uns direkt verraten, dass er süchtig ist und einen Entzug hinter sich hat. Das ist ein wichtiges Puzzleteil, das danach sehr die Handlung bestimmt und ihn natürlich auch sofort besser erklärt. Aber auch so helfen die anfänglichen Kapitel sehr, ganz langsam in seinen Kopf einzusteigen und ihn immer besser zu verstehen. Jude ist sicherlich kein Charakter, bei dem man sofort Feuer und Flamme ist. Es braucht Geduld, denn selbst inmitten seiner Gedanken ist da eine Wand, die uns alle etwas wegstößt. Aber ich mag komplexe Charaktere. Ich mag die, die voller Widersprüche sind, die aber dann immer mehr schmelzen und so viel offen legen, dass man sie einfach nur ins Herz schließen kann. Tjagvads Fokus auf Jude hat sich auf jeden Fall sehr gelohnt, denn ich fand die ganze Charakterzeichnung berührend. Ich habe ihn gerne auf seiner Reise begleitet. Er ist für mich ohne Frage der am besten gestaltete Charakter der Reihe. Das sieht man auch an der Lesezeit. Das Buch ist für eine Liebesgeschichte schon sehr dick. Ja, es gab für mich auch Längen, aber wenn ich mir alles im Gesamten so anschaue, dann ist es doch ein Eindruck von zum Glück hier besser zu viel als zu wenig.

Extrem wichtig fand ich auch, dass wir relativ schnell Noras Beweggründe verstehen, warum sie Boston vor wenigen Jahren so überstürzt verlassen hat. Es macht sie eigentlich erstmal suspekt, aber als ich das erste Mal ihre Gefühle las, da war ich einfach froh, dass es verarbeitet wurde. Denn Angehörige oder Partner von Süchtigen, das ist ein so schwieriges Spannungsfeld, dass ich es einfach wichtig finde, dass es hier behandelt wird. Der, der geht, um sich selbst zu schützen, wird sich immer mit Schuldgefühlen quälen, das ist völlig normal, aber niemand anders darf ihn verurteilen. Denn Sucht hat so viele hässliche Gesichter, in der sich nicht alle zusammen verlieren dürfen. Auch wenn es Jude und Lauren als beste Freundin sehr verletzt hat, aber es gibt keine perfekte Art zu gehen. Aber es ist mutig, es überhaupt zu schaffen zu gehen. Die Geschichte hat die Facetten davon sehr gut beleuchtet.

Wir haben letztlich auch wieder die Kanzlei und den juristischen Fall. Im Bereich Familienanwalt sind wir an einem sehr lebensnahen Fachbereich und das war eine gute Entscheidung. Es war nicht trocken, es war durch die gemeinsame Geschichte von Jude und Nathan extrem persönlich. Man konnte alles gut nachvollziehen und ja, es hatte gute Vibes von Anwaltsserien. Es war am Ende etwas arg konzentriert, wie der Konflikt bei Fall und Liebesgeschichte nochmal forciert wurde, aber nur ein kleinerer Meckerpunkt. Denn auch wenn ich ein bisschen die Augen verdreht habe, aber es war spannend und am Ende auf jeden Fall sehr emotional.

Fazit: „In Case We Forget“ kann den guten Eindruck des zweiten Bandes noch einmal bestätigen. Tess Tjagvad musste in ihr Vorhaben erst richtig einfinden, aber mit den letzten beiden Bänden hat sie die Mischung aus Liebesgeschichte und juristische Fall sehr gut hinbekommen. Hier ist definitiv das Highlight die Charakterzeichnung von Jude. Die ist sehr beeindruckend. Aber auch die Liebesgeschichte berührt. Auch weil die Autorin einen echt schönen Stil hat. Ich bin gespannt, was von ihr als nächstes kommen wird.

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