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Veröffentlicht am 02.07.2025

Liebe und Spannung im Gaming-Setting

Novel Haven - Levels of Love
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Anabelle Stehl ist mit einer neuen Reihe zurück und „Novel Haven“ ist im Gaming-Bereich angesiedelt. Ich habe damals die Ankündigung von Lyx mitbekommen und während ich sofort dachte, das passt auf die ...

Anabelle Stehl ist mit einer neuen Reihe zurück und „Novel Haven“ ist im Gaming-Bereich angesiedelt. Ich habe damals die Ankündigung von Lyx mitbekommen und während ich sofort dachte, das passt auf die Autorin wirklich genial, war ich doch etwas skeptisch, wie es mir wohl gefallen wird. Ich bin keine klassische Gamerin, aber da unsere Protagonistin Lara Cozy Games (genau meins!) macht, hat es dann doch wieder gepasst.

Mit dem Auftakt zu „Novel Haven“, das in London und Umgebung spielt, haben wir den Bogen zur „Worlds“-Reihe geschlagen und tatsächlich gibt es auch Easter Eggs, was ich sehr gut fand. Ansonsten sind wir aber in einer völlig neuen Welt und mit Lara und Luca haben wir gleich zwei Figuren, die jeweils für ein Spielestudio arbeiten und für ihr entwickeltes Spiel auf den großen Durchbruch hoffen. Auch wenn die beiden an sehr unterschiedlichen Games arbeiten, so war doch bei beiden sofort zu merken, dass sie den Job aus sehr ähnlichen Gründen lieben. Ich habe diese Verarbeitung mit Spielen tatsächlich weniger, aber Bücher und Serien sind für mich genau aus den Gründen wichtig und würde ich selbst schreiben, wäre das auch meine Motivation. Dementsprechend konnte ich mich mit beiden früh identifizieren. Ich empfinde sie aber auch ansonsten als sehr feine Menschen, die jeweils auch schon ein schlimmes Erlebnis hinter sich haben, sodass sie anders auf die Welt blicken, das aber gleichzeitig auch als Motivation nehmen, wie man mit anderen umgeht. Auch wenn es ganz klar Antagonisten gibt, die auch wichtig für die Handlung sind, aber alles in allem habe ich bei dem Figurenrepertoire ein tolles Gefühl bekommen. Ob es nun Maleek ist oder bei Lara ihre Freundinnen Aria und Nataly, dazu ihr ganzes restliches Team, das war nicht nur cozy game, sondern cozy Grundstimmung.

Der Handlungsverlauf ist auch geschickt gewählt. Der Wettbewerb für die Finanzspritze, der über mehrere Runden geht und damit die Figuren über einen größeren Zeitraum wiederholt zusammenbringt, der war eine gute Idee. Hier konnte Stehl sich als Gamerin auch wahnsinnig gut ausleben. Auch wenn ich mir nicht immer alles so genau vorstellen konnte, aber man hat die Liebe zum Detail gemerkt. Man hat auch gesellschaftliche Themen aus der Szene gut aufgearbeitet bekommen. Der Wettbewerb, der Sexismus und vieles mehr. Hier wurde ein Themenfeld bedient und auch konsequent bedient. Das ist nicht so selbstverständlich, wie man jetzt meinen könnte, von daher bin ich da dankbar. Ich fand es auch spannend, dass wir zwischen den Studios von Lara und Luca den Disput haben. Da Sophia im Gegensatz zu Hank direkt viel sympathischer ist, habe ich mich früh positioniert gesehen und dennoch war es geschickt gemacht, dass wir Hank eigentlich fast nur als Lucas Perspektive erleben, sodass es schwierig ist, ihn vollends einzuschätzen. Somit war die finale Lösung auch keinesfalls zu erwarten und war ein kleiner Wendungs-Bonus.

Ich bleibe insgesamt dabei, dass Stehl für mich nicht unbedingt die leidenschaftlichsten Liebesgeschichten schreibt. Das Verlieben ist bei ihr immer einfach, was es oft genug auch sein kann, aber ich lese es lieber etwas anders. Dennoch bin ich eine treue Leserin von ihr, weil sie drum herum immer noch wesentlich mehr anbietet. Das sind so wichtige Themen, das ist hier die Themenwelt, in der ich mich trotz Skepsis eingefunden haben und es ist gute Charakterarbeit. Denn die Schicksale von beiden sind speziell, sie werden aber nicht nur genutzt, um Lara und Luca interessant zu machen. Nein, es wird auch aktiv mit gearbeitet. Auch das sorgt für noch einige spannende Aspekte im Handlungsverlauf. Zudem macht der erste Band auch schon sehr Lust auf Natalys Geschichte. Sie ist zu Lara so anders und dementsprechend wird der Kontrast herrlich sein.

Fazit: Ich war mir im Vorfeld nicht ganz sicher, wie mir „Novel Haven“ gefallen wird, aber es hat sich gelohnt. Die Gaming-Welt hat sich als tolles Setting entpuppt, ich mochte die Figuren, die man auch mögen sollte, sehr. Es gab was zum Mitfiebern und Miträtseln und damit war ich schon sehr zufrieden und bin leicht durchgeflogen.

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Veröffentlicht am 27.06.2025

Willkommen in den alternativen Realitäten

Maybe In Another Life
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Während gerade alle „Atmosphere“ von Taylor Jenkins Reid lesen, habe ich mich auf „Maybe in Another Life“ gestürzt, das bereits 2015 im Original veröffentlicht wurde und auch das deutsche Publikum konnte ...

Während gerade alle „Atmosphere“ von Taylor Jenkins Reid lesen, habe ich mich auf „Maybe in Another Life“ gestürzt, das bereits 2015 im Original veröffentlicht wurde und auch das deutsche Publikum konnte 2017 schon bei Diana eine Übersetzung bekommen. Ullstein als neue Buchheimat der US-Amerikanerin hat sich die Rechte nun gesichert, weil Reid inzwischen ein ganz anderes Renommee hat. Dementsprechend habe ich das gleich mal genutzt, um ein älteres Werk von ihr zu lesen.

Auch wenn ich wahrlich nicht alle Bücher von Reid gelesen habe, aber oft bekommt man doch ein Gefühl für eine Autorin. Aber hätte auf „Maybe in Another Life“ nicht Taylor Jenkins Reid drauf gestanden, dann hätte ich das wohl niemals vermutet. Vergleiche mit Daisy Jones & The Six“ wären eh schwierig, aber selbst „Malibu Rising“ ist einfach anders. Aber diese Unterschiede sind dennoch nicht schlecht, denn ich finde „Maybe in Another Life“ ist auch ohne Ähnlichkeiten ein empfehlenswertes Buch. Ich hatte mich vorher mit dem Klappentext gar nicht so sehr beschäftigt, mir ging es rein um die Autorin. Dementsprechend hat es mich schon gecatcht, dass der Titel Programm ist und wir uns thematisch mit alternativen Realitäten beschäftigen. Hatte ich im Buch-, Serien- und Filmbereich alles schon. Also nicht neu, aber dennoch finde ich es immer wieder interessant, wie man es lesen kann und was man damit letztlich aussagt.

Wir haben als Protagonistin Hannah, die uns gleich mit der ersten Flugreise als sehr empathischer Mensch vorgestellt wird. Wir erleben sie aber auch rastlos, wir erleben sie nach dem größten Fehler ihres Lebens, dass sie die Beziehung mit einem verheirateten Mann weitergeführt hat, nachdem sie von seinem Beziehungsstatus herausgefunden hat. Sie flüchtet zurück nach L.A., dorthin, wo sie am ehesten so etwas wie Heimat gefunden hat, weil dort ihre beste Freundin Gabby lebt. Die Frauenbeziehung ist ein großer Anker und hat mir sehr gut gefallen, weil die beiden wirklich bedingungslos füreinander da waren. Dazu haben wir die alte Jugendliebe Ethan und die große Frage, nochmal ein Versuch oder doch nicht? Genau dort setzt dann ein, dass wir Hannahs Leben in zwei Versionen aufsplitten. Einmal mit einem Ja zu Ethan und einmal mit einem Nein.

Mir hat die Erzählweise danach gut gefallen. Kapitelweise springen wir in Version 1, dann in Version 2. Das hat schon Spannung erzeugt, weil ich auf beiden Ebenen wissen wollte, wie geht es jetzt weiter? Und auch wenn es kein Krimi war, aber es gab eine Sogwirkung, auf jeden Fall. Und das Beste war eben tatsächlich, dass ich bei keiner Version sagen konnte, die gefällt mir grundsätzlich besser als die andere. Es gab bei beiden High- und Lowlights, wie das echte Leben es immer bereit hält. Ich fand auch extrem interessant, es große Parallelen gab und auch Aspekte, die völlig unterschiedlich waren. Das hat für mich gut zu der Vorstellung gepasst, dass wir alle feste Anlagen in uns tragen, die uns sehr beeinflussen, aber letztlich haben wir immer eine Wahl. Manches ist vorherbestimmt, anderes haben wir in der Hand. Das war nicht nur an Hannah festzustellen, sondern an den anderen wichtigen Figuren in ihrem Leben auch.

Etwas riskant fand ich die Liebesgeschichten in beiden Versionen. Ich bin Romantikerin. Dementsprechend mochte ich hier eine dann doch deutlich lieber. Es wurde auch viel über Seelenverwandtschaft geredet und dazu passten Reids Entscheidungen als Autorin nicht. Aber richtig gestört hat es mich nicht, weil am Ende hat jeder seine Überzeugungen. Ich fand es auf jeden Fall gut, dass es sich am Ende nicht auflöst und wir eine echt passende Erklärung bekommen, die keine Fragen mehr offen lässt. Ob wir dann alle nach dem Buch uns verschiedene Versionen unseres Lebens vorstellen?

Fazit: „Maybe in Another Life“ ist für mich zwar keine absolute Wow-Lektüre, aber eine wirklich gute Unterhaltung. Die Grundidee ist unterhaltsam und lässt einen auch privat nicht los. Die Erzählweise ist geschickt, man will immer nur weiterlesen. Dementsprechend: Taylor Jenkins Reid hatte es auch schon vor ihrem großen Durchbruch echt drauf.

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Veröffentlicht am 26.06.2025

Gute Mischung, aber auch zu wenig Suspense

The summer that broke us (Lifeguard 1)
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Sommer, Sommerbuch, das ist immer wieder toll, gerade wenn es so ein richtiges Hoch gibt und man diese ganzen speziellen Gefühle, die dabei entstehen, auch zwischen den Seiten widergespiegelt bekommt. ...

Sommer, Sommerbuch, das ist immer wieder toll, gerade wenn es so ein richtiges Hoch gibt und man diese ganzen speziellen Gefühle, die dabei entstehen, auch zwischen den Seiten widergespiegelt bekommt. Mit Lucia Sterling haben wir eine neue deutsche Autorin, die via Forever eine Dilogie auf den Buchmarkt bringt, die als Mischung von Liebesgeschichte und Suspense beschrieben wird, was ich immer gerne lese. Die Autorin selbst ist auch Rettungsschwimmerin, was sie hier inhaltlich verarbeitet und das hat mich auch neugierig gemacht.

Ich fand, dass diese typischen Sommervibes, die man sich von einem Buch für diese Jahreszeit wünscht, sehr gut rübergekommen sind. Wir befinden uns mit Sutton, Layla und Ben in Malibu, wo sie über Tags Schichten als Rettungsschwimmer haben, während ansonsten so eine typische Lagerfeueratmosphäre erzeugt wird, weil sie zwar nicht alle zusammenwohnen, aber natürlich auch nach getaner Arbeit noch Zusammensein wartet. Aber es ist natürlich auch Professionalität gefragt, denn der Job bedeutet viel Verantwortung und es wird auf einen speziellen Wettbewerb hingearbeitet. Das Setting hat mir echt gut gefallen, auch weil das Dasein eines Rettungsschwimmers gut eingearbeitet wird. Es ist nicht nur hübsches Beiwerk, es ist tatsächlich Dreh- und Angelpunkt von allem. Unsere Protagonistin Sutton hat auch an einem Erlebnis von vor einem Jahr zu knabbern, was eng damit zu tun hat und auch so erleben wir Einsätze, aber wir erleben auch die schwere Bürde für die Figuren, wenn mal etwas nicht klappt und kein Happy End hat. Dementsprechend fand ich, dass sich unter die stellenweise lockere Atmosphäre auch viel Ernsthaftigkeit mischte und was könnte echter sein?

Im Kern haben wir aber eine Liebesgeschichte. Ich muss gestehen, dass es anfangs etwas schwierig war. Sutton ist sichtlich geprägt von Dämonen ihrer Vergangenheit, aber sie ist dabei in ihrer Verarbeitung sehr verbissen und kontrollierend, sodass sie nicht unbedingt eine Figur ist, die einen sofort um die Finger wickelt. Umgekehrt erleben wir aber sofort ihre Perspektive auf Ben, die so subjektiv eindeutig ist, dass es da ebenfalls schwierig war, ihn sofort willkommen zu heißen, dabei gab es an ihm eigentlich nichts zu meckern. Dann wiederum hat er eine Geschichte mit Layla, der besten Freundin von Sutton und die beiden blicken wiederum auf sie, also ja, es war charakterlich anfangs extrem komplex. Mit dem erzwungenen Zusammenleben von Sutton und Ben wird das immer mehr aufgebrochen, auch wenn natürlich von Suttons Seite aus immer etwas dabei ist, was uns und Ben verborgen wird. Ich habe das oft auch schon bei Büchern erlebt, bei denen ich etwas abwägen muss, ob ich ein paar charakterliche Baustellen verzeihen muss, weil es für einige Geheimnisse und Überraschungseffekte Barrieren geben muss. Das würde ich hierfür gelten lassen, auch weil es so tatsächlich gelingt, dass es am Ende eine Wendung gibt. Teile konnte man sich irgendwie denken, aber ein Puzzleteil fehlte, dementsprechend ist die Geheimniskrämerei hier schon richtig.

Aber auch wenn man die Geheimnisse weglässt, dann entsteht zwischen Ben und Sutton etwas sehr Zartes. Ich fand es interessant, sie über ihre Trauererlebnisse so eng zusammenwachsen zu lassen, denn das war so eine ehrliche Ebene, die man sich wünscht. Das hat letztlich auch der Darstellung von beiden gut getan, weil Sutton offener wird, weil sie mehr über ihr Verhalten und wie sie auf andere wirkt, nachdenkt und umgekehrt kann Ben im Umgang mit seinem Vater Selbstbewusstsein tanken, um für sich einzustehen. Was nun noch ein wenig in den Fokus gerückt werden soll, das ist der Suspense-Teil. Ich finde schon, dass die Farbgestaltung des Covers und dann auch der Klappentext mit den Andeutungen verdeutlichen, dass es eine gewisse melancholische Ebene geben wird. Darauf habe ich auch gesetzt, aber letztlich finde ich das Marketing nicht ideal. Ich hatte gedacht, dass der Suspense-Teil mit Suttons Geheimnis zu tun hat, war aber nicht so. Stattdessen haben wir einen Todesfall, der ganz offensichtlich nur für den zweiten Teil gebraucht wird. Er wurde zwar erzähltechnisch auch hier schon knapp genutzt, aber der eigentliche Suspense-Teil, der wird ganz offensichtlich für den Band rund um Layla erst wichtig werden. Ich hätte es mit dem Marketing wahrscheinlich cleverer gefunden, das für beide Bücher gleich anzubieten. So wird hier ein bisschen etwas versprochen, was nicht eingehalten wird. Das Buch hat für mich auch so funktioniert, aber sich selbst ein Bein gestellt ist das auf jeden Fall.

Zuletzt will ich noch sagen, dass ich „The Summer That Broke Us“ als Hörbuch hatte. Isabel Kluth und Sebastian Fischer haben für mich als Sutton und Ben dabei gut funktioniert. Sie haben sie als Persönlichkeiten überzeugend eingefangen.

Fazit: „The Summer That Broke Us” ist gut für den Sommer, weil Rettungsschwimmen am Strand, Leichtigkeit der Jahreszeit und so vieles rüberkommen. Aber es gibt auch eine melancholischere Ebene, viel zum Thema Trauer und das hat sich zu einer guten Mischung mit einer spannenden Wendung zusammenfügen lassen. War nur leider nicht so viel Suspense, wie ich gedacht und erwartet hätte.

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Veröffentlicht am 25.06.2025

Keine Entwicklung bei Joshua

Foul Play
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Nachdem ich im Februar mit „Mismatch“ Laura Willud erstmals kennengelernt habe, wollte ich bei „Foul Play“ jetzt doch direkt wieder zuschlagen. Da ich in meiner Rezension geschrieben hatte, dass ich sehr ...

Nachdem ich im Februar mit „Mismatch“ Laura Willud erstmals kennengelernt habe, wollte ich bei „Foul Play“ jetzt doch direkt wieder zuschlagen. Da ich in meiner Rezension geschrieben hatte, dass ich sehr viele gute Ansätze sehe, aber auch noch Potenzial nach oben, wollte ich das jetzt natürlich überprüfen.

Vielleicht war es nur nicht clever, so einen Test ausgerechnet dem Buch zu unterziehen, auf das ich aufgrund des Paares nur halbbegeistert war. Auf Lori hatte ich richtig Lust. Sie hatte als beste Freundin von Joyce schon ihre tollen Momente und dementsprechend konnte ich mir denken, dass sie so eine Geschichte gut tragen kann. Bei Joshua dagegen? Naja… Er war schon sehr gewöhnungsbedürftig. Auch wenn ich absolut für zweite Chancen bin und es auch gerne sehe, wenn sich Figuren entwickeln und reifen, so ist das natürlich trotzdem schwierig, wenn man so eine unnahbare Figur wie Joshua hat, die nur sich selbst sieht und sich unfassbar behäbig nur öffnen kann. Ich habe „Foul Play“ wieder als Hörbuch gehabt und muss sagen, die Wahl von Fynn Engelkes als Joshua hat irgendwie gepasst, nur leider im negativen Sinne. Ich fand sie zum Lauschen sehr anstrengend, teilweise auch lispelnd und die ganze Emotionsbandbreite hat dann ideal zu Joshua gepasst, denn was soll ich sagen? Ich habe kaum eine Entwicklung gesehen und ihn als Figur immer wieder verflucht. Bevor ich darauf noch etwas genauer eingehe, will ich aber betonen, dass die Kritik für Regine Lange keinesfalls gilt. Sie war für mich eine tolle Lori!

Kommen wir aber wieder zu Joshua. Beim ersten Band hatte ich kritisiert, dass der Sport etwas zu kurz kam, obwohl Basketball von beiden Rollen aus wichtig war. Hier haben wir eigentlich nur Joshua, der für den Sport lebt, während Lori sich am liebsten weit fernhält und dennoch war es sehr, sehr dominant. Das war also positiv und dabei bleibe ich auch, selbst wenn es aus Joshuas Sicht war. Mit ihm sind wir oft im Training und in den Spielen mitten drin. Das war schon mitreißend, weil unweigerlich Emotionen aufkommen. Auch die Verantwortung als Kapitän etc., das waren alles Aspekte, die durchaus funktioniert haben. Aber Joshua war durchgängig so verbissen, so kühl nach außen, so rechthaberisch und gegenüber Lori sehr unfair, indem er ihr Leben ständig beeinflusst hat, obwohl er dazu kein Recht hat. Vor allem finde ich auch, dass seine Gefühle wegen des Basketballs so dominant sind, dass seine Gefühle für Lori sich nicht richtig erklären. Ja, da gab es mal einen Kuss, aber eigentlich merkt man, dass der Sport immer die Nummer 1 ist. Ich fand das für eine Liebesgeschichte schwierig. Umgekehrt fand ich dann aber gut, dass Lori nicht blind verliebt ist und Joshua in allem bestärkt und gut findet. Sie hat nicht mit Kritik gespart, sie hat einen guten Blick auf ihn und seine Persönlichkeit. Aber zusammen erklärt das noch weniger, warum diese beiden zusammengehören.

Ich fand auch die Handlungsentwicklung nicht ideal. Nehmen wir alles zum Basketball und zur Entwicklung der Saison raus, denn das war gut, aber das organisierte Event für die Kinder, der Erste-Hilfe-Kurs und was die beiden noch eng zusammenbringen sollte, das war was wenig, auch weil Joshua auch hier erst spät aufwacht und zuvor vieles mit seiner Art extrem anstrengend macht. Es ist am Ende süß aufgegangen, das ja, aber ich hätte es mir für die Handlung dominanter und hilfreicher für Joshuas Entwicklung gewünscht. Jetzt haben wir die beiden noch jeweils in ihren Familiensituationen und beides ist nicht einfach. Es gab gute Ansätze der Aufarbeitung, aber letztlich bremste es doch ab. Bei Joshua war es irgendwann gar kein Thema mehr, bei Lori kam immerhin eine Ansage, aber dann auch fertig. Ich finde es schon richtig, dass man aufzeigt, dass es nicht für alles ein Happyend gibt, aber gerade weil beide in ähnlichen Situationen steckten und Joshua sogar immer wusste, was Lori am besten tun sollte, es aber selbst nicht getan hat, hätte ich mir bei einem von beiden eine Art Auflösung erhofft.

Fazit: „Foul Play“ war leider nicht das Buch, was mir aufgezeigt hat, dass Laura Willud das Potenzial, was ich in ihr sehe, ausbauen kann. Das lag aber ganz gewaltig an Joshua, der in Band 1 schon so angelegt war. Aber auch wenn wir in seinen Kopf schauen konnten, es wurde leider nicht besser. Ich fand ihn höchst unsympathisch und somit hat der Kern, die Liebesgeschichte, für mich nicht funktioniert. Dafür war diesmal Basketball gut, ausreichend und sinnig ausgebaut. Da sehe ich also eine Entwicklung, aber alles andere muss warten. Jetzt brauche ich was anderes von Willud, denn das Potenzial sehe ich durchaus weiterhin.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Romantik in Schottland

Words Like Feathers
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Tada und wieder habe ich eine neue deutsche Autorin für mich entdeckt, wobei Marie Weis mit „Words like Feathers“ schon ihren zweiten Roman veröffentlicht, aber für mich war sie begrifflich völlig neu. ...

Tada und wieder habe ich eine neue deutsche Autorin für mich entdeckt, wobei Marie Weis mit „Words like Feathers“ schon ihren zweiten Roman veröffentlicht, aber für mich war sie begrifflich völlig neu. Aber ich habe einen echten Lauf, mehr und mehr erzählerisch kennenzulernen. Hier hat mich der Titel tatsächlich sehr angezogen. Er erinnert sehr an den Songtitel von Billie Eilish und tatsächlich, er ist auf der Playlist auch drauf. Dazu wird im Buch aber auch eine Verbindung zu Emily Dickinson hergestellt, was dann auch einen Kreis schließt, zumal der Buchtitel auch in Wortspielen Bedeutung für die Handlung hat. Aber das habe ich erst später rausgefunden, also jetzt zum Buch.

Ich hatte zwei große Assoziationen bei „Words Like Feathers“. Im Vorfeld hätte ich gedacht, dass Weis mich möglicherweise in ihrem Stil an Merit Niemeitz erinnern wird. Das fand ich jetzt eigentlich nicht, dafür musste ich eigentlich sofort an die US-amerikanische Autorin Sarah Dessen denken, die meine Jugend extrem geprägt hat. Ich kann auch gar nicht konkret beschreiben, warum das bei mir aufkam, weil Dessen schreibt gerne Geschichten an einer Kleinstadt am Strand, hier sind wir im rauen Schottland und mitten in einem Retreat und die Figuren sind auch älter als im Jugendalter, aber es war einfach eine Gefühlssache und das ist ein großes Kompliment. Vielleicht ist ein Hauptgrund auch, dass wir nur die Perspektive von Olivia haben und extrem gut in ihr Leben einsteigen. Es war wirklich rasant, wie schnell ich ein Gefühl für sie und ihre Lebensumstände hatte. All diese liebevollen Figuren um sie herum, die sie mit prägen, das hat Vertrauen aufgebaut.

Ich mochte auch sehr die Idee des Retreats. Da es in der Autorinnenbiografie hieß, dass Weis immer sehnsüchtig auf die Weihnachtszeit warte (Me too!), bin ich einfach mal davon ausgegangen, dass auch die entsprechenden Filme nicht fehlen dürfen. Aber auch die anderen Liebesfilme dieser Art arbeiten gerne mit Retreats und ähnlichem, wenn eine bestimmte Figurenanzahl auf engem Raum beieinander ist. Ich mochte die Liebe für Filme, die überall zu spüren war, die Ausflüge, mit denen man sich in Schottland verlieben kann, aber auch einfach das menschliche Miteinander. Es gab ein bisschen Unruhestifter, aber weitestgehend sind sich Menschen auf Augenhöhe begegnet und es war da auch schön, dass kein Traum zu klein war, was ich tatsächlich auch sehr vertrete. Jedem seins und jeder soll glücklich sein, nichts anderes zählt.

Weiterhin gut gelungen fand ich die Verbindung von Gegenwart und Vergangenheit. Es gibt genug Bücher, wo mir die Rückblenden nicht das geben, was ich brauche und eher die Handlung aufhalten. Das ist hier nicht der Fall. Die Szenen füllen Lücken, sie halten die Figuren im Gedächtnis, die wir vor dem Retreat kennengelernt haben und es ist die Basis der Geschichte von Olivia und Tristan. Ich fand sie aber vor allem für ein wichtiges Thema entscheidend, weil sie an einer Zwangsstörung leidet. Diese wird in der Gegenwart schon früh verraten, weswegen ich sie auch nicht als Spoiler sehe. Aber es wurde echt sehr, sehr gut eingearbeitet. Ich habe gelesen, dass sich Weis‘ erstes Buch auch mit mentaler Gesundheit beschäftigt, vielleicht also auch ein sehr persönliches Thema. Aber egal, was die Beweggründe sind, es wirkte sehr echt und authentisch. Gerade die hässlichen Gedanken, sehr gut ausgearbeitet, auch weil ich sie als Overthinker in Nuancen auch wiedererkannt habe.

Was ich jetzt als Kritikpunkte stehen lassen möchte, das ist die Gestaltung von Tristan, was mich selbst etwas verwundert, weil er eigentlich eine echte Green Flag ist, aber vielleicht zu green? Da wir seine Perspektive nicht haben, sind die Vergangenheitskapitel sehr wichtig, um ihn kennenzulernen, weil in der Gegenwart zunächst alles sehr angespannt ist. Und Tristan hat viele extrem tolle Eigenschaften, aber ich fand ihn zu perfekt. Olivia hat so viele Ecken und Kanten bekommen und Tristan wirkte immer wieder Mister Saubermann und das passte einfach von der Gefühlsebene her nicht. Am Ende darf er zwar mal kurz der Buhmann sein, aber das fand ich etwas zu spät. Jetzt kommen wir auch zu meiner zweiten Assoziation. Da wäre Selina Mae mit „Lessons in Forgiving“ zu nennen. Die Autorin hatte sich beim Trope Second Chance selbst dazu geäußert, warum ein Ex besser ein Ex bleiben sollte und fand dann die Gestaltung ihres Paares etwas seltsam. Hier haben wir es auch mit Second Chance zu tun. Ich fand es zunächst gut, dass früh klar gemacht wurde, dass Olivia der Auslöser ist, damit es nicht immer der Mann ist. Aber ich finde dennoch nicht, dass es die Lösung ist, es dann einseitig zu verschieben. So entstand der Eindruck des perfekten Tristan. Auch wenn ich keine Zweifel an seinen ehrlichen Gefühlen bemerkt habe, aber ich bin eher am Haken, wenn die Ecken und Kanten beider aufeinandertreffen und es sich auf Augenhöhe anfühlt. Das ist hier mein Kritikpunkt. Er hat der Liebesgeschichte ein wenig Zauber genommen, aber unterm Strich war es nur marginal.

Fazit: Marie Weis hat mich mit „Words Like Feathers“ durchaus zu überzeugen gewusst. Es gab eine wohlige Stimmung, es gab fein ausgearbeitete Charaktere, es gab mit dem Retreat ein tolles Setting, die Schottland-Liebe kam durch, dazu die Kinoliebe und so viel mehr. Second Chance als Trope ist immer etwas schwierig. Hier fand ich es inhaltlich durch die mentale Gesundheit eigentlich genau richtig, aber leider war Tristan als Gegenpart leider zu lange zu perfekt gezeichnet. Aber eine bedingungslose Leseempfehlung gibt es auf jeden Fall.

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