Isoliert auf der Insel und dadurch intensiv
Lessons in FallingEs gibt manche Reihen im New Adult-Genre, die ziehen sich etwas, entweder gefühlt oder rein faktisch von den Veröffentlichungsdaten her. Dann gibt es aber auch die Reihen, die sind so schnell vorbei, dass ...
Es gibt manche Reihen im New Adult-Genre, die ziehen sich etwas, entweder gefühlt oder rein faktisch von den Veröffentlichungsdaten her. Dann gibt es aber auch die Reihen, die sind so schnell vorbei, dass man nur kurz blinzeln konnte. Da gehört für mich die College-Reihe von Selina Mae zu, die mit „Lessons in Falling“ ihren Abschluss findet.
Caden und Valentina habe ich beide in den beiden Bänden zuvor als nicht so dominant empfunden, dementsprechend muss ich sagen, dass sich dieser finale Band wie ein Standalone-Roman anfühlte. Das wurde auch nochmal dadurch verstärkt, dass wir nicht an der Hall Beck-Universität sind (schon mutig, vor allem wenn der Untertitel so klar Bezug darauf nimmt), sondern im Sommerurlaub auf einer Insel. Auch wenn Caden und Valentina nicht die einzigen sind, die wir haben, aber es wirkt deutlich isolierter, auch wegen des zeitlichen Faktors, weil wir nur die wenigen Monate haben. Schlecht fand ich das keinesfalls, denn da ich es jetzt am Ende des Sommers gelesen habe, konnte ich die Stimmung davon gut aufsaugen. Zudem ist so eine abgeschiedene Erzählung automatisch intensiv, denn ich muss sagen, dass an Charakterarbeit sehr viel für beide getan wurde und es gab auch viele intensive Gespräche. Aber es hat natürlich auch automatisch eine Hypothek dabei, denn in so einem klar begrenzten Setting kann man sich nicht so sehr ausprobieren oder auf andere Figuren entfalten. Caden und Valentina sind in diesem Sommer völlig abgeschieden von weiteren Freunden und Familie. Dabei gab es Themen, die sie sehr betrifft und da hätte ich mir etwas mehr Verbindungen gewünscht, die man auch sieht. Aber das sind einfach gewisse Konsequenzen, wenn man sich für eine Erzählart entscheidet. Mae hat immerhin am Ende auch einen Zeitsprung, der fängt etwas auf.
Ich habe im Grunde alle drei Bücher von Selina Mae gerne gelesen, aber sie hat auch etwas, womit sie mich immer irritiert. Während ihr beispielsweise die Chemie zwischen Caden und Valentina großartig gelungen ist (damit wohl meine Lieblinge), so finde ich gewisse inhaltliche Rahmen etwas seltsam und da gehört vor allem der Grund dazu, warum die beiden aus sich ein Geheimnis machen. Das Leben bietet so viele Hürden und Stolperfallen, größere und kleinere und da finde ich es für eine Autorin schade, wenn man die eigene Idee auf einer solchen Banalität aufbaut. Zumal es am Ende auch innerhalb der Handlung ad absurdum geführt wird. Insgesamt fand ich die Idee einfach nicht natürlich, sondern total übertrieben und das hat einen Teil der Stimmung gekippt. Ansonsten fand ich aber, dass es sehr konsequent dargestellt war, wer die beiden als Menschen sind. Beide sind im Grunde Kümmerer, die sich an Versprechen gebunden sehen, die Verantwortung übernehmen, aber dabei ein Teil von sich selbst hinter dem Berg halten. Es war auch einfach schön, dass sie ehrlich miteinander reden konnten. Natürlich gab es auch Missverständnisse, das gehört wohl einfach dazu, aber beide haben früh Verletzlichkeit miteinander geteilt.
Die Freundesclique ist auch eine gute Idee gewesen. Zwar wäre es sicherlich möglich gewesen, mehr Freundschaftsmomente zwischen die Paarung zu erzählen, aber ich habe die entsprechende Stimmung dennoch aufnehmen können. Es hatte etwas sehr Heimisches, Familiäres. Insgesamt ließ es sich wirklich gut weglesen.
Fazit: Angesichts des Marketings für die Reihe ist dieser isolierte Auslug auf die Insel sicherlich mutig, aber mir hat es gefallen, weil es so noch perfekt in die Jahreszeit passte. Die Liebesgeschichte zwischen Valentina und Caden war prickelnd und anziehend gestaltet, aber die Ausgestaltung des Dramas war doch sehr übertrieben. Insgesamt aber eine Reihe, die mir gefallen hat. Ich bin gespannt, was Selina Mae nun als nächstes macht.