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Veröffentlicht am 23.09.2021

Leider nur Mittelmässig

Das Joshua-Profil
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Lange hatte ich keinen Thriller mehr gelesen, und noch länger keinen von Sebastian Fitzek, von dem ich bereits „Amokspiel“ , „Der Augenjäger“ , „Splitter“ und einige andere Bücher gelesen hatte. Wie so ...

Lange hatte ich keinen Thriller mehr gelesen, und noch länger keinen von Sebastian Fitzek, von dem ich bereits „Amokspiel“ , „Der Augenjäger“ , „Splitter“ und einige andere Bücher gelesen hatte. Wie so oft, wenn man mehrere Bücher von einem Autor liest , hat man das Gefühl , dass sich Stories und Charaktere immer mehr ähneln. So ähnlich ging es mir auch mit Sebastian Fitzek. Als ich dann jedoch „Das Joashua-Profil“ im Bücherschränkchen entdeckte konnte ich daran nicht vorbei gehen.

Interessiert hat mich die Tatsache, dass es sich bei dem Hauptcharakter um den erfolglosen Schriftsteller Max geht, der nicht nur beruflich , sondern auch privat mit Misserfolgen zu kämpfen hat. Seine Pflegetochter Jola ist der Dreh- und Angelpunkt in seinem sonst recht unspektakulären Leben. Unspektakulär bis zu jenem Tag, an dem Jola entführt wird und Max als Verdächtiger schon sehr bald an erster Stelle steht. Nicht nur, dass alle Fakten gegen Max sprechen, nein, ein Programm zur Vorhersage von Verbrechen schien schon vor der Tat zu wissen, dass lediglich Max als Täter in Frage kommt.

Der Inhalt klang vielversprechend, also begann ich begeistert zu lesen. Ich benötigte jedoch viele Seiten um in die Handlung hineinzufinden – eigentlich zu viele Seiten und das Buch eines anderen Autors hätte ich sicher schon längst zur Seite gelegt. Weder die Handlung noch die Figuren schienen für mich stimmig. Ja, die Grundidee war gelungen, aber die Umsetzung gefiel mir leider so gar nicht. Woran es letztendlich lag, kann ich gar nicht so genau sagen. Einfach ein Gefühl, dass der ganze Thriller in sich nicht schlüssig ist. Einzelne Handlungsstränge wirkten geradzu konstruiert und passten nicht zum weiteren Geschehen. Außerdem änderte sich während des Lesens die Erzählperspektive, vom Ich -Erzähler Max in die Personale-Perspektive verschiedener Figuren, was mich persönlich nicht begeistern konnte.

Mein Fazit
Alles in allem ein lediglich mittelmäßiger Thriller, der ( so muss ich es leider sagen) sein Geld nicht Wert ist. Auch wenn ich das Glück hatte dieses Buch im Bücherschrank zu ergattern muss ich sagen, dass ich mich bei einem Kauf geärgert hätte. Inzwischen ist das Buch zwar als Taschenbuch erschienen, aber selbst die knapp 11 Euro dafür wären in einem anderen Buch besser investiert gewesen.

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Veröffentlicht am 23.09.2021

Ein Krasser Thriller mit einer ungewöhnlichen Protagonistin

Neuntöter
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Ule Hansen ist mir bis zum Anfang des Jahres überhaupt kein Begriff gewesen. Dann wurde mir die sogenannte „Carow -Reihe “ empfohlen, deren erster Teil „Neuntöter“ ist. Als ich dann im Klappentext las, ...

Ule Hansen ist mir bis zum Anfang des Jahres überhaupt kein Begriff gewesen. Dann wurde mir die sogenannte „Carow -Reihe “ empfohlen, deren erster Teil „Neuntöter“ ist. Als ich dann im Klappentext las, dass der Handlungsort Berlin ist, musste ich das Buch unbedingt haben. Kurz nachdem ich Neuntöter ausgelesen hatte kaufte ich mir auch die Fortsetzungen, denn das Buch konnte mich von Anfang bis Ende begeistern.Die Gänsehaut stellt sich beim Lesen des Buches rasend schnell ein. Eingewickelt in Industrieklebeband hängen mitten in Berlin 3 verwesende Leichen. Ein brutales Szenario, was gleichzeitig abstößt und fasziniert. So geht es nicht nur dem Leser , sondern auch der Protagonistin Emma. Sie ist die Fall-Analystin, die mit Hilfe des erstellten Täterprofils dazu beitragen soll diesen zu fassen, bevor es noch mehr Leichen gibt. Denn schnell wird klar, dass es weitere Leichen geben wird. Doch so gut Emma als Fallanalystin ist, so schlecht ist sie gleichzeitig in der sozialen Interaktion zu Ihren Mitmenschen (sowohl was Ihre Kollegen betrifft, als auch Freunde und Bekannte). Sie ist eine typische Einzelgängerin, die beruflich allerdings auf Ihr Team angewiesen ist. Neben der beruflichen Herausforderung hat die Protagonistin aber auch noch mit privaten Problemen zu kämpfen. Vor einigen Jahren wurde sie Opfer eines Vergewaltigers, der über seine Verbrechen ein Buch geschrieben und veröffentlicht hat. Schafft Emma es, sich den Dämonen der Vergangenheit zu stellen und gleichzeitig einen der perfidensten Täter die Berlin je gesehen hat zu fassen?

Emma ist ein klassischer Antiheld, sie eckt mit Ihrer ungewöhnlichen Art und Weise permanent an. Ihr Charakter ist schwierig und dennoch kann sie genau dadurch Symphatien sammeln. Sie ist direkt, und sagt was sie denkt (auch wenn es des Öfteren besser wäre, sie würde Ihre Gedanken für sich behalten). Sie hat Mordgelüste Ihrem Peiniger gegenüber und möchte diesen am liebsten eigenhändig umbringen. Sie ist authentisch und genau das mag ich an Ihr. Sie ist keine Mainstreamfigur und erinnert mich ein wenig an Lisbeth Salander.

Auch wenn man am Anfang ein bisschen Zeit benötigt um sich in die Handlung einzufinden, so steigert sich die Spannung doch von Seite zu Seite. Emmas Analysen ermöglichen dem Leser den Blick auf den Täter. Irgendwie versucht man zu “verstehen”, wieso dieser bei seinen Taten eben genauso vorgegangen ist wie er es ist. Die steigende Spannung läuft auf einen Showdown am Ende des Buches hinaus, den ich so nicht erwartet hatte und der nichts für schwache Nerven ist.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Neuntöter einen wirklich krassen Plot bietet, aber eine genauso krasse und ungewöhnliche Protagonistin. Beides ergänzt sich gut und bietet einen guten Lesestoff, der nichts für zart besaitete Leser ist.

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Veröffentlicht am 06.09.2021

Ein warmherziges und poetisches Buch

Die Bücher des Monsieur Picquier
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Bücher in denen Buchhändler vorkommen besitzen eine Art magische Anziehung für mich. So ist es kein Wunder, dass ich auch diesen Roman mein Eigen nennen wollte. "Bücher über Bücher" wie ich sie nenne ...


Bücher in denen Buchhändler vorkommen besitzen eine Art magische Anziehung für mich. So ist es kein Wunder, dass ich auch diesen Roman mein Eigen nennen wollte. "Bücher über Bücher" wie ich sie nenne lassen mein Herz als Buchmensch höher schlagen und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.
Monsieur Picquier , einst selbst Buchhändler, lebt inzwischen in einem Seniorenheim, umgeben von tausenden Büchern, die früher einmal in den Regalen seines Buchladens standen. Nur einige wenige konnte er retten. Sogar auf einen Fernseher verzichtet er zugunsten von Büchern in seinem kleinen Zimmer, denn lieber hat er dort einige Dutzend dieser treuen Begleiter mehr stehen, als ein Fernsehgerät. Als der junge und völlig talentfreie Gregoire , eigentlich als Hilfskoch im Seniorenheim angestellt, zu Monsieur Picquiers Vorleser wird, beginnt aus einer Zweckfreundschaft sehr bald schon eine tiefe , innige Freundschaftzu werden , die so keiner der Außenstehenden je für möglich gehalten hätte.
Gregoire und Monsieur Picquier könnten unterschiedlicher nicht sein, und dennoch entwickelt sich zwischen ihnen ein ganz tiefes und wunderbares Band, welches weder von Skeptikern noch von Neidern, auf die beide immer wieder in diesem Buch treffen, zerstört werden kann. Diese Freundschaft zwischen einem jungen , gesunden und unerfahrenen Mann und dem alten, von Parkinson und grünem Star gebeutelten Mann mit einer enormen Lebenserfahrung dürfte kaum einen Leser unberührt lassen. Die Mischung aus leisen und ersten Tönen mit lauten und freudigen Tönen ergänzt dieses ungleiche Paar auf eine so treffende Weise, dass man von einer harmonischen und völlig in sich stimmigen Geschichte sprechen muss. Das Buch lässt den Leser mit einem guten und zufriedenen Gefühl zurück. Es gehört zu jenen Büchern , die auf eine magische Art und Weise das Herz erwärmen. Mehr kann man über dieses Buch auch nicht erzählen, ohne allzu viel zu verraten. Mann muss es einfach gelesen haben umzu verstehen was ich meine.
Ein wunderbares Buch über das Leben, die Freundschaft und über Bücher.

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Veröffentlicht am 06.09.2021

Eine gelungene , vor allem spannende Fortsetzung

Narbenherz
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Für Lesefluss und -verständnis ist es nicht erforderlich den ersten Band der Reihe um die Investigativjournalistin Heloise Kaldan und dem Kommissar Erik Schäfer gelesen zu haben. Aber irgendwie rundet ...

Für Lesefluss und -verständnis ist es nicht erforderlich den ersten Band der Reihe um die Investigativjournalistin Heloise Kaldan und dem Kommissar Erik Schäfer gelesen zu haben. Aber irgendwie rundet es die Reihe ab. Auch wenn ich den ersten Roman nur durchschnittlich bewertet habe, würde ich sagen, dass man ihn vorher lesen sollte.

Dreh – und Angelpunkt dieses skandinavischen Krimis ist das Verschwinden eines 10-Jährigen Jungen. Allein bei der bloßen Vorstellung zerreißt es mir als Mutter einer 5-Jährigen Tochter das Herz. Auch Erik Schäfer, der ermittelnde Kommissar und Heloise Kaldan hängen sich bei diesem Fall voll rein. Obwohl beide kinderlos sind ist Ihnen klar, dass jeder Tag, jede Stunde , ja jede Minute bei den Ermittlungen zählt. Die Anspannung des Ermittlungsteams ist zum greifen nah und stetig spürbar. Die Atmosphäre knistert vor Spannung . Von Anfang an habe ich mitgefiebert und versucht die zusammenhangslosen Schnüre in den Ermittlungen selber zu einem sinnvollen Bild zusammen zufügen. Aber genau wie die Hauptcharaktere des Buches hatte ich dabei meine Schwierigkeiten. Zum einen hat mich diese Tatsache beim lesen immer unruhiger werden lassen, zum anderen macht dies den Reiz beim lesen eines Krimis aus . Je weiter die Handlung fort schritt, desto spannender wurde das Buch für mich.

Neben der Handlung ist aber auch die Gestaltung der Charaktere diesmal besser gelungen als im Vorgänger- Buch .Im Mittelpunkt steht diesmal wieder das Privatleben von Heloise. Sie kämpft mit den Dämonen der Vergangenheit und steht vor wichtigen privaten Entscheidungen die Zukunft betreffend. Die persönliche Seite wird in diesem Roman so simpel und fließend mit dem kriminalistischen Plot verknüpft, dass man zu keiner Zeit den Eindruck hat , dass die Verkettung dieser zwei Handlungsstränge auf irgendeine Art und Weise erzwungen oder unecht ist . Nichts wirkt konstruiert oder künstlich. Im Gegenteil. Der Autorin scheint es hier mit einer gekonnten Leichtigkeit gelungen Privates und Berufliches so geschickt miteinander zu verknüpfen, dass ein stimmiges Gesamtbild entsteht . Heloise wirkt realistisch und menschlich wie kaum eine andere Crime-Protagonistin die mir in den vergangenen Jahren begegnet ist. Dieses Buch zeichnet sich somit nicht nur durch einen spannenden Plot, sondern vor allem durch eine enorme Portion Authentizität aus. Über das Ende des Krimis kann ich – ohne allzu viel zu verraten – sagen, dass es eine echte Überraschung gegeben hat was die Auflösung des Falls angeht.

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Veröffentlicht am 20.08.2021

Eine Hommage an das Leben, unterhaltsam und tiefgründig zugleich

Die letzte Bibliothek der Welt
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Schon lange habe ich kein Buch mehr gelesen, das humorvolle und tiefgründige Töne gleichermaßen anschlägt wie dieses .Im Mittelpunkt steht das kleine britische Städtchen Chalcot , in dem die Kommunalpolitik ...

Schon lange habe ich kein Buch mehr gelesen, das humorvolle und tiefgründige Töne gleichermaßen anschlägt wie dieses .Im Mittelpunkt steht das kleine britische Städtchen Chalcot , in dem die Kommunalpolitik auf Grund von Sparmaßnahmen die Schließung der Städtischen Bibliothek in Erwägung zieht. Ein Plot , der also nicht allzu weit von der Wirklichkeit angesiedelt ist . Nicht nur im Handel verschwinden viele, kleine Inhabergeführte Läden nach und nach aus dem alltäglichen Bild . Ebenso wie in „Die letzte Bibliothek der Welt“ haben kulturelle und soziale Einrichtungen mit den harten Zahlen und Anforderungen der sozialen Marktwirtschaft zu kämpfen. Ungewollt wird die Protagonistin und Bibliothekarin der Chalcoter Bibliothek June in die zunächst eher planlose Widerstandsabsichten der örtlichen Bibliotheksbesucher hineingezogen . Doch was als seichter Widerstand beginnt wird schon bald zu einer ausgeklügelten Aktion .
Besonders gelungen fand ich die Mischung aus humorvollen Einlagen der Städtischen Bewohner und den oftmals sehr tiefgründigen und persönlichen Beweggründen sich für den Erhalt Ihrer Bibliothek einzusetzen . Unwillkürlich muss ich an den Stripper denken, der eigentlich für einen Junggesellenabschied gebucht, plötzlich mit runtergelassener Hose in eben jener Bibliothek anzutreffen ist. Aber auch den Stammgast der Bibliothek gibt es , der seit Jahren einen Wohnwagen sein Zuhause nennt und morgens als erstes in der Bibliothek vor den Türen steht um die sanitären Einrichtungen dort zu nutzen.

Die Geschichten die in diesem Buch erzählt werden sind vielfältig und originell und ergeben zusammen einen wunderbaren Roman über das Leben . Einen Roman über Gemeinschaft und Zusammenhalt und zuletzt natürlich auch über die Welt der Bücher . Ich fand es wunderbar mitzuerleben wie sich die einzelnen Individuen zusammentun um für ein gemeinsames Ziel zu kämpfen, so abwegig der Erfolg dieses Kampfes auch zu Beginn scheinen mag . June , die junge schüchterne Bibliothekarin mit einem völlig falschen Selbstbild macht eine erstaunliche Entwicklung durch . Ich mag sie als Charakter ebenso sehr wie die vielen anderen Bewohner dieses britischen Städtchens und sehr schnell wird man als Leser in den Bann dieser kleinen Gemeinschaft hineingezogen. In gewisser Weise ist dieses Buch nicht nur als Plädoyer für die Bibliotheken dieser Welt zu sehen , sondern auch ein Plädoyer an jeden Einzelnen für seine Ziele einzutreten. Das die einzelnen Geschichten auch immer wieder mit bekannten Büchern , Schriftstellern und literarischen Begebenheiten verwoben sind macht für mich als Buchliebhaber aber den meisten Reiz aus . Die letzte Bibliothek der Welt ist ein „Buch über Bücher“ und erwärmte sicherlich nicht nur mein Buchlieberherz. Bis zum Schluß fiebert man mit der bibliophilen Gemeinschaft mit und erfährt dabei nicht nur sanfte Töne , sondern eben auch an vielen Stellen einen erfrischenden Humor.
Mein Fazit: Ein gelungener, unterhaltsamer Roman, der gleichfalls auf tiefgründigen wie humoristischen Wegen wandelt.

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