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Veröffentlicht am 07.11.2025

Anstrengendes Familiendrama

Happiness Falls
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Als der vierzehnjährige Eugene alleine von einer Wanderung zurückkommt, fällt erst spät auf, dass sein Vater fehlt. Dies fällt umso mehr ins Gewicht, als dass Eugene besondere Bedürfnisse hat und Betreuung ...

Als der vierzehnjährige Eugene alleine von einer Wanderung zurückkommt, fällt erst spät auf, dass sein Vater fehlt. Dies fällt umso mehr ins Gewicht, als dass Eugene besondere Bedürfnisse hat und Betreuung benötigt. Da er sich nicht mitteilen kann, kann er seiner Mutter sowie seinen Geschwistern, dem zwanzigjährigen Zwillingspaar Mia und John, keinerlei Anhaltspunkte dafür geben, was passiert ist. Für Mia gilt es, Eugene vor der hinzugerufenen Polizei zu schützen, während die Familie versucht, hinter das Geheimnis des Verschwindens des Vaters zu kommen.

Die Geschichte wird aus der Perspektive von Mia erzählt, die ein unglaublich anstrengender Mensch ist. Sie erzählt nicht, sie führt aus, sie schwadroniert und schweift ab, ihre Fusszeilen könnte man legendär nennen, wären diese bedeutsam. Anfangs bin ich noch amüsiert und auch neugierig darauf, welche Wendung das Buch nehmen wird. Je weiter die Erzählung hinfort schreitet, desto desillusionierter werde ich, verliere allmählich das Interesse und schalte zwischendurch regelrecht ab. Anscheinend greift die Autorin in eine schier unerschöpfliche Kiste mit Themen, greift sich willkürlich eines heraus und baut es ein. Dies immer und immer wieder, egal ob es passt oder nicht. Das ist mir persönlich zu überladen.

Für mich war das Buch leider kein Vergnügen. Ich musste mich zwar nicht durchquälen, war aber nahe dran, hinzuschmeißen und abzubrechen. Dies habe ich nicht getan, denn letztendlich wollte ich dringend wissen, wie die Lösung war. Es war okay, mehr aber auch nicht.

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Veröffentlicht am 04.11.2025

Grandios!

Kälter
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In einer stürmischen Nacht im Herbst des Jahres 1989 kommen Männer auf Amrum an, die nichts Gutes im Schilde führen. Sie wissen nicht, dass die Provinzpolizistin, die sich ihnen in den Weg stellt, früher ...

In einer stürmischen Nacht im Herbst des Jahres 1989 kommen Männer auf Amrum an, die nichts Gutes im Schilde führen. Sie wissen nicht, dass die Provinzpolizistin, die sich ihnen in den Weg stellt, früher eine andere war. Menschen sterben, Freunde bleiben zurück und Luzy Morgenroth wird wieder zu der, die sie seinerzeit gewesen ist. Angetrieben von Rache will sie nun Vergeltung üben.

»Wahre Macht über Leben und Tod hast du nur, wenn du dann und wann jemandem erlaubst, fürs Erste weiterzuatmen.« (Seite 127)

Dies ist ein Buch, das ein gewisses Hintergrundwissen erfordert, was Geheimdienste und die Welt der Spionage betrifft, die Leserin und der Leser sollten zum Beispiel wissen, dass mit Tango kein Tanz gemeint ist, das kleine oder große Besteck nicht zum Essen einlädt, eine »Nasse Sache« nicht Wäsche aus der Waschmaschine meint und die in der Geschichte erwähnten Sherpas kein Volk aus Nepal sind. Man muss kein Profi sein, was dies angeht, aber das Entschlüsseln der üblichen Abkürzungen wie CIA, KGB, MI6, BND u.a. wird vorausgesetzt und nicht erklärt. Die Kenntnis von Fakten großer historischer Ereignisse ist von Vorteil und auch die der Namen mehr oder weniger bekannter Persönlichkeiten. Nicht, dass ich sicher bin, alles richtig zugeordnet zu haben übrigens. Was das Gesamtbild jedoch nicht im geringsten schmälert.

»Vielleicht begegnen wir uns wieder und finden dann heraus, wer von uns beiden kälter ist. Was meinen Sie: Sind Sie kälter als ich?« (Seite 136)

Der Meister der Agententhriller ist zurück und hat abgeliefert. Nichts weniger als ein Meisterwerk im Genre wurde es, großartig recherchiert und einfallsreich hinzu erfunden, was nicht wirklich passiert ist. Nach Jenny Aaron - Eingeweihte wissen, wen ich meine -, zum Zeitpunkt der Handlung übrigens noch ein Kind, eine starke Frauenfigur, die keine Wünsche offen lässt. Die Handlung rasant und spannend, das Wiedersehen mit bekannten Figuren wenig tränenreich, aber dadurch nicht minder emotional. Zumindest für mich war das passend und einfach wunderbar.

Wer Thriller auf hohem Niveau mit einem trockenen Humor mag, die Reales mit Fiktion vermischen, ohne dass man merkt, was davon gelogen ist und was wahr, der sollte zugreifen. Zehn Sterne von fünf sind das Minimum, auch wenn es mathematischer Unsinn ist. Für mich ist das egal, soviel ist mal klar!

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Hinter den Fassaden

Heimat
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Die schwangere Jana zieht mit Noah und den gemeinsamen zwei Kindern raus aufs Land, das kleine Haus steht in einer neugebauten Siedlung am Wald. Dort freundet sie sich mit Karolin an, die sie von Anfang ...

Die schwangere Jana zieht mit Noah und den gemeinsamen zwei Kindern raus aufs Land, das kleine Haus steht in einer neugebauten Siedlung am Wald. Dort freundet sie sich mit Karolin an, die sie von Anfang an fasziniert. Karolin ist eine sogenannte »Tradwife«, sie inszeniert ihr Leben offen auf Instagram. Jana verbringt mit ihr sowie weiteren Nachbarinnen viel Zeit und merkt bald, wie sehr sie sich deren Lebensstil annähert.

»Tradwife« ist ein englischer Begriff für traditionelle Ehefrau und bezeichnet Frauen, die sich bewusst für ein Leben in traditionellen Geschlechterrollen entscheiden, bei dem sie sich auf Haushalt, Familie und Kinder konzentrieren und auf eine berufliche Karriere verzichten. Mir war dieser Begriff bisher nicht geläufig, umso neugieriger war ich darauf, mehr darüber zu erfahren.

Jana war ein schwieriger Charakter, für mich persönlich stellte sie den typischen Mitläufer-Typ dar, was perfekt zur Geschichte passte. Diese fand ich ungemein unterhaltsam, wenn ich auch einige Aspekte nicht vollständig verstanden habe - einige Dinge fand ich zudem überflüssig, wenn auch interessant. Das Buch bot viel Stoff zum Nachdenken, aber auch zum Diskutieren und dies war es, was ich großartig fand. Gerne empfehle ich es weiter.

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Veröffentlicht am 28.10.2025

Eher schwach

Welcome Home – Du liebst dein neues Zuhause. Hier bist du sicher. Oder?
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Ines und Marco Winkler ziehen mit ihrer kleinen Tochter Emilia in ihr erstes eigenes Haus, mit von der Partie ist der Labradoodle James. In der neu gebauten Siedlung Auf Mons kommen sie schnell mit den ...

Ines und Marco Winkler ziehen mit ihrer kleinen Tochter Emilia in ihr erstes eigenes Haus, mit von der Partie ist der Labradoodle James. In der neu gebauten Siedlung Auf Mons kommen sie schnell mit den Nachbarn in Kontakt, die Gemeinschaft scheint gut zusammenzupassen. Als Ines eines Nachts aufwacht, weil sie sich beobachtet fühlt, bekommt die Idylle erste Risse, und als Marco im Nachbarhaus eine tote Frau findet, ist das Grauen riesig, denn jeder könnte der nächste sein.

Nach dem großartigen Psychothriller von Arno Strobel letztes Jahr war ich sehr gespannt auf sein neues Buch, der Klappentext versprach zwar nichts weltbewegend Neues, aber dennoch eine nervenaufreibende Geschichte. Leider muss ich sagen, dass ich ziemlich enttäuscht bin, denn nach einem interessanten Einstieg wähnte ich mich in einer Zeitschleife und drehte mich zusammen mit Marco im Kreis. Begleitet wurden wir dabei von James, dessen Namensgeber der echte Hund des Autors ist, und der viel, sehr viel Platz im Buch bekam, inklusive genauer Angaben, wann er sich gelöst hat und wo seine Hinterlassenschaften entsorgt worden sind. Ich verstehe, dass man seinem Tier ein Denkmal setzen möchte, aber dies ist einfach der falsche Weg.

Die Geschichte plätscherte überwiegend vor sich hin, erst nach zweihundert Seiten schreckte ich kurz aus meiner Lethargie hoch, um festzustellen, dass sich nicht wirklich was in der Siedlung getan hat und Marco immer noch den gleichen Überlegungen nachhing. Ja, es gab Tote, es gab Verdächtige und eine Drohung gab es auch. Und Hundespaziergänge! Davon gab es mehrere. Wie schön. Die Auflösung kam sehr überraschend, keine Ahnung, wo die plötzlich hergekommen ist. In sehr kurzer Zeit war das Buch zu Ende und ich enttäuscht, dass da nicht mehr gewesen ist. Insgesamt ein ruhiger Spannungsroman, der okay war. Nicht mehr und nicht weniger.

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Veröffentlicht am 26.10.2025

davor und danach

Und ich werde dich nie wieder Papa nennen
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»Ich klammere mich an die Vorstellung, dass durch diesen Bericht die Scham die Seite wechseln wird. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass mein Text auch anderen Menschen, die manipuliert werden, hilft, sich ...

»Ich klammere mich an die Vorstellung, dass durch diesen Bericht die Scham die Seite wechseln wird. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass mein Text auch anderen Menschen, die manipuliert werden, hilft, sich wieder aufzurichten.« (Seite 209)

Durch einen Zufall erfährt die Familie von Dominique Pelicot, dass er fast zehn Jahre lang seine Frau betäubt hat, um sie durch fremde Männer sexuell missbrauchen zu lassen. Weder Gisèle Pelicot, noch die restlichen Familienmitglieder ahnten auch nur im geringsten das tatsächliche Ausmaß dieses Missbrauchs, wie er in der Folgezeit ans Licht kommt. Caroline Darian schildert im vorliegenden Buch, wie sie diese Zeit erlebt und überlebt hat.

»Ich werde ihm nie verzeihen, was er in all den Jahren getan hat. Und doch bleibt mir das Bild des Vaters, den ich zu kennen glaubte. Es ist trotz allem fest in mir verankert, mein Lebenshintergrund.« (Seite 13)

Dieser Tatsachenbericht ist der ehrlichste, erschütterndste und mutigste Text, den ich in letzter Zeit lesen durfte. In Tagebuchform zählt Caroline Darian schonungslos die Fakten auf, erzählt davon, wann und wie sie erfahren hat, was Dominique Pelicot seiner Frau, seiner Tochter und der restlichen Familie angetan hat. Sie schildert die Ängste, die sie ausgestanden, die Fragen, die sie sich gestellt hat und legt die unglaublichen Perversionen ihres Erzeugers auf den sprichwörtlichen Tisch. Leicht ist dieses Buch nicht zu lesen, viele Pausen brauchte ich, um es zu beenden. Ein schockierendes Werk, das Praktiken offenlegt, die mich sprachlos machen. Ein wichtiges Buch, das zeigt, dass nicht die Opfer sich schämen sollen, sondern die Täter.

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