Leicht und unterhaltsam
Das Fräulein BuchhändlerinIn Bielefeld des Jahres 1965 ist die Welt noch in Ordnung, aber noch ist die Zeit nicht gekommen, in der Frauen heiraten und berufstätig sein können. Die Buchhändlerin Amanda sieht das anders, trotz Verlobung ...
In Bielefeld des Jahres 1965 ist die Welt noch in Ordnung, aber noch ist die Zeit nicht gekommen, in der Frauen heiraten und berufstätig sein können. Die Buchhändlerin Amanda sieht das anders, trotz Verlobung in die besseren Kreise sieht sie sich nicht als Ehefrau und Mutter, sondern träumt davon, eine eigene Buchhandlung zu eröffnen. Als sich die Gelegenheit ergibt, den Laden ihres Chefs Otto Angler zu übernehmen, stürzt sich Amanda in den Kampf gegen engstirnige Männer und die Umstände der damaligen Zeit.
»Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass du mit dieser Nummer durchkommst, Amanda. Wir sind nicht in Amerika. Und es ist 1965. Du kannst im Jahr 2000 solche Faxen machen. Verheiratet mit dem Studierer oder Buchhändlerin. Eins von beidem.« (Seite 61)
Martina Bergmann nimmt die Leserinnen und Leser an die Hand und reist mit ihnen zurück in die Vergangenheit. Der Krieg ist vorbei, das Gröbste geschafft, die Zeit reif für ein Wirtschaftswunder. Mit der Emanzipation der Frauen allerdings ist es noch nicht weit her. Ein Fräulein durfte lernen, arbeiten durfte es auch, zumindest bis zur Heirat, denn mit der Bezeichnung als Frau endete dieses Kapitel, der Herd, das Heim und im besten Fall die Kinder, sie riefen. Karriere machte nur, wer ein Fräulein blieb. Man hatte also die Wahl, aber fair war das nicht.
Man merkt der Autorin, die selbst eine Buchhandlung betrieb, die Liebe zu Büchern, aber auch zu Ostwestfalen an, ihr Loblied auf Bielefeld rührte mich ein bisschen. Die Sprache ist der damaligen Zeit angepasst, was mich manchmal stutzen ließ, jedoch auch dazu beitrug, dass ich mich in die Vergangenheit zurückversetzt fühlte. Es ist ein leichter Roman, der Ereignisse thematisiert, die ich so nicht kennengelernt habe, was ich als ein großes Privileg empfinde. Die Geschichte von Amanda steht stellvertretend für viele andere Frauen, es ist imponierend und inspirierend, so viel ist klar. Lesenswert!