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Veröffentlicht am 09.09.2025

WARDA - Die Dornen der Rose: Roman: Zeitgenössisches Liebesdrama (German Edition) by Rose Daniel

WARDA
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Rezension zu "Varda – Die Dornen der Rose" von Rose Daniel, erschienen im RoseRed Verlag (Selfpublishing der Autorin)

Triggerwarnung: Das Buch thematisiert Terrorismus, Rechtsextremismus, religiös-politische ...

Rezension zu "Varda – Die Dornen der Rose" von Rose Daniel, erschienen im RoseRed Verlag (Selfpublishing der Autorin)

Triggerwarnung: Das Buch thematisiert Terrorismus, Rechtsextremismus, religiös-politische Konflikte, Gewalt, Tod und Trauer. Es enthält blutige, realistische Darstellungen.

Inhalt (spoilerfrei): Nach einem verheerenden Anschlag erwacht eine junge Frau ohne Erinnerung und findet sich plötzlich inmitten einer Familie wieder, die selbst Opfer des Attentats geworden ist. Während sie dort als „Varda“ ein neues Leben beginnt, holt sie Stück für Stück ihre Vergangenheit ein. Zwischen Liebe, Misstrauen und dem Kampf um Wahrheit entfaltet sich eine Geschichte, die die Grenzen zwischen Opfer und Täter verschwimmen lässt.

Erzählstil: Erzählt wird aus einer auktorialen Perspektive. Man erhält Einblicke in die Gedanken und Motive aller Figuren, d.h. auch der Täter:innen. Das macht die Geschichte komplex und authentisch, aber gleichzeitig führt diese Perspektive zu einer spürbaren Distanz. Ich konnte mich keiner Figur wirklich nah fühlen. Emotionaler Sog blieb für mich dadurch aus, obwohl die Erzählweise für diese Art Geschichte wohl kaum anders möglich gewesen wäre. Sprachlich ist die Autorin klar und schnörkellos, mit Anleihen an Drehbuch-Szenen; kein Wunder, da Rose Daniel ursprünglich für Film schreibt.

Figuren: Die Figuren sind vielschichtig, auch wenn sie für mich schwer greifbar blieben. Besonders spannend fand ich, dass auch Täter:innen nicht eindimensional schwarz gezeichnet sind, sondern als Menschen mit Familien, Hoffnungen und persönlichen Geschichten erscheinen. Dadurch wird klar: „das Böse“ existiert nicht losgelöst, sondern inmitten von menschlichen Bezügen.
Mitfühlen konnte ich am ehesten mit der trauernden Familie Al-Bari; deren Schmerz ist sehr authentisch gezeichnet. Vardas/Agneshas Entwicklung ist ebenfalls nachvollziehbar dargestellt. Schwieriger fand ich Tama: Er steht für Gerechtigkeit und Atheismus, macht aber auch stereotype, männlich geprägte Aussagen, die nicht kritisch reflektiert werden. Ob die Autorin überhaupt wollte, dass man mit einer Figur wirklich sympathisiert, bleibt offen.

Symbolik: Die Rose zieht sich als Symbol konsequent durch das gesamte Buch: vom Pseudonym der Autorin über den Verlagsnamen bis hin zur Protagonistin und schließlich zum Titel „Die Dornen der Rose“. Auch innerhalb der Geschichte wird die Metapher ständig aufgegriffen: Schönheit, die verführt, aber auch verletzt, ähnlich wie die Liebe, was Tama immer wieder betont. Für mich persönlich war das deutlich zu präsent. Hier hätte ich mir eine subtilere, zurückhaltendere Gestaltung gewünscht, weil die Symbolik sonst schnell überladen wirkt. Das ist zwar letztlich eher ein oberflächlicher Kritikpunkt, hat mir aber spürbar den Eindruck getrübt.

Fazit: Varda greift ein hochaktuelles, wichtiges Thema auf, das in der Literatur noch viel zu selten behandelt wird. Liebe versus Hass, Schuld versus Hoffnung. All das wird in einer komplexen, manchmal sehr drastischen Geschichte verhandelt. Der Anfang zieht sich etwas, das Ende driftet ins Actionreiche, doch insgesamt ist es ein mutiges, eindringliches Werk, das zum Nachdenken über Gewalt, Religion, Verlust und Menschlichkeit anregt.

3,5 Sterne (aufgerundet 4 Sterne für das mutige Thema)

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.09.2025

Typische feel-good Literatur aus Japan

Der Laden in der Mondlichtgasse
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✨ Rezension zu "Der Laden in der Mondlichtgasse" von Hiyoko Kurisu, übersetzt von Charlotte Scheurer und erschienen im Droemer Knaur Verlag. Die Autorin hat mit "The Twilight Post Office in the Night Alley" ...

✨ Rezension zu "Der Laden in der Mondlichtgasse" von Hiyoko Kurisu, übersetzt von Charlotte Scheurer und erschienen im Droemer Knaur Verlag. Die Autorin hat mit "The Twilight Post Office in the Night Alley" inzwischen eine Fortsetzung vorgelegt.

📖 Inhalt (spoilerfrei): In einer kleinen japanischen Stadt gibt es einen unscheinbaren Schrein. Menschen, deren Dasein ins Wanken geraten ist, finden dort den verborgenen Zugang zur Mondlichtgasse, einem Ort zwischen dem Diesseits und dem Jenseits. Am Ende dieser Gasse liegt eine traditionsreiche Confiserie namens "Kohaku", geführt von Kogetsu, halb Mensch, halb Fuchsgeist. Besucher:innen können dort Süßigkeiten erwerben, die manchmal eine besondere Wirkung haben können.

✍️ Erzählstruktur und -stil: Der Roman ist in sechs eigenständige Geschichten eingeteilt, die alle nur durch Kogetsus größtenteils stille Beobachtung verbunden sind. Jedes Kapitel trägt den Namen der jeweiligen Süßigkeit, die darin verzehrt wird, und ist mit einer passenden Illustration versehen. Im Anhang findet sich zudem ein Glossar, in dem alle erwähnten Süßigkeiten, typische japanische Kleidung sowie die auftauchenden Geister, Tiere und humanoiden Fabelwesen aus dem Volksglauben erklärt werden. Jede Episode folgt einem ähnlichen Rhythmus: eine Figur in einer Krise, der Weg durch den Schrein, die Begegnung in der Confiserie, eine kleine Veränderung. Das wirkt vertraut, fast rituell, aber auch schnell repetitiv. Die Sprache ist schlicht, zugänglich und ruhig. Der Tonfall erinnert an Märchen, weniger an komplexe Prosa, und legt den Fokus klar auf Atmosphäre statt auf sprachliche Raffinesse. Das Buch lässt sich gut in eine Strömung der zeitgenössischen japanischen Unterhaltungsliteratur einordnen, die unter Begriffen wie iyashikei (癒し系, „heilend/beruhigend“) oder feel-good literature bekannt ist. Diese Texte wollen kein literarisches Gewicht entfalten, sondern ein wohliges, leicht melancholisches, letztlich beruhigendes Gefühl vermitteln. Typisch sind der episodische Aufbau, die rituelle Wiederholung ähnlicher Muster, die Vermittlung kleiner Lebensweisheiten (Ehrlichkeit, Selbstakzeptanz, Loslassen) sowie der Vorrang von Atmosphäre vor psychologischer Tiefe.

👥 Figuren: Die Figuren sind eher Typen als tief ausgearbeitete Charaktere: Menschen, die Einsamkeit, Schuld, Selbstzweifel oder Sehnsucht verkörpern. Sie stehen stellvertretend für allgemeine menschliche und emotionale Erfahrungen und entwickeln sich nur in kleinen Schritten. Kogetsu, der Fuchsgeist, bleibt geheimnisvoll und distanziert, fast wie ein melancholischer Fremder. Erst allmählich zeigt sich, wie auch er durch menschliche Begegnungen berührt wird.

🌙 Symbole: Die Menschen, die den Schrein betreten, stehen jeweils in einer Phase tiefen Kummers und innerer Zerrissenheit. Aus diesem Zustand heraus werden sie in die Mondlichtgasse geführt, an deren Ende sie die Confiserie finden. Der Schrein markiert dabei eine Schwelle, und die Gasse selbst wirkt wie ein Zwischenraum: ein stiller Ort, der Menschen im Verborgenen zu einer Begegnung mit sich selbst führt. Die Süßigkeiten sind Symbole für kleine, selbst gewählte Impulse: Sie ersetzen keine Lösung, eröffnen aber die Möglichkeit für neue Wege. Folkloristische Elemente wie der Fuchsgeist verankern das Ganze in der japanischen Sagenwelt, ohne die Geschichten zu überfrachten. Besonders hervorzuheben ist die Symbolik des Bernsteins: Der Laden trägt den Namen Kohaku, was sowohl auf den Familiennamen eines Menschen verweist, dem er gewidmet ist, als auch auf Kohakutō, eine traditionelle Süßigkeit, die „Bernsteinzucker“ bedeutet. Wörtlich übersetzt würde der Titel des Buches auf Deutsch „Der Süßigkeitenladen im Bernsteinschein der Nachtgasse“ heißen.

💭 Fazit: "Der Laden in der Mondlichtgasse" ist ein typisches Beispiel japanischer Cozy-Literatur: warm, atmosphärisch und märchenhaft. Es geht um Ehrlichkeit, Mitgefühl, Offenheit, Achtsamkeit. Themen, die einfach und kindlich-naiv vermittelt werden. Für mich persönlich war die Lektüre daher zu repetitiv, zu simpel und zu wenig fesselnd, um wirklich zu berühren. Als kleine, tröstliche Zwischendurchlektüre funktioniert das Buch jedoch gut, wie eine Süßigkeit, die man sich kurz gönnt, ohne dass sie lange vorhält.

3|5 ⭐️

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.09.2025

Einfach so wundervoll!

Wilde Berge des Balkan
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„Wilde Berge des Balkan – Ein Fernwander-Abenteuer der Bergfreundinnen“ begleitet Katharina Kestler (aka Kaddi), Antonia Schlosser (aka Toni) und Lisa Bartelmus (die „Neue im Bunde“) auf ihrer Weitwanderung ...

„Wilde Berge des Balkan – Ein Fernwander-Abenteuer der Bergfreundinnen“ begleitet Katharina Kestler (aka Kaddi), Antonia Schlosser (aka Toni) und Lisa Bartelmus (die „Neue im Bunde“) auf ihrer Weitwanderung durch den Balkan. In abwechselnden Perspektiven erzählen die drei Frauen ehrlich, humorvoll und reflektiert davon, wie sie körperlich wie mental an ihre Grenzen stoßen, wie ihre Freundschaft sich vertieft und welche inneren Konflikte und Ängste sie unterwegs begleiten.

Das Cover finde ich super gestaltet. Das Foto der drei Frauen mit vollem Gepäck vor beeindruckender Bergkulisse ist einfach beeindruckend. Und vor allem: erfrischend frei von klischeehaft „weiblicher“ Inszenierung. Kein Rosa, kein verspieltes Lettering, keine Blumenästhetik, obwohl es sich um ein Buch über drei Frauen handelt. Es macht deutlich, dass dieses Buch sich nicht an ein reines Frauenpublikum richtet, sondern an alle, die sich fürs Wandern in der Wildnis interessieren.

Die drei Frauen suchen nach der unberührten Wildnis und fragen sich dann, ob sie ihre Erfahrungen dort wirklich veröffentlichen sollten oder die selten gewordene unberührte Natur nicht lieber vor der Öffentlichkeit schützen sollten. Das Buch thematisiert so viele wichtige Themen, wie eben die Verantwortung, die mit dem touristischen Wandern einhergeht. Aber auch Themen wie stereotype Rollenbilder, die Gender Pay Gap oder sexualisierte Gewalt.

Der Schreibstil ist nahbar, direkt und manchmal wunderbar vulgär. Ich habe so häufig gelacht und hatte das Gefühl, die drei Wanderinnen tatsächlich gerade zu begleiten. Es ist so echt und nahbar geschrieben; ich schwöre, ich konnte den Geruch des Bären Kots riechen! Ich habe selbst letztes Jahr eine Wanderung durch den Balkan unternommen und konnte mich in so vielem wieder erkennen; von mit Panzertape improvisierten Wanderschuh bis zum Gefühl, sich trotz Schmerzen durchzubeißen. Die drei Frauen sprechen offen über körperliche Grenzen, Wechseljahre, Erschöpfung und Selbstzweifel – und genau das macht sie so nahbar. Zwischen all den Höhenmetern und Grenzüberschreitungen nehmen sie sich immer wieder Zeit für persönliche Reflexion. Durch verschiedene kürzere Zeitsprünge wird es niemals langweilig und durch die an passender Stelle eingefügten Interviews erfährt man super spannende Infos über die Trail-Infrastruktur oder das oft ehrenamtlich organisierte Rettungssystem.
Besonders die integrierten Karten und Etappenübersichten sind schön gestaltet und hilfreich, um der Wanderung besser folgen zu können. Die Fotos im Mittelteil des Buches haben mir das Gefühl gegeben, tatsächlich dabei gewesen zu sein.

Ich kann das Buch von ganzem Herzen empfehlen. Es hat mir unglaublichen Spaß gemacht, es zu lesen, denn es ist ehrlich, laut, verletzlich, wild und wunderschön. Eine ganz klare Empfehlung!

  • Einzelne Kategorien
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Veröffentlicht am 04.09.2025

Große Klasse!

Die Geschichten in uns
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✨ REZENSION zu „Die Geschichten in uns“ von Benedict Wells erschienen im @diogenesverlag

Wow. Dieses Buch hat mich richtig überrascht 🙈🙌🏼 und zwar auf die schönste Art. Ich dachte erst, es sei so eine ...

✨ REZENSION zu „Die Geschichten in uns“ von Benedict Wells erschienen im @diogenesverlag

Wow. Dieses Buch hat mich richtig überrascht 🙈🙌🏼 und zwar auf die schönste Art. Ich dachte erst, es sei so eine Art Sachbuch über das Schreiben, vielleicht ein bisschen trocken, vielleicht etwas theoretisch. Doch es war vielmehr wie ein Gespräch mit einem guten Freund, der uns mitnimmt in seine Welt und dass auf so warme, kluge und humorvolle Weise, dass man gar nicht mehr raus will...

Benedict Wells plaudert ehrlich und nahbar über seine Liebe zum Schreiben und nimmt uns mit auf eine Reise durch sein Leben: von Kindheitserinnerungen bis hin zu seinen ersten Buchveröffentlichungen. Dabei gibt er spannende Einblicke, wie Geschichten überhaupt entstehen, was sie richtig gut macht und wie man mit kreativen Durststrecken umgeht. Mal tiefgründig, mal witzig, aber immer echt.

Er schreibt leicht und gleichzeitig so tief. Ohne große Show, ohne aufgeblasene Phrasen. Seine Sätze fließen, als würden sie einfach genau so aus ihm herausfallen, wie sie im Kopf klingen. Und doch steckt so viel Eleganz und Feingefühl drin. Besonders seine Bildsprache gefiel mir gut. Mit Selbstironie und liebevollem Spott vergleicht er sich mal mit einem aus dem Nest gefallenen Vogel, der zerrupft aussieht, mal mit einer Katze, die auf einem Pizzakarton schläft. Seine Art zu schreiben ist unglaublich nahbar und authentisch.

Er teilt ganz offen seine traumatischsten Erlebnisse sowie am Ende sogar eine Rohfassung aus einem seiner Bücher mit dem Hinweis „Lesen auf eigene Gefahr“ und lädt einen ein, selbst dran rumzudoktern, mit allem, was man davor im Buch übers Schreiben gelernt hat.

Ich fand das Buch unglaublich inspirierend und humorvoll. Es animiert dazu, die Technik hinter dem Schreiben zu hinterfragen und ich habe nun ein viel besseres Gespür dafür, wie gelungenes Erzählen funktioniert. Außerdem macht es Lust, jedes seiner erschienenen Bücher zu lesen, wodurch sich meine #TBR Liste nun nochmal deutlich vergrößert hat 🙌🏼🙈❤️

5|5 ⭐️

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Enttäuschend

Der Gott des Waldes
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✨ REZENSION zu „Der Gott des Waldes“ von @lizmoorebooks, erschienen im @c.h.beckliteratur Verlag, übersetzt von Cornelius Hartz

📖 Inhalt (spoilerfrei):
Zwei Kinder verschwinden zeitversetzt in einem Sommercamp. ...

✨ REZENSION zu „Der Gott des Waldes“ von @lizmoorebooks, erschienen im @c.h.beckliteratur Verlag, übersetzt von Cornelius Hartz

📖 Inhalt (spoilerfrei):
Zwei Kinder verschwinden zeitversetzt in einem Sommercamp. Während die Suche beginnt, werden alte Geheimnisse, Machtmissbrauch und soziale Spannungen sichtbar.

👓 Erzählweise & -struktur:
Der Roman arbeitet mit einer anspruchsvollen Erzählstruktur, die sich aus Zeitsprüngen, Metaebenen und multiplen Erzählinstanzen zusammensetzt. Zum Glück hilft der kleine Zeitstrahl am Kapitelanfang dabei, den Überblick bei all den Zeitsprüngen nicht zu verlieren. Obwohl die Kapitel angenehm kurz sind, zieht sich die Handlung (besonders auf den ersten 200 Seiten) sehr träge dahin. Aufgefallen ist mir außerdem ein Tempuswechsel: Während der Großteil im Präsens erzählt ist, wechselt die Perspektive bei einer Person am Ende plötzlich ins Präteritum. Das hat mich irritiert und eine funktionale Begründung habe ich dafür nicht gefunden.

🙋🏼‍♀️ Charaktere:
Ich fand die Figuren sehr unrund und zu oberflächlich. Die Zwölfjährige Tracy steht im Zentrum vieler Kapitel, doch ihre innere Stimme wirkt oft unglaubwürdig erwachsen, was nicht altersgerecht erscheint. Wenn eine Zwölfjährige über elterliche Sorgerechtsentscheidungen oder das wirtschaftliche Privileg anderer Kinder reflektiert, wirkt das etwas konstruiert. Gleichzeitig staunt sie am Ende über einfache Begriffe, was dann einfach inkonsistent wirkt. Man hat stellenweise das Gefühl, dass die Autorin eher wie ein erwachsener Beobachter schreibt als aus der Sicht eines Kindes. Auch andere Charaktere wirken unauthentisch, wie etwa eine klischeehaft versnobte Familie oder ein Gefängnisausbrecher fühlen sich eher wie Bausteine eines Konzepts an. Die Figuren wirken alle sehr flach, da ist keine komplexe Charakterentwicklung.

💡 Kurz und Knapp:
Ein Buch, das handwerklich ambitioniert ist, aber für mich emotional und erzählerisch nicht funktioniert hat. Es will so vieles gleichzeitig sein: literarisch, mystisch, tiefgründig, erreicht dabei aber oft nur eine oberflächliche Skizze dieser Ebenen. Die Geschichte bleibt für mich zu konstruiert, zu sprunghaft und zu unnahbar.

3|5 ⭐️

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