Fesselnd!
Verdacht - Drei Frauen. Zwei Opfer. Ein mörderischer Plan.Wer mir auf instagram folgt, dürfte gemerkt haben, dass ich zurzeit am liebsten Romance lese. Zwischendurch habe ich aber doch immer wieder Lust auf was „spannenderes“ – also war es mal wieder Zeit für ...
Wer mir auf instagram folgt, dürfte gemerkt haben, dass ich zurzeit am liebsten Romance lese. Zwischendurch habe ich aber doch immer wieder Lust auf was „spannenderes“ – also war es mal wieder Zeit für einen Thriller. Von S.M. Govett hatte ich vorher noch nie gehört und war dementsprechend gespannt darauf, eine neue Autorin zu entdecken. Das Cover ist genau nach meinem Geschmack – schlicht, aber auch verstörend mit dem Blut am Zaunpfahl.
Unsere Hauptfigur in „Verdacht“ ist Natalie, deren Leben seit einem traumatischen Erlebnis von immer wiederkehrenden Blackouts überschattet wird. Als sie nach langer Zeit erneut einen anonymen Brief erhält, in dem sie als Lügnerin beschimpft wird, brechen alte Wunden auf. Die Erinnerungslücken sind Teil einer posttraumatischen Belastungsstörung, ausgelöst durch eine Vergewaltigung, für die der Täter nie zur Rechenschaft gezogen wurde.
Ihr Ehemann Ryan war in all den Jahren eine verlässliche Stütze, bis er plötzlich selbst unter Verdacht gerät. Eine Kollegin wird tot aufgefunden, und ausgerechnet Ryan scheint der Hauptverdächtige zu sein. Doch auch Natalie könnte stärker in die Ereignisse verstrickt sein, als ihr lieb ist. Das größte Problem: Wegen ihrer Blackouts kann sie sich nicht einmal sicher sein, wo sie zur Tatzeit gewesen ist.
Parallel dazu begleitet der Roman DI Helen Stratton bei ihren Ermittlungen. Auch sie trägt eine schwere Vergangenheit mit sich. Als Teenager verschwand ihre ältere Schwester Karen spurlos, und die damaligen Ermittlungen verliefen im Sande. Dieses ungelöste Trauma prägt Helen bis heute und war letztlich der Grund für ihre Berufswahl. Jeder neue Fall ist für sie mehr als nur Routine – er ist auch ein Versuch, den Opfern Gerechtigkeit zu verschaffen. Selbst Jahrzehnte später lässt sie die Suche nach ihrer Schwester nicht los.
Die Handlung wird abwechselnd aus den Perspektiven von Natalie und Helen erzählt. Dadurch entsteht ein spannendes Wechselspiel zwischen persönlicher Betroffenheit und polizeilicher Ermittlungsarbeit. Beide Figuren sind stark von ihrer Vergangenheit geprägt, was ihre Entscheidungen und Wahrnehmungen beeinflusst. Besonders Natalies Sichtweise empfand ich durch ihre Erinnerungslücken zunehmend unzuverlässig – das hat die Spannung nochmal erhöht, weil es neue Theorien aufgeworfen hat.
Ich brauchte zu Beginn eine Weile, um in das Buch zu kommen, eine Verbindung zu den Figuren und ihren Erlebnissen aufzubauen. Spätestens mit dem Fund der Leiche von Alice zieht das Tempo jedoch deutlich an. Schnell scheint mit Ryan ein Täter gefunden zu sein, denn die Indizien sprechen klar gegen ihn. Gleichzeitig wird rasch deutlich, dass hinter der Tat mehr steckt und die Spuren möglicherweise gezielt gelegt wurden. Immer neue Verdächtige tauchen auf, Hinweise führen in die Irre, und vermeintliche Gewissheiten lösen sich im nächsten Kapitel wieder auf.
Der Thriller setzt weniger auf tiefgehende psychologische Analyse als auf Spannung, Tempo und geschickte Wendungen. Die Mischung aus Psychothriller und klassischer Polizeiarbeit funktioniert gut und hält die Spannung konstant hoch. Als Leser wird man immer wieder dazu verleitet, eigene Theorien aufzustellen – nur um sie kurze Zeit später wieder verwerfen zu müssen.
Insgesamt ist „Verdacht“ für mich ein packender, temporeicher Thriller mit vielschichtigen Hauptfiguren und einem raffinierten Perspektivwechsel. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für alle, die auf kurze (368 Seiten), rasante Thriller mit vielen Wendungen stehen.