Eine kluge, liebevolle und hoffnungsspendende Perspektive
Liebe Wilhelmine oder Plädoyer fürs Kinderkriegen in der KlimakriseIch liebe die Reihe des Kjona-Verlags und ehrlicherweise weiß ich da nie, wieso ich etwas von der Wertung abziehen sollte, weil es eben immer Meinungsbeiträge sind, die bislang doch stets meine eigene ...
Ich liebe die Reihe des Kjona-Verlags und ehrlicherweise weiß ich da nie, wieso ich etwas von der Wertung abziehen sollte, weil es eben immer Meinungsbeiträge sind, die bislang doch stets meine eigene Perspektive erweitert haben. Auch dieser Band hat das absolut erfüllt.
Ich bin sehr gefestigt und zufrieden in meiner Überzeugung, selbst keine Kinder zu wollen. Das soll aber nicht bedeuten, dass mir Eltern- und Kinderperspektiven egal sein dürfen - im Gegenteil. In einer solidarischen, gleichberechtigten Welt müssen all die verschiedenen Bedürfnisse irgendwie zusammengebracht werden. Diese Ansicht teilt auch Marisa Becker und schreibt deshalb in ihrem Essay eindringlich und liebevoll von einer Zukunft, die für alle aktuellen und noch kommenden Generationen lebenswert ist.
Dass die Klimakrise real ist, vergisst sie dabei selbstverständlich nicht. Sie balanciert jedoch stets gut zwischen realem Ernst und freundlichem Optimismus. Wie sie selbst schreibt, haben Menschen für viele Dinge schon kluge Lösungen gefunden und maßgeblich daran beteiligt sind immer auch die neuen Generationen, die frischen Wind in Debatten und Innovationen bringen. Becker wirft die wirklich berechtigte Frage auf, für wen es sich denn zu kämpfen lohnt, wenn nicht für die noch kommenden Menschen?
Sie widerlegt Mythen rund um Kinder als Klimasünde und Überbevölkerung, ohne dabei je den Ernst der Lage zu verkennen. Dennoch gelingt es hier gut, die Verantwortung der Einzelnen vor allem auf die Systemkritik und eine Neuausrichtung ebendiesen Systems auszurichten. Becker bleibt sachlich, aber auch zugewandt und ich habe ihre Gedanken gern gelesen. An keiner Stelle habe ich mich in meiner eigenen Entscheidung bevormundet gefühlt, im Gegenteil. Die Autorin ergreift Partei dafür, dass alle Menschen die Kinderentscheidung selbst treffen können und adultistisch sowie rassistisch begründete Narrative bei dieser Entscheidung keine Rolle spielen sollten.
Ihr wertschätzender Blick auf insbesondere Eltern und Kinder hat mich berührt, ihre Impulse meinen Horizont erweitert. Denn Kinder suchen sich ihre Welt nicht aus, wir müssen sie für sie so gestalten, dass sie lebenswert ist und bleibt. Das schmale Werk lege ich wirklich allen Nicht-Eltern wie auch Eltern ans Herz. Es macht Hoffnung und Mut - und davon können wir schließlich nie genug haben.