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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.04.2026

Gut geplottet, fesselnd geschrieben und hält absolut, was es verspricht

Dire Bound
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Sich vor dem Lesen vor Augen zu halten, was das Buch für einen Anspruch hat, halte ich für sehr wichtig. Es ist Romantasy und eben nicht High Fantasy - entsprechend kann ich die Kritik daran, dass es spicy ...

Sich vor dem Lesen vor Augen zu halten, was das Buch für einen Anspruch hat, halte ich für sehr wichtig. Es ist Romantasy und eben nicht High Fantasy - entsprechend kann ich die Kritik daran, dass es spicy Szenen und einen gewissen Fokus auf die Liebesbeziehung gibt, nicht so recht nachvollziehen. Abgesehen davon wird damit geworben, dass es für Fans von „The Hunger Games“ und „Fourth Wing“ geeignet ist - eine äußerst präzise Einordnung, die ich nur unterschreiben kann und die ihren Leser:innen von Anfang an nichts vormacht. Die TW hinten sollten wirklich auch ernst genommen werden - ich empfand einige Szenen als arg brutal.

Zwischendrin hatte ich auch immer mal Bedenken, ob mir die Parallelen zu groß sind. Und ja, Innovationen gibt es meiner Meinung nach nicht zuhauf. Allerdings sind alle Elemente gut auf diese Geschichte adaptiert und einfach äußerst packend eingebunden. Ich fand sie damit insgesamt betrachtet fast fehlerfrei rund und habe sie inhaliert.

Ein großes Lob gibt es von mir für queere Nebencharaktere und eine schwerhörige Figur, die auch abseits davon ein interessanter Mensch ist. Außerdem werden Klassenunterschiede scharf thematisiert - hier werden die Parallelen zu „The Hunger Games“ sehr deutlich. Die Charakterentwicklung von Meryn hat mir richtig gut gefallen. An einigen Stellen erinnert sie in ihrer Naivität an Violet aus „Fourth Wing“ und das ist durchaus etwas fragwürdig, nimmt für mein Empfinden hier aber deutlich weniger Raum ein.

Stattdessen muss die Protagonistin lernen, ihre Einzelkämpferinnenrolle abzulegen und sowohl Freund:innenschaften zu knüpfen als auch in Kooperation mit anderen zu arbeiten. Das ist eine tolle Plotgrundlage und ich fand die Beziehungen mehrheitlich glaubwürdig geschrieben.

Da es Romantasy ist, spoilert das natürlich von Anfang an zumindest grob, in welche romantische Richtung das Ganze sich entwickelt. Der erste Teil ist diesbezüglich aber noch sehr sehr Slow Burn, obwohl es dennoch ordentlich Spice gibt. Das passende Maß ist da für jede Person verschieden. Für mich hat es total gepasst (von den üblichen Klischees mal abgesehen) und die Häufigkeit lässt sich meiner Meinung nach damit rechtfertigen, dass hier im Subtext die Veränderung der Beziehung abgebildet wird.

Ansonsten lässt sich nicht viel sagen ohne die Handlung zu spoilern. Ich habe selten so viel am Stück gelesen wie hier. Die Welt ist nicht zu komplex und die Handlung hat genau das richtige Tempo für mich. Die Figurentiefe empfand ich als völlig hinreichend, auch wenn mich einige Tropes einfach etwas nerven und ich so manche Männerfigur in ihrer Entwicklung bedaure.

Nichtsdestotrotz ist das Buch besonders in Bezug auf seine weiblichen Figuren voller Power, niedrigschwellig geschrieben und gut geplottet. Ein bisschen ziehe ich von der Wertung ab aufgrund der teils übermäßigen Brutalität und den wenigen unlogischen Stellen. Abgesehen davon empfehle ich es aber auf jeden Fall als eine packende Romantasy, die im Vergleich zu manch anderer für mich deutlich positiver abschneidet. Ich werde mir den zweiten Teil definitiv auch ansehen.

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Veröffentlicht am 07.04.2026

Ein wichtiges Thema künstlerisch und mit hohem Anspruch umgesetzt

Paradise Beach
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Das Thema Endometriose ist mir literarisch noch nie begegnet und das ist angesichts der Zahl der Betroffenen eine große Schande. Umso begeisterter habe ich auf „Paradise Beach“ geblickt, das sich dieser ...

Das Thema Endometriose ist mir literarisch noch nie begegnet und das ist angesichts der Zahl der Betroffenen eine große Schande. Umso begeisterter habe ich auf „Paradise Beach“ geblickt, das sich dieser Thematik in Kombination mit einer queeren Coming-of-Age-Story annimmt.

So ganz warm geworden bin ich mit dem Werk aber leider nicht. Ich würde den Sprach- und Erzählstil als eher kunstvoll beschreiben, was ich als Hürde beim Lesen empfinde. Die Autorin schwankt zwischen einer gegenwärtigen Perspektive, in der die Protagonistin nach einer Endo-OP und entsprechender Hormontherapie mit Schlafstörungen ziemlich isoliert in ihrer Wohnung liegt, und einer vergangenen, in welcher Ada sich an den Sommer ihrer ersten Menstruation erinnert.

Brexendorf hat ganz starke Passagen in diesen Roman eingebunden und übt deutliche Kritik - unter anderem an Medical Gaslighting („Alle Frauen haben solche Schmerzen“, „Sie steigern sich da in etwas hinein, gehen Sie mal spazieren“) und der männlichen Sexualisierung von jungen weiblichen Körpern. Dabei ist sie gar nicht einmal explizit, verwendet oft einen kindlichen und damit fast verharmlosenden Blick. Doch die Tragweite ist allen, denen ähnliche Erfahrungen eingeschrieben sind, wohl sehr bewusst. Ich habe so einige Szenen als gewaltige Donnerschläge empfunden, die nachhaltig in mir resoniert haben.

Die subtile Spannung der ersten, in diesem Fall queeren, Liebe ist ebenso spürbar wie die innere Einsamkeit der erwachsenen Ada nach ihrer OP. Sie versucht sich Satz um Satz auch wieder ein Stück weit mit ihrem Körper zu versöhnen.

Doch abseits dieser starken Elemente muss ich sagen, dass mir die Erzählform hier zu sehr über Inhalt und Emotionen gestellt wurde. Dadurch ist es zweifelsfrei ein besonderes Werk, in dem die Autorin etwas gewagt hat. Es hat mir aber damit auch nicht so wirklich ermöglicht, mich nachhaltig in die Protagonistin einzufühlen. Oft war sie mir zu distanziert und unverständlich. Ich hätte sehr gerne noch ein tieferes Verständnis für die Erkrankung bekommen und mehr über ihre Konsequenzen für die Betroffenen erfahren. Abgesehen von ein paar starken Eindrücken kann ich das für das gesamte Werk nicht behaupten.

Diese Side-Story rund um den Nachbarn fand ich außerdem zunehmend eigenartig und ihr Sinn hat sich mir nicht erschlossen, vor allem in Anbetracht ihres Endes. Den Schluss fand ich grundlegend gut gewählt, aber er kann meinen Gesamteindruck des Werkes nicht wirklich verbessern.

Damit bleibt es ein anspruchsvolles Werk über ein überaus wichtiges Thema, dem ich ein bisschen mehr sprachliche Zugänglichkeit sowie emotionale Nähe gewünscht hätte. Gerade für Menschen mit Freude an tendenziell poetischen Sprachstilen, die sich von der Masse abheben, ist dieses Debüt aber durchaus eine Empfehlung.

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Veröffentlicht am 07.04.2026

Eine unbedingte Empfehlung voller Herzenswärme und Ernsthaftigkeit

Pina fällt aus
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Vera Zischkes Debüt hat mir schon außerordentlich gut gefallen und auch in ihrem zweiten Werk setzt die Autorin wieder auf eine Perspektive, die bislang viel zu selten eingenommen wird. Ich war begeistert ...

Vera Zischkes Debüt hat mir schon außerordentlich gut gefallen und auch in ihrem zweiten Werk setzt die Autorin wieder auf eine Perspektive, die bislang viel zu selten eingenommen wird. Ich war begeistert von der Warmherzigkeit und Authentizität der Erzählung!

Ich habe beim Lesen immer wieder Parallelen zu „Der Bademeister ohne Himmel“ gesehen, wo ebenso eine schicksalhafte Gemeinschaft thematisiert wird, nur dass es da um das Thema Demenz geht und Zischke hier den schwer autistischen Leo ins Zentrum ihrer Geschichte setzt. Die Parallelen könnten positiver nicht sein, denn beide Werke sind ganz klare Highlights für mich. Sie eint eine Warmherzigkeit und Solidarität unter den Figuren, die mir beim Lesen unendlich viel Hoffnung gegeben haben, dass die Welt doch ein guter Ort sein kann.

Zischke nimmt auch in ihrem zweiten Roman eine Perspektive ein, zu der sie eine persönliche Nähe hat - und das zahlt sich absolut aus. Aus der Erzählerin spricht ebenso viel Wärme wie deutlicher Ernst - etwa in Bezug auf die Abwertung behinderten oder neurodivergenten Lebens und die kräftezehrende Lebensrealität einer alleinerziehenden, pflegenden Mutter. Indem die Autorin die Hauptpflegerin vorübergehend und ersatzlos aus der Geschichte streicht, wird die unbezahlte Arbeit überdeutlich.

Solidarische Momente in Büchern sind für mich etwas ganz Besonderes und ja, vielleicht läuft es manchmal ein bisschen zu glatt - aber wofür haben wir denn bitte Literatur, wenn nicht zum Erdenken einer besseren Welt?! Die zentralen Figuren sind fein herausgearbeitet und angenehm divers. Obwohl sie sich im Alter stark unterscheiden, eint sie alle eine gewissen Einsamkeit, die durch das gemeinschaftliche, solidarische Sorgen für Leo gelindert werden kann. Ich hätte sie zwar auch gern noch tiefer kennengelernt, fand es aber in Abwägung der Romanlänge absolut ausreichend.

Ich kann gar nicht genug betonen, wie großartig ich Zischkes Aussagen im Buch finde. An keiner Stelle gibt es den ernsthaften Anspruch, Leo an die Gesellschaft anpassen zu müssen. Stattdessen schreibt sie Sätze wie: „Behindert ist nicht die kaputte Version von normal […] Leo ist Teil dieser Welt wie alle anderen auch. Ich will nicht, dass er versorgt ist. Ich will, dass er dazugehört.“

Und viel mehr will ich dazu auch eigentlich gar nicht sagen. Ich habe selten eine derart starke literarische Stimme gelesen, welche sich so unnachgiebig menschlich für eine Gruppe einsetzt, die zu den marginalisiertesten unserer Gesellschaft gehört. Diese Geschichte liest sich fast schon zu schnell für den Genuss, den ich mit ihr hatte. Sie ist warmherzig und ehrlich und genau damit das, was wir alle brauchen.

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Veröffentlicht am 07.04.2026

Anspruchsvolle Familiengeschichte und eine spannende literarische Stimme

Die Stimmen der Nacht
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„Die Stimmen der Nacht“ ist ein literarisch anspruchsvolles Debüt mit einer wichtigen Perspektive. Ich habe echt eine Weile gebraucht, um in die Figurenwelt einzufinden - ein selbst gezeichneter Stammbaum ...

„Die Stimmen der Nacht“ ist ein literarisch anspruchsvolles Debüt mit einer wichtigen Perspektive. Ich habe echt eine Weile gebraucht, um in die Figurenwelt einzufinden - ein selbst gezeichneter Stammbaum hat mir im Laufe der Handlung dann sehr geholfen. Es bietet sich eindeutig an, den Roman so gut es geht am Stück zu lesen, weil er einfach sehr dicht ist.

Meine persönliche Herausforderung war Margaret als eine Person mit Schizophrenie. Einerseits finde ich die Darstellung der Figur sehr sensibel und ich ziehe meinen Hut vor dem Talent Tochi Ezes, hier nicht in Klischees abzudriften und dann auch noch die Balance zu wahren zwischen moderner Psychiatrie und kulturell-religiösem Umgang. Andererseits wird Margaret damit auch zu einer für mich unberechenbaren sowie leicht unzuverlässigen Figur und mit solchen habe ich immer meine Schwierigkeiten. Das ist aber einfach eine persönliche Präferenz.

Der Roman ermöglicht den Leser:innen spannende Einblicke in eine Kultur, die literarisch bislang wenig Aufmerksamkeit erhält. Ich fand es sehr geschickt, wie die Autorin koloniale Taten und das damit einhergehende Erbe sowie konkrete Identitätsfragen in die Geschichte einwebt - wobei sie hier auch gern noch deutlicher hätte werden können. Stark war auf jeden Fall die Herausstellung patriarchalen Anspruchsdenkens über die Zeit und Ländergrenzen hinaus.

Ein ambivalenter Punkt ist die Dichte der Erzählung, die zwar wirklich bemerkenswert ist, allerdings auch dazu führt, dass mir die Figuren weitläufig eher distanziert blieben. Die Handlung wird trotz aller Komplexität jedoch sehr atmosphärisch und authentisch beschrieben, lokale Sprache klug eingesetzt und für Nicht-Sprachkundige elegant im Erzählfluss übersetzt.

Ein Werk, das definitiv mit hohem literarischen Anspruch daherkommt und eine vielschichtige Familiengeschichte geschickt ineinanderspinnt. Durch die vielen Nebenerzählungen, komplexen Figurenverflechtung und verschiedenen Zeitebenen hat mir das Buch einiges abverlangt und dadurch auch die Emotionalität ein wenig in den Hintergrund verschoben, obwohl mich die Geschichte gerade in der zweiten Hälfte sehr fesseln konnte. Eze hat hier wirklich einen sehr würdigen Debütroman geschrieben, der viele Leser:innen verdient hat.

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Veröffentlicht am 02.04.2026

Große Hoffnungen, aber für mich leider wenig Vibe

All the things (s)he said
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Ich fand „We Fell in Love in October“ ganz toll und hatte entsprechend hohe Erwartungen an den neuen Roman der Autorin. Doch trotz toller Bi-Repräsentation und einem gut lesbaren Schreibstil war ich hier ...

Ich fand „We Fell in Love in October“ ganz toll und hatte entsprechend hohe Erwartungen an den neuen Roman der Autorin. Doch trotz toller Bi-Repräsentation und einem gut lesbaren Schreibstil war ich hier echt ganz schon ernüchtert.

Das fängt ganz platt damit an, dass ich Amir auf dem Cover sehen kann und sehr unattraktiv finde, weswegen ich den Vibe im Buch gar nicht gefühlt habe. Das ist möglicherweise der Grund, warum so viele RomComs neuerdings auf gesichtslose Cover setzen.. 🙈

Auch Naima ist für mich keine Figur, bei der ich mitfiebere, dass es zu einer Connection kommt. Sie ist einfach so gemein und bi-feindlich?! Warum sollte Skye sie anziehend finden? Naimas Hintergründe für ihre Feindseligkeit werden zwar im Verlauf der Handlung erklärt, aber ich mag es einfach nicht, wenn mit diskriminierenden Menschen irgendwelche Verbindungen eingegangen werden - Gründe hin oder her.

Es steckte ganz viel Gutes in der Story. Die Unsicherheit einer bisexuellen Person und die Angst davor, in Freund*innenschaften unwichtig zu werden sowie der Weg zum eigenen Ich sind Dinge, mit denen ich relaten kann. Ich halte es auch für eine sehr gute Repräsentation für Menschen Anfang/Mitte 20. Skyes Hadern mit ihrem Geburtsnamen sowie die Reaktion ihres Umfelds darauf waren sensibel geschrieben. Für die Tierschutzkomponente gibt es auch noch einen Pluspunkt.

Aber irgendwie hat mich das Werk insgesamt einfach nicht gecatcht. Es blieb mir emotional zu unrund und das wurde eben durch den Fakt erschwert, dass ich keines der beiden möglichen Couples geshippt habe. Zudem empfand ich den Humor als ein wenig platt. Es gab ein paar Szenen, die wohl eine Art Situationskomik bedienen sollten, mit aber zu angestrengt auf witzig geschrieben waren.

Das Ende ist ultra stark! Das alleine hätte 5 Sterne verdient, weil ich es null habe kommen sehen und zudem unglaublich mutig finde. Wenn ich früher vermutet hätte, in welche Richtung es geht, wäre ich zwischendrin vielleicht auch versöhnlicher gewesen. Aber ich habe mich bis zum Schluss leider schon zu viel geärgert, als dass ich jetzt so hoch bewerten könnte. So bleibe ich ein wenig unzufrieden zurück und das Buch wird mir einfach nicht lange im Gedächtnis bleiben. Ich glaube auch, dass es in der Romance-Sparte irgendwie fehlplatziert ist und eher allgemein in New Adult passt.

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