Profilbild von nessabo

nessabo

Lesejury Star
offline

nessabo ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit nessabo über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.03.2026

Eine lebensnahe Feelgood-Romance

The Love-Life-List: (Un)Wahrheiten über das Leben und die Liebe
0

Mir ist Kira Mohn erst vor Kurzem durch ihren aktuellen Roman „Alle glücklich“ begegnet, den ich absolut großartig fand. Da diese Romance quasi zeitgleich erschienen ist, habe ich dem Genre (abseits der ...

Mir ist Kira Mohn erst vor Kurzem durch ihren aktuellen Roman „Alle glücklich“ begegnet, den ich absolut großartig fand. Da diese Romance quasi zeitgleich erschienen ist, habe ich dem Genre (abseits der Autorinnen, die ich hier sowieso schon schätze) nochmal eine Chance gegeben. Gerade hetero Romance hat mich in der Vergangenheit mit ihren platten Klischees und immer gleichen Kommunikationsproblemen nämlich wiederholt enttäuscht.

Und was soll ich sagen? Kira Mohn hat das Potenzial, zu einer meiner liebsten Autor*innen zu werden. Auch ihre Romance war nämlich absolut positiv und hat mir das gegeben, was ich in diesem Bereich suche. Sie kommt ohne platte Mann-Frau-Rollenbilder und die übertriebene Beschreibung gestählter Körper aus. Dafür bekommen wir hier Feelgood durch und durch, erwachsene Kommunikation auf Augenhöhe, liebevolle Nebenfiguren und lebensnaher Struggle.

Mich erinnert das sehr an die Romane von Abby Jimenez, bei denen die Kritik auch häufig lautet: zu langweilig/zu ernst. Kann ich zwar verstehen, empfinde das aber ganz anders. Ich lese einfach deutlich lieber etwas, das ich in großen Teilen auf das echte Leben projizieren kann als auf 400 Seiten innerlich zu schreien, weil die Protas einfach nicht miteinander reden und sich so Missverständnisse künstlich aufbauen.

Sicherlich gibt es Romance mit deutlich mehr Drama, das sollte hier nicht erwartet werden. Aber wer eine Lektüre sucht, die wiederholt das Herz wärmt, ist hier an der absolut richtigen Stelle. Rose struggelt mit ihrem Selbstwertgefühl und versucht im Laufe der Handlung, sich von den bestimmenden Narrativen anderer freizumachen. Ich fand das authentisch und im richtigen Maß nachvollziehbar.

Ganz besonders gefreut habe ich mich über Zane. Dass der männliche Protagonist einfach mal nett und trotzdem interessant ist, ist leider selten. Ich mag die Bezeichnung „Golden Retriever“ nicht so gern, aber sie trifft auf ihn natürlich voll zu. Ich finde auch nicht, dass er blass ist - er ist nur nicht problematisch. Und dadurch ist auch die Beziehung von Rose und Zane weniger das tragende Element des Dramas, sondern viel mehr Roses Innenleben und die Unsicherheiten in Bezug auf ihre Schwester Halley.

Ja, Halleys Figur ist vielleicht etwas überspitzt, andererseits ist die angelernte Konkurrenz unter Frauen nun einmal real. Und ich finde es immer erfrischend, wenn das Drama nicht aus der romantischen Beziehung kommt, sondern aus dem ganz normalen Leben. Denn ganz ehrlich: Wenn Beziehungen so beginnen würden, wie sie das im Romance-Bereich gerne einmal tun, würde ich einfach nur rennen. Aber das ist natürlich ganz klar Geschmacksache.

Mohn hat noch einmal viele Pluspunkte bei mir gesammelt, weil sie ihr Werk in ein diskriminierungssensibles Umfeld setzt. Am Rande bekommen wir Einblick in Tierschutz (und dass der nicht auf dem Teller aufhört), die Abgrenzung zu diskriminierenden Aussagen und die völlig normale Existenz queerer Beziehungen. Es sind nur kleine Elemente, die vielleicht schnell überlesen werden, aber ich schätze genau das - dass es eben nicht laut angekündigt werden muss, sondern einfach selbstverständlich sein sollte.

Eine ganz ehrliche Empfehlung für alle, die sich so wie ich wohl fühlen wollen beim Lesen von Romance und lebensnahe, authentische Geschichten suchen. Kira Mohns Werk der letzten 1-2 Jahre werde ich mir nun auf jeden Fall auch noch ansehen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2026

Gewaltig, schmerzvoll und extrem immersiv

Gelbe Monster
0

„Gelbe Monster“ hat mich aus persönlichen Gründen neugierig gemacht - und mir schon vor dem Lesen gleichzeitig Furcht eingeflößt. Ich wurde überhaupt nicht enttäuscht und finde es dennoch unglaublich schwer, ...

„Gelbe Monster“ hat mich aus persönlichen Gründen neugierig gemacht - und mir schon vor dem Lesen gleichzeitig Furcht eingeflößt. Ich wurde überhaupt nicht enttäuscht und finde es dennoch unglaublich schwer, passende Worte für diesen Roman zu finden. Denn es ist ein Buch, das zum intensiven Fühlen da ist.

Charlie beginnt ein Anti-Aggressionstraining für Frauen. Warum genau sie das macht und wie es abläuft, erfahren wir auf zwei sich abwechselnden Zeitebenen. Während der Kurs gegenwärtig erzählt wird, erfahren wir von den Hintergründen, die ihn notwendig machten, in einer spannungsgeladenen Retrospektive.

Clara Leinemann hat hier nicht nur eine Anti-Heldin erschaffen, sondern sich auch einem literarisch kaum beachteten Thema gewidmet: Beziehungsgewalt gegen Männer ausgehend von Frauen. Und um das gleich einmal vorwegzunehmen: Ich war da nicht ohne Skepsis, aber dieses Thema muss natürlich existieren dürfen, auch wenn patriarchale und misogyne Gewalt allgegenwärtig ist. Leinemann verfällt auch an keiner Stelle in eine moralische Wertung oder Relativierung anderer Gewaltformen.

Im Gegenteil: Die Geschichte fordert ihre Leser*innen heraus, selbst zu fühlen. Es ist unglaublich, was die Autorin hier geschrieben hat. Sie schreibt so nah, so unerbittlich präzise und dabei so frei von eigener Wertung, dass die gesamte Handlung emotional zwar wirklich keine leichte Kost, aber dafür unfassbar immersiv ist. Mein Herz hat beim Lesen schneller geschlagen, mein Atem an manchen Stellen ausgesetzt und ich konnte das Buch doch nicht aus der Hand legen.

Es verlangt geradezu von uns, Charlie so zu betrachten, wie die Geschichte es uns vorgibt. Sie ist manipulativ, um Besserung bemüht, psychisch labil, beziehungsabhängig, unsicher und übt physische wie psychische Gewalt gegen ihren Partner Valentin aus. Die Gewalt gegen ihn und auch sich selbst ist schlimm, aber so ehrlich beschrieben wie es nur geht. Und die Genialität des Romans liegt meines Erachtens auch darin, dass die Geschlechterrollen umgedreht werden könnten. Leinemann hat die toxische Beziehungsdynamik der beiden so akkurat beschrieben, dass es nämlich eigentlich egal ist.

Ich habe Charlies Verhalten manchmal so stark nachempfinden können, dass es mir unglaublich weh tat. Dann wieder wollte ich mich unbedingt von der Figur abgrenzen. Das gesamte Buch ist eigentlich genau das: eine Grenzerfahrung, die ich so bislang selten hatte. Es ist gleichzeitig ein Easy Read und nicht, ebenso eine emotional nachfühlbare wie kaum auszuhaltende Geschichte. Deshalb fällt mir die Bewertung wohl auch so schwer. Das Buch ist eine literarische und thematische Bereicherung und ich bin froh, dass ich es lesen durfte. Aber es war eben auch alles andere als leicht. Obwohl erstaunlich flüssig lesbar, hätte ich über ein paar Sachen gerne noch mehr erfahren. Die Grau- und Leerstellen auszuhalten gehört hier wohl genauso zu den Herausforderungen wie die ausgelösten Gefühle.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.02.2026

Eine unbequeme, hochpräzise Charakterstudie und ein absoluter Banger

Half His Age
0

Das war mein erstes Buch von Jennette McCurdy und es war ein absoluter Banger, ich kann es nicht anders sagen! Was für eine talentierte Autorin, die uns hier in ihrem literarischen Debüt eine schonungslos ...

Das war mein erstes Buch von Jennette McCurdy und es war ein absoluter Banger, ich kann es nicht anders sagen! Was für eine talentierte Autorin, die uns hier in ihrem literarischen Debüt eine schonungslos ehrliche und kluge Geschichte geschenkt hat.

Was vorab sicher wichtig ist zu wissen: McCurdys Sprache ist roh, provokant und teilweise vulgär, sie nimmt absolut kein Blatt vor den Mund. Ich habe damit keine Probleme und fand die Sprache einfach genial eingesetzt. Die Autorin engt ihre Protagonistin nicht ein, verweigert sich jeglicher moralischen Bewertung. Authentischer und nahbarer hätte sie die 17-jährige Waldo gar nicht schreiben können, ich hing von Anfang bis Ende an ihren Lippen.

Und dabei war ich vor der Lektüre noch skeptisch. Würde es eine weitere sexuell aufgeladene Erzählung über eine ihren Lehrer verführende Minderjährige werden? Oder eine Geschichte über Machtmissbrauch, die diesen aber nicht adäquat einordnet? Wenn das eure Sorgen sind, kann ich sie euch nehmen. McCurdy zentriert ganz klar die Protagonistin und schafft es makellos, ihr ein Profil zu geben, das über das einer Verführerin weit hinaus geht.

Waldo versucht die ganze Zeit, sich in der Welt zu verorten. So anstrengend Coming-of-Age-Geschichten auch manchmal sein können, ist diese hier durch McCurdys Sprachgewalt mitreißend und auf nachvollziehbare Weise schmerzvoll. Waldo bezeichnet sich selbst als „White Trash“, also als Mitglied der weißen Unterschicht. Ihre Mutter rutscht von einer in die nächste Abhängigkeit, stets zu mindestens problematischen und manchmal auch gewaltvollen Männern. Ihren Schmerz darüber sowie ihre innere Einsamkeit versucht die Heranwachsende nun zu stillen - mal über Konsum, mal über Männer.

Ihr deutlich älterer Lehrer Mr. Korgy wird schnell zum Objekt ihrer Begierde. Doch auch das ist deutlich weniger platt als es sich im ersten Moment vielleicht anhört. McCurdy schreibt so schonungslos offen, dass ich nachfühlen konnte, welche Hoffnungen Waldo in diese Affäre gesetzt hat - auch wenn ich sie für falsch halte. Und im Endeffekt ist die Anziehung auch von ganz viel Abneigung geprägt, was die relativ expliziten Sexszenen ziemlich unangenehm macht.

Aber das zeichnet diesen tollen Roman eben auch aus. Er steckt voller Ambivalenzen, die unser Leben nun einmal prägen. Ich weiß nicht, ob ich schon einmal eine so präzise Charakterstudie einer 17-Jährigen gelesen habe. „Half His Age“ will nicht gefallen, es will provozieren und gleichzeitig politisch relevant sein - und das gelingt ihm auch. Dies ist keine Erzählung über Liebe, Sex oder Beziehungen, sondern auf so vielen Ebenen eine Emanzipationsgeschichte, die ihresgleichen sucht - mit einem Ende, das seine Schlagkraft im Subtilen entfaltet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.02.2026

Dicht, klug gestrickt und hochemotional - ein phänomenales Debüt!

Die Namen
1

Auf die emotionale Tiefe und thematische Heftigkeit des Romans war ich nicht vorbereitet. Ich sehe tatsächlich ganz viele Parallelen zu „Da, wo ich dich sehen kann“ von Jasmin Schreiber, was zugleich Vor- ...

Auf die emotionale Tiefe und thematische Heftigkeit des Romans war ich nicht vorbereitet. Ich sehe tatsächlich ganz viele Parallelen zu „Da, wo ich dich sehen kann“ von Jasmin Schreiber, was zugleich Vor- wie Nachteil ist. Denn das war mein unangefochtenes Jahreshighlight 2025, mit dem ich „Die Namen“ nun logischerweise vergleiche.

Aber ich sehe eben auch ganz viel Gutes in diesem Vergleich. Die solidarischen Nebenfiguren, die Liebe zwischen ihnen sowie das Nebeneinander der verschiedenen Varianten eines Lebens führen zu einer total reizvollen und ergreifenden Art der Erzählung. Knapps Ansatz ist zudem ein ziemlich innovativer: Wie beeinflusst der Name, den Cora ihrem neugeborenen Sohn gibt, dessen weiteres Leben, aber auch das seiner älteren Schwester sowie von Cora selbst? Es sei jedoch gesagt, dass es hierbei gar nicht so sehr um den Namen an sich geht, sondern vielmehr um die Reaktion des Kindsvaters und deren Folgen..

Wie auch Schreiber wählt Knapp einen Fokus auf die Überlebenden und Hinterbliebenen, NICHT auf den Täter. Der spielt so gut wie keine Rolle, wodurch den Lesenden auch kein Raum gegeben wird, um großartig Mitgefühl für ihn zu empfinden. Und ich kann das gar nicht ausdrücklich genug loben! Denn eine Erklärung für gewaltvolles Verhalten mag es immer geben, aber es ist doch nie eine Rechtfertigung.

Ich finde es total krass, wie gut diese Autorin in ihrem Erstlingswerk (!) geplottet hat. Drei verschiedene Versionen eines Lebens zu erdenken, die sich glaubhaft genug voneinander unterscheiden, aber dennoch klar erkennen lassen, an welchem Punkt die initial andere Entscheidung zu einem anderen Leben geführt hat, ist einfach bemerkenswert. Die Dichte der Details in den verschiedenen Versionen sorgte beim Lesen auch dafür, dass ich immer mal Dinge verwechselt habe. Am Ende waren das Nebensächlichkeiten und ich nehme den Umstand auch gern in Kauf für ein so besonderes Werk wie dieses.

Denn dafür haben wir bspw. auch ganz viele Cameos von Nebenfiguren der einen Version in einer anderen bekommen und das ist so subtil geschrieben, dass ich es ganz toll finde - ein bisschen wie ein Suchspiel in Buchform! Auch das erfordert sicherlich konzentriertes Lesen, eine wiederholte Lektüre könnte sicher ebenso helfen, aber ich liebe sowas einfach. In Sachen Bildsprache und Symbolik ist Knapp auch wirklich ganz groß dabei, ohne aber poetisch zu schreiben - was ich sehr zu schätzen weiß. Die Schreibart ist vielmehr nah dran an den Figuren und dadurch so emotional wie gut greifbar.

Die Zeitsprünge im Buch sind mit jeweils sieben Jahren recht groß, was weitere Konzentration und zu Beginn jedes Abschnitts immer ein wenig Zeit erfordert hat, um sich mit den neuen Lebensumständen vertraut zu machen. Alternativ hätte das Buch aber ein dicker Schmöker werden müssen, daher bin ich fein mit dieser Entscheidung. Die Einbindung realer Ereignisse wie die Attentate 2015 in Paris oder die Corona-Pandemie hat mir sehr gut gefallen und die Authentizität der Geschichte nur noch einmal erhöht.

Ich empfehle das Buch ganz ausdrücklich! Ein so dichtes Werk, das sich nicht nur mit verschiedenen Versionen eines Lebens basierend auf einer bestimmten Entscheidung beschäftigt, sondern sich auch noch so klar politisch verortet und dadurch unter die Haut geht, hab ich bislang noch nicht gelesen. Anknüpfend an meine Empfehlung würde ich aufgrund der Detaildichte aber schon sagen, dass sich eine Lektüre ohne große Pausen wahrscheinlich bezahlt macht, um möglichst wenig zu vergessen. Ich verbleibe zutiefst beeindruckt von diesem Debüt und behalte die Autorin nun fest im Auge.


PS: Vermisst habe ich in dem Buch Triggerwarnungen und bei diesen Themen finde ich sie sehr wichtig, daher: häusliche Gewalt, Femizid, Tod

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Themen
Veröffentlicht am 23.02.2026

Kraftvoll und politisch, für mich aber doch zu abstrakt und surreal

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
0

Ich bin wirklich ambivalent in meiner Bewertung dieses Romans. Er hat seine kraftvollen Momente, in denen zwischen den Zeilen ganz viel Sprengkraft steckt. Aber er war mir auch zu abstrakt und losgelöst ...

Ich bin wirklich ambivalent in meiner Bewertung dieses Romans. Er hat seine kraftvollen Momente, in denen zwischen den Zeilen ganz viel Sprengkraft steckt. Aber er war mir auch zu abstrakt und losgelöst von real Greifbarem. Meine Erwartungen einer sich entwickelnden Beziehungsgeschichte mit viel Einblick in das Innenleben der Figuren konnten aber auf jeden Fall so nicht erfüllt werden.

Den Auftakt fand ich richtig gut und dieser Eindruck hielt auch im ersten Drittel an. Die Perspektiven wechseln recht schnell und ohne eindeutige Kennzeichnung, das muss mensch natürlich mögen. Später teilen sich die beiden Frauen übrigens immer mal eine Perspektive - was bei den Männern nicht passiert und ein gutes Beispiel für die komplexe Bildsprache ist.

Dann zerfaserte die Erzählung aber zunehmend und ich konnte immer weniger einordnen, wo die Geschichte sich hinentwickelt. Ich mag figurengetriebene Literatur einfach deutlich lieber und gerade bei diesem sehr spannenden Thema habe ich das etwas vermisst. Die Gegenüberstellung einer scheinbar perfekten Zweifachmutter und der unfreiwillig kinderlosen Frau ist nicht neu. Aber ich mochte Dita Zipfels Sezierung unseres Blickes auf andere Frauen sehr gern. Sie wirft auf eine besondere Art eigene Narrative über den Haufen.

Auch toll war die Kontrastierung weiblicher und männlicher Solidarität. Wir realisieren über die Frauenfiguren, dass ihre beiden Partner eigentlich vor allem auf ihre Körper und seine vermeintliche Reproduktionsfähigkeit aus sind. Das war wirklich stark herausgestellt! Und während Eva und Linn einander stützen, ohne das gleichzeitig zu romantisieren, zeigt sich die männliche Gemeinschaft von Matze und Felix vor allem über deren Beziehungshierarchie. Matze verfällt dem reichen Felix, der scheinbar mühelos durchs Leben kommt, immer mehr - wider besseren Wissens. Sicherlich etwas überzeichnet, fand ich diese Männerdynamik doch stark geschrieben.

Wofür es von mir etliche Abzüge gibt, ist der Umgang mit Tieren in diesem Buch. Ob die detaillierte Bezeichnung toter Tierkörper, die regelmäßig verspeist werden oder diese Tierquälerei des Kanarienvogels, der das Cover voller falscher Versprechen schmückt - ich fand es völlig unangemessen. Ich konnte das auch nicht als Kritik an der Realitätsferne reicher Menschen lesen, denn Linn hätte als Figur ein konsistent kritischer Gegenpol sein können, verliert sich dann an der Stelle aber irgendwie. Für mich ist das einfach unreflektiert und wenig zeitgemäß.

Handlungstechnisch wurde es mir im letzten Drittel dann auch echt zu wild. Für meinen Geschmack ist die Autorin hier zu sehr in verschiedene Richtungen ausgebrochen, es wurde mir gleichzeitig zu ungenau und übertrieben wild. Damit es zu einem guten Buch für meinen Geschmack wird, hätte es emotional nähere und vielschichtigere Figuren gebraucht, mehr nachvollziehbare Beziehungsdynamik und weniger skurrile Nebenstränge. Der Epilog hinterlässt mich auch eher ratlos und unbefriedigt.

Vielleicht eher eine Empfehlung für Menschen mit Freude an surrealen Elementen und einer etwas wilden Handlungsdynamik. Für mich maximal ein okayes Erlebnis.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere