Ich halte viel auf das Verlagsprogramm des Kein & Aber Verlags, doch dieser Roman konnte mich trotz seines vielversprechenden Covers leider nicht erreichen. Der Klappentext hat mich eine Geschichte erwarten ...
Ich halte viel auf das Verlagsprogramm des Kein & Aber Verlags, doch dieser Roman konnte mich trotz seines vielversprechenden Covers leider nicht erreichen. Der Klappentext hat mich eine Geschichte erwarten lassen, in der es viel um zwischenmenschliche Beziehungen geht. Doch genau an dem Punkt mangelte es für mich an so einigem.
Die queere Identität der Protagonistin, die gleichzeitig überhaupt nicht gesondert thematisiert wird, ist mir positiv aufgefallen. Ebenso hat Saskia Luka nicht nur mit Alex, sondern auch mit Henning, dem Antiquar neben Annas Pflanzenladen, wirklich liebenswerte Figuren geschrieben. Ich mochte ihre Sanftheit wirklich gern und auch die zugrundeliegende Ruhe der Geschichte hätte eine tolle Grundlage sein können.
Doch für mich ist es ganz klar an den Dialogen und Interaktionen der Figuren gescheitert. Die Gespräche kamen mir eindeutig zu oft vor wie separat geführte Monologe, auf eine Aussage der einen Person folgte nicht selten ein völlig davon losgelöster Satz der anderen Figur. So etwas macht mich beim Lesen leider regelrecht sauer, weil ich es einfach nicht verstehe. Für mich geht das komplette Miteinander damit verloren.
Auch allgemein war die Sprache nicht meins. Stellenweise zu poetisch, dann wieder zu flüchtig - ich kam einfach gar nicht rein ins Buch. Und damit konnte ich weder eine konsistente Handlung finden noch einen echten Entwicklungsprozess auf Seiten der Protagonistin. Meine Erwartungen wurden hier also leider enttäuscht, der Roman konnte mich emotional dafür viel zu wenig erreichen.
Kurzgeschichtensammlungen gehen naturgemäß damit einher, dass manche Geschichten besser zum eigenen Geschmack passen als andere. Hier fand ich wirklich 3/5 richtig gut und war lediglich von einer Geschichte ...
Kurzgeschichtensammlungen gehen naturgemäß damit einher, dass manche Geschichten besser zum eigenen Geschmack passen als andere. Hier fand ich wirklich 3/5 richtig gut und war lediglich von einer Geschichte so gar nicht angetan.
Meine Favoriten waren die Geschichten von Regina Meissner und Fam Schaper, die ich mir als Autorinnen nun merken werde. Auch Asuka Lionera hat hier einen wunderbaren Beitrag geliefert. Diese drei Geschichten hatten für die Kürze eine bemerkenswerte Tiefe, die Figuren waren vielschichtig und die Fantasyelemente ausgereift. Dass auf 100 Seiten natürlich keine komplexe Welt aufgebaut werden kann, versteht sich von selbst. Ich nehme das aber gern in Kauf, da ich dafür eine Geschichte gut am Stück lesen und in ihr abtauchen konnte.
Bei Kira Licht mochte ich den Schreibstil zwar auch, allerdings kam mir hier der Fantasyaspekt zu kurz, weil es außer dem reinen Vampir-Dasein kaum einen Unterschied zur menschlichen Welt gab. Auch war mir die Protagonistin schlicht zu kindlich für ihr Alter. So gar nicht warm geworden bin ich mit Magdalena Gammels Hexen-Dämonen-Geschichte. Da sie auf eine Dilogie folgt, die ich nicht kenne, habe ich lange Probleme gehabt beim Einfinden in die Handlung. Und abgesehen davon war ich auch einfach kein Fan vom Setting.
Aber abschließend bin ich wirklich sehr positiv überrascht von dem Buch. Ich lese eher selten Fantasy/Romantasy und gerade auch für diese Personengruppe finde ich das Werk gut geeignet. Es kann kurz eingetaucht werden, ohne sich direkt auf eine Geschichte mit über 500 Seiten einlassen zu müssen. Gefreut hätte ich mich allerdings schon, wenn nicht alle Geschichten das gleiche Maß an Heteronormativität gezeigt hätten. Gerade in Sammlungen wie dieser wäre doch der Raum da für verschiedene Lebensrealitäten.
Ich bin wirklich keine leidenschaftliche Leserin historischer Romane. Aber Marie Benedict hat die Geschichte von Hedy Lamarr einfach so mitreißend erzählt, dass ich ihr an den Lippen hing.
Ganz am Rand ...
Ich bin wirklich keine leidenschaftliche Leserin historischer Romane. Aber Marie Benedict hat die Geschichte von Hedy Lamarr einfach so mitreißend erzählt, dass ich ihr an den Lippen hing.
Ganz am Rand hatte ich von dieser beeindruckenden Erfinderin schon gehört, aber natürlich haben auch in meiner Bildung vor allem alte weiße Männer Raum gefunden. Umso toller finde ich Benedicts Leistung, durch den Matilda-Effekt verdrängte Frauen in den Fokus zu nehmen. Hedys Leben als Jüdin im Österreich der 1930er-Jahre fand ich dabei wirklich schon spannend genug. Die Dynamiken ihrer gewaltvollen Ehe mit dem einflussreichen Waffenfabrikanten Fritz Mandl sowie die damit einhergehenden mitgehörten Gespräche hochrangiger Politiker werden hier detailliert und greifbar beschrieben. Ich habe beim Lesen ein gutes Gefühl bekommen für die inneren wie äußeren Bedrohungen, die diese Frau erfahren haben muss.
Auch wenn sie glücklicherweise sowohl ihrem Mann als auch der drohenden Verfolgung durch das NS-Regime entfliehen konnte, hörte ihr Kampf an dieser Stelle nicht auf. Ihre Ambivalenz als Überlebende, die so detaillierte Informationen hatte und irgendwie nutzbar machen wollte, war deutlich spürbar. Dass der Krieg vielleicht anders hätte verlaufen können, wenn machtvolle Männer ihr nur einmal zugehört bzw. ihre Erfindung nicht so belächelt hätten, ist einfach zum Haare raufen. Doch selbst, wenn sich in Sachen Emanzipation natürlich einiges getan hat, werden Frauen auch heute noch vor allem für ihr besonderes Aussehen gefeiert, Männer hingegen für ihre Errungenschaften. Hedys Geschichte führt uns das besonders eindrücklich vor Augen.
Die Geschichte ist richtig zugänglich geschrieben, lässt sich flüssig lesen und bietet damit einen so unterhaltsamen wie lehrreichen Einstieg in das Leben Hedy Lamarrs. An einigen Stellen mussten die Details zwar spürbar eingekürzt werden, das halte ich aber für eine sinnvolle Entscheidung, um den Umfang des Buches überschaubar zu halten. Es kann dann ja als Ausgangspunkt für weitere Recherche dienen.
Ich habe schon einige Werke dieser Art gelesen und fand die qualitativen Unterschiede schon deutlich. Bei einigen der neueren Bücher ging es mir einfach oft zu sehr in eine spirituelle Richtung, die Figurentiefe ...
Ich habe schon einige Werke dieser Art gelesen und fand die qualitativen Unterschiede schon deutlich. Bei einigen der neueren Bücher ging es mir einfach oft zu sehr in eine spirituelle Richtung, die Figurentiefe und authentische Menschlichkeit vermissen ließ. Doch nicht so hier - Kim Ho-yeon hat einen geschickt konstruierten Roman geschrieben, der mich besonders durch seinen feinen Humor und die profilreichen Figuren beeindruckt hat.
Besonders positiv bewerte ich die zentrale Figur Dok-go, da er als ehemaliger Obdachloser eine Gesellschaftsgruppe in den Fokus nimmt, die literarisch so ungefähr nie eine Rolle spielt. Ob die daran anknüpfende Inspirationsgeschichte den eigenen Geschmack trifft, muss jede Person für sich entscheiden. Ich bin da auch schnell abgeneigt, wenn es mir zu platt ist. Hier war das für mich nicht der Fall, denn auch wenn Dok-go sicherlich als Aufhänger für Inspiration dient, speist sich diese aus reiner Freundlichkeit und einem echten Schicksal, ohne dass er dabei wie ein Engel wirkt.
Weiter gefestigt wird meine positive Bewertung durch die vielen Nebenfiguren, die jeweils ein eigenes Kapitel bekommen. Mir ist es in südkoreanischer, vietnamesischer oder japanischer Literatur oft begegnet, dass die Figuren sehr höflich und dadurch glatt wirken, was meinen Geschmack nicht so gut trifft. Ich mag kantige Charaktere, die verschiedene Emotionen nicht nur erleben, sondern auch zeigen. Und das hat Ho-yeon hier ganz lobenswert geschafft. Begeistert hat mich dabei besonders die Nebenfigur der Autorin, die der Handlung eine kurze Meta-Ebene hinzufügt.
Dok-go selbst bekommt im letzten Kapitel noch einmal Raum und wir dürfen seine Vorgeschichte erfahren. Diese zeigt vor allem: Obdachlosigkeit kann alle treffen. Für diesen politischen Grundton, die angenehme Situationskomik, die charakterstarken Figuren und die humanistische Moral behalte ich die Geschichte in bester Erinnerung. Sie mag keine literarische Höchstleistung sein, aber in der Sparte warmherziger Inspirationsromane ist es wirklich einer der besten.
Ich mag Generationsromane, die sich über eine längere Zeit erstrecken, wirklich gern. Deshalb hatte ich auch große Lust auf „Die Riesinnen“ und wurde nicht enttäuscht. Obwohl sehr intensiv mit einer poetischen ...
Ich mag Generationsromane, die sich über eine längere Zeit erstrecken, wirklich gern. Deshalb hatte ich auch große Lust auf „Die Riesinnen“ und wurde nicht enttäuscht. Obwohl sehr intensiv mit einer poetischen Sprache geworben wird und ich mit einer solchen selten viel anfangen kann, hatte ich nahezu durchgängig eine tolle Lesezeit mit diesem atmosphärischen Roman.
Wir dürfen drei Generationen der Riessberger-Frauen begleiten, die im dörflichen Setting des Romans über lange Zeit wie Aussätzige behandelt werden. Was alle drei Protagonistinnen jedoch vor allem eint, ist ihre Stärke. Diese ist dabei ganz unterschiedlich zu verstehen. Mal liegt sie darin, dass Liese in den 60er-Jahren nach dem Tod ihres Mannes dessen Metzgerei übernimmt und sich in einer frauenfeindlichen Arbeitswelt behaupten muss. Oder darin, dass Cora eisern ihren Weg geht, ohne eine Abkehr davon als Niederlage zu empfinden. Und schlussendlich zeigt sie sich darin, dass Eva beginnt, das Schweigen zu brechen und alte Umstände nicht einfach als gegeben hinzunehmen.
Auffällig ist die Sprache und Erzählstruktur der Geschichte. Stilistisch und sprachlich wählt die Autorin nämlich stets einen nahtlosen Übergang zur nächsten zentralen Hauptfigur und damit Generation. Erzählerisch finde ich das wirklich großartig und innovativ gemacht, denn es erfordert ein aufmerksames Lesen, um den Wechsel bewusst wahrzunehmen. Was zuvor noch poetisch und naturnah war, ist dann z. B. auf einmal direkter und irgendwie wütender - weil die nächste Generation die Geschichte weitererzählt.
Die Figuren werden vielschichtig beschrieben, zum Teil auch noch im Nachhinein durch die Perspektive der späteren Protagonistin. Das ist klug gemacht, sehr detailliert und gleichzeitig feinsinnig - erfordert aber auch hier wieder aufmerksames Lesen. Ich bin Fan davon, wenn Figuren über eine weite Strecke der Geschichte hinweg immer feiner gezeichnet werden. Es erfordert aber definitiv auch die richtige Stimmung und Konzentration auf die Handlung.
Die Sprache unterstreicht stets den Inhalt, die Atmosphäre ist wechselnd und wirklich unglaublich greifbar geschrieben. Und auch, wenn es sprachlich schon stellenweise sehr poetisch wird, verfestigt das in diesen Momenten einfach noch einmal die Verbundenheit mit der Natur und konkret dem Wald. Es bleibt mein least favourite Sprachstil, aber trotzdem fand ich es hier treffend umgesetzt und außerdem nicht zu ausschweifend, sodass ich immer wieder gut in die Geschichte zurückgefunden habe. Somit war es für mich äußerst positiv, dass sich die sehr deutliche Bewerbung der Poesie nicht in dieser Intensität bestätigt hat.
Der Fokus liegt sehr deutlich auf den Protagonistinnen und deren Beziehung zueinander. Nebenfiguren finden kaum statt, was eine akzeptable Entscheidung der Autorin ist, auch wenn ich mir zu einigen Nebencharakteren doch mehr Informationen gewünscht hätte. Hier bleibt die Autorin, sicherlich bewusst, oft sehr vage. Leerstellen und Schweigen spielen eben eine große Rolle in der Geschichte, aber ich fand es fast immer gut gelöst, weil Häffner an den relevanten, also die Familie betreffenden, Stellen zwischen den Zeilen detailliert genug ist, um alles verständlich zu machen - wenn aufmerksam gelesen wird. Außerdem ist sie wirklich Herrin der zahlreichen Erzählstränge und kann viele von ihnen am Ende geschickt miteinander verflechten.
„Die Riesinnen“ ist ein dichtes Werk, das aufgrund seiner vielen Details viel Fokus erfordert. Ich habe den Roman eher langsam gelesen und das war gut so, denn er ist gleichermaßen gewaltig wie subtil und ruhig. Manche Abschnitte waren sprachlich nicht so meins, insgesamt fand ich die Vereinigung von Form und Inhalt aber einfach richtig hochwertig. Einen großen Pluspunkt bekommt das Werk von mir - und das ist ein kleiner Spoiler - weil die Frauen sich bewusst gegen feste Beziehungen mit Männern entscheiden und ihnen fehlt NICHTS. Ich liebe das und will so etwas wirklich noch viel öfter lesen.