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Veröffentlicht am 06.05.2025

Ein etwas anderer Krimi

Die Engel von Alperton
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Die True-Crime-Autorin Amanda bittet ihre Agentin um ein neues Projekt, abseits ihres gewohnten Schemas „tote Blondine, ahnungslose Polizei, sich überschlagende Medien und feixender Psychopath“. Ihr Wunsch ...

Die True-Crime-Autorin Amanda bittet ihre Agentin um ein neues Projekt, abseits ihres gewohnten Schemas „tote Blondine, ahnungslose Polizei, sich überschlagende Medien und feixender Psychopath“. Ihr Wunsch geht in Erfüllung. Das neue Buch soll von einer kleinen Sekte handeln, den „Engeln von Alperton“, deren Gemeinschaftsselbstmord vor 18 Jahren die Menschen verwirrte. Damals befreite die Polizei zwei Jugendliche und ein Baby aus den Fängen der Fanatiker, die sich für Engel in Menschengestalt hielten. Aktuell wird der gerettete Säugling, dessen Identität geheim ist, volljährig. Ein Interview mit ihm wäre der geniale Aufhänger für Amandas neues Buch. Blöd nur, dass ein anderer Autor Ähnliches plant. Ihr Rivale ist ausgerechnet Oliver Menzies, ein Journalistenkollege, mit dem sie noch eine Rechnung offen hat. Der Wettstreit beginnt.

„Die Engel von Alperton“ ist ein Roman der britischen Autorin Janice Hallett. Für mich war es das erste Buch der Autorin.

Amanda beginnt mit der Recherche für ihr Buch und versucht, das „Alperton Baby“ zu finden. Bald fallen ihr Diskrepanzen zwischen den Berichten und Aussagen auf. Können sich die Zeugen nach so langer Zeit nicht mehr korrekt erinnern oder steckt mehr dahinter? Trotz des Aufsehens, das der Fall seinerzeit hervorgerufen hatte, wurde ungewöhnlicherweise bislang kein einziger True-Crime-Roman zu diesem Thema geschrieben. Warum? Während ihrer Recherchen stößt Amanda auf mysteriöse Todesfälle und ein befreundeter Hobbydetektiv fällt einem Wohnungsbrand zum Opfer. Manche ihrer Interviewpartner mahnen sie zur Vorsicht oder warnen sie sogar.

Mit Amanda wurde ich nicht richtig warm. Von Beginn an entsteht der Eindruck, dass sie alles tut, um ihr Ziel zu erreichen, sei es schmeicheln, lügen oder drohen. Zu echten Beziehungen scheint sie nur bedingt fähig. Als beispielsweise ihre Bekannte Minnie auf ein Fake hereinfällt und beim Verlag in Ungnade gerät, schließt sich Amanda diesem Boykott sofort an. Mit der Zeit erfährt der Leser Vorkommnisse aus ihrer Vergangenheit (u.a. Missbrauch), die manches erklären. Die anderen Charaktere bleiben blass.

Das Besondere an diesem Krimi ist die Herangehensweise der Autorin. Hallett stellt hier eine Erzählung zusammen, die ausschließlich aus WhatsApp- und Textnachrichten, Transkripten von Interviews, Haftnotizen, E-Mails, Dokumenten, Telefonprotokollen und Berichten besteht. Hinzu kommen ein paar Artikelentwürfe Amandas und die mal mehr, mal weniger launigen Anmerkungen der Transkriptorin Ellie. Das wirkt vor allem am Anfang neu und erfrischend. Was einerseits zunächst überrascht, ermüdet aber mit der Zeit und führt zwangsläufig zu vielen Wiederholungen. Dadurch kommt es zu Längen, die der Spannung und dem Lesefluss nicht gut bekommen. Auch die Vielzahl von Personen und Verwicklungen erweist sich im Nachhinein als nicht zwingend erforderlich. Der Schluss dagegen hat mich überrascht und nicht enttäuscht.

Ich vergebe 3,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 05.05.2025

Einmal mit Alice im Wunderland Tee trinken?

Die Buchreisenden - Ein Weg aus Tinte und Magie
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Das unscheinbarste, schäbigste Geschäft in der Charing Cross Road in London hat noch nie ein Buch verkauft. Libronautic Inc. bietet seinem exklusiven Kundenkreis einen anderen besonderen Service. Wer mit ...

Das unscheinbarste, schäbigste Geschäft in der Charing Cross Road in London hat noch nie ein Buch verkauft. Libronautic Inc. bietet seinem exklusiven Kundenkreis einen anderen besonderen Service. Wer mit Alice im Wunderland Tee trinken oder zusammen mit Frodo im „Tänzelnden Pony“ auf Aragorn warten möchte, dem wird hier geholfen. Sogenannte Libronauten ermöglichen Buchreisen gegen einen entsprechenden Geldbetrag und unter strengster Geheimhaltung. Libronauten? Das sind stets zwölf Männer, benannt nach Bibelgestalten und mit der Gabe der „Stimme“ gesegnet, die, ähnlich einem Männerorden, in der Charing Cross Road residieren. Mittels ihres Talents und dank Erstausgaben viel gelesener Bücher veranstalten sie spezielle Reisen. Der junge Adam ist seit seinem zweiten Lebensjahr bei ihnen aufgewachsen. Mittlerweile darf er seinen Mentor Gabriel auf Buchreisen begleiten. Heute geht es mit dem Gast Mr. Stevenson in John Polidoris „Der Vampyr“, zum ersten Mal unter Adams Leitung. Doch diese Reise geht gründlich schief, da der Kunde die Regeln verletzt. Nur mit Glück können sich die Beteiligten unbeschadet in die Realität retten. Für Adam folgt eine Kette von überraschenden Ereignissen, die sein Leben aus den Angeln heben wird.

„Die Buchreisenden - Ein Weg aus Tinte und Magie“ ist der Auftaktband zur neuen Dilogie von Akram El-Bahay. Erneut nahm ich sein Angebot eines magischen Leseabenteuers an und wurde nicht enttäuscht.

Der faszinierende Plot hat sofort meine Aufmerksamkeit geweckt und wie erwartet, wurde ich sozusagen in das Buch hineingezogen. Akram El-Bahay schreibt gewohnt gut und spannend. Mit seinen starken Bildern erschafft er eine wunderbare magische Welt, in der das Unmögliche machbar erscheint. Mit Urban Fantasy trifft auf Literaturklassiker könnte die Situation, in der sich Adam befindet, treffend beschrieben werden. Gerade noch sitzt er mit Gabriel gemütlich vor einem knisternden Kaminfeuer, atmet den Duft der alten Bücher ein und liest die Reisegruppe in die Geschichte. Nur wenig später, nach seiner zweiten gescheiterten Buchexpedition, hockt er in einem, von einem Kobold chauffierten Taxi, das auf der Flucht, durchs moderne London rast. Er entdeckt eine magische Welt mitten unter uns und wird auf eine Rettungsmission geschickt, die voller Rätsel und Gefahren steckt.

Adam ist ein junger Mann, Anfang Zwanzig, der zunächst naiv, ja beinah kindlich erscheint. Seine Herkunft wird nicht erklärt, nur dass er bei den Libronauten aufgewachsen ist, was seine Unbedarftheit erklärt. Er besitzt die „Stimme“ und scheint für zwei Protagonisten von besonderem Interesse zu sein. Gleich zu Beginn muss er einige schwere Schläge hinnehmen. Mein Favorit ist der taffe Kobold Luthin. Vor einiger Zeit aus einem unbekannten Buch entführt, findet er sich in unserer Welt sehr gut zurecht und liefert sich mit Adam teils neckische, teils bissige Wortgefechte. Elisa wiederum ist im gleichen Alter wie Adam, wirkt aber reifer. Auch sie verfügt über die „Stimme“, wenn auch untrainiert. Diese Fähigkeit ist also kein reines Männerding, obwohl die Libronautic Inc. diesen Eindruck erweckt. Die Libronauten erscheinen divers, nicht nur bezüglich ihrer Herkunft. Sind sie auf der Seite der Guten oder der Bösen?

Mit „Die Buchreisenden - Ein Weg aus Tinte und Magie“ hat der Autor neben einer rätselhaften Rettungsmission, die uns in Literaturklassiker, aber auch in Londoner Museen führt, eine Hommage an die Welt der Bücher geschrieben. Die zahlreichen erwähnten Titel und literarischen Anspielungen schaffen eine spezielle Atmosphäre, die mir sehr gut gefällt.

Die magische Abenteuerreise, führt uns in mehrere Buchklassiker, wo allerhand geschieht. Gegen Ende von Band eins nimmt die Erzählung nochmals an Fahrt auf. Die Ereignisse überschlagen sich und das Kopfkino läuft auf Hochtouren. Ein paar Fragen werden beantwortet, ein Rätsel gelöst, aber sehr Vieles bleibt leider offen.

Wer seine Nerven schonen will, kauft sich jetzt Band 1 und stellt ihn ungelesen ins Regal. Anfang Oktober wird das Buch dann hervorgeholt und gelesen. Mit dem dann Ende des Monats erscheinenden zweiten Band werden alle Fragen beantwortet.

Ich muss mich enttäuschenderweise noch 5 Monate gedulden. Von mir gibt es die volle Punktzahl und eine Leseempfehlung an alle Fantasy-Freunde.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Cover
  • Fantasie
Veröffentlicht am 04.05.2025

Ein neuer Fall für Senhor Léxico

Lautlose Feinde
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Spätsommer in Fuseta. Während Soraia und Leander ihre Hochzeit vorbereiten, wird in Bico Alto die kleine Maria Bento entführt und ihr Großvater André ermordet. Losts Team ermittelt. Dieses Mal wird wegen ...

Spätsommer in Fuseta. Während Soraia und Leander ihre Hochzeit vorbereiten, wird in Bico Alto die kleine Maria Bento entführt und ihr Großvater André ermordet. Losts Team ermittelt. Dieses Mal wird wegen einer internen Untersuchung nicht Graciana die Leitung übernehmen, sondern Miguel Duarte. Da dichter Nebel über der Algarve die Hochzeitsreise des frisch gebackenen Ehepaars um eine Woche verzögert, kann das Team auch auf Lost zählen. Zunächst wird der Fall als eine Kindesentführung behandelt, die aus dem Ruder gelaufen ist und den beschützenden Großvater das Leben gekostet hat. Doch einige Ungereimtheiten, die vor allem Leander auffallen, passen nicht in dieses Bild. Nach und nach zeigt sich, dass das Verbrechen einen ganz anderen Hintergrund hat. Die kleine Maria wird gerettet, doch der Fall fordert weitere Todesopfer.

„Lost in Fuseta – Lautlose Feinde“ ist der siebte Band der Buchreihe um den Ermittler Leander Lost des Schriftstellers und Drehbuchautors Gil Ribeiro alias Holger Karsten Schmidt.

Dieses Mal entführt uns der Autor in die Welt der Agenten und Nachrichtendienste. Ich halte es für eine coole Idee, eine hochbrisante Geheimdienstoperation in Faro stattfinden zu lassen. Zunächst ist der Fall verwirrend und fordert dem Leser Konzentration ab. Da die Vorgänge aus verschiedenen Perspektiven geschildert werden und die Ermittlung auf diverse Unstimmigkeiten stößt, kommt allmählich Struktur in den Fall. Der Leser bekommt eine Idee, worum es eigentlich geht.

Lost ist in Portugal endgültig angekommen. Die Hochzeit und die schwere Zeit, die folgt und allen Beteiligten sehr viel abverlangt, lassen seine neue Familie und ihn noch enger zusammenwachsen. Leander hat sich weiter entwickelt. Er kann Carlos zum ersten Mal „hereinlegen“ und später einen Vorschlag zur effektiveren Zeugenbefragung machen, der geschickt eine Lüge umgeht, aber nicht weit davon entfernt ist. Auch sich selber überrascht er, mit seinem tränennassen Gesicht, das er als unlogisch empfindet. Die anderen Protagonisten bleiben weiterhin überzeugend. Die liebevolle, empathische Soraia, die gewissenhafte Graciana, die Kollateralschäden hasst, der lebensfrohe Carlos, sogar der unsägliche Duarte, der sich ein kleines bisschen Kollegialität abringt.

Der Autor schreibt gewohnt locker, humorvoll und bildhaft. Er fängt die Landschaft der Algarve und die Atmosphäre, das Lebensgefühl dort, hervorragend ein. Vom Fado der Ana Moura bis hin zur abendlichen Bica oder leckeren Pastel de Nata zum Dessert. Spätestens nach dem nächsten Band muss ich unbedingt eine Reise dorthin unternehmen.

Auch Leander Losts siebter Fall hat mich gewohnt gut unterhalten. Der Ausflug in die Welt der Geheimdienste hat die Täterjagd um eine Komponente erweitert. Nicht nur, weil ich eine perfide Tötungsart kennenlernen durfte, die kaum Spuren hinterlässt. Zunächst war der Fall etwas verwirrend, aber mit der Zeit habe ich mich gut hineingefunden. Wie immer war es beeindruckend, vor allem Leander und Isadora bei ihrer Arbeit zu beobachten. Wie mithilfe eines Rühreis und einer Schar Ameisen der genaue Todeszeitpunkt Andrés berechnet wird, das hat schon was.

Ob die Mordfälle auch ohne einen Asperger-Autisten mit fotografischem Gedächtnis und lexikalischem Wissen gelöst worden wären?

Immer wieder erneut, fasziniert mich das unterschiedliche Verständnis von Sprache. Ob Leander sich erinnert, wie er als kleiner Junge mit seinem Velo davon radelte, als er von seiner Lehrerin aufgefordert wurde fortzufahren (mit dem Text) oder wenn er mit Zara folgenden Dialog führt: „Adriana ist nicht profan, sie ist mega.“
»Sie ist eine griechische Vorsilbe?«
Zara verdrehte die Augen überdeutlich, damit Leander Gelegenheit hatte, die Mimik zu dechiffrieren: »Mega ist ein Synonym für großartig.«
»Sieh einer an.«

Ich glaube, seit ich diese Buchreihe lese, achte ich mehr darauf, welche Worte ich benutze bzw. ob ich mich präzise ausdrücke.

Gil Ribeiro hat mich erneut hervorragend unterhalten. Alle meine Fragen wurden beantwortet, auch warum gegen Graciana eine interne Untersuchung läuft und ausgerechnet Miguel Duarte mit der Teamleitung betraut wird.

Ich freue mich schon auf den nächsten Fall aus Fuseta und überlege, mir die Wartezeit mit Leanders Bibel „Das Kompendium der sinnlosen Sätze“ von Dan B. Tucker zu verkürzen.

Von mir gibt es die volle Punktzahl und eine Empfehlung an jeden Krimifan. Für den vollen Lesegenuss sollte mit Band 1 begonnen werden.

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Veröffentlicht am 01.05.2025

Mörderische Trauer

Lenas Freundin
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Der Unfalltod ihrer kleinen Tochter Maria lässt die Eltern Lena und Robert schier verzweifeln. Während sich der Vater in seiner Arbeit vergräbt, kapselt sich die Mutter daheim ab und findet nur Trost in ...

Der Unfalltod ihrer kleinen Tochter Maria lässt die Eltern Lena und Robert schier verzweifeln. Während sich der Vater in seiner Arbeit vergräbt, kapselt sich die Mutter daheim ab und findet nur Trost in wüsten Rachefantasien gegenüber dem flüchtigen Autofahrer. Niemand kann sie aus ihrer selbst gewählten Isolation herausholen. Robert hofft auf die Hilfe von Lenas bester Freundin Theresa und schlägt seiner Frau vor, diese zu besuchen. Nach ihrer Rückkehr scheint es Lena etwas besser zu gehen. Robert ist erleichtert als er hört, dass Theresa bald zu Besuch kommen wird, um ihrer schwangeren Freundin weiter beizustehen. Doch deren Ankunft zieht Folgen nach sich, die Roberts schlimmste Befürchtungen übertreffen.

Nach „Das Echo der Zukunft“ und „Seelentausch“ ist „Lenas Freundin“ bereits mein drittes Buch von Martin S. Burkhardt.

Schon das düstere Cover lässt mich eine gruselige Geschichte erahnen, was auch mit meinen gemischten Gefühlen bezüglich Puppen zu tun hat.

Martin S. Burkhardt schreibt gewohnt gut und bildhaft. Es gelingt ihm ausgezeichnet, die Trauer und den Kummer der Eltern nachvollziehbar zu beschreiben. Fast ohnmächtig vor Schmerz ziehen sich die Eheleute, jeweils in sich selbst zurück und das Gespräch zwischen beiden verstummt nahezu. Spannung baut sich schnell auf und die Atmosphäre verdunkelt sich zusehends. Bald wird klar, dass hier jemand seine ganz eigene perfide Agenda verfolgt. Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen.

Martin S. Burkhardts Charakterzeichnung ist gut gelungen. Die trauernden Eltern, der treue Freund, die rasende Furie, der einfühlsame Arzt, der fordernde Chef. Sie alle überzeugen.

Psychothriller lese ich nur sporadisch, doch „Lenas Freundin“ hat mich gut unterhalten. Den Plot fand ich spannend und wurde nicht enttäuscht. Seelische Abgründe tun sich auf. Manche Szenen riefen Gänsehaut bei mir hervor. Allmählich bekam ich eine Idee, was hinter den Geschehnissen steckt, dadurch wurde mein Lesevergnügen aber nur wenig getrübt. Letztlich wird die Geschichte nach einem rasanten Showdown zufriedenstellend aufgelöst. Mit einem Schluss, der Raum für Gedankenspiele lässt.

Das Wiedertreffen mit dem „Running Gag“ hat mir Spaß gemacht. Ich weiß allerdings nicht, wie viele Bücher es noch brauchen wird, bis ich das System, nach dem die Ketchup- bzw. Mayo-Zuteilung erfolgt, durchschauen werde.

Mir hat das Buch gut gefallen und ich wurde bestens unterhalten. „Lenas Freundin“ kann ich allen Fans von Psychothrillern empfehlen.

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Veröffentlicht am 22.04.2025

Der Mörder und der König

Mord auf der Herreninsel
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Auf der Insel des Märchenkönigs Ludwig II. von Bayern wurde einer der Landschaftsgärtner ermordet. Kaya Benaty und Christoph Steinert von der Münchner Mordkommission erhalten den Fall zugewiesen. Obwohl ...

Auf der Insel des Märchenkönigs Ludwig II. von Bayern wurde einer der Landschaftsgärtner ermordet. Kaya Benaty und Christoph Steinert von der Münchner Mordkommission erhalten den Fall zugewiesen. Obwohl die Identität des Opfers schnell feststeht, kommen die Ermittlungen nur schleppend voran, was nicht nur an der mangelnden Zusammenarbeit der Kommissare Benaty und Steinert liegt. Als der Mörder erneut zuschlägt, gerät die Polizei zunehmend unter Druck. Und der Täter plant schon sein nächstes Verbrechen …

„Mord auf der Herreninsel“ ist ein Regionalkrimi von Maurice Richardson. Das ansprechende Cover zeigt die Schlossanlage Herrenchiemsee. 1873 hat König Ludwig II. die Insel von Holzspekulanten gekauft, um hier sein Traumschloss zu erbauen. Gleichzeitig wurde so die bereits geplante Abholzung verhindert.

Neben dem spannenden Plot hat mich vor allem dieser besondere Schauplatz fasziniert. König Ludwigs Insel wird zum Tatort einer Mordserie, wie sie die Region noch nicht gesehen hat. Neben Herrenchiemsee erweist sich ein Gedicht aus der königlichen Feder als bedeutsam für den Mörder.

Der Autor schreibt flüssig und bildhaft. Ich kenne die Gegend und fand die Beschreibungen sehr zutreffend. Auch die Atmosphäre ist gut eingefangen. Der Spannungsbogen baut sich schnell auf und hält bis zum Schluss. Die Geschehnisse werden abwechselnd aus der Perspektive Kaya Benatys und aus der Sicht des Mörders geschildert. Es ist reizvoll, die Gedankengänge der gegensätzlichen Protagonisten zu lesen.

Mit Kaya Benaty hat der Krimi eine vielschichtige Ermittlerin. Auch sie hat Verbindungen zum Tatort, da sie in Prien aufgewachsen ist. Nach traumatischen Ereignissen hat sie die Gegend vor fast zwanzig Jahren fluchtartig verlassen. Ihre Rückkehr spült lange verdrängte Erinnerungen in ihr hoch. Gleichzeitig muss sie ihre erste Mordermittlung meistern, da sie gerade erst in die Mordkommission versetzt wurde. Erschwerend kommt hinzu, dass ihre neue Abteilung vorwiegend mit Machos besetzt ist, die frauenfeindliche und homophobe Sprüche lieben, allen voran Kollege Steinert. Kaya ist klug, eigenwillig, verfügt über gute Instinkte und ist offen für neue Lösungsansätze. Auch die anderen Charaktere überzeugen, allen voran der Täter, in dessen Fokus die Kommissarin bald gerät.

Der Regionalkrimi hat mich gut unterhalten. Die Spannung hält bis zum Ende an, dank einiger Verwicklungen. Trotz des perfiden, cleveren Täters und der schwierigen Ermittlungsarbeit wird der Fall komplett aufgelöst. Kayas Entwicklung hat mich überzeugt. Ihr Entschluss, sich endlich ihrer Vergangenheit zu stellen und alte Ressentiments zu überwinden, war richtig und nachvollziehbar. Das Ende der Geschichte lässt mich auf ein Wiedersehen mit der sympathischen Kommissarin spekulieren.

Als einziges Manko empfinde ich das etwas nachlässige Korrektorat.

Ich vergebe 4,5 von 5 Sterne und eine Leseempfehlung an alle Fans von Regionalkrimis.



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