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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.09.2019

Erinnerungen

Wie Frau Krause die DDR erfand
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Ich bin selbst auch ein Kind der DDR, habe meine Kindheit und Jugend in diesem Land erlebt. Schon auf den ersten Seiten waren die Erinnerungen da, als Isas Oma vorm Fernseher die Ziehung der Lottozahlen ...

Ich bin selbst auch ein Kind der DDR, habe meine Kindheit und Jugend in diesem Land erlebt. Schon auf den ersten Seiten waren die Erinnerungen da, als Isas Oma vorm Fernseher die Ziehung der Lottozahlen verfolgt, ähnlich wie es meine Oma auch immer getan hat.

Isa, oder besser Isabella ist Schauspielerin und bewirbt sich eher notgedrungen für einen Werbespot für Joghurt. Aus dem Spot wird nichts, dafür wird sie angeheuert um Protagonisten für eine Fernsehserie zu finden, die erzählen, "wie es in der DDR wirklich war". Eigentlich ganz einfach, sollte man meinen, doch Isa fühlt sich mit diesem Auftrag zunehmend unwohl, obwohl ihr die Reise in die Vergangenheit, in ihre Kindheit, durchaus gefällt.

Die Autorin beschreibt die Suche nach "Authentizität" mit sehr viel Humor. Die Erinnerungen der meist schon älteren Protagonisten sind sehr echt erzählt, unverklährt, ohne Schuldzuweisungen , oder politische Propaganda. Beim Lesen kamen Erinnerungen hoch an Dinge, an die ich seit Ewigkeiten nicht gedacht habe, wie die Plastikhülle für die Milchtüten. Anderes, wie der typische Bahnhofsgeruch sind mir heute noch so gegenwärtig, wie vor dreißig Jahren. Ich fand es herrlich.

Sehr eindringlich wird der Unterschied deutlich zwischen dem, was die Menschen erinnern, die hier gelebt haben und dem, was die Anderen gern erinnern wollen. Besonders beim Interview mit den Zeitzeugen wird dies erkennbar, wen der westdeutsche Redakteur unzufrieden damit ist, das die Kindergärtnerin nicht einsehen will, wie falsch sie all die Jahre bei der Erziehung vorgegangen ist, oder keiner etwas über die Stasi und die Mangelwirtschaft erzählt. So sehr ich bei den Geschichten der oft etwas verschrobenen Figuren auch Schmunzeln musste, so sehr hat mich erbost, auf was das Leben in der DDR am Ende meist reduziert wird. Der Spruch "Es war nicht Alles schlecht" hat durchaus seinen wahren Kern und nichts mit übersteigerter Ostalgie zu tun.

Veröffentlicht am 25.09.2019

Planung ist alles

Architekt des Bösen
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Ein Verbrechen bedarf ja auch immer der Planung. Je besser die Planung, desto höher die Chancen, dass das Verbrechen gelingt und die Täter nicht geschnappt werden. Was, wenn die Planung nun quasi ausgelagert ...

Ein Verbrechen bedarf ja auch immer der Planung. Je besser die Planung, desto höher die Chancen, dass das Verbrechen gelingt und die Täter nicht geschnappt werden. Was, wenn die Planung nun quasi ausgelagert wird, an einen hochbrillianten Kopf, der präzise wie ein Architekt das perfekte Verbrechen plant. Goldene Zeiten für die Verbrecher, goldene Zeiten für den Architekten, der seinem Intellekt nun immer größere Herausforderungen verschaffen kann, und Geld bringt das Ganze ja auch noch ein. Gewissensbisse hat er dabei nicht, denn schließlich tut er nichts Unrechtes, ist nicht aktiv an der Tat beteiligt.


Im vorliegenden Thriller wird der Architekt von einer Reichsbürger Vereinigung in Anspruch genommen. Es geht um die Planung eines Diebstahls, was da allerdings gestohlen werden soll, ist ziemlich gefährlich.
Für die Ermittlungen bedient sich der Autor nicht nur der offiziellen Behörden, sondern auch einem privaten Team, das gibt der Geschichte eine interessante Variante. Die Ermittler gehen ungewöhnliche Wege und haben ungewöhnliche Helfer, durch diese Kombination bekommt das Buch, trotz des ernsten Hintergrundes sehr viel Humor. Die Figuren sind sehr charismatisch, einige kann der Leser schon aus anderen Büchern kennen.

Die Geschichte läuft nicht fortwährend auf Höchststufe, trotzdem aber immer spannend. Es ist kein Thriller im amerikanischen Stil, mit wilden Schießereien und Verfolgungsjagden auf jeder zweiten Seite. Die Hintergründe zur Reichsbürger Szene sind ebenso aktuell, wie auch die Bedrohung durch die absichtliche Freisetzung eines Krankheitserregers. Beide Themen werden gut zusammengefügt, ohne reisserisch zu sein, oder das Ganze zu verharmlosen.

Gut gemachter deutscher Thriller.

Veröffentlicht am 18.09.2019

Kein Ratgeber

Achtsam morden
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Ich bin Fan von schwarzem Humor, gern auch in Krimis und dieses Buch schöpft in dieser Hinsicht aus dem Vollen.

Wir begleiten Anwalt Björn, der zu Anfang als ziemliches Ekel rüberkommt, wie er die Arbeit ...

Ich bin Fan von schwarzem Humor, gern auch in Krimis und dieses Buch schöpft in dieser Hinsicht aus dem Vollen.

Wir begleiten Anwalt Björn, der zu Anfang als ziemliches Ekel rüberkommt, wie er die Arbeit in einer Anwaltskanzlei über seine Familie stellt. Erst als seine Frau ihn zu einem Therapeuten zwingt, um die Beziehung zu retten, kommt er ins Grübeln und findet sogar Gefallen an den Achtsamkeitsübungen. Schnell verinnerlicht er dieses Verhalten und verändert sein Leben von Grund auf.
Was hat das nun mit einem Krimi zu tun? Nun, wenn durch eine seiner Achtsamkeitsübungen ein krimineller Klient zu Tode kommt und Björn nun dessen Geschäfte übernehmen muss, ziemlich viel.

Der Autor beschreibt Björns Dilemma mit so viel Ironie und Witz, dass man beim Lesen das Schmunzeln nicht aus dem Gesicht bekommt. Herrlich böse und manchmal skurril verläuft die Geschichte, wobei es ganz wichtig ist, das Ganze nicht allzu ernst zu nehmen, Björns Handeln wir stark überspitzt dargestellt. Natürlich sind die Dinge die Björn da treibt verwerflich und ausserhalb jeglicher Legalität, es macht aber so viel Spaß ihm bei seinem Tun zuzusehen.

Im Buch begegnen wir den verschiedensten Figuren und manche sind echte Kotzbrocken, viele von ihnen machen aber im Verlauf der Geschichte eine erstaunliche Wandlung durch und werden einem sogar sympatisch.

Jedem Kapitel ist ein Spruch aus dem fiktiven Achtsamkeitsratgeber von Björns Therapeuten vorangestellt. Einige dieser Ratschläge, nach denen Björn fortan sein komplettes Handeln ausrichtet, sind grenzwertig, wenn es zum Beispiel und Lügen geht. Andere sind durchaus brauchbar und überlegenswert. Wenn Björn sich sein Handeln damit schönredet, wird es auch schon mal grenzwertig und manchmal ist die Stimmung im Buch kurz davor zu kippen. Der Autor schafft es aber immer wieder die Balance zu finden, damit das Buch nicht ins Absurde abdriftet.

Das Buch ist natürlich kein Ratgeber, ein klassischer Krimi eigentlich auch nicht, aber das ist egal. Ich wurde gut unterhalten und hatte Spaß, eine Fortsetzung brauche ich allerdings nicht, das wäre dann to much. Aber natürlich würde ich gern mehr von Autor lesen.

Veröffentlicht am 11.09.2019

Schade

Die einzige Zeugin
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Wenn ich im Buchladen nach einem Buch greife, geschieht das in erster Linie auf Grund des Titels. Spricht der mich an, ist das Cover zweitrangig, gerade weil viele Cover oft gar nicht zum Buch passen, ...

Wenn ich im Buchladen nach einem Buch greife, geschieht das in erster Linie auf Grund des Titels. Spricht der mich an, ist das Cover zweitrangig, gerade weil viele Cover oft gar nicht zum Buch passen, oder etwas mit dem Inhalt zu tun haben. Als nächstes drehe ich das Buch um und lese die Kurzbeschreibung auf der Rückseite. Bei diesem Buch klang das recht spannend, in der Nähe einer ehemaligen psychiatrischen Anstalt wird ein Mann ermordet, seine Ex -Frau gerät unter Verdacht und versucht nun eine verschwundene Zeugin zu finden, um ihre Unschuld zu beweisen.


Gestartet ist die Geschichte dann auch sehr gut, es gab einen Rückblick in die letzten Tage der Klinik und der Leser verfolgt Eva dabei, wie sie ihren Ex und dessen neue Liebe stalkt, bis es zum schon erwähnten Mord kommt. Die Zeugin, die Evas Unschuld beweisen könnte ist eine Bettlerin, eine Roma, und plötzlich spurlos verschwunden.

Bis dahin alles sehr spannend, doch mit dem Beginn von Evas Suche nach der Zeugin ändert sich das recht schnell. Der Leser begibt sich auf eine quälend lange Fahrt nach Rumänien in den Heimatort der Zeugin.
In diesem Handlungsstrang werden die Probleme der Roma sehr ausführlich beleuchtet, im Grunde ein sehr wichtiges und oft unter den Teppich gekehrtes Problem, im Bezug auf die Geschichte aber eher der falsche Rahmen für eine Aufarbeitung und zudem sehr zäh geschrieben. Ich hatte oft das Gefühl, es ist nur dazu gedacht irgendwie die Seiten zu füllen.

Die Figuren bleiben eher flach, das trifft besonders auf das Mordopfer Svante zu. Die Hintergründe, die zur Tat führten werden nur oberflächlich abgearbeitet, genauso die Persönlichkeit und der Charakter. Dadurch fällt es mir schwet, das Szenario so anzunehmen. Der Handlungsstrang um die ehemalige Psychatrie und deren Bewohner konnte mich auch nur bedingt fesseln. Der Ansatz hierzu sehr spannend, dann aber nur am Rande in die Geschichte eingebaut und für mich unbefriedigend aufgelöst. Da war eindeutig mehr Potential drin. Schade, hab leider ganz was anderes erwartet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Figuren
Veröffentlicht am 08.09.2019

Mord vor beschaulicher Kulisse

Tod an der Seebrücke
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Es war so schön das Ermittlerteam Flottmann und Hilgersen wiederzusehen. Die beiden gestandenen Kommissare bilden durch ihren liebevoll frotzeligen Umgang miteinander einen guten Kontrast zu den Kriminalfällen, ...

Es war so schön das Ermittlerteam Flottmann und Hilgersen wiederzusehen. Die beiden gestandenen Kommissare bilden durch ihren liebevoll frotzeligen Umgang miteinander einen guten Kontrast zu den Kriminalfällen, mit denen sie im beschaulichen Husum konfrontiert werden. Gerade für Flottmann ist von der Ruhe, die er sich durch seine Versetzung in den hohen Norden versprochen hat, nichts zu spüren.


Der aktuelle Fall gibt von Anfang an Rätsel auf. Obwohl die Tat gefilmt wurde gibt es keinen Hinweis zum Täter und auch vom Opfer fehlt jede Spur. Wenig später gibt es einen weiteren Toten, der in enger Beziehung zum ersten Opfer stand. Da es einige Unstimmigkeiten gibt, zieht Flottmann einen alten Bekannten zu den Ermittlungen hinzu, den hochsensiblen Musiker Leon Gerber, der schon in einem früheren Fall hilfreich war.

Der Autor baut einen soliden Krimi inmitten einer wunderschönen Küstenlandschaft. Während Flottmanns Vorgesetzte den Fall mit moderner Technik lösen wollen, bleibt der Kommissar, den traditionellen Methoden treu und der Leser kann über ihn gut den Ermittlungen und den damit verbundenen Spekulationen folgen. Spannung gibt es auch durch den Rückblick auf ein früheres Verbrechen, von dem nicht klar ist, ob und wie es mit dem aktuellen Fall zusammenhängt.

Die Geschichte hatte für mich anfangs etwas von "Ich weiß was du letzten Sommer getan hast" , hat sich dann aber in eine gänzlich andere Richtung entwickelt. Im späteren Verlauf waren die tatsächlichen Hintergründe dann zwar für Ermittler und Leser zu erahnen, trotzdem schafft es der Autor den genauen Hergang noch bis zuletzt spannend zu halten.
Das Buch ist in sich abgeschlossen und kann gut ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Im Bezug auf die Figur des Leon Gerber ist es aber schöner, wenn man die Vorgänger kennt, denn sein "Projekt" spielt hier eine Rolle und wird hoffentlich im nächsten Buch fortgeführt.