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Veröffentlicht am 04.04.2020

Roman über schwierige Familienverhältnisse, Geheimnisse und Aberglaube - Mischung aus Wahnsinn, Rachegelüsten, schwarzer Magie und Krimi

Das geheime Kapitel
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Anna ist unglücklich mit Johann verheiratet, der von Monogamie nichts hält. Sie ist nur mit ihm verheiratet, da ihr als ungelernte Kraft ohne eigene Familie in dem kleinen Dorf in der Fränkischen Schweiz ...

Anna ist unglücklich mit Johann verheiratet, der von Monogamie nichts hält. Sie ist nur mit ihm verheiratet, da ihr als ungelernte Kraft ohne eigene Familie in dem kleinen Dorf in der Fränkischen Schweiz keine andere Perspektive bleibt. Zudem wohnt und arbeitet sie gerne auf dem Hof, auf dem sie als Enkelin der Haushaltshilfe aufgewachsen ist.
Als die Geliebte ihres Mannes, Silke, bei ihnen einzieht, verführt sie Anna mit dem Zauberbuch auf dem Dachboden zu experimentieren und plötzlich häufen sich die Todesfälle auf dem Spindelhof.

Der Roman ist sowohl aus der Perspektive von Anna als auch aus der Sicht von Silke geschrieben. Die Kapitel sind wie der ganze Roman kurz, was einen schnellen Wechsel der Perspektiven zur Folge hat. Gerade am Anfang bereitet dies Schwierigkeiten, eine Übersicht über die handelnden Personen zu behalten, zumal auch noch Rückblenden in die Vergangenheit erfolgen.

Obwohl man die Gedankengänge von Anna und Silke eintauchen kann, bleiben beide Frauen undurchsichtig und ihre Handlungen undurchschaubar. Beide hatten eine unglückliche Kindheit und haben traumatische Erfahrungen gemacht, scheinen diese aber verdrängt und nicht verarbeitet zu haben. Auf beiden lasten Geheimnisse, die sich nur sehr zögerlich offenbaren.
Als Leser fällt es schwer einzuschätzen, wer hier gut oder böse ist und welche Absichten verfolgt werden. Einzig die Männer werden sehr platt als einfältig, stupide und triebgesteuert dargestellt, was mir zu einseitig war.
Von dem mysteriösen Zauberbuch hatte ich mir ein wenig mehr Spannung für den Verlauf der Geschichte erhofft.

"Das geheime Kapitel" ist ein Roman über schwierige Familienverhältnisse, über Geheimnisse und Aberglaube, der viele Wendungen enthält und am Ende alle offenen Erzählstränge zusammenführt. Dennoch konnte ich mit den wenig einnehmenden Charakteren nicht mitfiebern und mich die Mischung aus Wahnsinn, Rachegelüsten, schwarzer Magie und Kriminalgeschichte nicht überzeugen.

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Veröffentlicht am 03.04.2020

Buch über Liebe und Freundschaft, über Eifersucht und Verrat und verpasste Chancen. Schade, dass der Kern der Geschichte so banal war

Unsere glücklichen Tage
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Lenica, Marie, Fanny und Elsa sind beste Freundinnen und verbringen die Sommer jedes Jahr gemeinsam an der französischen Atlantikküste. Als Lenica in ihrem letzten gemeinsamen Sommer einen alten Freund ...

Lenica, Marie, Fanny und Elsa sind beste Freundinnen und verbringen die Sommer jedes Jahr gemeinsam an der französischen Atlantikküste. Als Lenica in ihrem letzten gemeinsamen Sommer einen alten Freund mitbringt, verändert die Anwesenheit von Sean alles. Elsa verliebt sich auf den ersten Blick in den tätowierten Iren und verbringt einen ausgelassenen Sommer voller Liebe und Leidenschaft, bis sie am Tag ihrer Abreise mit einer unschönen Wahrheit konfrontiert wird.
30 Jahre später trifft Elsa zufällig wieder auf Marie. Sie treffen sich mit Fanny und verbringen wieder entspannte Tage in dem Ferienhaus in Frankreich. Ihre Freundschaft zueinander erwacht neu, als wären sie nie getrennt gewesen. Doch dann werden sie von der Vergangenheit eingeholt.

Der Roman erzählt abwechselt die Gegenwart, den Sommer, in dem sich die Freundinnen wieder begegnen und die Vergangenheit, den Sommer, nach dem die jahrelange Trennung erfolgte.
Die Geschichte ist aus der Ich-Perspektive von Elsa erzählt, die vor dreißig Jahren so unsterblich in Sean verliebt war und deren Leben sich mit seinem Kennenlernen für immer verändert hat. Sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart kann man sich gut in sie und ihr Gefühl der Sehnsucht hineinversetzen. Man spürt die innige Freundschaft zu den drei jungen Frauen und die schon fast wahnhafte Liebe zu einem jungen Mann, den Elsa kaum kennt, aber für den sie alles - Freundschaften und ihren Stolz - opfern würde. Dabei ist sie ein sehr emotionaler Mensch, schafft es aber nicht ihre Gefühle zu äußern und ist sich unsicher, ob eine Beziehung zu Sean eine Zukunft haben kann. Auch ich wäre an ihrer Stelle verunsichert gewesen, denn Sean ist ein wankelmütiger Charakter, schwankte stets zwischen besitzergreifender Liebe und einem distanzierten Verhalten.

"Unsere glücklichen Tage" handelt von einem zunächst unbeschwerten Sommer, der unglücklich mit dem Bruch der Freundschaft der vier Frauen endet. Der Roman beginnt spannend und man möchte unbedingt erfahren, was sich in dem Sommer vor dreißig Jahren ereignet hat. Der Wechsel aus Gegenwart und Vergangenheit steigert dabei den Spannungsbogen und umso enttäuschter war ich, dass das Ereignis letztlich nicht banal, aber doch wenig überraschend war. Kaum nachvollziehbar war für mich, dass damit diese lange und sehr innige Freundschaft der so toughen Frauen endete.

Es ist ein Roman, der zeigt, auf was es im Leben ankommt und dass man sein Leben nicht mit Nichtigkeiten verschwenden sollte, weil es viel zu schnell vorbei sein kann. Es ist ein Buch über Liebe und Freundschaft, über Eifersucht und Verrat und verpasste Chancen. Es appelliert an das Verzeihen können und zeigt letztlich, dass Freundschaften beständiger sind als Liebe.

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Veröffentlicht am 01.04.2020

Geschichte über eine obsessive, krankhafte Beziehung, die in einer nüchternen Tonart wiedergegeben. Mir zu reißerisch gewalttätig und vulgär

Die Frau des Obersts
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Bereits als Kind lernte sie in ihrem strengen Elternhaus den Oberst, einen glühenden Nationalsozialisten, kennen und war sofort fasziniert von ihm. Jahre später heiratet sie den 28 Jahre älteren Mann und ...

Bereits als Kind lernte sie in ihrem strengen Elternhaus den Oberst, einen glühenden Nationalsozialisten, kennen und war sofort fasziniert von ihm. Jahre später heiratet sie den 28 Jahre älteren Mann und teilt seine Ideologie, mit der sie Zeit ihres Lebens aufgewachsen ist.
Finnland steht zwischen der Sowjetunion und Deutschland und bereitet sich auf den Krieg vor. Das Land stützt sich auf das verbündete Deutsche Reich bis der Bund zusammenbricht. Währenddessen wird auch die Ehe mit dem Oberst zur Hölle. Er erniedrigt seine Ehefrau und schreckt auch vor brutalster Gewalt nicht zurück.

Als alte Frau blickt die Frau des Obersts auf ihr Leben zurück und berichtet in einer Art innerem Monolog von ihrer Ehe.
Ihre Geschichte ist wahrlich nicht einfach zu lesen, ist unbequem und geradezu verstörend. Die Sprache ist direkt, animalisch und derb, was zum Verhalten der handelnden Personen passend ist. Es gibt keine Sympathieträger und nicht einmal mit der Frau, die von ihrem Ehemann psychisch und physisch missbraucht wird, konnte ich als Leserin Mitleid haben. Sie war mir schlicht zu einfältig, lebensfremd und primitiv im Ausdruck. Der Oberst leidet unter einem geringen Selbstwertgefühl und lässt es an den Schwächeren aus.

Die historischen Fakten, der Zweite Weltkrieg und die Beziehungen zwischen Finnland und Nazideutschland bleiben im Hintergrund, während die Brutalität in der Ehe auf unangenehme Weise in den Vordergrund gerückt wird. Auch die Ideologie, die das Ehepaar teilt und die die Protagonisten hätten nahbarer machen können, unabhängig davon, dass diese nicht zu tolerieren ist, bleibt sehr vage. Die beiden Protagonisten bleiben namenlos. Er ist der Oberst, sie immer nur "die Frau von".

"Die Frau des Obersts" ist weniger ein historischer Roman, der Fakten über die Rolle Finnlands während des Zweiten Weltkriegs vermittelt oder die nationalsozialistische Gesinnung am Beispiel zweier Anhänger beschreibt, als vielmehr die Geschichte über eine obsessive, krankhafte Beziehung, die in einer nüchternen Tonart wiedergegeben wird. Ich empfand den Roman als zu reißerisch gewalttätig.

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Veröffentlicht am 30.03.2020

Sehr unterhaltsames Buch über Familie, über Zusammenhalt, Toleranz und Freundschaft, das zeigt wie bunt und vielfältig das Leben ist

Mit Burka und Bikini
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Am Valentinstag wird Kari gleich mit zwei schlechten Nachrichten konfrontiert, die ihr Leben aus der Bahn werfen: Ihr Mann Dirk beichtet ihr verzweifelt, dass er sie mit einer Kollegin betrogen hat und ...

Am Valentinstag wird Kari gleich mit zwei schlechten Nachrichten konfrontiert, die ihr Leben aus der Bahn werfen: Ihr Mann Dirk beichtet ihr verzweifelt, dass er sie mit einer Kollegin betrogen hat und am selben Tag stirbt Karis Großmutter, eine gläubige Muslima. Ihr Bruder Dzhamal bittet Kari, nicht nur zum letzten Geleit der Ouma zu kommen, sondern für die nächsten sechs Wochen in ihr Elternhaus zurückzukehren, um ihre schwangere Schwägerin und ihre kranke Mutter zu unterstützen.
Kari verschleiert sich, wird wieder zu Karima und passt sich den islamischen Konventionen an. Zehn Jahre hatte sie ihre Familie nicht mehr gesehen, nachdem sie in Schande geflüchtet war. Zuhause trifft sie ihren Exfreund Rafiq wieder, der ganz offen sein Interesse an ihr signalisiert, während Dirk versucht ihre Ehe zu retten.

"Mit Burka und Bikini" ist ein sehr unterhaltsames Buch, das in Kapstadt handelt und den Gegensatz von Tradition und Moderne, von einem weltlichen, freiheitsliebenden Leben und einem gottesfürchtigen, streng islamischen Leben anschaulich darstellt.
Kari hatte vor zehn Jahren Burka gegen Bikini getauscht und aus Scham vor einem Fehler nie wieder zurückgeblickt. Reumütig kehrt sie zurück und passt sich bereitwillig den Vorstellungen ihrer Familie an, unterwirft sich gar den Anweisungen ihres patriarchalischen Bruders. In der Ausnahmesituation, der Trauer um die geliebte Ouma und der Enttäuschung über den Vertrauensbruch des Ehemannes gibt ihr das traditionelle Zuhause und die Geborgenheit der Familie Halt.

Als westlich geprägter Leser erhält man einen guten Einblick in die muslimische Lebenswelt, die authentisch und weitgehend ohne Klischees beschrieben wird. Insbesondere die Darstellung der Muslima überzeugt dabei, die beweist, dass unter dem Schleier starke Frauen stecken können, die die Familie zusammenhalten.

"Mit Burka und Bikini" ist ein Buch über Familie, über Zusammenhalt, Toleranz und Freundschaft, das zeigt wie bunt und vielfältig das Leben ist und das eine Brücke zwischen den unterschiedlichen Kulturen möglich ist.

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Veröffentlicht am 28.03.2020

Die schrullige Olive Kitteridge ist zurück! Episodenroman über das Leben, über Einsamkeit und das Älterwerden.

Die langen Abende
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Olive Kitteridge ist eine pensionierte Mathematiklehrerin, die in Crosby, einem Küstenstädtchen im Bundesstaat Maine wohnt. Ihr Ehemann Henry ist vor zwei Jahren gestorben und ihr Sohn Christopher wohnt ...

Olive Kitteridge ist eine pensionierte Mathematiklehrerin, die in Crosby, einem Küstenstädtchen im Bundesstaat Maine wohnt. Ihr Ehemann Henry ist vor zwei Jahren gestorben und ihr Sohn Christopher wohnt mit seiner zweiten Ehefrau entfernt in New York City. Das Verhältnis zu Christopher ist schwierig, hat er doch als Kind unter der ruppigen Art und harten Erziehung seiner Mutter gelitten. Auch jetzt im Alter von über 70 Jahren kann Olive ihre bissigen Kommentare nicht zurückhalten und erteilt jedem in Crosby ungefragt Ratschläge.

Hinter ihrer rauen Schale verbirgt sich jedoch ein weicher Kern, der sich im Umgang mit anderen einsamen und hilfsbedürftigen Menschen zeigt.

"Die langen Abende" ist die Weitererzählung von "Mit Blick aufs Meer", in welchem Olive die Hauptfigur ist. Die Fortsetzung erstreckt sich über einen Zeitraum von ungefähr zehn Jahren und wird in Form von mehreren Kurzgeschichten erzählt, in welchen Olive in jeder zweiten Geschichte im Mittelpunkt steht. Dabei werden oft nur die Banalitäten des Alltags erzählt, die aber durch Olives schrullige Art wunderbar unterhaltsam sind. Diplomatie ist ihr ein Fremdwort, sie sagt immer, was sie denkt - einerseits plump, andererseits aber auch entwaffnend ehrlich. Olive ist ein Unikat, die auf den ersten eindruck wenig sympathisch erscheint. Blickt man jedoch hinter die Fassade, zeigt sich ein facettenreicher Charakter, der verletzend sein kann, aber auch selbst verletzlich ist, aus Fehlern gelernt hat und im Verlauf ihres Lebens zu einem besseren Menschen entwickelt hat.

Die weiteren episodenhaften Geschichten handeln von anderen Einwohnern Crosbys, in denen Olive, wenn überhaupt, nur am Rande auftritt. Die Mehrheit der Geschichten ist melancholisch und handelt von ernsten Themen, die Einschnitte im Leben der Menschen bedeuteten. Auch wenn man nur einen kurzen Einblick in die Lebenswelten der überwiegend älteren Bewohner erhält, berühren ihre Geschichten und vermitteln trotz aller erlebter Dramen eine hoffnungsvolle Botschaft.

"Die langen Abende" ist ein Episodenroman über das Leben, über Einsamkeit und das Älterwerden. Die Thematik stimmt melancholisch, aber durch die kleinen Glücksmomente, die jede der Kurzgeschichten enthält, bleibt am Ende ein gutes Gefühl zurück.
Über allem schwebt der eigenwillige Charakter der Olive Kitteridge, der polarisiert, mir jedoch ans Herz gewachsen ist. Um ihr Verhalten gegenüber anderen und ihre Persönlichkeit besser verstehen zu können, ist es meiner meiner Meinung nach hilfreich, "Mit Blick aufs Meer" gelesen oder alternativ die Miniserie "Olive Kitteridge" gesehen zu haben.

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