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Veröffentlicht am 07.02.2026

Dramatische Geschichte über Schwesternschaft, die sich zu einem Psychothriller entwickelt

Die Insel meiner Schwester
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Mirjam hat ihre Halbschwester Nia erst im Alter von 14 Jahren kennengelernt und trotz der schwierigen familiären Konstellation sofort Freundschaft mit ihr geschlossen. Unstimmigkeiten ergaben sich nur, ...

Mirjam hat ihre Halbschwester Nia erst im Alter von 14 Jahren kennengelernt und trotz der schwierigen familiären Konstellation sofort Freundschaft mit ihr geschlossen. Unstimmigkeiten ergaben sich nur, wenn sich Nia wiederholt in die falschen Männer verliebte. Inzwischen ist Nia mit Konrad verheiratet und hat bereits mehrfach versucht, ihren Ehemann zu verlassen. Als Nia das letzte Mal zu ihm zurückgekehrt ist, kam es zum Zerwürfnis zwischen den beiden Schwestern.
Ein Jahr später meldet sich Nia bei Mirjam, die gerade frisch von ihrem langjährigen Partner getrennt ist, um sie zu ihrem 40. Geburtstag einzuladen. Sie möchte auf der Schäreninsel feiern, wo sie in ihrer Kindheit und Jugend die Sommer verbracht haben. Nia verspricht einen reinen Mädelsabend, doch Mirjam ist schon vor der Anreise skeptisch und ahnt nicht, was sie tatsächlich vor Ort erwarten wird.

Der Roman wird aus der Perspektive von Mirjam geschildert, die überraschend nach zehn Jahren Beziehung von ihrem Freund für eine andere Frau verlassen wurde. Sie ist zutiefst verletzt und deshalb froh, als sich ihr langjährige Vertraute Nia bei ihr meldet, zu der der Kontakt nach einem Streit über ihren Mann abgebrochen war. Nia steckt in einer toxischen Ehe fest und schafft es nicht, Hilfe anzunehmen.

Neben der gegenwärtigen Handlung gibt es innerhalb der Kapitel zahlreiche Rückblenden in die Jugend Mirjams mit einem Schwerpunkt auf dem Verhältnis zu Nia.
Nia hat Mirjam zu mehr Selbstvertrauen verholfen, die sich selbst als unscheinbar empfunden hatte, hat sich selbst hingegen in ihren Liebesbeziehungen ausnutzen und unterdrücken lassen.

Das Szenario auf der Insel, wenn der Sturm aufzieht, gleicht einem Psychothriller. Eine bedrohliche Atmosphäre ist von Anbeginn vorhanden und spürbar, dass die Situation jederzeit eskalieren könnte. Schon bei der Ankunft auf der Insel wird Mirjam vor den Kopf gestoßen und nach einer Wende läuft die Situation komplett aus dem Ruder.
Spannung wird dabei sukzessive aufgebaut, wobei es am Tag der Geburtstagsfeier bis auf die Rückblenden keine neuen Impulse gibt und der gewaltsame Showdown arg in die Länge gezogen wird.

Es ist eine dramatische Geschichte über zwei "Frestern", die innig verbunden sind, durch ungute Beziehungen aber Distanz zu einander schaffen. Das Thema häusliche Gewalt prägt die Handlung, auch wenn es durch die einseitige Perspektive hintergründig bleibt.
Im Kern geht es um Schwesternschaft, bedingungslose Liebe und welche Opfer diese fordert. Dass das Ende dann keinen Neuanfang bedeutet, ist tragisch und nach all den Anstrengungen nur bedingt nachvollziehbar.

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Veröffentlicht am 05.02.2026

Wenn ein Wunschtraum zu Manie wird - herrlich absurder Psychothriller vor dem Kontext des heiß umkämpften Immobilienmarkts

Tödliches Angebot
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Seit über einem Jahr suchen Margo und ihr Ehemann Ian nach einem Eigenheim in Washington. Bereits elf Mal sind mit ihren Geboten gescheitert und Margo, die ihre Zwei-Zimmer-Wohnung leid ist und eine Familie ...

Seit über einem Jahr suchen Margo und ihr Ehemann Ian nach einem Eigenheim in Washington. Bereits elf Mal sind mit ihren Geboten gescheitert und Margo, die ihre Zwei-Zimmer-Wohnung leid ist und eine Familie gründen möchte, ist zunehmend frustriert. Als sie von einem Haus in ihrer bevorzugten Wohngegend erfährt, das verkauft werden soll, aber noch nicht auf dem Markt ist, beschließt sie zu handeln. Margo macht die Eigentümer ausfindig und versucht sie mit unorthodoxen Methoden davon zu überzeugen, dass sie die optimalen Käufer für das Traumhaus sind. Doch ein dummer Fehler macht Margos schöne Pläne zunichte. Besessen von dem Haus vernachlässigt Margo ihren Job, streitet mit ihrem Mann und ist bereit, alles zu riskieren, um ihren Traum vom Eigenheim und dem damit verbundenen perfekten Leben zu erfüllen.

Wie in Deutschland, ist auch der Immobilienmarkt in den Großstädten Amerikas heiß umkämpft. Die Autorin greift damit ein aktuelles, gesellschaftlich relevantes und emotionsgeladenes Thema auf, das sie zu einer abgefahrenen Story entwickelt.

Margo ist eine Frau mit beiden Beinen im Leben, aber die erfolglose Haussuche hat sie mürbe gemacht. Für das Traumhaus aus den 1940er-Jahren in der ruhigen, familiären Wohngegend, rechnet sie sich allerdings echte Chancen aus, da es noch nicht offiziell zum Verkauf steht. Sie entwickelt kreative Methoden, um das Haus vor allen anderen Bietern zu erlangen und lässt dabei bald jeglichen moralischen Kompass vermissen und zunehmend Grenzen jeglichen Anstands überschreiten. Aus einem Wunschtraum wird blutiger Ernst.

Der Strudel aus Verzweiflung und Wut, in den Margo gelangt ist, ist nachvollziehbar geschildert, rechtfertigt aber nicht ihr überzogenes, manisches Verhalten. Ihr zunehmende Verrücktheit zieht jedoch in den Bann und man beobachtet mit ungläubiger Faszination jede neue Aktion, um dem Traumhaus einen Schritt näher zu kommen.

Die Geschichte ist herrlich absurd, schwarzhumorig und weiß damit bestens zu unterhalten. "Tödliches Angebot" schildert wie ein Wunsch zu Manie wird, wobei die Handlung komplett an die Spitze getrieben wird. Das ist bitterböse und stimmig für einen Psychothriller, aber am Ende nicht unbedingt realistisch, wie leicht es Margo gemacht wird.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Origineller Plot, der ein raffiniertes Katz-und-Maus-Spiel für anhaltende Spannung entwickelt

Das Signal
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Viola und ihr Ehemann Adam haben ein altes Haus in einer abgelegenen Gegend gekauft. Kurz bevor die Renovierungsarbeiten beginnen, ereignet sich ein Unfall im Weinkeller, bei dem Viola schwer verletzt ...

Viola und ihr Ehemann Adam haben ein altes Haus in einer abgelegenen Gegend gekauft. Kurz bevor die Renovierungsarbeiten beginnen, ereignet sich ein Unfall im Weinkeller, bei dem Viola schwer verletzt wird und ihr linkes Bein verliert. Nach dem Krankenhausaufenthalt kümmert sich eine Pflegerin rund um die Uhr um Viola, doch statt Unterstützung zu erhalten, fühlt sich Viola wie eine Gefangene. Ihr Mann scheint Otilia genau zu diesem Zweck engagiert zu haben und es zudem nicht so genau mit der Wahrheit zu nehmen.
Mit Hilfe von Trackern beginnt Viola Adam zu überwachen und sieht sich bald darin bestätigt, dass ihr Ehemann sie ganz offensichtlich belügt. Während Viola versucht herauszufinden, was dahinter steckt, erinnert sie sich daran, dass auch sie ihre Geheimnisse hat.

Der Roman ist aus der Ich-Perspektive von Viola geschrieben, so dass Wut, Trauer und Hilflosigkeit, aber auch eine enorme Entschlossenheit unmittelbar nachvollziehbar sind. Viola kann niemandem vertrauen und lange ist unklar, was dahinter steckt.

Ohne dass sich in dem Roman viel ereignen muss, ist die Geschichte packend geschildert und von einer anhaltenden unterschwelligen Spannung geprägt. Viola ist als gehandicapte Frau in ihren eigenen vier Wänden gefangen, fühlt sich bevormundet und überwacht. Die Pflegerin mutiert zur Wärterin, macht geflissentlich ihre Arbeit, ist aber wortkarg und gefühlskalt. Adam glänzt durch Abwesenheit und versucht jeden Heilungsfortschritt Violas zu verhindern, wobei er die Einschränkungen mit Fürsorge entschuldigt. Nur mit Hilfe von moderner Technik gelingt es Viola ein Gefühl dafür zu behalten, ihr Leben nicht vollständig aus den Händen gegeben zu haben.

"Das Signal" ist eine Geschichte voller Misstrauen und Lügen. Viola fürchtet um ihr Geheimnis, Otilia ist undurchsichtig und Adam mimt offenbar nur den liebevollen Ehemann. Viola und Adam schleichen um einander und führen einen heimlichen Rosenkrieg. Es entwickelt sich ein raffiniertes Katz-und-Maus-Spiel, das nicht nur enorm fesselnd ist, sondern durch den versteckten Hass hinter liebevollen Worten zudem äußerst unterhaltsam und amüsant zu lesen ist. Bei diesem originellen Plot braucht es kein Blut oder Effekthascherei für Spannung der Extraklasse.

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Veröffentlicht am 31.01.2026

Empathisch geschilderte Geschichte über zwei Außenseiter und ihr Weg heraus aus der sozialen Isolation

Der andere Arthur
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Der ehemalige Literaturprofessor Dr. Arthur Opp führt ein zurückgezogenes Leben in seinem Haus in Brooklyn. Er verlässt es nur noch, um den Müll hinauszubringen, denn er ist stark übergewichtig und ist ...

Der ehemalige Literaturprofessor Dr. Arthur Opp führt ein zurückgezogenes Leben in seinem Haus in Brooklyn. Er verlässt es nur noch, um den Müll hinauszubringen, denn er ist stark übergewichtig und ist durch Lieferdienste gut versorgt. Als ihn eine frühere Studentin kontaktiert, mit der er noch vor Jahren in einem engen Briefkontakt gestanden hat, erfährt er überraschend, dass sie einen Sohn hat. Charlene bittet Arthur um Unterstützung, da der sportbegeisterte 18-jährige Kel aufs College gehen soll. Arthur möchte helfen, schämt sich jedoch für die Lügen, die er Charlene aus Schaum erzählt hat. Doch auch sie hat Geheimnisse, die für ihren Sohn zunehmend zu einer Belastung werden.

"Der andere Arthur" ist nach "Long Bride River" und "Der Gott des Waldes" ein älteres Buch der Autorin, das ins Deutsche übersetzt wurde und als eines ihrer Erstlingswerke nicht so stark wie die beiden Bestseller.
Der Roman wird abwechselnd, zunächst in längeren Abschnitten, dann in kürzeren Kapiteln aus den Perspektiven von Arthur und Kel erzählt. Beide befinden sich in unterschiedlichen Lebenssituationen, sind jedoch beide auf ihre Art Außenseiter und allein.
Arthur ist gut situiert, versteckt sich aufgrund seines Übergewichts jedoch in seinem Haus. Die Reinigungskraft Yolanda ist die erste, die er nach einem Jahrzehnt wieder hineinlässt, um sein Haus vorzeigbar zu machen, als er mit einem Besuch von Charlene rechnet.
Kel ist ein mittelmäßiger Schüler, aber ein talentierter Baseballspieler und hofft, dass er eine Profi-Karriere einschlagen kann. Freunde kann er nicht zu sich nach Hause lassen, denn er schämt sich für seine Lebensverhältnisse und das Verhalten seiner Mutter. Wie schlimm es tatsächlich um sie steht, wird Kel erst bewusst, als Charlene ins Krankenhaus kommt und er ganz auf sich gestellt ist.

Die Geschichte wird warmherzig und lebendig erzählt und es ist bildhaft vorstellbar, wie Arthur und Kel leben. Es sind tragische Situationen, die realitätsnah erscheinen und deshalb so schmerzhaft sind. Arthur und Kel haben beide Verluste erlitten und sind gesellschaftlich isoliert. Beide verstecken sich und kommen zurecht, solange nichts Unerwartetes passiert. Charlenes Hilflosigkeit bringt beide dazu zu handeln.

Der Roman ist mit seiner Zielrichtung vorhersehbar, entwickelt sich aber dennoch etwas anders als erwartet. Beide Erzählstränge bleiben trotz der Verbindung über Charlene überraschend isoliert, was beide Charaktere unabhängig voneinander in Szene setzt.

"Der andere Arthur" schildert auf empathische Art und Weise Wege aus der sozialen Isolation zurück in die Gesellschaft und zeigt gleichzeitig, wie leicht es ist, aus ihr herauszufallen und abgeschottet in einer Großstadt verloren zu sein. Neben vielen Widrigkeiten und Rückschlägen ist die Geschichte dennoch niemals deprimierend, denn Fürsorge und Hilfsangebote bleiben nicht aus, müssen nur angenommen werden. Sie endet deshalb hoffnungsvoll, auch wenn Fragen offen bleiben.

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Komplexe Mutter-Tochter-Beziehungen, die Wunden hinterlassen und die Generationen prägen

Niemands Töchter
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Gabriele kehrt mit der neugeborenen Alma Anfang der 1980er-Jahre zu ihren Eltern in die Eifel zurück, denn in Berlin kann sie als Alleinerziehende nicht mehr bleiben. Alma entwickelt sich zu einem aufgeweckten ...

Gabriele kehrt mit der neugeborenen Alma Anfang der 1980er-Jahre zu ihren Eltern in die Eifel zurück, denn in Berlin kann sie als Alleinerziehende nicht mehr bleiben. Alma entwickelt sich zu einem aufgeweckten Kind, aber der Vater bleibt eine Leerstelle in ihrem Leben. Doch da ist noch mehr, was Gabriele verschweigt.
Marie möchte mit ihrer zweiten Tochter alles besser machen und setzt sie sehr zum Missfallen ihres Mannes an erste Stelle. Sie schwört Isabell, sie vor allem zu beschützen, kann ihr aber Versprechen nicht halten.
Isabell ist Mutter der dreijährigen Ruby und im Umgang mit ihr gehemmt, denn ihre Ängste lähmen sie. Sie vermisst ihre eigene Mutter und versucht anhand der von ihr hinterlassenen Polaroidbilder mehr über sie zu erfahren.

"Niemands Töchter" wird aus wechselnden Perspektiven der vier Hauptfiguren geschildert, wobei die Erzählung nicht chronologisch erfolgt. Im Wechsel zwischen Vergangenheit ab 1981 und der Gegenwart im Jahr 2020 geht es um komplexe Mutter-Tochter-Beziehungen, um überforderte, verzweifelte, abwesende, einsame und trauernde Mütter sowie die Suche nach Identität, Heimat und Geborgenheit.

Für einen Roman allein sind vier Frauen mit schwierigen Verhältnissen im Umgang mit ihrer Mutter und/ oder Tochter viel, so dass die Ergründung ihrer Probleme nicht tief geht. Dennoch berühren die Schicksale und es fällt nicht schwer, sich in die Frauen hineinzuversetzen, die fehlerbehaftet sind und Geheimnisse bergen.
Im Verlauf der Geschichte wird immer besser nachvollziehbar, welche Wunden vorhanden sind und wie sich Traumata der Vergangenheit auf die Gegenwart und die nachfolgende Generation auswirken. Die Verbindung der einzelnen Handlungsstränge ist weniger geheimnisvoll als gedacht, was die Spannung und Dramatik jedoch nicht wesentlich beeinträchtigt.

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