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Veröffentlicht am 07.08.2019

Bezaubernder Roman über Familie, Verlust, Versöhnung, die Kraft der Liebe und eines Neuanfangs vor dem Hintergrund der Symbolik der Blumen

Die verlorenen Blumen der Alice Hart
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Mit neun Jahren wird Alice Hart nach einem Brand zur Vollwaise und von ihrer Großmutter June, die sie bisher nicht kannte auf ihrer Blumenfarm Thornfield aufgenommen. June macht sich Vorwürfe, dass sie ...

Mit neun Jahren wird Alice Hart nach einem Brand zur Vollwaise und von ihrer Großmutter June, die sie bisher nicht kannte auf ihrer Blumenfarm Thornfield aufgenommen. June macht sich Vorwürfe, dass sie vor Jahren im Streit mit ihrem Sohn Clem auseinandergegangen ist, der sich daraufhin zu einem jähzornigen und gewalttätigen Ehemann und Vater entwickelt hat.
Die traumatisierte Alice wächst wohlbehütet bei June und ihren Blumenmädchen auf und lernt von ihrer Großmutter durch Blumen zu sprechen. Jede Blume hat eine eigene Bedeutung und kann bei der Kommunikation helfen, um Dinge auszudrücken, die zu schwer zu sagen sind. June möchte verhindern, dass Alice das selbe Schicksal erleidet wie ihre Schwiegertochter Agnes, weshalb sie Alice Wesentliches aus der Vergangenheit aus Fürsorgegründen verschweigt und Alices erste Liebe sabotiert. Diese fühlt sich verraten und verlässt Thornfield, um in die australische Wüste zu fliehen und neu als Ranger in einem Nationalpark zu beginnen. Doch der Fluch der Thornfield-Frauen scheint sie dort einzuholen.

Der Roman ist von Anbeginn packend, da das Schicksal der neunjährigen Alice, die in der permanenten Erwartung der Wutausbrüche ihres Vaters und mit der Angst um ihre Mutter isoliert aufwächst, sehr eindringlich und berührend beschrieben ist. Bei der Großmutter wächst sie anschließend überbehütet auf, so dass sie zunächst sprichwörtlich aufblüht, ihr aber unbewusst erneut eigene Entscheidungen verwehrt und somit Unabhängigkeit und Freiheit genommen werden.

Jedes Kapitel beginnt einleitend mit der Beschreibung einer Pflanze und ihrer Bedeutung, die zudem noch grafisch dargestellt wird, wodurch sich die Sprache der Blumen wie ein roter Faden durch den Roman zieht. Auf der Blumenfarm ist die Atmosphäre von Liebe und Geborgenheit spürbar, denn viele Frauen haben auf der Farm nicht nur Arbeit, sondern auch eine Zuflucht gefunden. In der zweiten Hälfte des Romans, die viel weiter im Westen Australiens, abseits vom Meer in der kargen Wüstenlandschaft handelt, empfand ich die Symbolik der Blumen vordergründiger und die Beschreibungen der Flora und Landschaft Australiens noch anschaulicher.

Alice ist ein kluges und starkes Mädchen, das sich zu einer sensiblen jungen Frau entwickelt. Sie erkennt, dass sie sich von ihrer Großmutter, die es zwar gut mit ihr meint, aber übermächtig ist, abnabeln muss, um ein eigenständiges Leben ohne Beeinflussung führen zu können. Die Intention von June, durch ihr beherztes, aber übergriffiges Eingreifen die Muster der Vergangenheit zu durchbrechen, um zu verhindern, dass ihre Enkelin im Gegensatz zu den vorangegangen Generationen von Frauen davon verschont bleibt, einem missbräuchlichen, gewalttätigen Mann zu verfallen, ist damit zum Scheitern verurteilt.
Es scheint tatsächlich ein Fluch auf den Frauen dieser Familie zu lasten, denn auch Alice scheint einem gefährlichen Mann zu verfallen.

"Die verlorenen Blumen der Alice Hart" ist ein bezaubernder Coming-of-Age-Roman über Familie, Verlust, Versöhnung und die Kraft der Liebe und eines Neuanfangs vor dem Hintergrund der Symbolik der Blumen, der metaphorisch erzählt wird. Die Schicksale der Frauen berühren und es ist spannend zu lesen, wie es Alice schaffen soll, den Bann zu durchbrechen, der vorangegangene Generationen in den Abgrund gezogen hat. Dabei zeigt sich eindringlich, welche Fehler Menschen begehen, um ihre Liebe und ihre Familie zu schützen und damit genau das Gegenteil erreichen.

Da der Roman nicht nur aus der Perspektive von Alice geschrieben ist, sondern zumindest auch abschnittsweise aus der Sicht der Frauen auf der Farm oder im Nationalpark, hätte ich mir auch mehr Hintergründe zu ihren Geschichten gewünscht. Für meinen Geschmack endete der Roman zu abrupt und hätte in Bezug auf mehrere Handlungsstränge noch Potential für weitere Seiten gehabt.
Es ist ein bildgewaltiger Roman, durch den man sehr viel über die Pflanzenwelt Australiens erfahren kann.

Veröffentlicht am 05.08.2019

Malerischer Schauplatz und lebendige Erzählung, aber die Charaktere blieben mir zu blass, ihre Handlungen nicht nachvollziehbar.

Die Gärten von Monte Spina
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Antonia Andersen ist in tiefer Trauer versunken, seitdem ihr Mann Leon bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Sie hat Deutschland verlassen und arbeitet in England als Gärtnerin, als sie das Angebot ...

Antonia Andersen ist in tiefer Trauer versunken, seitdem ihr Mann Leon bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Sie hat Deutschland verlassen und arbeitet in England als Gärtnerin, als sie das Angebot erhält, den Garten einer kleinen Insel im Privatbesitz vor Lanzarote zu pflegen. Da sie in England bisher keinen Anschluss gefunden hatte, nutzt sie die Chance für einen Neuanfang, auch wenn es sich bei dem Besitzer der Insel um ein Ekel handeln soll, bei dem es bisher kein Gärtner lange ausgehalten hat.
Auf Monte Spina angekommen, begegnet Toni zunächst nur den wenigen Angestellten, die sie ebenfalls vor dem wütenden Besitzer Max Bror, dem es keiner recht machen könne, warnen. Als dieser knapp ein halbes Jahr nach Tonis Ankunft eintrifft und er trotz ihrer Mühen jähzornig über ihre Faulheit schimpft, erfährt Toni brutal, was die anderen Inselbewohner meinten. Auf eine bizarre Weise ist sie fasziniert von dem souveränen Geschäftsmann und Menschenhasser, der in wenigen Momenten aber auch seine weiche Seite zeigt.

Der Schauplatz des Romans ist malerisch - eine einsame kleine Insel im Atlantik, die aus einem Anwesen mit einem bisher verwahrlosten Garten voller Bäume, Sträucher und Blumen besteht, denen die raue salzige Luft nichts abhaben kann. Aufgrund des farbenprächtigen Covers und der Arbeiten von Toni hätte ich mir allerdings eine intensivere Landschaftsbeschreibung gewünscht. Dagegen nehmen die Äußerlichkeiten wie Tonis Locken, ihr Kleidungsstil oder der durchtrainierte Körper von Max Bror vergleichsweise mehr Raum ein.
Auch die Charaktere bleiben durchweg blass. Nicht einmal Toni kam mir so nah, dass ich ihr Verhalten nachvollziehen konnte. Die Hintergründe von Max Bror und seiner Angestellten der Insel blieben darüber hinaus sehr vage.
Die Geschichte ist lebendig erzählt und entwickelt sich alles andere als vorhersehbar, was mir prinzipiell gut gefallen hat. Allerdings war mir unbegreiflich, wie viel sich Toni von dem unfassbar arroganten, körperlich und verbal gewalttätigen Mann hat gefallen lassen und sogar immer wieder mit der Hoffnung auf ihn zuging, das Gute in ihm zu offenbaren. Toni bietet ihm ab und zu Paroli, zieht aber am Ende frustrierend oft den Kürzeren.

Schade ist auch, dass bei keinem der Protagonisten eine wirkliche charakterliche Entwicklung feststellbar war, weshalb auch der Epilog, der zwar versöhnlich ist, dann doch überrascht und einfach zu fern vom Rest der Erzählung ist.
Das Potenzial der Geschichte um zwei verwundete Seelen, die in der Einsamkeit und umgeben vom rauen Atlantik und bezaubernder Pflanzenwelt gemeinsam Heilung erfahren können, wurde leider nicht ausgeschöpft.

Veröffentlicht am 03.08.2019

Dramatische Liebesgeschichte mit einem Hauch Mystik - emotional und warmherzig erzählt

Das Wispern der Schmetterlinge
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Ava und Pacey waren seit ihrer Kindheit befreundet, wurden nach dem Tod von Paceys jüngerer Schwester Joy und bester Freundin von Ava unzertrennlich und haben sodann tiefere Gefühle für einander entwickelt, ...

Ava und Pacey waren seit ihrer Kindheit befreundet, wurden nach dem Tod von Paceys jüngerer Schwester Joy und bester Freundin von Ava unzertrennlich und haben sodann tiefere Gefühle für einander entwickelt, die sie sich jedoch nicht eingestehen konnten, um ihre Freundschaft nicht zu gefährden.
Erst an Avas 23. Geburtstag kommen die beiden bei einem romantischen Picknick zusammen, doch das Glück ist nur von kurzer Dauer. Bei einem Motorradunfall kommt Ava ums Leben, Pacey wird schwer verletzt. Pacey fühlt sich nach der Tragödie kaum in der Lage mit seinen Schuldgefühlen weiterzuleben. Er macht eine Psychotherapie und nimmt sich nach seiner körperlichen Genesung eine Auszeit auf Madeira. Dort begegnet er der Hotelangestellten Maria, die Ava unheimlich ähnlich sieht. Unter einem Vorwand nähert er sich Maria an und findet heraus, dass sie die Zwillingsschwester der aus Guatemala adoptierten Ava sein könnte. Maria fühlt sich zu Pacey hingezogen, bricht aber jeden Kontakt ab, als sie erfährt, dass er sie nur wegen Ava näher kennenlernen wollte. Da erhält Pacey eine Nachricht aus seiner Heimat, die alles bisher Gedachte ins Wanken geraten lässt.

"Das Wispern der Schmetterlinge" ist eine dramatische Liebesgeschichte, die wie von Susanna Ernst gewohnt, emotional und wamherzig geschrieben ist und am Ende einen Hauch Mystik enthält. Die Geschichte von Ava, Pacey und Maria mag sich vorhersehbar anhören und entwickelt sich auch zu nächst in eine solche Richtung, bis man als Leser durch eine verblüffende Wendung überrascht wird. Hat man diese Wende in der Geschichte verarbeitet, scheint ein Happy End für die Liebe sicher. Doch dann gibt es erneut einen Twist, der den Leser abermals überrascht, der die Geschichte, die insbesondere auf Madeira etwas konstruiert wirkte, da so viele Zufälle zusammengekommen sind, aber letztlich schlüssig erklärt und die Symbolik der Schmetterlinge miteinbezieht.

Es ist ein Roman über Trauerbewältigung, der zeigt, dass man stärker an der Liebe zu einem anderen Menschen hängen kann, als an seinem eigenen Leben. Es ist eine emotionsgeladene Herz-Schmerz-Geschichte mit liebevoll gezeichneten Charakteren, die tragisch, aber dennoch hoffnungsvoll endet.
Wer die bisherigen Romane von Susanna Ernst mochte, wird sich auch von dieser bezaubernden Geschichte berühren und vereinnahmen lassen.
Der Hauch Mystik lädt den Leser zum Träumen ein und macht auch diesen Roman wieder zu etwas Besonderem und die Geschichte letztlich rund.

Veröffentlicht am 02.08.2019

Spannende Familiengeschichte auf zwei Zeitebenen über den Umgang mit (ungewollt) Schwangeren während des Nationalsozialismus.

Herbstvergessene
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Maja Sternberg hatte seit Jahren ein distanziertes Verhältnis zu ihrer in Wien lebenden Mutter Lilli. Als sie von ihr angerufen und zu einem Treffen gedrängt wird, fährt sie nur widerwillig hin und erfährt ...

Maja Sternberg hatte seit Jahren ein distanziertes Verhältnis zu ihrer in Wien lebenden Mutter Lilli. Als sie von ihr angerufen und zu einem Treffen gedrängt wird, fährt sie nur widerwillig hin und erfährt vor Ort, dass ihre Mutter am Morgen von Majas Ankunft tödlich von ihrer Terrasse gestürzt ist. Aufgrund einer vorliegenden Krebsdiagnose schließt die Polizei ein Fremdverschulden aus. Maja kann allerdings nicht an einen Selbstmord glauben und stößt bei der Durchsicht des Nachlasses auf mehrere Ungereimtheiten, die ihr keine Ruhe mehr lassen. Sie findet ein Foto ihrer Großmutter Charlotte, auf der sie ein Baby im Arm hält, das nicht ihre Mutter Lilli sein kann. Zudem soll ihre Großmutter ihre Memoiren verfasst haben, wovon aber nur 50 Seiten auffindbar sind, die sie an einen Verlag geschickt hatte.
Es stellt sich heraus, dass Charlotte im Herrenhaus Hohehorst, einem Lebensborn-Heim der Nationalsozialisten, 1944 ein uneheliches Kind zur Welt gebracht hat. Während ihrer Suche nach der Wahrheit und nach einem unbekannten Großvater, der noch leben könnte, fühlt sich Maja zunehmend beobachtet und verfolgt.

Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt, wobei die Gegenwart aus Majas Sicht den größten Anteil hat. Die Geschichte wird durch die Autobiographie ihrer Großmutter unterbrochen, die die Umstände ihrer Schwangerschaft und ihre Zeit in dem von der SS geführten Lebensborn-Heim schildert.

Maja empfand ich als Protagonisten etwas unzugänglich und wenig sympathisch. Die Familiengeschichte liest aber dennoch durchweg spannend. Gegenwart und Vergangenheit werden flüssig miteinander verknüpft und fesseln den Leser durch Mini-Cliffhanger an den jeweiligen Kapitelenden.
Historisch interessant fand ich es, etwas über den von Heinrich Himmler gegründeten Lebensborn-Verein zu erfahren, ein während der NS-Zeit von der SS getragener Verein, dessen Ziel es war, ungewollt Schwangere dabei zu unterstützen, "arische" Kinder auf die Welt zu bringen. So sollten vor allem unverheiratete Frauen und Mädchen die Möglichkeit einer anonymen Entbindung erhalten, um Schwangerschaftsabbrüche zu verhindern, Dass Majas Großmutter formal nicht die Voraussetzungen für die Aufnahme in Hohehorst erfüllte, macht ihren auf einer Lüge aufgebauten Aufenthalt dort genauso brisant wie die Gefahr, der sich Maja beim Aufwühlen ihrer Familiengeschichte aussetzt.

Veröffentlicht am 31.07.2019

Banale Handlung, Charaktere wie schlechte Karikaturen und Dialoge mit Gesprächsthemen unterhalb der Gürtellinie - Zeitverschwendung!

Die Tage vor der Hochzeit
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Emily Glass möchte ihren Verlobten David heiraten und muss dazu nur noch eine Hürde überstehen: sechs Hochzeitsvorbereitungstage bei ihren Eltern. Auch ihre älteren Geschwister Jason und Lauren samt Anhang ...

Emily Glass möchte ihren Verlobten David heiraten und muss dazu nur noch eine Hürde überstehen: sechs Hochzeitsvorbereitungstage bei ihren Eltern. Auch ihre älteren Geschwister Jason und Lauren samt Anhang sowie Freunde und andere Verwandte finden sich dazu in New York ein. Jason ist frisch geschieden und geht deshalb offensiv an Frauen heran, Lauren ist unglücklich verheiratet und kümmert sich rund um die Uhr um das Wohlergehen ihres Sohnes Ariel, wenn sie nicht für die feministische Zeitschrift "Pussy" schreibt. Mutter Marla ist Therapeutin und versucht die Tage für eine Familientherapie zu nutzen.
Doch auch Davids Familie ist nicht ohne Macken, insbesondere sein Bruder Nathan fällt durch seine mittelalterliche Sprache und antiquierte Verhaltensweisen auf.

Was nach einem amüsanten, turbulenten und für Emily und David peinlichen Familientreffen klingt, artet in einer Aneinanderreihung von Nonsens am laufenden Band aus. Statt einer Handlung besteht der Roman fast ausschließlich aus stupiden Dialogen, ermüdenden und nervigen Diskussionen, die sich im Kreis drehen. Es trifft eine Überzahl oberflächlicher Menschen aufeinander, die wahlweise sexistische (Jason) oder genderkritische (Lauren) Parolen absondern. Weitere Thematik ist das Bodyshaming von Emily, die sich zu alt und/ oder zu dick fühlt. Die narzisstische Mutter Marla gibt wiederholt Unsinn von sich, um sich penetrant in den Mittelpunkt zu drängen.

Familienkomödien dürfen gerne durch überspitzt dargestellte Protagonisten unterhalten, aber in diesem Buch nervt einfach jeder - einschließlich der Hautperson Emily, die unter einer Psychose zu leiden scheint und sich lebensbedrohliche Krankheiten einbildet.
Dieser Roman ist absurd, aber wahrlich nicht witzig - oder trifft zumindest nicht meinen Humor. Die Themen, mit denen sich die Hochzeitsgäste beschäftigen, bewegen sich überwiegend unterhalb der Gürtellinie und drücken sich dazu noch primitiv aus.

"Die Tage vor der Hochzeit" ist einer der wenigen Romane, über den ich mich wirklich ärgere, ihn gelesen zu haben - nicht nur aufgrund der provokant auftretenden, grotesken Charaktere, die wie schlechte Karikaturen wirken und der extrem platten Handlung, sondern auch aufgrund der ausgeprägten Fäkalsprache.