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Veröffentlicht am 07.08.2025

All worse now

All Better Now
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Als ich erstmalig den Klappentext von "All better now" las, dachte ich direkt dies müsste genau meinen Geschmack treffen. Allerdings wurde ich sehr enttäuscht.

Scheinbar hatte ich andere Vorstellungen ...

Als ich erstmalig den Klappentext von "All better now" las, dachte ich direkt dies müsste genau meinen Geschmack treffen. Allerdings wurde ich sehr enttäuscht.

Scheinbar hatte ich andere Vorstellungen von dem Plot als letztlich umgesetzt wurde. Ich hätte mir gewünscht, dass ethische Themen in die Tiefe ergründen werden. Ein Virus, das einen immer glücklich sein lässt, egal was um einen geschieht klingt da nach dem perfekten Ausgangspunkt. Leider bleibt es sehr an der Oberfläche bezüglich psychologischer Dynamiken. Der Roman setzt sich eher mit wissenschaftlichen und politischen Fragen auseinander. Um dies zu untermauern gibt es zahlreiche Vergleiche zum vergangenen Corona-Virus. Die Charaktere blieben farblos, ebenso die Handlung.

Man hätte was neues, innovatives aus der Grundidee machen können. Leider wurde das Potenzial nicht genutzt. So bleibt es eben eine Dystopie über einen Virus und deren politische Folgen. Sowas hat man schon öfter gelesen oder in Filmen gesehen. Ich hätte mir gewünschte, dass wirklich näher auf die Emotionsregulation, die der Virus angreift, eingegangen wird. Ein bisschen mehr Mut aus bekannten Bahnen aufzutreten hätte dem Buch gut getan.

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Veröffentlicht am 29.07.2025

Verloren im Glanz der Träume

Glory of Broken Dreams (Devil's Dance 1)
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„Glory of Broken Dreams“ von Ruby Braun entführt in die geheimnisvolle Welt eines mystischen Hotels. Im Zentrum steht die Varietétänzerin Charly, die wir von ihrer Bewerbung bis zu ihren ersten ...

„Glory of Broken Dreams“ von Ruby Braun entführt in die geheimnisvolle Welt eines mystischen Hotels. Im Zentrum steht die Varietétänzerin Charly, die wir von ihrer Bewerbung bis zu ihren ersten Auftritten begleiten. Dabei begegnet sie dem Showboxer Willem, der eine düstere Vergangenheit mit sich trägt. Willem glaubt, niemanden an sich heranlassen zu dürfen, weil jede enge Beziehung für die andere Person ins Unglück zu führen scheint.

Während Charly versucht, ihre Karriere auf der Bühne voranzutreiben, kämpft Willem damit, die Spielschulden seiner Mutter zu begleichen. Ihre Wege verweben sich zunehmend mit rätselhaften Ereignissen und undurchsichtigen Begegnungen innerhalb des Hotels.


Zu Beginn besticht das Buch durch seinen schillernden 20s-Look – die Atmosphäre ist dicht, die Welt detailliert und bildhaft beschrieben. Es machte Spaß, in diesen glamourösen Kosmos einzutauchen und sich in den kleinen Beobachtungen zu verlieren. Ruby Braun hat zweifellos ein gutes Gespür für Szenerien und Stimmungen.

Je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr Fragen warf sie für mich auf – aber nur wenige davon wurden beantwortet. Gegen Ende hatte ich das Gefühl, der rote Faden sei ein wenig verloren gegangen. Zwar ist das Buch der Auftakt einer Dilogie, dennoch hätte ich mir gewünscht, dass einige Erzählstränge klarer oder zumindest gezielter entwickelt werden.

Der Stil bleibt zwar atmosphärisch, aber durch die Vielzahl an mysteriösen Elementen wirkt die Geschichte stellenweise unentschlossen – fast, als wüsste sie selbst nicht genau, wohin sie will. Überraschungen sind prinzipiell etwas Positives, doch in diesem Fall empfand ich sie eher als verwirrend. Immer wieder dachte ich, die Richtung der Geschichte verstanden zu haben, nur um dann durch neue Hinweise wieder ins Schwanken gebracht zu werden. Gleichzeitig waren andere Wendungen recht vorhersehbar.

Auch die Figuren, insbesondere Willem und Charly, blieben für mich auf Distanz. Sie wirken faszinierend, beinahe magnetisch, aber ihre inneren Entwicklungen bleiben schwer greifbar. Verletzlichkeit wird zwar angedeutet, aber selten spürbar gemacht. Besonders die emotionale Dynamik zwischen den beiden hätte mehr Tiefe und weniger Sprunghaftigkeit vertragen.


FAZIT: Ruby Braun schreibt bildhaft und mit einem ausgeprägten Gefühl für Atmosphäre. Ihre Idee verspricht viel, und ich bin gespannt, ob sich im zweiten Band die losen Fäden zusammenfügen. Der erste Band jedoch lässt mich mit einem seltsamen Mix aus Faszination, Langeweile und Verwirrung zurück.

Wie ein funkelndes Spiegelkabinett: wunderschön anzusehen – aber mit jedem Schritt verliert man ein Stück mehr die Orientierung. Vielleicht ist es gewollt und alles macht am Ende Sinn. Für diesen Band bleiben es so dennoch 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Identitätsfindung ist keine Perfektion

Pinguine fliegen nur im Wasser
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Was passiert, wenn ein Mensch, der alles unter Kontrolle hat, plötzlich alles verliert – und im Chaos einer anderen Person Halt findet?

Der Roman „Pinguine fliegen nur im Wasser“ handelt von dem Unternehmensberater ...

Was passiert, wenn ein Mensch, der alles unter Kontrolle hat, plötzlich alles verliert – und im Chaos einer anderen Person Halt findet?

Der Roman „Pinguine fliegen nur im Wasser“ handelt von dem Unternehmensberater Vincent, der von einem Tag auf den anderen ohne Job und Wohnung dasteht. Nicht einmal Zeit zum Räumen bekommt er – ein Taxi, vollgepackt mit seinen Habseligkeiten, wartet bereits auf ihn.

Die Fahrerin, Greta, wirkt auf den kontrollierten Vincent wie eine Naturgewalt. Zunächst ist sie viel zu überwältigend für seine inneren Mauern. Als sie ihn bittet, ihr beim Renovieren ihres Hauses zu helfen, ist er innerlich völlig durcheinander. Immerhin hat er dadurch einen Platz zum Wohnen. Der Rest... fügt sich.



Zu Beginn hatte ich Schwierigkeiten, in den Roman hineinzufinden. Das legte sich jedoch abrupt nach den ersten hundert Seiten – und plötzlich war ich ganz in der Geschichte versunken.

Der Schreibstil ist locker und leicht. Viele kleine Details über die Figuren und über Gretas Haus werden eingeflochten. An vielen Stellen wirkt das liebevoll, an manchen etwas überfrachtet. Die Handlung tritt zugunsten dieser Details gelegentlich in den Hintergrund – im liebevollsten Sinne.

Man spürt deutlich, dass es der Autorin wichtig war, diese Geschichte zu erzählen. Hier liegt Bedeutung in den Zeilen. Es ist keine dieser Liebesgeschichten mit künstlich erzeugtem Drama. Vielmehr geht es um die Irrungen und Wirrungen des Lebens, um Identitätsfindung.

Es geht darum, wie man erkennt, was einem selbst wichtig ist – besonders, wenn das Elternhaus ganz andere Ideale vorgegeben hat. Es geht darum, sich Ängsten zu stellen, eigene Mauern einzureißen – und das auf leise, subtile Weise.



„Pinguine fliegen nur im Wasser“ ist kein lauter Roman – selbst wenn Protagonistin Greta und mancher Nebencharakter es manchmal sind. Die Worte tragen langsam, humorvoll, ohne Effekthascherei. Absolut cozy, trotz nachdenklicher Themen.



Das Buch hat Tiefe – ohne je zu schwer zu werden.

Ein stiller Roman, der lange nachklingt.

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Veröffentlicht am 12.07.2025

(K)ein zahmes Lamm

We Burn Daylight
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Das Thema Psychologie interessiert mich schon sehr lange. Dementsprechend auch Dynamiken, die sich durch manipulative und/oder gewalttätige Menschen ergeben. Sekten sind besonders anziehend - ...

Das Thema Psychologie interessiert mich schon sehr lange. Dementsprechend auch Dynamiken, die sich durch manipulative und/oder gewalttätige Menschen ergeben. Sekten sind besonders anziehend - thematisch. Ich hoffe nie in einer zu landen!

Ich habe schon viele Dokus über Sekten gesehen und auch diverse Bücher gelesen. Meistens eher von Betroffenen wie Leah Remini, die aus Scientology ausgestiegen ist. Ich glaube das gefällt mir auch ein wenig besser, weil es sehr authentisch ist. Dennoch will ich nicht außer Acht lassen wie schwer es für einen Autor sein muss dieses komplexe Thema außenstehend in Worte zu fassen. C.H. Beck schafft das recht gut, auch wenn ich mich an den Schreibstil etwas gewöhnen musste. Die Podcasts-Einblicke fand ich anfangs verwirrend.
Lässt man sich drauf ein, ergibt sich ein sehr detaillierter Roman über Sekten-Dynamiken und wie ein einziger Mensch das Leben vieler zerstören kann. An manchen Stellen war es etwas langatmig. Auch hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht. Es liest sich an manchen Stellen mehr wie eine Nacherzählung. Als wäre man als Leser nicht ganz dazu eingeladen sich ins Geschehen ziehen zu lassen. Dennoch lesenswert und ein gutes Buch. Allerdings absolut nichts für mal eben zwischendurch.

Was hörte ich mal für einen Satz in einer Sekten-Doku? Wenn du denkst dir könnte das nicht passieren, bist du potenziell der beste Kandidat, um genau in die Fänge dieser Leute zu geraten.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Tiefgang, der sanft trägt

Das Multiversum der Menschlichkeit
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Vorweg: Ich liebe alles an diesem Buch – aber der Reihe nach.



Schon beim Auspacken war ich positiv überrascht: Die Haptik und das Layout des Buches sind außergewöhnlich hochwertig. Die Rillenstruktur ...

Vorweg: Ich liebe alles an diesem Buch – aber der Reihe nach.



Schon beim Auspacken war ich positiv überrascht: Die Haptik und das Layout des Buches sind außergewöhnlich hochwertig. Die Rillenstruktur der Broschur gefällt mir besonders gut – sie liegt nicht nur angenehm in der Hand, sondern lädt regelrecht dazu ein, öfter darüber zu streichen. Auch das Inhaltsverzeichnis und die gesamte Struktur wirken durchdacht und übersichtlich. Türkisfarbene Akzente schaffen eine klare visuelle Trennung zwischen den Themen.



Das Buch umfasst zehn Kapitel, eine Einleitung und einen Epilog. Was mich sofort gepackt hat, war der herausragende Schreibstil und die kluge Metaphorik: Menschliches Empfinden und Handeln wird mit universellen Prinzipien verknüpft – bildhaft, tiefgründig und zugleich leicht zugänglich.



Die Kapitel widmen sich Themen wie Liebe, Selbstfürsorge, Wut, Mut, Vergebung, Empathie, Hoffnung, Geduld, Dankbarkeit und Authentizität – allem, was den Menschen als Mikrokosmos ausmacht. Jedes dieser Themen wird durch Phänomene aus dem Universum oder der Physik erklärt. Dabei bleibt alles verständlich und einprägsam – auch für Leser*innen ohne naturwissenschaftliche Vorkenntnisse.



Besonders gefallen hat mir, dass jedes Kapitel durch kurze Geschichten ergänzt wird, die ein Gefühl von Optimismus und Mitgefühl wecken – ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Am Ende jedes Abschnitts wird der Inhalt noch einmal „auf den Punkt gebracht“, was das Nachschlagen besonders leicht macht.



Das Buch lässt sich sowohl kapitelweise als auch am Stück lesen – ich selbst habe es in einem Rutsch verschlungen. Doch ich werde es definitiv noch einmal lesen – diesmal mit Notizen zu den schönsten Stellen.



Was ich erst im Nachgang realisiert habe: Dieses Buch hat mich auf einer tieferen Ebene berührt. Ich selbst schreibe an einer Dystopie und steckte zuletzt in einer kreativen Sackgasse. Das Multiversum der Menschlichkeit hat mir geholfen zu erkennen, worüber ich eigentlich schreiben will – nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Haltung. Es hat etwas in mir geklärt, das vorher diffus war. Und allein dafür bin ich sehr dankbar.

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