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Veröffentlicht am 06.07.2025

Ein typischer Eberhofer, allerdings lässt der Charme nach!

Rehragout-Rendezvous
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Rehragout-Rendezvous ist der elfte Fall der Provinz-Krimireihe von Rita Falk, die bei DTV erscheint.

Nachdem sie sich jahrelang für ihre Lieben aufgeopfert ha, schmeißt Oma Eberhofer das Handtuch, sie ...

Rehragout-Rendezvous ist der elfte Fall der Provinz-Krimireihe von Rita Falk, die bei DTV erscheint.

Nachdem sie sich jahrelang für ihre Lieben aufgeopfert ha, schmeißt Oma Eberhofer das Handtuch, sie hat genug vom Kochen, Backen, Einkaufen, Putzen und Waschen. Sie möchte auch mal kürzer treten und andere für sich arbeiten lassen. Absolut verständlich, aber muss das ausgerechnet zu Weihnachten sein?

Und seitdem Susi als stellvertretende Bürgermeisterin die Amtsgeschäfte erledigt, ist sie dem Karrierewahn verfallen und tickt nicht mehr wie früher. Franz hat einen Vermisstenfall zu klären, die Mooshammer Liesl macht sich Sorgen um Lenz Steckenbiller, der spurlos verschwunden ist. Franz sitzt das Ganze erst einmal aus, denn er weiß nicht, was er in dieser Sache tun soll.

Dieser Band ist dank des Familienklüngels und der typischen Charakterzüge der Figuren wie immer gut unterhaltend und zeigt mal neue Facetten der Frauen auf. Oma ist es langsam leid, ständig die gute Seele des Hauses zu sein und ihre Sippe nach Strich und Faden zu versorgen. Nun will sie in Rente, was natürlich bei Franz und Co. nicht so gut ankommt, denn die Küche bleibt jetzt kalt. Susi muss den Bürgermeister vertreten, findet Gefallen an diesem Karriereschub und nimmt sich neuerdings ziemlich wichtig, das gefällt ihrer Familie auch nicht gut.

Zunächst stehen die Familienkonflikte und das Heiratsproblem bei den Simmlers etwas im Vordergrund, doch das ändert sich als feststeht, dass der Steckenbiller getötet und sehr ungewöhnlich entsorgt wurde. Von da ab nehmen die Ermittlungen ihren Lauf, Rudi unterstützt Franz mal wieder mit großem Elan, doch Franz hat keine gute Laune. Das Private nervt ihn zur Zeit gewaltig.

Der Krimi lebt wie immer von den Figuren, vom Dialekt und dem Humor, sowie dem verbohrten Machogehabe der männlichen Figuren. Genau diese sexistische Betrachtung von Frauen und einige schroffe Sprüche haben mich dieses Mal ziemlich gestört. Nun liegt Niederkaltenkirchen vielleicht am A der Welt, aber die Männer scheinen dort noch heute Ansichten wie in der Steinzeit zu haben.


Wie gewohnt ein unterhaltsamer Krimi, dessen Fall sich interessant entwickelt und den Franz dank seines instinktiven Bauchgefühls aufklärt.

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Veröffentlicht am 21.06.2025

Ein etwas anderer Sommerroman

Noch fünfzig Sommer mehr
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Der Roman Noch fünfzig Sommer mehr von Avril Maury erscheint im Ullstein Verlag.

Eleni lebt seit ihrer Kindheit bei ihren Großeltern in der Bretagne, im Garten und am Meer verlebte sie eine wunderbare ...

Der Roman Noch fünfzig Sommer mehr von Avril Maury erscheint im Ullstein Verlag.

Eleni lebt seit ihrer Kindheit bei ihren Großeltern in der Bretagne, im Garten und am Meer verlebte sie eine wunderbare Kindheit in der Natur. Jahre später sind ihre Großeltern verstorben und Eleni hat den Verlust ihrer großen Liebe Théo zu verkraften. Seitdem verlässt sie nicht mehr das Haus und umgibt sich nur mit ihrem Kaninchen Anemone. Als sie vor ihrer Tür eine Blume mit einem mysteriösen Brief findet, fragt sie sich, von wem das wohl kommen könnte? Da die kleinen Nachrichten der unbekannten Person nicht aufhören, versucht Eleni herauszufinden, wer die Person ist. Sie muss sich dazu aber ihrer Vergangenheit stellen und langsam öffnet sie sich wieder dem Leben.



Avril Maury erzählt die Geschichte von Eleni, die durch die Trauer um ihren geliebten Théo wie erstarrt ist und sich isoliert. Das ändert sich als sie die Blumen und Briefe bekommt. Doch ganz so hoffnungsvoll und emotional wie erwartet hat sich der Roman leider nicht entwickelt.

Bei dieser Geschichte hat mich zu Beginn der wunderbare, atmosphärische Erzählstil begeistert, der Emotionen, Settings und Erlebnisse sehr schön sichtbar macht. Leider verliert sich dieser Effekt im Laufe der Handlung immer mehr.

Zu den Figuren muss ich sagen, dass sie für mich leider nicht sehr greifbar waren, gerade zu Eleni in ihrer depressiven Stimmung fand ich keinen näheren Zugang. Dabei hatte sie einige Schicksalsschläge zu verkraften und auch ihre Ängste vor Gewittern und dem Meer haben einen bestimmten Grund. Doch bis man die Hintergründe erfährt, dauert es etwas. In diesem Roman geht es mehr um Trauerbewältigung als um eine romantische Liebesgeschichte.

Die Handlung konnte mich nicht gänzlich fesselnd, in Rückblenden wird zu unterschiedlichen Erinnerungen in Elenis Kindheit und Jugend zurückgesprungen. Diese Zeitsprünge konnte ich zeitlich nicht gut einordnen und sie unterbrachen die Handlung auf merkwürdige Weise und damit auch meinen Lesefluss.

Dann wird das traumatische Erlebnis beschrieben, das bei Eleni Ängste ausgelöst hat. Obwohl ich erfuhr, was sie erlebt hat und ihre Gedanken dazu thematisiert werden, konnte ich nicht richtig mitfühlen und es berührte mich auch nicht in dem Maße wie erhofft.

"Noch fünfzig Sommer mehr" ist ein ruhiger, etwas melancholisch wirkender Roman, der von einer zweiten Chance erzählt und von der Kraft und der Schönheit der Natur.

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Veröffentlicht am 20.06.2025

Das Glück liegt in der Natur

Der Garten der kleinen Wunder
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Im Rowohlt Verlag erscheint Patricia Koelle-Wolkens Roman Der Garten der kleinen Wunder.

Es ist Frühling, Toja arbeitet in ihrem Garten und erfreut sich an der Natur, dabei bemerkt sie, wie sie von ...

Im Rowohlt Verlag erscheint Patricia Koelle-Wolkens Roman Der Garten der kleinen Wunder.

Es ist Frühling, Toja arbeitet in ihrem Garten und erfreut sich an der Natur, dabei bemerkt sie, wie sie von der 14-jährigen zurückhaltenden Nachbarstochter Vica beobachtet wird. Toja lädt Vica in ihren Garten ein und erkennt, dass Vica genau wie sie introvertiert ist. Nun möchte sie Vica helfen und ihre eigenen Erfahrungen auf der Suche nach ihrem Weg weiter geben. Es beginnt ein Sommer, der allen Beteiligten wunderbare Begegnungen schenkt und damit auch Veränderungen ermöglicht.

Der leise erzählte Roman ist auf eine anrührende und warmherzige Weise schön, so beschreibt die Autorin die Natur, die sich jedes Jahr aufs Neue wunderbar entfaltet. Patricia Koelles Erzählweise ist bildhaft und wunderbar einfühlsam und sie zeichnet feinfühlig die Stimmungen, die die Figuren in ihrer Geschichte umtreiben. Dazu gehören verschiedene Themen wie familiäre Bindung, Verlust und die Reflexion auf die Frage nach dem Leben jetzt und was nach uns bleibt.

Toja berichtet als Ich-Erzählerin von dem Sommer mit Vica, sie nimmt uns aber auch in ihre Vergangenheit mit, wo die Begegnung mit Wille und Bär ihr Leben positiv beeinflusst hat. Sie erkennt, dass Vica Probleme hat, sich frei entfalten und nutzt eigene Erfahrungen dazu, Vica Selbstvertrauen zu schenken und ihrem Vater ihre Gedanken und Gefühle näher zu bringen. So entstehen Freundschaften und Vica kann so sein wie sie ist.

Für mich war der Roman von Patricia Koelle mein erstes Buch der Autorin, es war eine schöne Erfahrung, diese entschleunigende Geschichte lesen zu dürfen. Die vielen farbenfrohen, bildhaften Beschreibungen von Pflanzen und Tieren mit lehrreichen und wunderschönen Details haben sich wie Bilder in meinem Kopf fest gesetzt, die die Natur wunderbar widerspiegeln. Ich hatte das Gefühl, den Garten selbst zu betreten und darin zu verweilen.

Die Zeichnung der Figuren erfolgt sehr behutsam, man erkennt die Gefühle der introvertierten Personen, die sich in der Stille der Natur vom stressigen Rest der Welt erholen und dort Kraft schöpfen.

Patricia Koelle erzählt in Der Garten der kleinen Wunder eine leise, atmosphärisch wirkende Geschichte, in der Menschen in der Natur Kraft schöpfen wo sie uns als Ruhepol in unserem oft so stressigen Leben Glück, Zufriedenheit und Frieden schenkt.

Ein bildhafter, stimmungsvoller Roman mit viel Gefühl, der die Natur wunderbar beschreibt und ihren Wert als Ruhe- und Kraftort feiert. Für alle Leserinnen, die leise Geschichten mit emotionalem Hintergrund schätzen.

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Veröffentlicht am 18.06.2025

Guter Krimi mit Einblicken in die Modebranche

Provenzalisches Licht
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Provenzalisches Licht ist der elfte Band der Reihe um Pierre Durand von Autorin Sophie Bonnet aus dem Blanvalet Verlag.

Pierre Durand, Chéf de Police Municipale in Saint Valérie, muss bei der Modenschau ...

Provenzalisches Licht ist der elfte Band der Reihe um Pierre Durand von Autorin Sophie Bonnet aus dem Blanvalet Verlag.

Pierre Durand, Chéf de Police Municipale in Saint Valérie, muss bei der Modenschau des Designers Cyril Fontanel für die Sicherheit sorgen. Der Trubel um Stars und Sternchen des Modeshimmels bringt die Bewohner in Aufregung und dann wird Pierre Durand durch eine anonyme Morddrohung gegen den impulsiven Modeschöpfer zusätzlich alarmiert: Will jemand der Karriere des Designers schaden? Pierre muss diesen Mord verhindern und die Ermittlungen führen ihn nach Tarascon und zu einer Toten, die einen Bezug zum aktuellen Fall zu haben scheint.

Diese Krimireihe lese ich nun schon länger und freue mich immer wieder auf einen interessanten Fall und auf die genussvollen Szenen, in denen die Kulinarik der Provence eine Rolle spielt. Pierres Frau Charlotte ist Köchin, führt ein kleines Restaurant und bietet dort sehr leckere Gerichte an. Das Menü in diesem Buch wird im Anhang mit Rezepten zum Nachkochen vorgestellt.

Der Erzählstil lässt sich gewohnt flüssig lesen, die bildhaften Beschreibungen der Schauplätze und der Natur lockern die Handlung atmosphärisch auf und versetzen die Leser gedanklich in die wunderschöne Provence.

Der Fall entwickelt sich spannend, mehrere Opfer sorgen für Aufregung in Saint-Valérie und bei Pierre und seinem Team für reichlich Ermittlungsarbeit. Sein Privatleben kommt wie bei diesem neuen Fall zu kurz, doch seine Charlotte kennt das und hat sich längst arrangiert.

Dieses Mal führt die Autorin recht viele Personen und damit auch Verdächtige ins Feld. Daher konnte ich nicht so gut miträtseln und hatte Mühe, den Durchblick zu behalten. Der Fall entwickelt sich spannend, denn die Morddrohung hängt wie eine dunkle Wolke über der Modeschau, bei der nicht nur der Designer, sondern auch Teilnehmer und Zuschauer vor dem unbekannten Täter geschützt werden müssen. Pierre hat damit alle Hände voll zu tun, was ihn aber auch nicht davon abhält, zwischendurch immer wieder provenzalische Leckerbissen zu schlemmen. Bis auf ein ganz spezielles Menü, dass durchaus einen etwas abschreckenden Charakter hat.

So wie man die Reihe kennt, erwarten uns auch hier wieder stimmungsvolle Landschaftsbeschreibungen und kulinarische Genüsse, die das Flair der Provence wunderschön einfangen.

In diesem Band zeigt Sophie Bonnet interessante Einblicke in die Modebranche und bringt auch das Thema Nachhaltigkeit von Kleidung zur Sprache. Vorgestellt werden auch die bunt bedruckten Stoffe der Provence, die "Indiennes". Das sind bedruckte und bemalte Baumwollstoffe, die im 16. Jahrhundert aus Indien nach Europa gelangten und in Frankreich farblich und mit anderen Mustern als lokale Handwerkskunst weiter entwickelt und damit zu einem Symbol wurden. Doch heute kommt immer mehr ausländische Billigware auf den Markt und verdrängt diese Tradition.

Eine kurzweilige Lektüre für alle Krimi- und Provence-Fans, die sich auch für die Welt der Mode interessieren.

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Veröffentlicht am 16.06.2025

Ein warmherziger Roman über Familie und Zusammenhalt!

Der alte Apfelgarten
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Im Dumont Verlag erscheint Sharon Goslings Roman Der alte Apfelgarten.

Bette und Nina Crowdie sind auf einer Farm an der Steilküste Schottlands aufgewachsen. Sie standen sich nie sehr nahe, denn ihr ...

Im Dumont Verlag erscheint Sharon Goslings Roman Der alte Apfelgarten.

Bette und Nina Crowdie sind auf einer Farm an der Steilküste Schottlands aufgewachsen. Sie standen sich nie sehr nahe, denn ihr Altersunterschied beträgt zehn Jahre. Bette arbeitet inzwischen in London als Rechtsanwältin und Nina führt die Farm, wo sie mit ihrem Sohn Barnaby lebt. Als ihr Vater stirbt, treffen beide wieder zusammen, sie erben die Farm, die sie gemeinsam verwalten müssen. Es sind noch hohe Schulden abzutragen, von denen beide nichts wussten. Um die Crowdie Farm zu retten, verspricht Bette, ihrer Schwester zu helfen. Aber dazu muss sich Bette der Person stellen, wegen der sie vor Jahren weggezogen ist.
Am Rand der Farm finden sie einen vergessenen Apfelhain mit uralten Cidersorten. Die Produktion von Cider könnte die ersehnte Rettung für die Farm sein und vielleicht bietet der Erhalt der Farm auch die Chance auf Heilung der zerbrochenen Beziehung der Schwestern.

In diesen Wohlfühlroman bin ich wunderbar eingetaucht, die warmherzig erzählte Geschichte und die liebenswerten und authentischen Figuren mit ihren privaten Problemen haben mich gefesselt. Ich wollte unbedingt wissen, ob sich beide Schwestern wieder zusammen raufen und welche Geschichte sich hinter dem alten Apfelgarten verbirgt.

Zunächst spürt man deutlich Ninas Abneigung gegen Bette, als sie nicht wie erhofft die Farm alleine erbt, sondern gemeinsam mit Bette zusammen überlegen müssen, wie man die Farm überhaupt retten kann. Dabei entdecken sie den alten Apfelgarten, der im 16. Jahrhundert angelegt wurde. Im Laufe der Story ziehen beide Schwestern an einem Strang und kommen sich wieder näher. Daran hat auch Ninas Sohn Barnaby einen großen Anteil, der er ist ein liebenswürdiger Junge mit dem Herzen eines Superhelden. Gleichzeitig muss sich Bette aber ihrer Vergangenheit stellen und findet mit Hilfe einer alten Freundin einiges über die Spuren des Gartens heraus. Es hat mir viele Lesefreude bereitet, die Familie auf ihrem Weg zwischen Hoffnung und Pleite, Singledasein und neuer Liebe auf dem Weg zum Erhalt der Farm zu begleiten.

Die facettenreich ausgearbeiteten Figuren wirken sehr lebendig, man spürt ihren Konflikt, ihre Gefühle, ihre Trauer und ihre Hoffnung auf die Rettung der Farm. Dadurch gewinnt die Geschichte an Tiefe und der alte Apfelgarten und seine Historie verleihen dem Ganzen ein schönes Lesegefühl, das noch nach dem Lesen nachhallt. Nur Ryans Handeln erscheint mir unnormal, zu konstruiert und auf die Geschichte zugeschnitten. Doch darüber will ich gerne hinwegsehen.

Es wird zu keiner Zeit langweilig, immer sorgen bestimmte Erlebnisse und Entdeckungen für neue Spannung und am Ende vereint Sharon Gosling Verlust und Zukunftsträume auf wunderbare Weise.

Der alte Apfelgarten ist eine wunderschön erzählte Geschichte über eine Familie und ihren Zusammenhalt! Empfehle ich sehr gerne weiter!

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