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Veröffentlicht am 25.05.2020

Eine gefühlvoll erzählte Liebesgeschichte vor Neapels Kulisse

Eine Liebe in Neapel
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Neapel in den 90er-Jahren: Die Amerikanerin Heddi studiert Linguistik in Neapel und wohnt im quirligen Spanischen Viertel. Heddi findet schnell Freunde und bei ihnen die Geborgenheit einer Familie, die ...

Neapel in den 90er-Jahren: Die Amerikanerin Heddi studiert Linguistik in Neapel und wohnt im quirligen Spanischen Viertel. Heddi findet schnell Freunde und bei ihnen die Geborgenheit einer Familie, die sie nie hatte. Sie lernt den Geologiestudenten Pietro kennen und verlieben sich ineinander. Es entsteht eine Liebe, die so intensiv ist, dass sie alle Widerstände überwinden kann.

Bei diesem Roman wird schnell klar, dass die anfangs romantisch geschilderte Liebesbeziehung zwischen Heddi und Pietro an äußeren Einflüssen und den kulturellen Unterschieden keinen Bestand hat. Doch ihre Seelenverwandtschaft endet nie und so bleiben sie sich stets verbunden. Diese Verbundenheit wird dem Leser durch wiederkehrend eingebaute E-Mails der Liebenden mit vielen sehnsüchtigen Worten und hoffnungsvollen Liebeserklärungen nahe gebracht. Die Gefühle ihrer Liebe sind dauerhaft, der Liebeskummer und die besonderen Lebensumstände begleiten die beiden Protagonisten auf ihrem Lebensweg.

Der gefühlvolle und mitteilende Erzählstil gefällt mir gut, er setzt Stimmungen und Gedanken der Figuren ins rechte Licht. Inhaltlich kann man sich gut in die Kulisse Neapels einfinden, hört den typischen Lärm, fühlt die Hitze in den engen Gassen und sieht die Gefahr des über allem tronenden Vesuvs. Die Autorin hat dieses Flair perfekt in Worte gekleidet und ich konnte das italienische Lebensgefühl wunderbar miterleben. Dank der Geologiestudenten in Heddis Bekanntenkreis erfährt man auch einiges Wissen über Vulkane.

In diese Liebesgeschichte muss man sich erst ein wenig einfinden, dann berühren die Schicksale auf eine intensive Weise, dann bekommen die Gefühle eine unerfüllte Sehnsucht, die man mit den Figuren auch mitempfinden kann und voller Interesse verfolgt. Es sind die Unterschiede der Herkunft, die diese Liebe von Anfang an mit Problemen umgeben. Eine freie Amerikanerin, die für ein Studium wegzieht und der an sein Land gebundene und mit Traditionen behaftete Pietro, der sich um seine Familie sorgt und trotz seiner guten Ausbildung alten Traditionen folgt. Und es folgen weitere Lebensprobleme, die sich im realen Leben vieler Menschen finden, die das Leben beeinflussen und Möglichkeiten verbauen.

Auch wenn es angeblich kein autobiografischer Roman sein soll, so finden sich einige Parallelen zum Leben der Autorin, die ihrer Protagonistin auch gleich ihren Namen verpasst hat.



Mir hat dieser wunderschön erzählte und berührende Roman gut gefallen, ich durfte eintauchen in eine Welt italienischer Lebensart und Traditionen und erlebte eine leidenschaftliche große Liebe, die ganz anders endet, als man es zunächst vermutet.

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Veröffentlicht am 24.05.2020

Nach dieser Lektüre sieht man Tiere mit anderen Augen.

Das Seelenleben der Tiere
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Im Heyne Verlag erscheint Peter Wohllebens Buch "Das Seelenleben der Tiere".

Peter Wohlleben Geschichten öffnen den Blick für die Gefühlswelt von Tieren. Es gibt auch Fürsorge bei den Eichhörnchen, treu ...

Im Heyne Verlag erscheint Peter Wohllebens Buch "Das Seelenleben der Tiere".

Peter Wohlleben Geschichten öffnen den Blick für die Gefühlswelt von Tieren. Es gibt auch Fürsorge bei den Eichhörnchen, treu liebende Kolkraben und trauernde Hirschkühe. Diese Emotionen sind nicht so offensichtlich wie beim Menschen, doch sie sind vorhanden.


"Menschen sind "Augentiere", jagen also auf Sicht. Ziel der potentiellen Beute muss es somit sein, aus der Reichweite dieses Sinnes zu verschwinden." Zitat Seite 163



Peter Wohlleben erzählt interessante Geschichten, die aus eigener Beobachtung, aber auch von wissenschaftlichen Erkenntnissen herrühren. Er berichtet von Eichhörnchen-Müttern, die ihre Jungen bei Gefahr in Sicherheit bringen und wegtragen. Besonders erstaunen Raben, sie rufen mit ihrem eintönig erscheinenden "Gekrächze" erstaunlicherweise ihren Namen.

Die Intelligenz von Schweinen wurde schon häufig unter Beweis gestellt, sie erkennen sich in einem Spiegel.

Um die Fleischindustrie nicht wirtschaftlich zu schädigen, weigern sich Tierhalter und Politiker im Bereich der Landwirtschaft, diese Emotionen bei Tieren anzuerkennen.


Wir erfahren, warum Tiere kein schlechtes Wetter kennen, dass Tiere gerne spielen und wie sich Tiere bei Gefahr gegenseitig warnen.

Der Erzählstil ist unterhaltsam, auch für Laien gut verständlich und setzt kein Fachwissen voraus. Die Tierbeispiele werden lebendig und glaubhaft beschrieben und man bekommt viele Eindrücke aus dem Seelenleben der Tiere.



Dieses Buch kann man sehr gut lesen, die Storys und wissenschaftlichen Erkenntnisse machen die Gefühlswelt und auch die Intelligenz von Tieren sichtbar. Von Elefanten weiß man es schon lange, dass sie Trauergefühle haben. Deshalb sollte man Tieren auch mit Respekt begegnen, sie alle sind Lebewesen wie der Mensch.

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Veröffentlicht am 21.05.2020

Von Forschung und Verhaltensweisen aus der Ornithologie

Das wilde Leben der Vögel
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Walter A. Sontag ist Ornithologe und kennt das Vogelreich genau. Hier stellt er erstaunliche Vogelbeobachtungen und spektakuläre Vogelexperimente vor, die Eigenheiten und auch eine besondere Individualität ...

Walter A. Sontag ist Ornithologe und kennt das Vogelreich genau. Hier stellt er erstaunliche Vogelbeobachtungen und spektakuläre Vogelexperimente vor, die Eigenheiten und auch eine besondere Individualität der Vögel erkennbar machen.

"Nicht alle sind Genies, und manche haben einen Vogel." Zitat Seite 184

Die Artenvielfalt in der Vogelwelt zeigt sich in Hülle und Fülle. Der Autor gibt dem Leser einen Eindruck dieser Vielfalt, die schon allein durch die unterschiedlichen Lebensbedingungen der Vögel stark variieren. Zur Bestimmung der Arten ist ein Ordnungsverfahren nötig. Manche Arten leben in Eis und Schnee, andere in den Tropen oder am dunklen Boden des Dschungels. Zur Partnersuche haben viele Arten ein buntes Federkleid oder aber ganz besondere Balztänze entwickelt, um den besten Eindruck bei der Damenwelt zu machen. Der Instinkt zur Fortpflanzung steht auf der Prioritätenliste ganz weit oben.

In diesem Buch erfährt man viel Wissenswertes zur Treue und Untreue unter Vögeln, es gibt monogame Tiere und sogar Patchwork und Großfamilien zu bestaunen. Die Besiedelung der Welt durch den Menschen stellt Vögel vor besondere Anforderungen, denn häufig hängt ihr Leben, ihre Futterquellen und ihr Revier stark von den Lebensräumen ab, die ihnen der Mensch noch lässt.

Was können wir tun, um die Vogelwelt und ihre Lebensräume weiterhin zu erhalten? Bislang sorgen einige Handaufzuchten für den Erhalt von gefährdeten Arten, deren Auswilderung jedoch nicht immer erfolgreich verläuft.

Dieses Buch strotzt nur so vor Wissensvermittlung und der Vorstellung von Forschern und ihren Erkenntnissen, die vorgestellten Vogelarten reichen vom Kuckuck, über Singvögel und Stare, bis hin zu Nashornvogelarten. Viele kleinformatige, aber brillante Fotos stellen die Vögel vor und lockern die Textpassagen abwechslungsreich auf. Dabei ist der Sprachstil eher sachlich gehalten, dennoch gut zu lesen und es gibt viele Anmerkungen und Literaturhinweise, die zum weiteren Vertiefen verleiten.

Wir lesen wie Mobbing im Wald stattfindet, erfahren von Zugunruhe und welche unterschiedliche Wahrnehmung und welches Verhalten Vögel in bestimmten Lebensphasen antreibt und handeln lässt.



Auch Vögel haben Persönlichkeit, das macht sich in ihrem individuellen Verhalten sichtbar. Ihr Balzverhalten, der Nestbau, die Vogelaufzucht und ihr besonderes Zugverhalten sind so unterschiedlich wie vielseitig.


Dieses Buch liefert interessante Fakten und Erklärungen, die jeden Vogelfreund erfreuen. Manche Inhalte wie das Verhalten vom Kuckuck sind sicher einigen bekannt, interessant ist es aber immer wieder. Die wunderbare Welt der Vögel wird anhand vieler Beispiele vorgestellt.

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Veröffentlicht am 19.05.2020

Wie das Leben so spielt

Auszeit bei den Abendrots
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Im Fischer Verlag erscheint der Roman "Auszeit bei den Abendrots" von Alexandra Holenstein.

Das kann doch nicht wahr sein, denkt Helene Abendrot, als ihr Mann Josef sie an einer Autobahnraststätte einfach ...

Im Fischer Verlag erscheint der Roman "Auszeit bei den Abendrots" von Alexandra Holenstein.

Das kann doch nicht wahr sein, denkt Helene Abendrot, als ihr Mann Josef sie an einer Autobahnraststätte einfach sitzen lässt. Immerhin hat sie das Auto und er ist zu Fuß abgehauen. Es gibt doch noch Glück im Unglück. Der Grund für diese Aktion und die nachfolgende Eheauszeit heißt Nathalie und ist halb so alt wie Josef. Doch statt Trübsal zu blasen, nutzt Helene die Zeit für sich und unternimmt Seminare und Reisen, die ihrem Leben abenteuerliche Erfahrungen bescheren. Was ist dagegen schon die langweilige Ehe mit Josef?

"...aus der Strohwitwe kann dann auch mal schnell eine Strohblume werden. Die, die man so ewig in einer Vase ohne Wasser lässt und dann vergisst." Zitat Seite 135

Nachdem ich "Das Heinrich-Problem" von Alexandra Holenstein bereits begeistert gelesen habe, konnte mich auch ihr neuer humorvoller Frauenroman absolut überzeugen. Es sind Szenen aus dem echten Leben, genauer gesagt aus einem langjährigen Eheleben. Wieder geht es um eine Beziehungskrise, die die Autorin mit herrlichen Situationsbeschreibungen und abwechslungsreichen Charakteren mit Leben füllt. Pointiert humorvoll und erstaunlich treffsicher zielt ihr Pfeil dabei ins Schwarze, in diesem Fall auf Josef, der sich in seiner Auszeit mit einer jungen Frau vergnügt. Noch etwas benommen von dieser Erfahrung, rät Helenes Freundin ihr als Ablenkung zu Reisen als genussvolle Trennungsschmerz-Verarbeitung. Helene nimmt diesen Rat an und reist in die Provence und in die Toskana, dort besucht sie ein Weinseminar, malt in Aquarell und nimmt an einem Literaturseminar teil. Sie erlebt dort einige amouröse Erfahrungen, allerdings entpuppen sich ihre männlichen Neuentdeckungen recht schnell als echte "Windhunde". Trotzdem gewinnt sie ihre innere Balance und alte Kraft und Stärke zurück. Josef gegenüber gibt sie sich abgeklärt, reagiert mit nüchternen Bemerkungen auf seine erneue Annäherung, denn Nathalie, die flotte Antilope, hat die Liaison mit ihrem väterlichen und alten Doktorvater bald über und Josef merkt auf einmal, was er an Helene hat.



Ein kurzweiliger und herrlich zu lesender Erzählstil macht das Lesen zum Genuß. Das Eheleben an sich, die Trennung und die liebevoll beschriebenen Charaktere der Seminarteilnehmer sorgen für eine abwechslungsreiche Geschichte, die man einfach nur gern und mit einem Schmunzeln im Gesicht liest. So spielt das Leben, wenn auch nicht immer mit einem zufriedenstellenden Ende.

Dieser Roman lässt sich durch den eingebauten Humor und die trockenen Anmerkungen Helenes einfach nur gut lesen. Ein Frauenroman über eine Beziehungskrise mit dem Geschmack des wahren Lebens, der mich zum Schmunzeln gebracht hat.

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Veröffentlicht am 18.05.2020

Spannender Fall um den guten "alten" Poirot

Die vergessliche Mörderin
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Der Kriminalfall "Die vergessliche Mörderin" von Agatha Christie erschien erstmals 1966.

Die junge Norma Restarick glaubt, eine Mörderin zu sein. Hercule Poirot bekommt leider kaum nähere Angaben, weil ...

Der Kriminalfall "Die vergessliche Mörderin" von Agatha Christie erschien erstmals 1966.

Die junge Norma Restarick glaubt, eine Mörderin zu sein. Hercule Poirot bekommt leider kaum nähere Angaben, weil Norma keine Erinnerung an das Vorgefallen hat, nicht mal, wer das Opfer gewesen ist. Ein fragwürdiger Fall, doch damit ist Poirots Interesse geweckt. Als Norma ihn auch noch als zu "alt" bezeichnet, kratzt sie an seiner Ehe, gemeinsam mit Ariadne Oliver ermittelt er und entdeckt zunächst einen augenscheinlichen Selbstmord, der sich in Normas Apartmenthaus zugetragen hat. War sie die Täterin?


Ab und zu lese ich gerne mal meine "alten" Agatha-Christie-Bücher. Bei diesem Krimi gefällt mir besonders der mühelos zu lesende Erzählstil, die liebevoll gezeichneten Charaktere und auch die humorvolle Note. Denn der Krimi beginnt regelrecht komisch, weil man die Langeweile von Hercule Poirot zu spüren bekommt und seine Charakterzüge kennenlernt. Außergewöhnlich ist auch die Rolle der Schriftstellerin Ariadne Oliver, die als literarisches Ebenbild von Agatha Christie in ihrem eigenen Roman auftritt.

Die Zeit, in der die Autorin diesen Krimi schrieb, spiegelt sich auch in ihrer Handlung wider. Alles war im Umbruch, das Alte war überholt und alles Neue war verrückt und streitlustig. Man hat das Gefühl, Agatha Christie wollte ihren guten alten Poirot irgendwie aussortieren und ihm noch einmal einen interessanten Fall erfüllen lassen.

Poirot wird in diesem Krimi körperlich gefordert, anders als sonst, löst er diesen Fall nicht vom Schreibtisch aus und muss sich selbst vor Ort bemühen. Die Auflösung ist schlüssig und logisch und mit den kleinen sorgsam eingebauten Details sehr aufschlussreich ausgeführt.

Die Krimis von Agatha Christie sind immer lesenswert und durch die unblutige Handlung gut zu lesen. Hier hat mir der eingebaute Zeitgeist gut gefallen.

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