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Veröffentlicht am 19.04.2020

Abwechslungsreich und originell, aber mit schwachem Ende

All Saints High - Die Prinzessin
1

Dies war mein erstes Buch der Autorin und ich muss sagen, dass es mich überrascht hat, was für ein Konzept L.J. Shen für diesen Roman gewählt hat. Selten stolpere ich über ein Buch, dessen Autor sich traut ...

Dies war mein erstes Buch der Autorin und ich muss sagen, dass es mich überrascht hat, was für ein Konzept L.J. Shen für diesen Roman gewählt hat. Selten stolpere ich über ein Buch, dessen Autor sich traut (fast) auf das Ganze zu gehen. Aber dazu später mehr.

Zunächst muss ich zugeben, dass ich – auch aufgrund des Covers – mit einer anderen Entwicklung der Geschichte gerechnet habe. In diesem Punkt erinnert mich das Cover an Daria: hübsch und unbeschwert und vor allem trügerisch. Einerseits hätte ich mir ein Cover gewünscht, das etwas mehr zur Handlung passt, andererseits ist dies vielleicht in Anbetracht von Darias Figur das perfekte Cover für dieses Buch. Es lockt den Leser mit einer vermeintlich leichten Story an, wartet darauf, dass das Buch geöffnet wird und lässt mit seiner Handlung die Kinnlade des Lesers runterfallen.

Der Schreibstil der Autorin ist angenehm und flüssig zu lesen und trägt einiges zur Vermittlung der Gefühle der Protagonisten bei. Besonders gut haben mir die kleinen „Gedichte“ jeweils am Anfang eines Kapitels gefallen, die waren wirklich schön. Ab und zu hat sich auch der eine oder andere regelrecht schon poetische Satz zwischen die Zeilen des Buches eingenistet. Die waren auf jeden Fall eines meiner Highlights in diesem Roman.
Die Sprache der Charaktere fand ich passend und die Dialoge wirkten auf mich nicht gestellt, sondern natürlich. L.J. Shen hat für ihre Figuren Vokabular gewählt, wie es in Büchern aus dem Genre der Dark Romance häufig benutzt wird, aber gestört hat mich das nicht. Ich habe es als angemessen für die Charaktere empfunden.

Im Gesamten ist der Roman sehr handlungs- und weniger charakterorientiert. Damit meine ich, dass die Handlung mehr Raum bekommt als die Gefühle und Entwicklung der Charaktere. In diesem Fall handelt es sich sogar um viel mehr Raum.
Bewusst habe ich bei dieser Rezension auf eine eigene kurze „Zusammenfassung“ der Handlung verzichtet, weil es unmöglich ist, die Breite der Handlung und die vielen unterschiedlichen Handlungsstränge ohne Spoiler zu erklären. Es geht um eine kaputte Familie und begangene Fehler, um das eigene Gewissen und Machtkämpfe, um Rivalität und um den Schmerz nie genug zu sein. Die Handlung kann ich am besten so erklären: damit habe ich nicht gerechnet.

Man muss dazu sagen, dass sich der Roman mit jedem neuen Handlungsstrang ein wenig mehr von der Realität entfernt hat und der Plot immer verworrener und unvorhersehbarer wurde. Allerdings fand ich die Umsetzung der Autorin so gelungen, dass es während dem Lesen nicht sonderlich auffiel, sondern erst im Gesamtbild ein wenig merkwürdig erschien.

L.J. Shen schafft eine Atmosphäre, die inmitten des Sommers wenig mit der Leichtigkeit, die das Cover und die Jahreszeit ausstrahlen, zu tun hat. Ganze Absätze waren für mich schmerzhaft zu lesen, weil die Gefühle sehr schwer und real wirkten. Sobald ich als Leser an der trügerischen Oberfläche gekratzt habe, hat mich das Buch festgehalten und in seine Abgründe gezogen. Diese Gestaltung war fesselnd und originell und im Nachhinein war ich wirklich froh, dass es sich hierbei nicht um eine klischeehafte High School/ College Romanze gehandelt hat.

Die Menge an Handlung, die die Autorin eingebaut hat, sorgt dafür, dass eigentlich immer irgendetwas passiert und die Spannung so aufrechterhalten wird. An keiner Stelle habe ich den Roman als langatmig empfunden, im Gegenteil, teilweise wollte ich das Buch nicht aus der Hand legen.

Was jedoch positiv für die Spannung ist, wirkt sich negativ auf die Ausarbeitung der Charaktere aus. Die vielen Handlungsstränge lassen wenig Platz für eine richtige Entwicklung der Protagonisten und führen dazu, dass die Gefühle der Charaktere manchmal von der einen in die andere Richtung springen, ohne dass der Leser versteht warum. Besonders ausgeprägt ist dies bei Daria und Penn: im einen Moment gehen sie sehr intim miteinander um und im nächsten bekriegen sie sich regelrecht. Als Leser empfand ich die schnell springenden Gefühle oft als unbegründet.

Auch waren die Charaktere meiner Ansicht nach verantwortlich für den wirren Plot. Zu viele Nebencharaktere haben einen eigenen Handlungsstrang bekommen und dieser hat sich wiederum mit der restlichen Handlung zu einem großen Bündel verknotet.
Die Handlung treibt die Figuren so an, dass diese unerwartet gehandelt und dabei sehr impulsive Entscheidungen getroffen haben, die nach genauerem Nachdenken nicht die klügsten waren.

Abgesehen davon habe ich jedoch die Gestaltung der Charaktere gemocht. Viele von ihnen haben Fehler gemacht, waren egoistisch, oberflächlich und fast schon unsympathisch. Viel zu oft lese ich in Büchern das Klischee der netten, langweiligen Protagonistin, die irgendwie keine Fehler macht. Endlich eine Autorin, die sich traut auch Protagonisten schlechte Eigenschaften zu geben und deren Charaktere man nicht immer mögen muss. Es war richtig erfrischend das Gegenteil von einer perfekten Protagonistin zu sehen.

Bis hierhin war ich begeistert von dem Buch. Doch dann kam das Ende und das war einfach nur enttäuschend und leider leider leider sehr klischeebelastet.
Innerhalb der letzten paar Kapitel wurde plötzlich in die Perspektive von Darias Eltern - Melody und Jaime – gewechselt. Vielleicht lag es daran, dass ich die Sinners of Saint Reihe der Autorin nicht gelesen hatte (in welcher die beiden wohl als Protagonisten auftraten), aber dies fand ich einfach nur unpassend. Zwar dauerte der Wechsel nur wenige Seiten, aber gerade zum Zeitpunkt von Melodys Sicht hätte ich Darias Perspektive so gerne gelesen. Stattdessen hat das Bedürfnis der Autorin durchgegriffen, alles geradezurücken und den Lesern der Sinners of Saint Reihe zeigen zu wollen, dass ihre ehemalige Protagonistin Melody nur missverstanden und eigentlich noch immer ganz nett ist.
Die beiden Perspektiven haben nur unnötig weitere Handlung hinzugefügt, die zu diesem Zeitpunkt sowieso schon überladen war. Sie hätten durch guten Plot ersetzt werden können, indem man den Charakteren die Möglichkeit hätte geben können, Beziehungen langsam wieder aufzubauen, Fehler einzugestehen und Missverständnisse zu klären. Aber anstatt die Komplexität der Beziehungen zu entwirren und zu glätten, entschied sich die Autorin dazu eine Schere in die Hand zu nehmen und die verknoteten Stränge einfach abzuschneiden, um sie wieder zusammenzukleben als wäre nichts gewesen. Hier wurde auf eine einfache Lösung ausgewichen, die so weder zur Geschichte noch zu den Charakteren oder gar zu dem ganzen Konzept gepasst hat, um ein sehr klischeehaftes Ende zu schreiben. Nach all den vorherigen Seiten hatte ich mehr erwartet. Viel mehr und vor allem, viel Komplexeres und Dunkleres. Der Sinn dieses Endes? Tja, der war mir leider nicht ersichtlich. Da hat der Autorin wohl das letzte bisschen Mut gefehlt, den Roman grandios und passend zu dem Konzept, das sie bis hierhin unbeirrt durchgezogen hat, enden zu lassen.

Fazit

Insgesamt empfand ich das Buch als abwechslungsreich und erfrischend, da die Autorin sich getraut hat, ihre Charaktere gravierende Fehler machen zu lassen und die Figuren auch mal unsympathisch sein durften. Leider hat sie damit am Ende gebrochen und ist einem künstlichen Ende verfallen, das mich richtig enttäuscht hat.
Wer dieses Buch lesen möchte, dem empfehle ich sich nicht vom Prolog und Cover täuschen zu lassen: Es handelt sich hierbei nicht um eine süße High School Romanze, sondern um ein Buch, dessen Handlung viel komplexer und dessen Atmosphäre viel dunkler ist, als man zunächst denkt.

  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 19.04.2020

Teilweise emotional, aber ohne große Tiefe

Nur ein einziger Song – Nicole & Zack
1

Nicole hat sich über ein Jahr in den Scherben ihres zerbrochenen Lebens verkrochen und nicht herausgewagt. Aus dem Impuls heraus, endlich wieder glücklich sein zu wollen, entscheidet sie sich dazu mit ...

Nicole hat sich über ein Jahr in den Scherben ihres zerbrochenen Lebens verkrochen und nicht herausgewagt. Aus dem Impuls heraus, endlich wieder glücklich sein zu wollen, entscheidet sie sich dazu mit ihrer besten Freundin wieder auszugehen und Spaß zu haben. Womit sie nicht gerechnet hat: dass sie dieser Abend herausfordert – und sie daraufhin Zack kennenlernt. Es funkt sofort zwischen ihnen, aber kann Nicole sich auf Zack und ein Leben im Rampenlicht einlassen?

Ich bin absolut kein Fan des Covers. Die Gesichter der beiden haben einen grünlichen Schimmer und die pinke Schrift passt meiner Meinung nach überhaupt nicht in das Gesamtbild. Auch die junge Frau auf dem Cover hat für mich nichts mit Nicole gemeinsam. Nicole wird als verletzlich und sehr gefühlsbetont beschrieben, dagegen wirkt die Frau auf dem Cover fast schon feindselig.

Der Leser erfährt relativ schnell, was vor über einem Jahr passiert ist und warum Nicole wieder in das Leben finden muss. Diese Spannung wird schnell abgebaut, stattdessen geht es vielmehr darum, wie Nicole mit ihrem Verlust umgeht und ob sie sich erlaubt, wieder glücklich zu sein. Leider kam es dabei zu einigen Längen. Gerade in der Mitte des Buches, wurde die Geschichte sehr langatmig und ich habe seitenlang nur lustlos durchgeblättert. Glücklicherweise hat sich die Autorin wieder gefangen, aber da war der Enthusiasmus schon gedämpft.
Auch war die Handlung sehr vorhersehbar. Bereits im ersten Viertel des Buches konnte ich mir die späteren Ereignisse, die Spannung in die Geschichte bringen sollten, denken – das hat die Spannung wiederum extrem abgeflacht.

Nicoles Beziehung zu Zack entwickelt sich sehr schnell. Bereits bei ihrer ersten Begegnung empfinden sie Gefühle füreinander, die zu teils unrealistischen Entscheidungen führen. Stacey Lynn lässt erstaunlicherweise diesen gesamten Verlauf im Allgemeinen natürlich wirken und nicht oberflächlich, wie ich es von anderen Autoren gewohnt bin. Die gute Ausführung ändert aber leider nichts an der Tatsache, dass sich die Handlung innerhalb weniger Wochen abspielt. Die Liebe auf den ersten Blick in dieser Ausführung würde mich nicht sonderlich stören, wenn da nicht Nicoles Vergangenheit wäre. Dass sie innerhalb dieser kurzen Zeit Zack so nahekommt und ihren Verlust nebenbei verarbeitet wirkte auf mich unrealistisch. Ihre Trauer hätte meiner Meinung nach einen größeren Platz in ihrer Geschichte und ihren Gedanken einnehmen müssen, denn obwohl das Buch ein Jahr nach dem Ereignis einsteigt, wird dem Leser auf den ersten Seiten deutlich, wie weit Nicole noch von der Normalität entfernt ist. Die Autorin hat es sich zu leicht gemacht, indem sie Nicoles Geschichte einfach ein Jahr nach dem Ereignis begonnen hat und davon ausgegangen ist, dass die Trauerarbeit in dieser Zeit erfolgt ist – was wiederum im Widerspruch zum Handlungsverlauf steht.

Lynns Erzählweise hat mir dagegen gut gefallen. Der Schreibstil war gut zu lesen und obwohl er nicht sonderlich poetisch war, gab es doch ein paar wundervolle Zitate. Außerdem schreibt die Autorin mit Gefühl – zweimal hatte ich wirklich Tränen in den Augen.
Dennoch glaube ich, dass es durchaus mehr Momente hätte geben können, in denen Lynn mit ihrem Schreibstil überzeugt. Für mich war es einfach zu wenig und das ist unglaublich schade, weil diese Momente gezeigt haben, dass sie es kann.

Zack ist ein absoluter Traummann – und obwohl ich mich mit Nicole ein Stückchen in ihn verliebt habe, ist das genau das Problem. Zack ist perfekt. Wirklich perfekt. Er hat keine Ecken, keine Kanten, keine Probleme, die er lösen muss und an denen er wachsen kann. Ja, es geht um Nicoles Vergangenheit, aber ein Buch muss beiden Hauptcharakteren die Möglichkeit geben sich weiterentwickeln zu können. Das ist hier nicht der Fall und führt dazu, dass Zacks Charakter flach wirkt.

Die Nebencharaktere sind auch nicht so gut ausgearbeitet, wie sie hätten sein können. Ich mag Mia und Jack, aber beide wurden zwischendurch sehr in den Hintergrund gedrängt. Auch die Bandmitglieder hätten weitaus mehr Tiefe bekommen können – immerhin sind sie ein großer Teil der gesamten Geschichte. Ich hatte das Gefühl, dass die Autorin sich zu sehr auf Nicole und Zacks Beziehung fokussiert und dabei vergisst, den Charakteren Tiefe zu geben. Auch Rachel (so gesehen eine Antagonistin) wäre durch mehr Tiefe weniger oberflächlich gewesen und hätte so der ganzen Geschichte mehr Spannung geben können.

Fazit

Nicole und Zacks Geschichte war emotional, aber nicht so emotional wie sie hätte sein können. Sie war mir insgesamt einfach zu wenig – zu wenig Gefühl, zu wenig Spannung, zu wenig Tiefe und zu wenige Ecken und Kanten. Ein paar Seiten mehr hätten hier bestimmt nicht geschadet.
Es hat Spaß gemacht den Roman zu lesen und er hat für ein paar schöne Lesestunden gesorgt, aber leider handelt es sich um eine dieser Geschichten, die man bald wieder vergisst.

  • Charaktere
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 06.04.2020

Emotionslos und mit schwachen Charakteren

Echo Lake - Zweimal heißt für immer
2

Josie hat bereits vor zehn Jahren alle Brücken hinter sich abgebrochen und Echo Lake den Rücken gekehrt. Ein neues, besseres Leben hat sie sich in Boston aufgebaut. Doch als ihr Vater einen Schlaganfall ...

Josie hat bereits vor zehn Jahren alle Brücken hinter sich abgebrochen und Echo Lake den Rücken gekehrt. Ein neues, besseres Leben hat sie sich in Boston aufgebaut. Doch als ihr Vater einen Schlaganfall erleidet, kehrt sie überstürzt an den Ort ihrer Kindheit zurück – und dort warten nicht nur ihre Erinnerung und ihre Familie auf sie, zu der sie seit zehn Jahren keinen Kontakt mehr hatte, sondern auch ihr ehemaliger Verlobter Ethan, den sie damals vor dem Altar stehen gelassen hat.

Ich habe das Buch nicht wegen des Covers lesen wollen, denn dieses trifft leider überhaupt nicht meinen Geschmack. Es sieht sehr kitschig und nach Photoshop aus und nachdem ich den Roman gelesen habe, haben die beiden Personen nichts mit Josie und Ethan gemeinsam, zu glücklich und unbeschwert wirkt ihre Beziehung.

Überzeugt hat mich die Leseprobe, denn diese deutete auf einen gekonnten Schreibstil und einen emotionalen Roman hin. Mit der Zeit wurde der Schreibstil aber immer gezwungener und dies wirkte sich in der Art und Weise, wie die Charaktere miteinander sprachen, aus. Ganze Dialoge wirkten geradezu gestellt und Szenen, die romantisch sein sollten wirkten entweder kitschig, oder derart unnatürlich, dass es mich regelrecht geschüttelt hat. Am Schluss waren viele der Szenen so von Kitsch überladen, dass ich sie nicht mehr ernst nehmen konnte. Dies sorgte dafür, dass die Emotionen, die anfangs vorhanden waren, einfach verpufften. Ich musste mich zurückhalten, weil ich die Seiten mit jenen Szenen überspringen wollte und innerlich immer wieder die Augen verdreht habe.

Maggie McGinnis hat ein riesengroßes Geheimnis um die Nacht vor Josies Verschwinden gemacht und so versucht, die Spannung für den Leser aufrechtzuerhalten. Aber so funktioniert das leider nicht. Diese „Spannung“ wird erst auf den allerletzten Seiten aufgelöst, was mich total enttäuscht hat. Dadurch, dass der Leser so lange nicht wusste, was eigentlich passiert ist, habe ich mit einem schweren Schicksalsschlag oder etwas Ähnlichem gerechnet. Und dann klatscht die Autorin dem Leser dieses „Gespräch“ und diese „Begründung“ hin – und ich hätte vor Enttäuschung weinen können. Ja, Josie hatte einen Grund, aber dieser rechtfertigt für mich weder den kompletten Abbruch jeglicher Brücken, noch die Funkstille, die zehn ganze Jahre andauerte. Noch dazu ist sie selbst Therapeutin und hat es in zehn Jahren nicht geschafft sich auch nur annähernd mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Der komplette Konflikt, auf dem die Spannung aufbaut, wird viel zu spät und viel zu einfach gelöst.

Von der anfänglichen Sympathie, die ich für Josie empfunden habe, war am Ende kaum etwas mehr übrig. Sie entwickelt sich nicht weiter und ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass sie sich wie eine Jugendliche verhält und nicht ihrem Alter angemessen. Viel stärker war dies jedoch bei Ethan ausgeprägt. Ethan ist auf Josies Hilfe bei der Arbeit angewiesen, aber anstatt, dass er auf diese Hilfe in dieser schweren Zeit zurückgreift, sorgt er dafür, dass sich Josie unwohl fühlt und blamiert. Ethans Schadenfreude hat ihn einfach nur unattraktiv gemacht. Er ist wütend auf Josie, dabei hat er nichts getan, um sie am Gehen zu hindern. Er fährt ihr einmal in 10 Jahren hinterher und denkt sich dann „Joa, immerhin habe ich es probiert. Einmal reicht dann aber auch.“. Jugendlicher Leichtsinn? Meinetwegen. ABER KEINE 10 JAHRE AM STÜCK!
Josie und Ethan haben mich schlussendlich nur noch aufgeregt, weil sie so tun, als wären keine 10 JAHRE vergangen und als wäre eine Aussprache nicht nötig. Und dann wurde die Aussprache, der Höhepunkt des Buches auf den allerletzten Seiten abgehandelt – und die Spannung (die sich sowieso extrem schwer auf den Beinen halten konnte) fiel tot um. POOF – Problem gelöst. So schnell kann das in kitschigen Romanen gehen. Handlungstiefe - braucht man das?
Als Leser denke ich, dass die beiden sich überhaupt nicht mehr kennen, sondern sich an der Vergangenheit festklammern. Sie sehen in ihrem jeweiligen Gegenüber die Person, die es damals war und wollen daran auch nichts ändern. Ein ausführliches, tiefgreifendes Gespräch führen Ethan und Josie über die ganzen 400 Seiten nämlich nicht. Nicht einmal eines. Und eine Entwicklung von Seiten der beiden war ebenfalls in weiter Ferne. Selten habe ich ein Buch gelesen, dessen Protagonisten derart realitätsfern gehandelt haben.

Auch die Nebencharaktere bleiben blass und sind mal da, dann wieder weg und dann doch wieder da. Tiefe haben sie nicht, Entwicklungen sind auch nicht zu erkennen – sie sind schlechter ausgearbeitete Versionen der Protagonisten und können dem Leser durch ihre unbegründeten Handlungen mindestens genauso sehr auf die Nerven gehen.

Fazit:
Der Roman hat wirklich gut begonnen und hat dann in einer Katastrophe geendet. Nervige Charaktere, fehlende Tiefe und abgesehen von der Wut auf die Protagonisten haben sich jegliche anderen Emotionen von Seite zu Seite mehr in Luft aufgelöst. Dies war mein erstes und letztes Buch der Autorin.

  • Gefühl
  • Cover
  • Erzählstil
  • Geschichte
  • Charaktere
  • Handlung
Veröffentlicht am 17.11.2019

Viel Potenzial - wenig Begeisterung

Nebenan funkeln die Sterne
2

Emma führt das perfekte Leben mit ihrem Freund in Notting Hill, London. Sie hat alles; Liebe, Glück und Abenteuer – zumindest online. Abseits von Instagram besteht ihr Leben aus so ziemlich dem Gegenteil. ...

Emma führt das perfekte Leben mit ihrem Freund in Notting Hill, London. Sie hat alles; Liebe, Glück und Abenteuer – zumindest online. Abseits von Instagram besteht ihr Leben aus so ziemlich dem Gegenteil. Emma hat ihrem Zuhause in Regensburg den Rücken gekehrt und wohnt nun alleine in einer kleinen Dachgeschosswohnung mitten in London. Eine Wohnung, die sie nur selten verlässt. Warum auch? Dort hat sie alles, was sie braucht: Ihren Kater, ihre Arbeit als Webdesignerin, ihre Follower und vor allem ihre Dachterrasse. Und keine Angst vor Menschen, die sie begleitet, wenn sie ihr Apartment verlässt. Die Angst davor, zum Opfer ihres Urteils zu werden, ja regelrecht verurteilt zu werden.
Emma fühlt sich in ihrem bekannten Kokon wohl, bis Nathan nebenan einzieht. Nun muss sie nicht nur ihren Rückzugsort, die Dachterrasse mit ihm teilen, sondern sich auch mit ihren beiden Leben, real und digital, auseinandersetzen. Denn diese scheinen sich unaufhaltsam mehr und mehr ineinander zu verstricken und alles noch komplizierter zu machen…

Meine Meinung

„Nebenan funkeln die Sterne“ ist Lilly Adams Liebesroman-Debüt. Die Autorin, die sich hinter einem Pseudonym verbirgt, hat unter ihrem richtigen Namen wohl schon mehrere Romane und Jugendbücher veröffentlicht.
Der Liebesroman ist, soweit ich weiß, das erste Buch, das ich von Lilly Adams gelesen habe.

Zunächst hat mich das traumhafte Cover angesprochen – der LYX Verlag versteht es, Büchern ein Gesicht zu geben, das Leserherzen schneller schlagen lässt. Es passt auch extrem gut zur Story, ich fühle mich noch immer auf Emmas Dachterrasse versetzt, wenn ich es anschaue.
Und die Thematik hat mich dann davon überzeugt, dieses Buch wirklich lesen zu wollen.

Obwohl ich mit Instagram nicht viel anfangen kann, hat mich diese Linie zwischen online und offline, zwischen Realität und Lüge wahnsinnig interessiert. Und dann kam noch Emmas krankhafte Angst dazu, die sie daran hindert, ihr reales Leben auszuleben. Dies gebündelt mit einer Prise Romantik gab dem Buch das Potenzial ein absolutes Lieblingsbuch zu werden.
Leider habe ich Seite um Seite festgestellt, dass das Buch nicht das war, was ich mir erhofft habe.

Ich hatte das Gefühl, dass die ersten hundert Seiten zu lange gezogen wurden und inhaltlich nichts passierte. Emma lebte ihr eintöniges Leben in ihrer Wohnung und ihre Gedanken drehten sich im Kreis. Ja, es hätte Spannung aufgebaut werden können, wenn nicht so oberflächlich an Emmas Angst, die sich bei ihr zu einer Krankheit entwickelt hat, gekratzt worden wäre. Der Knackpunkt hierbei war, dass die Thematik nicht voll ausgeschöpft wurde. So ging Emma auch zu schnell zu große Schritte in Richtung Genesung. Dies wirkte auf mich unglaubhaft und realitätsfern.

Und es hörte nicht bei der Angst auf, auch Instagram, das zweite große Thema, wurde nicht voll ausgeschöpft. Emma fälschte sich ein komplettes Leben und während ich seitenlang auf die Konfrontation gewartet habe, die unweigerlich kommen musste, so war ich doch enttäuscht, als sie endlich kam. Diese wurde lediglich über wenige Seiten abgespeist.

Auch die Romanze ging mir zu schnell. Emma und Nathan haben gerade einmal eine Handvoll Worte gesprochen, ehe Emma total durcheinander war und krampfhaft versucht hat sich klar zu machen, dass alles gegen ihre Liebe spricht. Insta-Love (sinngemäß „instantly falls in love“, am ehesten zu übersetzen mit „Liebe auf den ersten Blick“)? Nein, danke.

Insgesamt hat die Autorin den Spannungsbogen niedrig aufgestellt. Sobald nach den ersten hundert Seiten inhaltlich endlich etwas passierte, wollte ich mehr davon, doch die Autorin schaffte es, diese kurz aufgebaute Spannung schnell wieder zu nehmen – oder ein aufgetretenes Problem einfach und schnell aufzulösen.
Bereits am Anfang des Buches war klar, dass etwas in Emmas Vergangenheit passiert sein musste. Adams versuchte durch einen kleinen Hinweis hier und da die Spannung aufrechtzuerhalten, sie wollte wohl, dass der Leser sich fragt, was damals geschah. Leider führte meine Unfähigkeit mit Emma zu fühlen dazu, dass es mir irgendwann fast schon egal war.

Die Charaktere erschienen mir flach. Emma war authentisch in ihrer Angst und deren Auswirkungen, aber mehr auch nicht. Ich konnte nicht mit ihr fühlen, vielleicht hat dazu auch die Perspektive in der dritten Person Singular verholfen. Ihre Probleme lösten sich schnell, ihre Angst überwand sie nebenbei.
Von Nathan hätte ich gerne mehr erfahren, mehr von seinen Gedanken und seinen Gefühlen, aber wie schon gesagt, wirklich viel miteinander geredet haben die beiden nicht. Dennoch bekam Nathan Tiefe durch seine Handlungen, so konnte ich ihn immerhin besser verstehen und einen Bruchteil von Emmas Gedanken über ihn nachvollziehen.
Am Meisten Tiefe hatte Brittany, eine Instagram Freundin von Emma. Sie wirkte aufgeschlossen und echt, hatte reale Probleme mit realen Lösungen, an denen sie arbeiten musste.
Die weiteren Nebenfiguren, abgesehen von Brittany, blieben leider ebenfalls blass und gesichtslos. Ich meine ernsthaft, wo war Greg, Nathans guter Freund auf einmal hin? Und warum hörte man von Tante Gwen nur ein, zwei Worte am Anfang und plötzlich war sie Emma am Schluss total wichtig?

Der Schreibstil der Autorin war leicht und flüssig zu lesen. Emmas Bilder, ihre Dachterrasse und der Laden PaperLove mit seinen Leckereien konnte ich mir lebhaft vorstellen. Ein großes Lob an dieser Stelle an die Autorin – ich konnte den Brownie fast schon schmecken.
Einzig und allein die englischen Worte mitten im deutschen Satz haben mich sehr gestört. Ist es so schwer, statt awesome z.B. toll zu schreiben? Oder statt Oh my god, oh mein Gott? Auch erschienen mir die Dialoge teilweise zu gestellt. Die Protagonisten sind in ihren Zwanzigern, da kenne ich niemanden, der etwas, das ihm/ihr erzählt wird mit wunderbar kommentiert. Die Sprache wirkte dabei unnatürlich und zu sehr gewollt.

Fazit

„Nebenan funkeln die Sterne“ hatte meiner Meinung nach extrem viel Potenzial. Leider wurde dieses hauptsächlich thematisch nicht ausgeschöpft, was dem Buch Tiefe und Emotionen nahm. Der Schreibstil war angenehm zu lesen und die Grundidee war originell, dafür büßten aber die Ausarbeitung und die Charaktere ein.
Trotz allem habe ich das Buch teilweise gerne gelesen. Wer nichts allzu Tiefsinniges sucht, sondern einen Roman mit einer zarten Liebesgeschichte für zwischendurch, der kann hiermit sicher glücklich werden.

Veröffentlicht am 17.11.2019

Eine Liebe zwischen den Fronten

Bedlam Brotherhood - Er wird dich finden
1

Emma Jean und Tristan lernen sich kennen, als sie 12 und er 17 ist. Es sind nur ein paar Minuten, in denen sie sich begegnen, aber diese erzeugen ein tiefes Verständnis und Vertrauen und sorgen dafür, ...

Emma Jean und Tristan lernen sich kennen, als sie 12 und er 17 ist. Es sind nur ein paar Minuten, in denen sie sich begegnen, aber diese erzeugen ein tiefes Verständnis und Vertrauen und sorgen dafür, dass sie den jeweils anderen nicht vergessen können. Auch nicht 5 Jahre später, als aus Emma Jean EJ, ein Gangmitglied der Los Muertos und aus Tristan Grim, der Scharfrichter der Bedlam Brotherhood wird.
Doch trotz der vergangenen Zeit sind Ihre Gefühle füreinander noch immer präsent und das Knistern zwischen ihnen lässt sich nicht ignorieren. Doch mittlerweile hat sie das Leben auf zwei unterschiedliche Seiten eines erbitterten Bandenkrieges gestellt…

In einer Buchhandlung hätte ich das Buch vermutlich übersehen, da das Cover sehr dunkel und schlicht gehalten ist und für das Genre doch sehr klischeebehaftet scheint.
Aber jetzt, nachdem ich „Bedlam Brotherhood“ gelesen habe, muss ich zugeben, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass es ein Cover gibt, das besser passt. Die Handlung ist so vollgepackt, dass die Einfachheit des Covers sich perfekt einfügt.

Die Thematik des Buches ist schwer zu beschreiben, ohne zu spoilern, deshalb werde ich darauf lediglich grob eingehen.
An diese Stelle kommt eine fette Trigger Warnung, denn obwohl es durchaus heftigere Bücher gibt, wenn man (so wie ich) auf einige Geschehnisse in der Handlung nicht vorbereitet ist (z.B. Kinderprostitution), dann sitzt man doch recht fassungslos vor dem Buch.

Die Basis der Handlung hat mich schon zu Anfang begeistert. Sie bietet viel Raum für spannende und nervenaufreibende Geschehnisse, so erinnert sie doch an ein modernes Romeo und Julia. T.M. Frazier schafft es auch durch unerwartete Wendungen grundsätzlich ein sehr hohes Maß an Spannung aufrechtzuerhalten. Ich habe das Buch regelrecht verschlungen, weil ich unbedingt wissen musste, wie es weitergeht, aber bei knapp 200 Seiten, ist „Bedlam Brotherhood“ auch sehr schnell gelesen.
Tatsächlich ist das der einzige Punkt, den ich der Autorin wirklich negativ auslege. Dazu aber später mehr.

EJ ist eine authentische und bewundernswerte Protagonistin, die Stärke zeigt, auch wenn sie Angst hat, da sie sich für Gabby und sich selbst mehr erträumt als die Los Muertos. Sie überwindet diese Angst und entscheidet sich dazu ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Dafür riskiert Emma Jean alles. Es macht richtig Spaß von einer Protagonistin zu lesen, die nicht nur so tut, als wäre sie stark, sondern die nachvollziehbare Ängste erlebt und sich dazu entscheidet, für ihr eigenes Leben trotz dieser Ängste zu kämpfen.
Von Grim bekommt man trotz seiner eigenen Kapitel nur einen sehr schmalen Eindruck. Ich habe das Gefühl, dass seine Persönlichkeit nicht voll erfasst wurde. So wird er anfangs als gefühlskalt und reuelos beschrieben, doch diese Eigenschaften spiegeln sich nicht in seinen Handlungen wider. Überhaupt gibt es keine einzige Szene, in der er seinen Job – der darin besteht, seine Feinde umzubringen – tatsächlich ausübt. Stattdessen kommt in vielen Szenen entweder EJ, oder seine Familie vor, was dazu führt, dass der Leser ihn als sympathisch empfindet. Seine negativen Seiten, die so viel Raum für guten Konflikt gegeben hätten, lässt die Autorin fast komplett außer Acht.
Die Nebencharaktere sind leider ebenfalls sehr blass geblieben. Viele spielen einfach nur am Rand mit, wie z.B. Grims Brüder, oder Gabby, die zwar sympathisch sind, aber von denen man zu wenig erfährt. Gerade die Beziehungen zueinander werden nicht durch Handlungen gestützt und kommen deshalb zu kurz. Der Leser weiß, dass diese Charaktere sich gut verstehen und dass sie sich gegenseitig wichtig sind, aber größtenteils nur, weil die Autorin diesen Fakt lediglich nennt.

Im Gegensatz zu den sympathischen Nebencharakteren finde ich, dass Marco, Gabbys Bruder, besser ausgearbeitet wurde. Der Leser kann sich aufgrund von seinen Handlungen eine eigene Meinung bilden und muss sich nicht der Meinung der Protagonistin anschließen. Das hat dafür gesorgt, dass die Emotionen viel stärker ausgeprägt sind als bei den anderen Charakteren.
Selten habe ich so einen unsympathischen Charakter so gut in Erinnerung behalten. Nicht jeder Autor hat den Mut, einen Charakter wirklich abgrundtief böse zu gestalten, das rechne ich Frazier hoch an. Auch bewegt sich die Autorin an Grenzbereichen, die von vielen anderen Büchern unangetastet bleiben. Wie bereits oben gesagt, es sind teilweise heftige Szenen drin, die starke Gefühle bei mir hervorgerufen haben.

In meinen Augen hat die Autorin vieles richtig gemacht, aber das gesamte Potenzial dennoch nicht genutzt. Mein größter Kritikpunkt sind die 200 Seiten, auf die sich die negativen Punkte zurückführen lassen. Viele verschiedene Ereignisse folgen sehr schnell aufeinander, was die Handlung zwar voranbringt, gleichzeitig aber dafür sorgt, dass die einzelnen Inhalte lediglich erwähnt werden. So kommt es zu einigen Zeitsprüngen, deren Ausführung der Autorin vielleicht nicht bedeutsam erschien, die jedoch für die Charaktere wichtig und für den Leser interessant gewesen wären.
Durch den knapp bemessenen Umfang ist es auch nicht möglich, dass die Figuren sich weiterentwickeln. Einzelne Eigenschaften werden nur verstärkt oder geschwächt, was dazu führt, dass das gesamte Buch sehr handlungsorientiert und nur wenig charakterorientiert vorgeht.
Und zu guter Letzt endet der erste Teil der Trilogie mit einem bösen Cliffhanger. Gerade die letzten Seiten nehmen noch einmal einiges an Fahrt auf, da kommt das Ende sehr abrupt. Dies ist ärgerlich, denn der zweite Band erscheint erst im Januar und – wer hätte es gedacht – umfasst kaum mehr Seiten als der erste Band. Dem hätte man begegnen können, indem die Autorin detaillierter und charakterbasierter geschrieben hätte und wenn nicht, dann hätte man auch problemlos die ersten zwei Bände zusammenfassen können. Denn das einzige, das man mit der jetzigen Konstellation erreicht, ist die Leser zu verärgern.


Fazit

Grundsätzlich konnte mich EJ und Grims Geschichte fesseln und auch begeistern. Das Buch ließ sich flüssig lesen und die Charaktere waren größtenteils authentisch gestaltet. Allerdings hat die Autorin einiges an Potenzial verschenkt, indem sie die Handlung regelrecht runtergerattert hat, wobei das Buch viel an Inhalt und Persönlichkeit einbüßen musste.
Trotz dessen bietet die Reihe ein großes Suchtpotenzial – wer sich also dazu entschließt, den ersten Band zu lesen, sollte sich darauf einstellen, die Folgebände ebenfalls verschlingen zu müssen.

  • Handlung
  • Charaktere
  • Cover
  • Erzählstil
  • Gefühl