Ein bisschen zu viel, ein bisschen zu wenig
Mathilde und MarieMarie ist auf der Flucht vor ihrem Leben in Paris, als sie im Zug Jonina kennenlernt. Die bietet ihr an, mit nach Redu zu kommen, einem Ort, in dem Zeit nicht der Feind ist. Hier kommt Marie zur Ruhe und ...
Marie ist auf der Flucht vor ihrem Leben in Paris, als sie im Zug Jonina kennenlernt. Die bietet ihr an, mit nach Redu zu kommen, einem Ort, in dem Zeit nicht der Feind ist. Hier kommt Marie zur Ruhe und kann entscheiden, was ihr wirklich wichtig im Leben ist.
Torsten Woywod beschert uns mit diesem Roman ein Plädoyer für die Entschleunigung. In Redu gibt es kein Handynetz, Zugang zum Internet nur an einer Stunde am Tag. So bleibt mehr Zeit sich den schönen Dingen des Lebens zu widmen und Dingen auch beim Werden zuzusehen. Genau das ist schön beschrieben, es gibt hier keine Hektik. Ich war mir allerdings nicht sicher, ob es mir nicht zu ruhig wäre, um dort dauerhaft zu leben.
Das Buch ist an sich schön geschrieben, auch wenn die Dialoge manchmal etwas sperrig sind. Wer setzt denn heute noch ein „meine Liebe“ ans Ende eines Satzes. Das kam mir gerade bei Marie oft genug zu gestelzt vor. Was mich gegen Ende dann sehr genervt hat, war die ständige Wiederholung der Erkenntnis, wie sehr man in Redu doch entschleunigen kann und wie wunderbar das doch ist.
Was mir außerdem gefehlt hat, war die Dorfgemeinschaft, die im Buch eigentlich gar nicht stattgefunden hat. Neben den beiden namensgebenden Frauen treten nur noch 4 weitere Personen auf. Alle anderen 390 Dorfbewohner tauchen über die Geschichte hinweg, wenn dann nur als Schemen auf. Das fand ich schade, da ich bei den Umständen erwartet hatte, dass es ein reges Dorfleben in Redu gibt. Irgendwie hat das der Geschichte auch die Lebendigkeit entzogen.
So interessant die Geschichte war, am Ende war ich froh, das Buch beendet zu haben. Die Redundanzen haben mich am Schluss wirklich sehr genervt, vor allem da sie die Handlung irgendwann auch nicht mehr vorangebracht haben.
Von mir daher eine begrenzte Leseempfehlung.