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Veröffentlicht am 29.08.2023

Das Geschäft mit dem ewigen Leben

KRYO – Die Verheißung
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„KRYO - Die Verheißung“ ist Band 1 einer Thriller-Trilogie von Petra Ivanov, eine Schweizer Journalistin und Schriftstellerin. Die Autorin kannte ich bisher nicht.
„KRYO“ vom griechischen „kryos“, Kälte. ...

„KRYO - Die Verheißung“ ist Band 1 einer Thriller-Trilogie von Petra Ivanov, eine Schweizer Journalistin und Schriftstellerin. Die Autorin kannte ich bisher nicht.
„KRYO“ vom griechischen „kryos“, Kälte. Es geht gleich spannend los: Wir begegnen Andrej, ein russischer Dolmetscher. Er wird gejagt und womöglich gegen seinen Willen tiefgekühlt.
Danach lernen wir Julia kennen, ihren Mann Henry und ihren Sohn Michael. Julia ist ebenfalls Dolmetscherin, Michael ist Arzt, arbeitet aber als Journalist. Er will über den Traum vom ewigen Leben schreiben.
Mehrere Handlungsstränge gilt es zu verfolgen, die in Amerika und Russland verortet sind. Eine kalifornische Firma verkauft Verjüngungskuren mit Blutplasma von Kindern und ein russisches Unternehmen verspricht durch die Konservierung des Körpers ein Leben nach dem Tod.
Als Michael plötzlich verschwindet, begibt sich seine Mutter Julia auf eine gefährliche Suche…
„KRYO“ ist Unterhaltung in Stakkatosätzen. Dadurch eher nicht so flott und flüssig zu lesen. Das geht zu Lasten der Spannung. Julia kommt man nicht nahe. Sie hütet ein Geheimnis. Henry dagegen war mir sofort sympathisch.
„KRYO“ ist auch ein Buch, das digitale Bewusstseinsspeicherung thematisiert. Das gelingt Tom Hillenbrand mit Hologrammatica und Qube meines Erachtens besser.
Und dann ist das Buch einfach zu Ende, Michaels Geschichte aber nicht. Das hat mich gestört. Ob ich mir die Fortsetzung antun werde, weiß ich noch nicht.

Fazit: Ein visionärer Thriller. Was für ein Horror-Trip!

Veröffentlicht am 26.08.2023

Atmosphärisch, aber mit viel Luft nach oben

Schwarzvogel
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Polizistin Fredrika Storm ist von Stockholm in ihre südschwedische Heimat Skåne zurückgezogen. Zusammen mit ihrem Kollegen Henry Calment soll sie im Todesfall der jungen Nomi Pedersen ermitteln. Harlösa ...

Polizistin Fredrika Storm ist von Stockholm in ihre südschwedische Heimat Skåne zurückgezogen. Zusammen mit ihrem Kollegen Henry Calment soll sie im Todesfall der jungen Nomi Pedersen ermitteln. Harlösa ist ein kleines Dorf. Jeder scheint jeden zu kennen und Fredrika scheint mit jedem irgendwie verwandt.
Es stellt sich heraus, dass der Fall zu dunklen Geheimnissen in ihrer eigenen Familie führt. Welche Verbindung hat die tote Frau zum Beispiel zu Tobias Falk und Fredrikas Mutter Annika, die beide vor 20 Jahren aus dem Dorf verschwunden sind?
„Schwarzvogel“ ist der Auftakt einer neuen schwedischen Krimireihe. Frida Skybäck schreibt sonst eher Feel-Good-Romane und das merkt man auch.
Ermittler*innen, die an den Ort ihrer Kindheit zurückkehren, gibt es viele. Und das Familiengedöns hat mich ein bisschen an die Elbmarsch-Krimis von Romy Fölck erinnert.
Fredrika, was für eine impertinente Person! Henry mit seinem schrägen Humor war mir da gleich viel sympathischer. Beide haben ihr Päckchen zu tragen. Ein ungleiches Paar, das sich dennoch perfekt ergänzt.
„Schwarzvogel“ ist gut geschrieben und mühelos zu lesen. Nicht vorhersehbar, aber unglaubwürdig. Welcher Polizist darf weiter ermitteln, wenn nahezu die gesamte Familie in den Fall verstrickt ist?
Kommissar Zufall hilft am Ende den beiden engagierten Ermittlern, die Morde aufzuklären. Eine Geschichte, die für meinen Geschmack etwas spannender hätte sein können, da der Plot erst im letzten Drittel richtig Fahrt aufnimmt.

Fazit: Der erste Fall für Fredrika Storm, die im südschwedischen Lund ermittelt. It was okay.

Veröffentlicht am 23.08.2023

Erfrischend anders

Eingewiesen
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Mark Billinghams neuester Roman „Eingewiesen“ ist kein Thriller. Er ist anders, voller schwarzem Humor und Empathie. Nichtsdestotrotz ein echter Krimi. Im Mittelpunkt steht Alice, die versucht, einen Mord ...

Mark Billinghams neuester Roman „Eingewiesen“ ist kein Thriller. Er ist anders, voller schwarzem Humor und Empathie. Nichtsdestotrotz ein echter Krimi. Im Mittelpunkt steht Alice, die versucht, einen Mord in einer psychiatrischen Klinik aufzuklären. Das Problem ist, dass sie selbst Patientin ist.
Alice Frances Armitage, genannt Al, war bis vor Kurzem Detective Constable bei einer Mordkommission der Metropolitan Police in Nordlondon. Seit ihr Kollege Johnno bei einem Routineeinsatz erstochen wurde, leidet sie an einer PTBS. Alkohol und Drogen haben sicher auch nicht geholfen, und nachdem Alice ihrem Freund Andy eine Weinflasche über den Kopf gezogen hat, wurde sie zwangseingewiesen.
Als einer ihrer Mitpatienten ermordet wird, übernimmt sie den Fall - mit Medikamenten gedopt. Als Al der Polizei den mutmaßlichen Mörder präsentiert, wird dieser ebenfalls ermordet. Und Alice wird von Todesangst gepackt…
Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Perspektive aus Sicht von Alice. Bei einem Ich-Erzähler bin ich immer ein bisschen skeptisch. Können wir Al trauen? Einer ehemaligen Polizistin, mit Aussetzern und Erinnerungslücken?
„Eingewiesen“ ähnelt den großen Whodunits einer Agatha Christie: Ein geschlossener Kreis von Verdächtigen und jeder mit einem Motiv für den Mord. Schließlich sind Billinghams potenzielle Mörder und Opfer in einer psychiatrischen Klinik eingesperrt.
„Eingewiesen“ ist aber auch ein witziges Buch über ein wichtiges Thema, wie psychische Gesundheit behandelt wird. Mit Pillen, mehrmals täglich. Das Ende überrascht.

Fazit: Kein Thriller. Nichtsdestotrotz fesselnd.

Veröffentlicht am 22.08.2023

Der Mann mit der Lücke

Mit kalter Präzision
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Die Rechtsmedizin-Thriller von Michael Tsokos haben mal mehr, mal weniger überzeugt. „Mit kalter Präzision“ ist der Start einer neuen True-Crime-Thriller-Reihe.
Der Autor geht gleich in medias res: Ein ...

Die Rechtsmedizin-Thriller von Michael Tsokos haben mal mehr, mal weniger überzeugt. „Mit kalter Präzision“ ist der Start einer neuen True-Crime-Thriller-Reihe.
Der Autor geht gleich in medias res: Ein heftiger Prolog. Dazu ziemlich kompliziert.
Danach lernen wir Dr. Sabine Yao kennen, aus der Fred Abel-Reihe. Sie soll dessen Nachfolge antreten. Über das Wiedersehen mit Prof. Paul Herzfeld, Chef der rechtsmedizinischen Abteilung »Extremdelikte« des Bundeskriminalamts in Berlin habe ich mich gefreut.
Wer hat die Ehefrau des renommierten Schönheitschirurgen Roderich Kracht in ihrer Villa erwürgt? Tötungsart und Todeszeitpunkt sind schnell bestimmt. Und damit scheidet Kracht als Täter aus, er hat für die Tatzeit ein wasserdichtes Alibi.
Doch dann tauchen Unstimmigkeiten auf. Denn das Stadium der Totenstarre lässt die Experten am festgelegten Todeszeitpunkt zweifeln: Totenstarre und errechnete Todeszeit stimmen nicht überein.
Als in einem vier Jahre zurückliegenden Todesfall der Cold Cases Unit ebenfalls Unstimmigkeiten auftreten, erkennt Sabine, dass offensichtlich ein Serienkiller mit rechtsmedizinischer Expertise am Werk ist…
Prof. Dr. Michael Tsokos, ist sicher einer der besten Rechtsmediziner Deutschlands. Im Gegensatz zu Frederic Hecker ist Tsokos aber kein guter Erzähler. „Mit kalter Präzision“ fand ich nur mäßig spannend.
Immerhin die Obduktion am Anfang und die zum Thema Todeszeitbestimmung verfassten Passagen sind interessant und abschnittsweise sogar lehrreich, ohne dass sich Tsokos in Fachbegriffen verzettelt.

Fazit: Rechtsmedizinerin Dr. Sabine Yao ermittelt in Berlin. Im Alleingang!

Veröffentlicht am 20.08.2023

Toller Thriller

Oracle
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Julian hat seit seiner Kindheit mit beängstigenden Trugbildern zu kämpfen. An manchen Menschen sieht er ungewöhnliche "Marker", mal haben die Personen einen schwarzen Balken am Körper oder Körperteile ...

Julian hat seit seiner Kindheit mit beängstigenden Trugbildern zu kämpfen. An manchen Menschen sieht er ungewöhnliche "Marker", mal haben die Personen einen schwarzen Balken am Körper oder Körperteile sind von einem wolkenartigen Gebilde verdeckt. Wieder andere haben "Nebelaugen".
Seit er die richtigen Medikamente erhält und eine Therapeutin besucht, sind die Marker verschwunden. Inzwischen ist Julian 18 und geht mit gemischten Gefühlen zum ersten Klassentreffen. Seine ehemaligen Mitschüler hat er seit vielen Jahren nicht mehr gesehen, er wurde damals gemobbt. Jetzt ist er schockiert, denn seine Trugbilder scheinen sich bewahrheitet zu haben. Waren seine Marker Vorahnungen und wenn ja, hätte er etwas am Schicksal seiner Mitschüler ändern können?
Ursula Poznanski hat mich mit "Oracle" voll mitgerissen. Ihr lockerer Schreibstil lässt die Seiten dahinfliegen.
Mit Julian hat sie einen sympathischen Protagonisten geschaffen. Er wirkt authentisch, seine Gefühle und Gedanken konnte ich sehr gut nachvollziehen. Auch wie sehr er unter seinen Trugbildern als Kind litt. Das Mobbing und die Ängste haben ihn zu einem unsicheren Teenager heranwachsen lassen, für den jede Interaktion mit Gleichaltrigen eine Herausforderung ist. Sehr gut dargestellt ist seine Entwicklung, die er im Verlauf erlebt. Auch die anderen Figuren sind sehr gut charakterisiert.
Die Idee zur Story ist faszinierend, am Ende bleibt aber noch die ein oder andere Frage offen.

Fazit: Fesselnder All-Age-Thriller mit sympathischen Protagonisten.