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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.04.2026

Erinnerungen an die Kindheit im Landleben

Melken
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Nach der Trennung von ihrer Freundin Diana braucht Ellen eine Auszeit vom trubeligen Stadtleben und fährt kurzerhand aufs Land - zu dem Bauernhof, auf dem sie aufgewachsen ist. Offenbar sind die neuen ...

Nach der Trennung von ihrer Freundin Diana braucht Ellen eine Auszeit vom trubeligen Stadtleben und fährt kurzerhand aufs Land - zu dem Bauernhof, auf dem sie aufgewachsen ist. Offenbar sind die neuen Besitzer*innen verreist, der Schlüssel liegt jedoch noch in demselben Versteck wie früher, sodass Ellen problemlos in das Haus kommt und in ihrem ehemaligen Kinderzimmer liegen und alten Erinnerungen nachhängen kann

Sanna Samuelssons schreibt in "Melken" sehr anschaulich und körperlich von Ellens Aufwachsen auf dem Land. Dabei werden unter anderem der schambehaftete Kuhstallgeruch, die Spiele im Stall mit anderen Kindern sowie die Aufgaben auf dem Hof und der Umgang mit den Kühen geschildert.
Der bildhafte Schreibstil bzw. die geschaffenen Bilder wirkten auf mich häufig irritierend und ich bin mir nicht sicher, ob diese Störfaktoren intendiert sind oder Ergebnis der Übersetzung.
Das Buch ist knapp 160 Seiten lang, weshalb es sich schnell lesen ließ und ich mich auf die Lektüre und Ellens Kindheitserinnerungen einlassen konnte - auch wenn ich bis zum Schluss eine große Distanz und wenig Sympathie empfunden habe.

Ein kurzweiliger Roman mit interessanten Perspektiven und Bildern, die während der Lektüre einiges mit mir gemacht haben.

Veröffentlicht am 13.04.2026

Ein einzigartiges Werk

Ich, die ich Männer nicht kannte
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40 Frauen unterschiedlichen Alters sind in einem unterirdischen Raum, umgeben von Gittern, gefangen gehalten. Sie werden streng von Wärtern bewacht, bekommen regelmäßige Mahlzeiten und sind ansonsten sich ...

40 Frauen unterschiedlichen Alters sind in einem unterirdischen Raum, umgeben von Gittern, gefangen gehalten. Sie werden streng von Wärtern bewacht, bekommen regelmäßige Mahlzeiten und sind ansonsten sich selbst überlassen.
Erzählt wird aus der Perspektive der "Kleinen", der jüngsten der Frauen. Sie ist so klein in den Keller gekommen, dass sie sich an kein Davor erinnern kann und keine andere Welt kennt. Doch auch die anderen Frauen können sich nicht daran erinnern, wann, wie und weshalb sie dort gelandet sind.

Jacqueline Harpman schreibt über den einseitigen und gleichförmigen Tagesablauf der Frauen, über all ihre Fragen, die im Laufe des Buches zunehmen und immer stärker existenzielle Züge annehmen. Es geht um Menschlichkeit, das Sein und den Sinn der Existenz.

Ich empfinde "Ich, die ich Männer nicht kannte" als sehr intensiv und mochte sowohl das Set Up als auch die Entwicklung, die geäußerten Gedanken und Fragen sehr, obwohl ich keinerlei Zugang zu dieser dystopischen Welt hatte und die Hintergründe bis zum Schluss nicht offenbart werden. Doch darum geht es auch gar nicht, sondern vielmehr um Orientierung und darum, sich im Unbekannten zurechtzufinden.

Veröffentlicht am 13.04.2026

Berührend, wirkt noch lange nach

Solange ein Streichholz brennt
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Alina ist Fernsehjournalistin und konnte schon den einen oder anderen Erfolg in ihrer Karriere verzeichnen. Nun steht ihr Job jedoch auf der Kippe und ihre letzte Chance beim Sender ist eine ...

Alina ist Fernsehjournalistin und konnte schon den einen oder anderen Erfolg in ihrer Karriere verzeichnen. Nun steht ihr Job jedoch auf der Kippe und ihre letzte Chance beim Sender ist eine erfolgreiche Reportage über Obdachlosigkeit. Doch eine passende, obdachlose Person zu finden, die Alina einige Tage auf der Straße begleiten kann, scheint nicht so leicht zu sein. Sie stößt auf Bohm, der seit fünf Jahren auf der Straße lebt und durch gewisse Umstände gezwungen ist, auf Alinas Deal einzugehen.

So begleitet Alina Bohm auf seinen alltäglichen Wegen und die beiden lernen sich kennen. Was Bohm jedoch auf keinen Fall preisgeben möchte, ist der Grund, weshalb sein Leben aus den Fugen geraten ist und er auf der Straße lebt. Es gibt ihn, seinen alten Rucksack, seinen Hund Fox und einen mysteriösen Brief, den er auf keinen Fall öffnen möchte.

Christian Huber fängt beide Figuren so gut ein, lässt sie sich entfalten, echt wirken und macht sie nahbar - ihre Gedanken und ihre Handlungen. Die Beziehungsdynamik, die sich zwischen den beiden entwickelt, wirkt authentisch und echt. Die Obdachlosigkeit wird in der Begegnung mit Alina nicht romantisiert, sondern in sämtlichen Facetten dargestellt - mal in zarten und mal in harten Zwischentönen.

Der Schreibstil ist flüssig und die Perspektiven wechseln, was zu jedem Zeitpunkt eine passende, gut wahrnehmbare Atmosphäre schafft.

Ich habe mit Bohm und Alina mitgefühlt, gelacht, geweint und wünschte, ich könnte ihre Geschichte noch einmal zum ersten Mal lesen und mich komplett mitreißen lassen.

Veröffentlicht am 12.04.2026

Die Distanz blieb

Träume aus Salz
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Flo und ihr Freund Matty machen Pärchenurlaub auf einer kleinen griechischen Insel. In der einen Woche möchten sie die Tage in vollen Zügen genießen, abends schwimmen, sich nahe sein und das Essen genießen. ...

Flo und ihr Freund Matty machen Pärchenurlaub auf einer kleinen griechischen Insel. In der einen Woche möchten sie die Tage in vollen Zügen genießen, abends schwimmen, sich nahe sein und das Essen genießen. Alles ist fantastisch, doch Flo kommt nachts nicht zur Ruhe, sie träumt und bricht zu nächtlichen Spaziergängen auf. Denn es gibt etwas, das sie Matty nicht sagen kann, das sie belastet. Als sie die Tarotkartenlegerin Sofia kennenlernt, kommen immer mehr Erinnerungen aus Flos Vergangenheit auf und der Druck in ihr steigt.

Ich mag Anika Landsteiners Schreibstil aus anderen Büchern total gern und mochte auch hier, wie das Setting und die Atmosphäre beschrieben wurden. Ich konnte die flirrende Hitze auf der griechischen Insel spüren, ebenso die Vorfreude und das Kribbeln des verliebten Paares auf der Insel. Doch trotz allem blieben mir alle drei Figuren, Matty, Flo und Sofia, absolut fremd und ich konnte in erster Linie eine große Distanz spüren - zu ihnen, aber vermutlich auch zwischen ihnen. Der Roman wird aus wechselnden Perspektiven erzählt, sodass die Leserinnen im Verlauf einerseits mehr über Flo und ihre dysfunktionalen Familienbeziehungen erfahren, andererseits auch von Sofias Mutter, ihrer Großmutter und ihrer starken Verbundenheit zur Insel.

Anika Landsteiner schreibt ruhig, während sich schwelend immer mehr Spannung und Druck aufbaut - auch wenn die Leser
innen bereits wissen, dass Flo ein Geheimnis vor Matty hat, ist dies auch deutlich spürbar und alles steuert auf eine erwartbare Kollision hin. Diese tritt auch ein, jedoch in einem ganz anderen Maßstab als ich erwartet habe und wovon ich während der Lektüre immer mehr ausgegangen bin.

Der Roman lässt sich gut lesen und hat mir Urlaubsfeelings beschert. Er war meines Erachtens jedoch nicht Anika Landsteiners stärkstes Buch.

Veröffentlicht am 16.03.2026

Eine Autofahrt ins vermeintliche Nichts

Grüne Welle
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Eine Frau steigt nach dem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin in ihre Auto um nach Hause zu fahren. Doch wegen einer Autobahnsperrung muss sie eine Umleitung nehmen, gelangt auf einer ihr unbekannten ...

Eine Frau steigt nach dem Kinobesuch mit ihrer besten Freundin in ihre Auto um nach Hause zu fahren. Doch wegen einer Autobahnsperrung muss sie eine Umleitung nehmen, gelangt auf einer ihr unbekannten Straße und findet dann immer wieder Anlässe, noch nicht umzudrehen und heimzufahren. Während sie sich immer weiter von ihrem Haus, ihrer Ausstellung und ihrem Ehemann entfernt, ins vermeintliche Nichts fährt, kommt sie sich selbst dabei ungewohnt nahe. Sie denkt zurück, lässt die Beziehung zu ihrer besten Freundin Revue passieren, setzt sich mit ihrer Kunst und auch mit ihrer Ehe auseinander.
Die Namenlosigkeit, bzw. nennt sich die Frau im Verlauf Amy, und die Distanzlosigkeit macht die Figur nahbar, bietet Identifikationsfläche für viele und bietet Gedankenanlässe und Impulse für die eigenen Beziehungen und das eigene Leben. Wer kennt es nicht, den Gedanken, jetzt einfach weiterzufahren, die nächste Abbiegung irgendwohin zu nehmen und sich treiben zu lassen. Doch die wenigsten tun das wirklich.
Mir war es ein Vergnügen, die Frau bei ihrer Fahrt und bei ihren Begegnungen zu begleiten.