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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.05.2026

Leider etwas langatmig

The Dirty Version
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Tash ist Autorin eines feministischen Romans, der nun in Form einer Serie verfilmt werden soll. Der Regisseur sieht jedoch die Notwendigkeit einer Dirty Version, weshalb das Drehbuch unter Intimitätskoordinator ...

Tash ist Autorin eines feministischen Romans, der nun in Form einer Serie verfilmt werden soll. Der Regisseur sieht jedoch die Notwendigkeit einer Dirty Version, weshalb das Drehbuch unter Intimitätskoordinator Caleb um einige Sexszenen erweitert werden soll. Tash ist alles andere als begeistert davon, denn sie möchte nicht, dass ihr empowernder Roman zu einem sexuell aufgeladenen Hollywoodklischee verkommt. Während Tash zunächst große Abneigung gegenüber der Idee und auch gegenüber Caleb verspürt, kann er sie im Verlauf noch überraschen.

Sowohl der Klappentext als auch die Leseprobe konnten mich durch den lockeren, humorvollen Schreibstil und den interessanten Ausgansplot überzeugen. Turner Gable Kahn hat mich dann nach den ersten Kapiteln jedoch wieder etwas verloren. Während ich mich auf eine starke Figurenentwicklung gefreut habe, habe ich Tash als sehr verbissen, stur und stets ablehnend empfunden. Ich verstehe ihren Punkt und kann mir vorstellen, dass ein Eingreifen in das eigene Werk sehr verletztend sein kann. Doch die ewigen Bemühungen von Caleb, die steten Abweisungen von ihr und das Auftreten des Regisseurs haben mich nach einer Weile genervt. Ich habe viele Stellen als sehr langatmig empfunden und konnte auch der Romance zwischen Tash und Caleb überhaupt nicht folgen oder sie nachspüren, weil ich deren Entwicklung nicht nachvollziehbar fand.
Was ich interessant fand, waren generell die Einblicke in die Abläufe, wenn ein Buch verfilmt wird. Aber die Lovestory und die Figuren, insbesondere Tash, konnten mich nicht überzeugen. Vielleicht hätten Perspektivwechsel das Buch für mich interessanter und weniger langatmig gemacht.

Veröffentlicht am 27.04.2026

Spürbarer Umbruch

Der letzte Sommer der Tauben
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Noah ist vierzehn Jahre alt und züchtet gemeinsam mit seinem Onkel Ali Tauben auf dem Dach. Voller Vergnügen verfolgt Noah, wie sie am Himmel kreisen und in den Schlag zurückkehren. Die Unbeschwertheit ...

Noah ist vierzehn Jahre alt und züchtet gemeinsam mit seinem Onkel Ali Tauben auf dem Dach. Voller Vergnügen verfolgt Noah, wie sie am Himmel kreisen und in den Schlag zurückkehren. Die Unbeschwertheit gerät ins Kippen, als das Kalifat ausgerufen wird, Helikopter über die Stadt kreisen und das Bild der freien Tauben am Himmel stören. Es folgen neue Regeln: Noahs Vater muss in seinem Bekleidungsgeschäft das Sortiment anpassen, Frauenkörper auf den Produktfotos müssen geschwärzt werden, sein älterer Bruder leitet eine Sicherheitsbehörde und Noahs Mutter und Schwester dürfen ohne männliche Begleitung nicht mehr aus dem Haus. Und dann folgen auch noch Einschränkungen bezüglich der Tauben...

Abbas Khider verortet die Geschehnisse in keiner Zeit und an keinem Ort. Doch durch die gewählte Perspektive des 14-jährigen Noahs sind die Veränderungen spürbar, werden aus einer gewissen kindlichen Naivität geschildert und wirken dadurch auf eine besondere Art. Während zunächst fast noch eine Neugier durchscheint, kommen immer mehr Sorge und Unsicherheit, bis hin zu Furcht, zum Tragen. Die Einschränkungen nehmen zu und vor allem die Tauben, die die Symbolik von Freiheit und Unbeschwertheit in sich haben, markieren die deutlichen Einschnitte und die markanten Veränderungen der Familien.

Ein bewegender Roman, der die Herrschaftsverhältnisse und die damit einhergehende Gewalt, die herrscht, sehr bewegend und eindringlich erzählt.

Veröffentlicht am 27.04.2026

Spannender Thriller

Bachelorette Party
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Tessa steht ein Wochenende bevor, auf das sie eigentlich gar keine Lust hat: Der Junggesellinnenabschied ihrer Freundin Anneliese, den sie in einem Yoga Retreat auf einer abgelegenen Schäreninsel verbringt. ...

Tessa steht ein Wochenende bevor, auf das sie eigentlich gar keine Lust hat: Der Junggesellinnenabschied ihrer Freundin Anneliese, den sie in einem Yoga Retreat auf einer abgelegenen Schäreninsel verbringt. Doch für Tessa, Journalistin und Podcasterin, ist das ihre Chance. Denn zehn Jahre zuvor verschwanden auf genau dieser Insel vier junge Frauen spurlos und ist bis heute ein Cold Case, der nicht gelöst ist. Tatsächlich dauert es nicht lange, bis es seltsame Entwicklungen auf der Insel gibt und die Junggesellinnengruppe in Gefahr schwebt.

Ich mag Locked-in-Plots und war aufgrund des Klappentexts sehr neugierig, denn mit Camilla Sten habe ich ein sehr spannendes Buch mit reichlichen Wendungen erwartet. So viele Wendungen gab es nicht, aber eine, die es in sich hatte, die im Ansatz zwar eine mögliche Option, aber nicht offensichtlich war.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und durch die wechselnden Zeitebenen und Perspektiven baut sich schnell Spannung auf. Die Leser*innen erfahren auf den ersten Seiten, was den jungen Frauen zehn Jahre zuvor zugestoßen ist, jedoch nicht, wer dahintersteckt. Das offenbart sich durch die Rückblenden, die aktuellen Verstrickungen und Geschehnisse.
Ein spannender Thriller, den ich am liebsten in einem Rutsch gelesen hätte.

Veröffentlicht am 27.04.2026

Ein Infragestellen im Alter

Die Liebe, später
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Kora und Anselm sind seit über zwanzig Jahren verheiratet. Kora war Journalistin, bis sie eine Herzoperation aus dem Job und dem Alltag holt und eine lange Regenerationsphase beginnt. Anselm war Biologe, ...

Kora und Anselm sind seit über zwanzig Jahren verheiratet. Kora war Journalistin, bis sie eine Herzoperation aus dem Job und dem Alltag holt und eine lange Regenerationsphase beginnt. Anselm war Biologe, hat in Berlin gearbeitet und ist an den Wochenenden immer zur Kora nach Köln gependelt. Als er in Frührente geht und aus der Fernehe plötzlich eine dauerhafte Anwesenheit wird, prallen zwei Welten aufeinander: Anselm möchte endlich sein Traumprojekt umsetzen und einen Libellenteich im Garten anlegen. Kora stellt vieles infrage und nimmt erstmal Abstand. Sie besucht eine ehemalige Arbeitskollegin, verlängert ihren Aufenthalt dort und besucht auch Freundinnen, denkt über die Vergangenheit und Erlebnisse nach und findet vor allem fünf Dinge, die sie sich fragt. Währenddessen setzt sie sich mit dem Verschwinden einer jungen Frau auseinander, deren Partner sie um Hilfe bittet.

Gisa Klönne schreibt nüchtern und distanziert, weshalb es für mich lange gebraucht hat, ein Gefühl für Kora und Anselm zu entwickeln. Ich brauchte die erste Hälfte etwa, um komplett im Roman anzukommen.
Ich kann mir vorstellen, dass vor allem Leser
innen in ihren 50ern/60ern sich in Kora und Anselm wiederfinden können und sich, ihre Ehe und ihre Lebensträume infrage stellen. Da regt Gisa Klönnes Erzählung sicherlich zum Nachdenken oder Umdenken an. Gerade der Wechsel von Nähe und Distanz wird durch die Perspektivwechsel untermalt.

Ein Roman, der die Suche nach sich selbst im fortgeschrittenen Alter thematisiert.

Veröffentlicht am 27.04.2026

Weniger Thrill als erwartet

This Story Might Save Your Life
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Joy und Benny sind beste Freund*innen und haben zusammen einen sehr erfolgreichen Podcast, in dem sie Geschichten von Überlebenden erzählen. Doch eines Tages verschwinden Joy und ihr Ehemann Xander spurlos ...

Joy und Benny sind beste Freund*innen und haben zusammen einen sehr erfolgreichen Podcast, in dem sie Geschichten von Überlebenden erzählen. Doch eines Tages verschwinden Joy und ihr Ehemann Xander spurlos - und Benny gerät ins Visier der Polizei und gilt als Hauptverdächtiger. Also macht er sich selbst an die Ermittlungen und sucht Hinweise, was mit Joy und Xander passiert ist und wo sie stecken könnten.

Tiffany Crum hat einen sehr interessanten Ausgangsplot geschaffen und ich wollte unbedingt erfahren, was Joy zugestoßen ist. Erzählt wird aus wechselnden Perspektiven, wobei der Fokus auf Benny und der Gegenwart liegt. Eingestreut werden jedoch auch Auszüge aus Joys Manuskript, das Einblicke in ihre Vergangenheit gibt, sowie Kapitel, die die Vergangenheit und die Entstehung der Freundschaft sowie des Podcasts erzählen.
Die erste Hälfte fand ich spannend, habe mitgerätselt und auf neue Hinweise gehofft. In der zweiten Hälfte lassen Tempo und Spannungsbogen stark nach und es gab für mein Empfinden einige Längen.
Was das Genre angeht, habe ich mir als Thriller mehr Spannung, mehr Wendungen und ein schnelleres Tempo erhofft. So empfand ich es als Drama mit Lovestory-Elementen.

Dennoch ein unterhaltsames, spannendes Buch, wobei mir die erste Hälfte besser gefallen hat.