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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.10.2025

Interessantes Gedankenspiel

Gesellschaftsspiel
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Die Schwestern Isabelle und Annika treffen sich nach Jahren am Sterbebett ihrer Mutter wieder. Während Annika in den USA lebt, ist Isabelle Lehrerin und Mutter. Auch ihre Tante Dagmar, Hochschuldozentin, ...

Die Schwestern Isabelle und Annika treffen sich nach Jahren am Sterbebett ihrer Mutter wieder. Während Annika in den USA lebt, ist Isabelle Lehrerin und Mutter. Auch ihre Tante Dagmar, Hochschuldozentin, ist bei ihnen. Es folgt eine zarte Annäherung zwischen den drei Frauen, die alle mit dem Tod konfrontiert sind.
Parallel dazu verkündet ein Tech-Milliardär, dass er die Gesellschaft revolutionieren möchte. Das soll Modellhaft in Weimar passieren und die Menschen können sich in einer App registrieren und dann Vorschläge einreichen und so aktiv eine neue Gesellschaft mitgestalten.

Dora Zwickaus Idee der Dystopie oder vielleicht auch Utopie fand ich grundsätzlich sehr interessant. Die Beschreibungen der ersten Reaktionen innerhalb der App, die Debatten die dadurch entstehen und sich vom Digitalen auch in den Alltag verlagern, fand ich sehr anschaulich und nachvollziehbar. Alles, was die App angeht, fand ich fesselnd. Der Erzählstrang rund um Isabelle, Annika und Dagmar bezüglich der toten Mutter bzw. Schwester empfand ich jedoch als immer distanzierter. Ich konnte zu keiner der Figuren eine Bindung herstellen, manchmal fiel es mir mittendrin auch schwer, sie auseinanderzuhalten - gerade wenn es um die Gedanken ging. Auch was die App und die Folgen angeht, endete alles irgendwie abrupt. Ich hatte das Gefühl, dass vieles gar nicht (mehr) erzählt oder eingebettet wurde.

Ein interessantes Gedankenspiel, das mich jedoch mit einem leicht diffusen Gefühl und offenen Fragen zurückließ.

Veröffentlicht am 04.10.2025

Erholungsinseln mitten in Berlin

WILDBERLIN
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Ich hätte nicht gedacht, dass mitten in und um Berlin so viele Naherholungsgebiete liegen, darunter Schluchten, Wasserfälle, Tiere und sogar Sanddünen. Selbst für Berliner*innen wird es hier Ecken und ...

Ich hätte nicht gedacht, dass mitten in und um Berlin so viele Naherholungsgebiete liegen, darunter Schluchten, Wasserfälle, Tiere und sogar Sanddünen. Selbst für Berliner*innen wird es hier Ecken und Gegenden geben, die bisher sicherlich noch nicht bekannt waren und zum Entdecken einladen. Geworben wird damit, dass die vorgestellten Orte auch an Wochenenden nicht überlaufen sind und bieten so eine erholsame Alternative zu typischen Anlaufstellen und trubeligen Ausflugszielen in Berlin.

Die Orte sind alphabetisch sortiert angeordnet und sind jeweils auf einer Karte grob lokalisiert. Wer clever plant, kann also an einem Tag mehrere Ausflugsziele besuchen. Eingeführt wird mit einer kurzen Vorstellung, der Lage und Infos zu den lokalen Gegebenheiten. Außerdem gibt es sehr übersichtliche Angaben zu Flora und Fauna, möglichen Tieren, Größe und zur Anbindung an den ÖPNV und Parkmöglichkeiten.

Mehrere Fotos schaffen ebenfalls einen guten Einblick und laden zu einer zeitnahen Ausflugsplanung ein. Ein gelungenes Buch mit vielen verschiedenen Naturparadiesen für verschiedene Jahreszeiten.

Veröffentlicht am 04.10.2025

Toller Überblick über 33 Seen

Die schönsten Seen in Brandenburg
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Roswitha Schieb bietet in ihrem Seenbuch einen tollen Überblick über die - ihrer Meinung nach - schönsten Seen Brandenburgs, 33 an der Zahl. Unterteilt ist das Buch in die Gliederung der Örtlichkeit, ausgehend ...

Roswitha Schieb bietet in ihrem Seenbuch einen tollen Überblick über die - ihrer Meinung nach - schönsten Seen Brandenburgs, 33 an der Zahl. Unterteilt ist das Buch in die Gliederung der Örtlichkeit, ausgehend von Berlin. So bietet Rosiwtha Schieb jeweils Seen, die im Nordosten, Südosten, Südwesten und Nordwesten Berlins liegen. Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Einbettung. Das Vorwort beinhaltet viele Informationen über die Entstehung und die Nutzung der Seen in Brandenburg, stellt historische und ökologische Bezüge her. Klar wird: Egal in welcher Jahreszeit, ein Besuch an einen der zig Seen Brandenburgs lohnt sich allemal.

Die Seen sind jeweils mit wunderschönen Bildern dargestellt. Außerdem gibt es Infos zu naheliegenden Sehenswürdigkeiten, kulturellen oder historischen Stätten sowie einen Schaukasten mit den wichtigsten Infos wie die Größe, Lage, Bademöglichkeit, Anbindung an den ÖPNV etc.

Die Texte sind informativ, haben eine angenehme Länge und machen - untermalt von den den Fotos - große Lust, sich direkt auf den Weg zu machen und die Seen selbst zu erkunden.

Ein schönes, übersichtliches und handliches Buch, das ich in den nächsten Wochen, Monaten und vermutlich Jahren immer mal wieder aufschlagen und mir einen See als Ausflugsort heraussuchen werde.

Veröffentlicht am 04.10.2025

Dass ich das überhaupt gelesen habe

Dass es uns überhaupt gegeben hat
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Beschrieben als "literarisches Selbstportrait" und "bestechend ehrliches Buch über das Leben", war ich sehr gespannt auf Marco Wandas Buch, obwohl ich die Band kaum kenne. Sehr schnell trat jedoch Ernüchterung ...

Beschrieben als "literarisches Selbstportrait" und "bestechend ehrliches Buch über das Leben", war ich sehr gespannt auf Marco Wandas Buch, obwohl ich die Band kaum kenne. Sehr schnell trat jedoch Ernüchterung ein: Der Schreibstil ist wirr, konfus und literarisch meinem Empfinden nach nicht sonderlich gut gelungen. Ob es hier als "literarisches Selbstportrait" angekündigt wurde, weil Marco Wanda Sprachkunst studiert hat? Während der Lektüre hatte ich leider nicht den Eindruck, dass in der Umsetzung des Buches ein hoher sprachkünstlerischer Anteil steckte. Vielmehr bestand das Buch, gerade im ersten Drittel, aus endlosem Namedropping und der Beschreibung von Drogen-, Alkohol- und Gewaltexzesse. Man kann sicherlich darüber streiten, ob das nun zur damaligen Zeit, zur Branche oder zum Genre der Band passt. Wenn sich der Autor jedoch für ein autobiographisches Werk entscheidet, das im Übrigen mit einem Alkohol- und Drogenentzug endet, entscheidet er auch über die entsprechende Darstellung. Da hätten retrospektiv Einordnungen, Bewertungen oder Reflexion stattfinden können. Was ich vor allem gelesen habe, war ein Determinismus, den Marco Wanda unter und über alles gestellt hat. Mir wurde tatsächlich nicht deutlich, woher er diesen nimmt und weshalb er davon ausgeht, dass mit ihm und der Band inklusive der ganzen Exzesse alles so hat sein müssen und gar nicht anders hätte laufen können. Vielleicht, weil es nicht nur in gutem Rausch, sondern auch in Tragödien endete? Keine Ahnung.

Auf der Handlungsebene passiert auch kaum etwas. Es wurden Gespräche innerhalb der Musikbranche und zwischen Bandmitgliedern oder anderen Künstlern (ich meine, es waren auch ausschließlich Männer, an die sich hier erinnert wurde) beschrieben. Es gab Schilderungen von Auftritten, Albumproduktionen und Reisen - alles gut unterfüttert mit Drogen- und Alkoholkonsum, der auch in jeder sich bietenden Situation beschrieben und thematisiert wurde.

Zum Ende hin wurde das Buch etwas persönlicher, da Marco Wanda Einblicke in Rückschläge und Verlustmomente bietet, eine Bindung oder Nahbarkeit konnte ich jedoch bis zum Schluss nicht nachempfinden.

Unterm Strich war das Buch für mich eine Mischung aus Namedropping, exzessivem Alkohol- und Drogenkonsum und Gewalt. Außerdem enthält das Buch rassistische Sprache (das N-Wort), was für mich Grund genug ist für eine Ein-Stern-Bewertung.

Ein Buch, das vermutlich maximal Wanda-Fans begeistern kann - aber auch nur, wenn sie sich über die Musik hinaus für das Bandgeschehen und deren Exzesse interessieren.

Veröffentlicht am 02.10.2025

Wissen und persönliche Erfahrungen

Organisch
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Von Giulia Enders habe ich damals ganz begeistert "Darm mit Charme" gelesen und habe mich daher auch sehr auf "Organisch" gefreut, weil ich den humorvollen, persönlichen und trotzdem sehr informativen ...

Von Giulia Enders habe ich damals ganz begeistert "Darm mit Charme" gelesen und habe mich daher auch sehr auf "Organisch" gefreut, weil ich den humorvollen, persönlichen und trotzdem sehr informativen Schreibstil sehr mochte. Giulia Enders klingt in "Organisch" etwas ernster als in "Darm mit Charme", aber unterfüttert das ganze Wissen und die holistischen Zusammenhänge durch persönliche und veranschaulichende Erfahrungen. Die Illustrationen von Jill Enders sind wunderschön und geben dem Buch nochmal eine ganz liebevolle Note.

Giulia Enders bezieht sich in diesem Buch vor allem auf die Lunge, das Immunsystem, die Haut, die Muskeln und das Gehirn. Es werden die einzelnen Organe und ihre Funktionen sowie ihre Eigenschaften und die Zusammenhänge zu anderen Organen und physischen oder psychischen Abläufen dargestellt.
Einiges wusste ich schon, fand die leicht verständliche und dichte Erzählweise jedoch so schön, dass ich auch die Stellen sehr gern gelesen habe.
Besonders interessant waren für mich die Ausführungen über das Immunsystem und Allergien.

Generell würde ich sagen, dass sich das Buch sehr schnell durchlesen lässt und jede*r mit Mehrwert und mehr Wissen aus der Lektüre geht. Ich werde jedoch sicherlich immer mal wieder hereinlesen, gezielt nach Ausführungen suchen und um die einzelnen Fakten und Auswirkungen noch besser verinnerlichen zu können.

Ein anschaulich erzählendes Sachbuch, das umfassende Einblicke in unseren Körper und den Forschungsstand gibt.