Roman über Gaslighting
Da war doch nichtsDaniela wird schon früh in ihrer Kindheit von ihrer Mutter gegaslighted, die ihre Kleidung stets zu heiß wäscht und dann behauptet, Daniela hätte zugenommen. Ihr Schwester Jana erfährt physische Gewalt ...
Daniela wird schon früh in ihrer Kindheit von ihrer Mutter gegaslighted, die ihre Kleidung stets zu heiß wäscht und dann behauptet, Daniela hätte zugenommen. Ihr Schwester Jana erfährt physische Gewalt durch die Mutter, streitet das jedoch permanent ab und bevorzugt, wie der Vater, das Schweigen oder das Abtun durch den Satz "Da war doch nichts". Als Daniela 19 Jahre alt ist, stirbt ihre Mutter und als Leserin könnte man meinen, sie könne nun mit dem Gaslighting abschließen. Doch an der Uni lernt sie Štěpán kennen, geht eine Beziehung mit ihm ein und merkt erst viel zu spät, dass seine Wahrheit für sie die einzige zu sein hat.
Jakub Stanjura hat einen sehr ruhigen Schreibstil und in der deutschen Übersetzung ist die Bedrängnis und die Dringlichkeit, die Danielas Leiden mit sich bringt, deutlich spürbar. Das Schweigen über ihre Kindheit und Jugend ist groß und überträgt sich bis in ihr Erwachsenenleben hinein, sodass das Schreiben und die Gespräche mit Štěpán ihre einzige Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit sich und ihren Erfahrungen ist.
Erzählt wird kapitelweise immer nur im August, der die dunkelste Zeit für Daniela ist und immer wieder Flashbacks mit sich bringt. Was in den Monaten zwischen August geschieht, können die Leserinnen nur erahnen und sich bruchstückhaft zusammensetzen. Jakub Stanjura erzählt über sieben Jahre hinweg, was Daniela jeweils im August erlebt, was sie denkt und fühlt. Dabei ist die Abwärtsspriale und die steigende Abhängigkeit mehr als spürbar.
Wer sich mit Gaslighting, dessen Ursprung, Verlauf und Konsequenzen in Romanform befassen möchte, ist mit "Da war doch nichts" gut bedient.