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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.11.2025

Roman über Gaslighting

Da war doch nichts
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Daniela wird schon früh in ihrer Kindheit von ihrer Mutter gegaslighted, die ihre Kleidung stets zu heiß wäscht und dann behauptet, Daniela hätte zugenommen. Ihr Schwester Jana erfährt physische Gewalt ...

Daniela wird schon früh in ihrer Kindheit von ihrer Mutter gegaslighted, die ihre Kleidung stets zu heiß wäscht und dann behauptet, Daniela hätte zugenommen. Ihr Schwester Jana erfährt physische Gewalt durch die Mutter, streitet das jedoch permanent ab und bevorzugt, wie der Vater, das Schweigen oder das Abtun durch den Satz "Da war doch nichts". Als Daniela 19 Jahre alt ist, stirbt ihre Mutter und als Leserin könnte man meinen, sie könne nun mit dem Gaslighting abschließen. Doch an der Uni lernt sie Štěpán kennen, geht eine Beziehung mit ihm ein und merkt erst viel zu spät, dass seine Wahrheit für sie die einzige zu sein hat.

Jakub Stanjura hat einen sehr ruhigen Schreibstil und in der deutschen Übersetzung ist die Bedrängnis und die Dringlichkeit, die Danielas Leiden mit sich bringt, deutlich spürbar. Das Schweigen über ihre Kindheit und Jugend ist groß und überträgt sich bis in ihr Erwachsenenleben hinein, sodass das Schreiben und die Gespräche mit Štěpán ihre einzige Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit sich und ihren Erfahrungen ist.

Erzählt wird kapitelweise immer nur im August, der die dunkelste Zeit für Daniela ist und immer wieder Flashbacks mit sich bringt. Was in den Monaten zwischen August geschieht, können die Leser
innen nur erahnen und sich bruchstückhaft zusammensetzen. Jakub Stanjura erzählt über sieben Jahre hinweg, was Daniela jeweils im August erlebt, was sie denkt und fühlt. Dabei ist die Abwärtsspriale und die steigende Abhängigkeit mehr als spürbar.

Wer sich mit Gaslighting, dessen Ursprung, Verlauf und Konsequenzen in Romanform befassen möchte, ist mit "Da war doch nichts" gut bedient.

Veröffentlicht am 28.10.2025

Guter Überblick über Heilpflanzen für Frauen

Mönchspfeffer, Frauenmantel & Co.
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"Mönchspfeffer, Frauenmantel & Co." ist unterteilt in drei Abschnitte. Im ersten wird der Hormonzyklus von Frauen beschrieben und wie er sich in den verschiedenen Lebensphasen, beispielsweise während der ...

"Mönchspfeffer, Frauenmantel & Co." ist unterteilt in drei Abschnitte. Im ersten wird der Hormonzyklus von Frauen beschrieben und wie er sich in den verschiedenen Lebensphasen, beispielsweise während der Pubertät und der Wechseljahre, verändert. Dabei werden nicht nur die inneren, hormonellen Prozesse beschrieben, sondern es wird auch dargestellt, welchhe äußeren Prozesse und Einflüsse wirken können. Im zweiten Teil werden die top fünf Frauenheilpflanzen, Mönchspfeffer, Frauenmantel, Traubensilberkerze, Rosenwurz und Lavendel, ihre Wirkungsmöglichkeit sowie ihre Einsatzmöglichkeiten und Darreichungsformen erläutert. Dabei gefällt mir die Darstellung im Kurzprofil sehr gut. Generell kann ich die Übersichtlichkeit und die strukturierte Darstellung der einzelnen Heilpflanzen und Infos hervorheben. Im dritteln Teil werden dann typische Frauenleiden aufgeführt und näher auf die jeweiligen Beschwerden, deren Hintergründe und Unterstützungsmöglichkeiten eingegangen. Dabei sind beispielsweise Regelschmerzen, PMS, die Menopause oder Blasenprobleme zu nennen.

Mir gefällt, dass der Hormonzyklus im gesamten Lebenszyklus von Frauen betrachtet wird und so einen gesamten Überblick bietet und erklärt, was in welcher Phase genau in Frauen vorgeht und wie wir die Prozesse und Beschwerden durch Heilpflanzen unterstützen oder lindern können. Ein anderer Ansatzpunkt ist dann der, von spezifischen Leiden oder Problemen auszugehen und sich anzulesen und auszuprobieren, was helfen könnte und Verbindungen zu ziehen, wie einzelne Aspekte zusammenhängen und zusammenspielen. Einige Pflanzen, wie Lavendel oder Ginko, hatte ich beispielsweise noch gar nicht auf dem Schirm und konnte ich durch das Buch kennenlernen. Auch die verschiedenen Einsatz- und Wirkweisen von Mönchspfeffer oder Frauenmantel (was mir häufig pauschal empfohlen wurde) fand ich sehr bemerkenswert.

Ein schöner Überblick, der informiert und Hilfsmöglichkeiten an die Hand gibt.

Veröffentlicht am 22.10.2025

Bemerkenswert, clever, satirisch

Das Geschenk
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Eines Morgens tauchen in Berlin plötzlich Elefanten auf - zunächst nur vereinzelt, dann immer mehr. Was zunächst zu Erstaunen, Bewunderung und Faszination bei der Bevölkerung führt, ist sehr bald eine ...

Eines Morgens tauchen in Berlin plötzlich Elefanten auf - zunächst nur vereinzelt, dann immer mehr. Was zunächst zu Erstaunen, Bewunderung und Faszination bei der Bevölkerung führt, ist sehr bald eine politische Herausforderung. Denn wie sich herausstellt, sind die Elefanten ein Geschenk des Präsidenten Botswanas als Antwort auf Deutschlands Einfuhrverbot von Jagdtrophäen, mit dem sie vielen Menschen in Botswana die Lebensgrundlage nehmen. Die Botschaft des Präsidenten ist klar: Er hat Deutschland 20.000 Elefanten geschickt, die weder getötet noch eingesperrt werden dürfen und verlangt, dass Deutschland sich um sie kümmern solle, wenn es ihnen vorschreiben wolle, wie sie zu Leben hätten.

Was als Idee zum Schmunzeln begann, nimmt sehr schnell eine politisch bedeutsame Ebene an und endet in einem satirischen Gedankenspiel, das Parallelen zur Politik und Gesellschaft aufzeigt. Gaea Schoeters stellt umfänglich dar, was es politisch, moralisch und ökonomisch bedeutet, wenn plötzlich Elefanten im Stadtbild sind, die Infrastrukturen und die Landwirtschaft und das Ökosystem beeinflussen. Der Schreibstil ist flüssig und humorvoll, sodass ich das Buch in einem Rutsch gelesen habe.
Ein bemerkenswertes, cleveres und satirisches Werk.

Veröffentlicht am 22.10.2025

Schöne Second-Chance-Story

Variation – Für immer oder nie
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Nach einer schweren Verletzung kehrt die Ballettänzerin Allie Rousseau zurück nach Cape Cod, um sich dort zu regenerieren und den Sommer mit ihrer Schwester zu verbringen. In Cape Cod läuft sie jedoch ...

Nach einer schweren Verletzung kehrt die Ballettänzerin Allie Rousseau zurück nach Cape Cod, um sich dort zu regenerieren und den Sommer mit ihrer Schwester zu verbringen. In Cape Cod läuft sie jedoch auch Hudson über den Weg, mit dem sie als Jugendliche eng befreundet war und der sie vor dem Ertrinken gerettet hat und heute Rettungsschwimmer ist. Allerdings hat er Allie damals sang- und klanglos verlassen und war nach dem Tod ihrer Schwester nicht für sie da. Nun sucht Hudsons Nichte nach ihrer leiblichen Mutter und vermutet, dass es sich dabei um Allie handelt, weshalb sie sich nun wieder mit Hudson umgeben muss, um seiner Nichte zu helfen.

Ein schöner Roman über zweite Chancen, angesiedelt in der Welt des Balletts. Rebecca Yarros kannte ich bis dato nicht und wusste auch wenig über Ballett - abgesehen von dem starken Druck, immenser Disziplin und dem harten Konkurrenzkampf, die auch hier immer wieder thematisiert werden. Neben der Beziehungsgeschichte um Allie und Hudson sowie der Familiengeschichte rund um die Rousseaus und der biologischen Herkunft von Husons Nichte geht es auch um die Beziehungsdynamiken zwischen den einzelnen Figuren, Selbstliebe, Akzeptanz und Machtgefüge.
Ein schöner Roman, der Figuren mit Tiefe und eine Geschichte beinhaltet, die nicht nur durch Leichtigkeit geprägt ist.

Veröffentlicht am 22.10.2025

Die Fragen des Lebens ab 50

Ja, nein, vielleicht
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Die namenlose Erzählerin ist in ihren 50ern - die Kinder sind ausgezogen, Kontakt zum Kindsvater besteht schon lange nicht mehr und sie selbst hat sich ein ruhiges Leben eingerichtet. Zum einen hat sie ...

Die namenlose Erzählerin ist in ihren 50ern - die Kinder sind ausgezogen, Kontakt zum Kindsvater besteht schon lange nicht mehr und sie selbst hat sich ein ruhiges Leben eingerichtet. Zum einen hat sie ihren Hund, zum anderen die Stadtwohnung in Wien und ein gemütliches Häuschen auf dem Land. Begonnen wird mit Zahnproblemen, die regelmäßige und schmerzhafte Besuche in der Zahnärztinnenpraxis nach sich ziehen. Außerdem nistet sich Schwester Paula in der Stadtwohnung in Wien ein, reagiert dann jedoch auf keine Anrufe und hat einen unbekannten Mann mit in der Wohnung, obwohl sie liiert ist. Als die Erzählerin im Supermarkt unvermittelt ihrer alten Liebe Friedrich gegenübersteht, kommen nicht nur alte Erinnerungen hoch, sondern auch die Fragen danach, wie sie ihr Leben gestalten möchte, was sie gerade hat, ob sie damit zufrieden ist, sich Veränderung wünscht und ob sie Friedrich noch einmal in ihr Leben lassen soll.

Doris Knecht erzählt "Ja, nein, vielleicht" sehr ruhig und langsam. Es passiert tatsächlich nicht viel, die Zahnärzt
innenbesuche rücken immer mehr in den Hintergrund, genau wie Friedrich stellenweise. Der Hauptteil des Buches sind neben den Erinnerungen an damals und die Familienverhältnisse die Fragen nach Belanglosigkeiten und nach Bedeutungen im Leben. Ich kann mir vorstellen, dass diese Fragen insbesondere für Frauen über 50, wenn die Kinder aus dem Haus sind und vielleicht kein Partner mehr da ist, relevant sind. Doris Knecht hat eine gute Beobachtung zwischen Selbstfindung und Selbstbestimmung geschaffen, die mich wegen der Belanglosigkeiten (in meinen Augen) stellenweise gelangweilt haben und an einigen Stellen mehr Tempo hätten vertragen können.