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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.12.2021

Ein bisschen zu bayerisch und nicht genug Biss

Betongold
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Bei dem Titel "Betongold" und der Erwähnung von Immobiliengeschäften im Klappentext hatte ich so etwas ähnliches erwartet, wie den Kreuzberg Blues von Wolfgang Schorlau, in dem es auch um Entmietung und ...

Bei dem Titel "Betongold" und der Erwähnung von Immobiliengeschäften im Klappentext hatte ich so etwas ähnliches erwartet, wie den Kreuzberg Blues von Wolfgang Schorlau, in dem es auch um Entmietung und Immobilien-Haie ging - ein packender, hochaktueller Politkrimi! Bei Tanja Weber geht es etwas behäbiger zu - die Thematik der Bauspekulationen wird zwar auch angesprochen, aber eine größere Rolle spielt die alte Freundschaft zwischen einem Bauunternehmer, "der Schani", einem Frührentner und Ex-Polizisten mit Morbus Bechterew, "der Smokey" und einem verwitweten Kneipenwirt und ehemaligem Weltreisenden, "der Moni".
Der Bauunternehmer mit Dreck am Stecken wird tot aufgefunden und sein alter Freund der Ex-Bulle versucht zu ergründen, was passiert ist, wie es dazu kommen konnte. Und sticht in ein Wespennest ob der zahllosen Verstrickungen der handelnden Personen. Sein Freund Schani war für ihn nicht eindeutig ein Böser, er hatte auch seine guten Seiten, nicht schwarz oder weiß, eher grau ...
Richtig spannend wird es dabei leider nicht, und obwohl ich anfangs noch recht wohlgemut am Lesen war, ging mir der umgangssprachliche Schreibstil immer mehr gegen den Strich, denn alle auftretenden Personen sind immer "der" oder "die" plus Spitzname. Mich konnte dieser sehr bayerische Krimi nicht so recht überzeugen und ich fand den Titel eher etwas irreführend. Wenn jemand einen spannenden Krimi über unsaubere Immobiliengeschäfte lesen möchte, würde ich ihn eher nach Berlin Kreuzberg als nach München Giesing schicken!

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Veröffentlicht am 24.11.2021

Urkomisch und gleichzeitig todtraurig

Barbara stirbt nicht
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Barbara ist seit ca. 50 Jahren die Ehefrau von Herrn Schmidt, Walter Schmidt. Die Geschichte wird größtenteils aus Herrn Schmidts Perspektive geschildert und wir Leser habe teil an seinen Gedankengängen. ...

Barbara ist seit ca. 50 Jahren die Ehefrau von Herrn Schmidt, Walter Schmidt. Die Geschichte wird größtenteils aus Herrn Schmidts Perspektive geschildert und wir Leser habe teil an seinen Gedankengängen. Als eines Morgens beim Aufwachen nicht der übliche Kaffeeduft durchs Haus schwebt, ist Herr Schmidt irritiert. Ist Barbara tot umgefallen? Nun ja, sie ist umgefallen, aber nicht tot, liegt im Badezimmer und braucht Hilfe beim Aufstehen. Er bringt sie ins Bett und da bleibt sie von nun an. Herr Schmidt - ein Meister im Verleugnen und Verdrängen - nimmt den Ernst der Lage nicht zur Kenntnis und ist der Meinung, wenn Barbara nur genug äße, ginge es ihr bald wieder gut. Nun hat Herr Schmidt bislang im Haushalt noch nie einen Finger gerührt und es wirkt rührend wie er, der nicht einmal weiß, wie man Kaffee kocht, allmählich mit etwas Hilfe von außen kochen lernt. Da wir seinen Gedanken folgen können, erschließt sich allmählich auch die Vorgeschichte der Schmidtschen Ehe.
Alina Bronsky beschreibt diesen Herrn Schmidt mit viel schwarzem Humor und schafft es, dass einem dieser eigentlich sehr unsympathische Protagonist sogar irgendwie ans Herz wächst. Es ist höchst amüsant, sein Verhältnis anderen Menschen gegenüber, seine Gedanken über diese Menschen und sein eingeschränktes Weltbild zu beobachten. Aber irgendwann wird das Amüsement von Mitleid unterwandert. Denn eigentlich ist Herr Schmidt kein schlechter Mensch, sondern nur ein armes Würstchen, gefangen in den Konventionen, die er von seiner Erziehung und seiner Herkunft her mit auf den Weg bekommen hat. Nun fängt er sogar an, durch Barbaras Krankheit bedingt, im letzten Abschnitt seines Lebens ein wenig über sich selbst hinauszuwachsen.
„Kaum jemand kann so böse, so witzig und rasant von eigenwilligen und doch so liebenswerten Charakteren erzählen wie Alina Bronsky“ hieß es im Verlagstext zu Bronskys "Der Zopf meiner Großmutter". Die besagte Großmutter fand ich damals alles andere als liebenswert, aber in Bezug auf Walter Schmidt kann ich dieser Beschreibung zustimmen. Alina Bronsky beherrscht ihr Handwerk meisterhaft und schafft es, mit wenigen Pinselstrichen die von ihr beschriebenen Charaktere auf den Punkt zu bringen. Eine großartige, sehr unterhaltsame Tragikomödie!

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Veröffentlicht am 15.11.2021

Honig international: Pantscherei und genmanipulierte Bienen

Goldenes Gift
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Der Stadtimker Pol Schneider ist tot, anscheinend vom Dach eines Hochhauses gefallen, auf dem er Bienenstöcke platziert hatte. Da der Luxemburger Koch Xavier Kieffer auch in einige seiner Bienenstöcke ...

Der Stadtimker Pol Schneider ist tot, anscheinend vom Dach eines Hochhauses gefallen, auf dem er Bienenstöcke platziert hatte. Da der Luxemburger Koch Xavier Kieffer auch in einige seiner Bienenstöcke investiert hat und der Imker ihm noch eine Menge Honig schuldete, beginnt er, sich mit dem Fall zu befassen. Seine Freundin Valerie Gabin ist gerade in den USA unterwegs und beobachtet dort zufällig den Raub einiger Bienenstöcke. So sind beide auf das Thema Honig und Bienen gestoßen, sie ermitteln gemeinsam und einzeln weiter.

Und haben damit in das sprichwörtliche Wespennest, ... äh oder besser den Bienenkorb, gestochen. Um das Geschäft mit dem Honig noch lukrativer zu gestalten, wird länderübergreifend ziemlich viel kriminelle Energie eingesetzt und speziell Valerie, die zu impulsiven und leichtsinnigen Aktionen neigt, bringt sich des öfteren in große Gefahr. Auch Xaviers Aktionen sind nicht gerade ungefährlich und er hat wiederholt mit Angiffen aggressiver Bienen zu kämpfen. Die Spuren, die die beiden aufdecken, sind vielfältig und etwas verwirrend, schwer zu deuten, was dahinter steckt. Auch als Leser tappt man lange im Dunkeln. Doch es bleibt spannend und interessant, denn Dank Hillenbrands guter Recherche erhält man viele Einblicke in die Machenschaften der Lebensmittelindustrie und wird in Zukunft etwas kritischer sein beim Honigkauf.

Als langjährige Leserin der Reihe konnte ich schnell wieder in Xaviers Welt und seine Luxemburger Umgebung eintauchen. Valerie spielt in diesem Band eine etwas aktivere Rolle als früher, Xaviers finnischer Freund, der weinselige Pekka Vatanen sorgt für den "Comic Relief", der Schreibstil ist spannend und gut lesbar. Am Ende sind alle Unklarheiten beseitigt, der Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Puzzle-Teilchen werden offensichtlich. Dies ist wohl der bisher actionreichste Kieffer-Krimi, wobei der Autor es damit für meinen Geschmack etwas übertrieben hat. Vielleicht nicht der beste Band der Reihe, aber doch eine informative, spannende und unterhaltsame Lektüre!

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Veröffentlicht am 15.11.2021

Wohlfühlroman an der Grenze zum Kitsch

Das geheime Leben des Albert Entwistle
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Dieser Roman hat zwiespältige Gefühle in mir ausgelöst. Er wird als "Eine herzerwärmende Feel-Good-Geschichte über einen Postboten mit Sozialphobie" vermarktet. Und natürlich ist es herzerwärmend, wenn ...

Dieser Roman hat zwiespältige Gefühle in mir ausgelöst. Er wird als "Eine herzerwärmende Feel-Good-Geschichte über einen Postboten mit Sozialphobie" vermarktet. Und natürlich ist es herzerwärmend, wenn ein trauriges Schicksal sich zum Guten wendet. Der Autor schreibt gut, die Geschichte liest sich sehr gefällig, aber es ist zu viel des Guten: die Menschen, die Albert zu diesem Zeitpunkt seines Lebens begegnen, sind einfach zu freundlich, zu herzlich, zu hilfsbereit; Albert selbst ist Mitte 60 und ändert sich plötzlich total, ausgelöst durch den bevorstehenden Renteneintritt und den Tod seiner geliebten Katze. Ich hatte aus dem Verlagstext geschlossen, dass er vielleicht unter einem Asperger-Syndrom leidet. Das ist nicht der Fall, aber auch eine Sozial-Phobie ist eine Krankheit, die nicht so einfach von heute auf morgen verschwindet. Das geht alles viel zu einfach, ein seit 50 Jahren eingeübtes Verhalten legt man nicht so schnell ab.
Nach einem einschneidenden Erlebnis in seiner Jugend (ich will hier nicht spoilern), hat Albert sich mehr und mehr in sich zurückgezogen, lebt nur für seine Arbeit als Postbote, die immer gleiche Routine gibt ihm Halt. Kontakte beschränkt er auf das Nötigste, einzige Gesellschaft ist seine Katze, die aber schon recht alt ist und dann leider stirbt. Albert fällt in ein tiefes Loch und zieht sich dann quasi am eigenen Zopf wieder heraus, das hat mich gefreut und ich habe es einerseits gern gelesen und ihm gegönnt, andererseits aber nie das Gefühl abschütteln können, dass das alles vollkommen unrealistisch ist, ein Märchen. Albert macht eine komplette Kehrtwendung. Ab einem gewissen Zeitpunkt wird dann alles sehr vorhersehbar.
Der Roman wechselt die Zeitebenen, einmal das Hier und Jetzt, einmal Erinnerungen an seine Teenagerzeit, an das Ereignis, das ihn zu dem gemacht hat, der er heute ist.
Fazit: Eine schöne Geschichte, aber mir tropfte da zu viel Zuckerguss aus den Seiten, zu viel Friede, Freude, Eierkuchen. Ein Erbauungsroman sozusagen. Wer sich auf Märchen einlassen kann, dem wird diese durch und durch positive Geschichte gefallen!

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Veröffentlicht am 29.10.2021

Die zweite königliche Ermittlung: Macht richtig Spaß!

Die unhöfliche Tote
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Wie auch beim ersten Band dieser Reihe ist das Cover dieses Buches um Klassen gelungener als beim englischen Original. Was man vom einfallslosen deutschen Titel allerdings nicht behaupten kann!
Da ich ...

Wie auch beim ersten Band dieser Reihe ist das Cover dieses Buches um Klassen gelungener als beim englischen Original. Was man vom einfallslosen deutschen Titel allerdings nicht behaupten kann!
Da ich den ersten Band schon sehr genossen hatte, habe ich voller Vorfreude zu lesen angefangen und wurde nicht enttäuscht. Das Buch ist aktuell in Bezug auf politische Entwicklungen, sehr unterhaltsam mit reichlich britischem Humor, spannend und informativ. Und vor allem ist es nicht seicht, was man bei der Thematik ja befürchten könnte. Die Autorin hat offensichtlich gut recherchiert, denn das Leben bei Hofe wirkt sehr authentisch geschildert (soweit man das als Laie beurteilen kann).
Die Geschichte spielt im Jahr 2016 kurz nach dem Brexit-Referendum und kurz vor der Wahl in den USA. Es geht um ein eher wertloses verschwundenes Gemälde aus der Sammlung der Queen, an dem sie aber aus sentimentalen Gründen sehr hängt, um eine bei ihren Kollegen eher unbeliebte Haushälterin, die ermordet aufgefunden wird, Drohbriefe und Mobbing unter den Palastangestellten. Als Rozie - die stellvertretende Privatsekretärin der Queen - in deren Auftrag zu ermitteln beginnt, kommt es zu weiteren Morden und der Entdeckung von langjährigem Diebstahl im großen Stil.
Natürlich darf die Queen nicht offiziell als Ermittllerin in Erscheinung treten. Rozies Erkenntnisse müssen den dafür zuständigen Angestellten "untergejubelt" werden, so dass diese am Ende das Gefühl haben, sie hätten die Verbrechen selbst aufgeklärt. Die Queen selbst kann nicht viel tun, ist aber sehr gut darin, aus Rozies Ergebnissen die richtigen Schlüsse zu ziehen. Es gibt auch reichlich irreführende Spuren, "Red Herrings", aber am Ende ist alles zufriedenstellend gelöst, keine offenen Enden.
Natürlich ist alles Fiktion, aber als Leser hat man das Gefühl, dass sich eine solche Geschichte durchaus so abgespielt haben könnte. Die Queen wirkt sehr sympathisch, man hat häufig an ihren Gedankengängen teil, Prinz Philip, der damals noch am Leben war, lässt auf gewohnt leicht ruppige Art seine zum Teil sehr komischen Bemerkungen los, man erfährt einiges mehr über Rozie und auch die anderen wesentlichen Personen sind gut gezeichnet, der Schreibstil ist sehr gefällig, aber nicht platt. Ich hoffe auf weitere Abenteuer dieses ungewöhnlichen Ermittlerpaares! Klare Leseempfehlung, vor allem für Fans des gepflegten britischen Cosy-Krimis.

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