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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.03.2026

Unterhaltsamer Gesellschaftsroman, der ein klein wenig mehr Tiefgang vertragen hätte

Einatmen. Ausatmen.
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Marlene Buchholz hatte die sprichwörtliche „schwere Kindheit“ mit einer gefühlskalten, dominanten Mutter. Das hat sie einerseits zu einem Gefühlskrüppel, andererseits zu einem effizienten Arbeitstier gemacht. ...

Marlene Buchholz hatte die sprichwörtliche „schwere Kindheit“ mit einer gefühlskalten, dominanten Mutter. Das hat sie einerseits zu einem Gefühlskrüppel, andererseits zu einem effizienten Arbeitstier gemacht. So ist sie zur designierten Nachfolgerin ihres Chefs aufgestiegen, sie hält die Firma erfolgreich am Laufen. Allerdings eckt sie häufig bei ihren Kollegen und Untergebenen an, denn es mangelt ihr erheblich an den Social Skills, die für eine erfolgreiche Personalführung vonnöten sind. Deshalb lässt ihr der Chef keine Wahl: ohne Teilnahme an einem Achtsamkeitsseminar - in dem ihre Ecken und Kanten abgeschliffen werden sollen – keine Karriere.
In einem Brandenburger Schloss trifft sie dann auf den Supercoach Alex Grow, der allerdings selbst an der Grenze zum Burnout und zur Sinnkrise steht. Der daraus resultierenden finanzielle Engpass könnte durch den Deal mit Marlenes Chef aufgehalten werden.
Die Kapitel handeln im Wechsel aus der Sicht der beiden Protagonisten. Auf humorvolle und unterhaltsame Weise werden jede Menge Klischees abgearbeitet und die Geschichte nimmt ihren erwartbaren Lauf: Marlenes Schutzpanzer bricht durch einige skurrile Zusammentreffen allmählich auf und auch Alex findet zu neuem Lebensmut. Wie es dazu kommt, schildert uns der Autor äußerst amüsant und gelungen. Er hält uns mit liebevollem Spott einen Spiegel vor und bereitet uns großes Lesevergnügen, regt aber auch zum Nachdenken an. Aber nicht zu viel, so dass es eine unterhaltsame Lektüre bleibt! Etwas mehr Tiefgang hätte vielleicht nicht geschadet, aber auch so gibt es von mir eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Wieder ein spannender Krimi im Krimi

Tod zur Teestunde
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Susan Ryeland ist wieder da! Und wieder geht es um einen Kriminalroman um den Stardetektiv Atticus Pünd, dessen Autor im ersten Teil der Reihe getötet wurde und seine Lektorin Susan Ryeland mit einem unvollendeten ...

Susan Ryeland ist wieder da! Und wieder geht es um einen Kriminalroman um den Stardetektiv Atticus Pünd, dessen Autor im ersten Teil der Reihe getötet wurde und seine Lektorin Susan Ryeland mit einem unvollendeten Krimi zurückließ. Da ihr alter Verlag auch nicht mehr existierte, war sie mit ihrem griechischen Freund nach Kreta gezogen, um dort mit ihm ein Hotel zu führen. Aber das neue Leben war doch nicht wirklich nach ihrem Geschmack gewesen und so ist sie nun wieder in London und versucht in ihrem alten Metier Fuß zu fassen. Ihr neuer Verleger hat die Idee, Atticus Pünd wieder aufleben zu lassen und hat dafür einen eher erfolglosen Krimiautor engagiert, der aber einen großen Namen trägt - er ist der Enkel einer sehr populären Kinderbuchautorin! Die ersten Kapitel gefallen Susan recht gut, sie kann sich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass der junge Mann beim Schreiben seine persönlichen Familienprobleme verarbeitet, besonders Probleme mit seiner berühmten Großmutter! Und dann wird er ermordet... Der Roman hat anfangs zwar einige kleine Längen, denn die zahlreichen Personen und die Situation müssen eingeführt werden. Aber die Geschichte entwickelt sich mit unerwarteten Wendungen und wird immer spannender. Und wie alles, was Anthony Horowitz schreibt, ist das ganze Setting very british und sehr humorvoll und mit Niveau geschrieben.
Es gibt ein sehr befriedigendes Ende, und vermutlich wird Susan ein ausgefülltes und glückliches Leben führen, aber wohl eher nicht nochmal als Romanfigur erscheinen. Aber wer weiß! Jedenfalls ein Krimi ganz nach meinem Geschmack, den ich Cosy-Lesern uneingeschränkt empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Vom argentinischen Schuhpalast ins kanadische Seemannsheim

Mr. Saitos reisendes Kino
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Eigentlich hatte mich die Autorin schon mit dem ersten Satz: Ich wurde 1927 auf einer Tanzfläche in Buenos Aires gezeugt – wenn das kein toller Anfang ist!
Zuerst war ich ganz begeistert von der üppigen ...

Eigentlich hatte mich die Autorin schon mit dem ersten Satz: Ich wurde 1927 auf einer Tanzfläche in Buenos Aires gezeugt – wenn das kein toller Anfang ist!
Zuerst war ich ganz begeistert von der üppigen Erzählweise, und nahm Anteil am Schicksal der beiden Protagonistinnen. Lita wächst in den ersten Jahren ihres Lebens in dem Nonnenkloster in Buenos Aires auf, in dem schon ihre schuh- und tangoverrückte, blutjunge Mutter Fabiola groß geworden war. Später leben die beiden dann im Lagerraum des El Palacio del Zapatos, dem exquisiten Schuhgeschäft, dessen beste Verkäuferin Fabiola ist. Berichtet wird uns das aus der Perspektive der kleinen Lita. Doch dann ließ mein Interesse allmählich nach. Der Spannungsbogen fehlte mir und die endlos aneinandergereihten Episoden und Anekdoten plätscherten an mir vorbei. Vieles liest sich wirklich sehr nett, es ist alles ganz hinreißend und skurril, vielleicht manchmal etwas zu gewollt skurril. Ich wollte das Buch wirklich mögen, ich wollte auch durchhalten, aber dann trat regelrecht eine Art Leseblockade bei mir ein, ich hatte keine Lust, zu lesen, habe immer wieder versucht, mich dazu zu zwingen, weiterzulesen, aber es hat nicht geklappt, das Buch hat bei mir keinen Sog entwickelt.
Fabiola und Lita mussten Argentinien verlassen und gelangten auf abenteuerliche Weise per Schiff auf eine dünn besiedelten Insel gegenüber von Neufundland. Lita findet in der kleinen Oona eine gleichaltrige Freundin und Fabiola verkauft nun eher Holzschuhe statt High Heels. Weiter bin ich dann nicht gekommen, den titelgebenden Mr. Saito habe ich noch nicht kennen gelernt, aber nachdem ich für etwas mehr als hundert Seiten fast fünf Wochen gebraucht habe, habe ich die Lektüre abgebrochen, etwas , was ich wirklich nur ganz selten tue! Ich fand das Buch gar nicht schlecht, aber es hat mich irgendwie nicht gepackt und ich konnte es einfach nicht lesen. Dabei bin ich eigentlich neugierig, wie die Geschichte sich weiter entwickelt, vielleicht schaffe ich es irgendwann nochmal in einem zweiten Anlauf. Und wie ich bemerkt habe, sind die meisten anderen Rezensionen positiv bis begeistert. Das ist also mein ganz persönliches Problem. Und obwohl ich diese Schwierigkeiten hatte, soll das kein Verriss sein und ich gebe für die fantasievolle Geschichte 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 18.11.2025

Ein Leben in Wien zwischen Gemeindebau und Grand Hotel

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Eine tolle, ausufernd erzählte Lebensgeschichte liefert uns Vea Kaiser in diesem Buch. Angelika Moser, aufgewachsen in einem Gemeindebau, in dem ihre Mutter Hausmeisterin war, schafft letztendlich den ...

Eine tolle, ausufernd erzählte Lebensgeschichte liefert uns Vea Kaiser in diesem Buch. Angelika Moser, aufgewachsen in einem Gemeindebau, in dem ihre Mutter Hausmeisterin war, schafft letztendlich den sozialen Aufstieg durch ihren Job als Buchhalterin im Grand Hotel, wenn auch mit unlauteren Mitteln.
Ursprünglich hatte der Hoteldirektor sie um eine kreative Buchhaltung gebeten, um das Hotel aus einer finanziellen Schieflage zu retten. So hatte sie - mit offiziellem Segen - gelernt wie man das macht. Und peu à peu „leiht“ sie sich im Laufe der Jahre immer mehr aus der Kasse des Hotels und fliegt ewig lange nicht damit auf. Denn sie ist eine geschätzte Mitarbeiterin, der man vertraut.
Dass sie irgendwann erwischt wird, weiß man aus dem Klappentext, aber das passiert erst ganz am Ende des Buches und zwar auf relativ undramatische, fast antiklimaktische Weise.
Vorher haben wir teil an Angelikas Leben, das uns in großer Ausführlichkeit geschildert wird. Das hemmungslose Fabulieren ist Vea Kaisers großes Talent, wir erfahren sehr viel über Angelika und zahlreiche Personen aus ihrem Umfeld, die alle zum Leben erwachen, realitätsnah und humorvoll beschrieben.
Als Angelika viele Jahre später mit ihrem Sohn den Wiener Opernball besucht, hat sie das Gefühl, endlich angekommen zu sein und merkt dann doch, dass sie immer noch nicht dazugehört.
Auch wenn die Protagonistin über beträchtliche kriminelle Energien verfügt, wächst sie einem doch ans Herz und man kann bis zu einem gewissen Punkt ihr Handeln nachvollziehen. Mit beeindruckendem Kampfgeist pariert sie alle Schicksalsschläge und bedient sich immer exzessiver aus der Hotelkasse.
Die Autorin zeichnet ein gesellschaftskritisches Sittenbild des Wiens der Achtziger Jahre bis in die Jetztzeit, lebendig, authentisch, humorvoll und unterhaltsam. Als Grundlage dient eine wahre Begebenheit, die aber mit weitgehender künstlerischer Freiheit dargestellt wurde.
Ich habe den Roman insgesamt mit großem Vergnügen gelesen, auch wenn er teilweise ein wenig zu weitschweifig wurde, was aber andererseits zum besseren Verständnis der handelnden Personen beitrug. Ich hatte bisher nur den „Rückwärtswalzer“ von Kaiser gelesen, der mir noch eine Spur besser gefallen hat als Fabula Rasa, kann aber auch dieses Buch als lebenspralle Familiensaga mit Wiener Flair wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 31.10.2025

Landhauskrimi - leider mehr gewollt als gekonnt!

Die Einladung – Mord nur für geladene Gäste
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Das Setting und die Grundidee sind nicht schlecht, aber insgesamt hat mich dieser Cosy Krimi nicht überzeugen können. Ein interessantes Ermittlerinnen-Duo, bestehend aus verwitweter Großmutter (Mimi) und ...

Das Setting und die Grundidee sind nicht schlecht, aber insgesamt hat mich dieser Cosy Krimi nicht überzeugen können. Ein interessantes Ermittlerinnen-Duo, bestehend aus verwitweter Großmutter (Mimi) und deren Enkelin. Addie, die Enkelin, hat mit ihrem Freund/Geschäftspartner Brian ein höchst erfolgreiches Videospiel kreiert, ist dann von diesem aber gnadenlos über den Tisch gezogen und ausgebootet worden.

Mimi hat eine erpresserische Einladung zu einer exklusiven Hausparty inklusive Auktion erhalten, ist verunsichert und nimmt Addie daher dorthin mit. Die Gastgeberin wird ermordet und alle Gäste könnten ein Motiv für diesen Mord haben. Das Wetter (ein Schneesturm) zwingt die Gäste dort zu bleiben. Im weiteren Verlauf gibt es noch 2 Tote und Mimi und Addie übernehmen die Rolle der Ermittler, denn die Polizei kann bei diesem Wetter auch nicht dorthin gelangen.

Über Addie und Mimi erfahren wir Leser eine ganze Menge, aber die restlichen Protagonisten bleiben recht blass und farblos. Daher hatte ich bis zum Ende keine Theorie über den möglichen Täter. Die beiden interviewen sämtliche Anwesenden, kommen aber nicht wirklich weiter. Erst ganz am Ende werden alle zusammengerufen und Addie und Mimi enthüllen in Poirotscher Manier allerlei Fakten und überführen den - völlig unerwarteten - Täter. Das wirkt alles etwas überhastet und wir haben als Leser an diesen plötzlich aus dem Hut gezauberten Erkenntnissen vorher nicht teilgehabt.

Positiv anzumerken sind der flüssige Schreibstil, die teilweise recht witzigen Dialoge und die Bezüge zur Gamer-Welt. Auch gibt es literarische Zitate, denn Addie ist eine eingefleischte Krimileserin und auch bei ihrem Videospiel handelt es sich um eine Mörderjagd. In einem Nebenstrang geht es um die Gründe für die Erpressbarkeit der Gäste, die alle erpresst wurden, an der Party und der Auktion teilzunehmen. Besonders die Geschichte von Mimi gibt ein interessantes Thema ab.

Also eine ganz nette Lektüre für zwischendurch, aber insgesamt doch irgendwie unrund. Und die Leser bekommen nicht genug Informationen, um erfolgreich miträtseln zu können.

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