Unterhaltsamer Gesellschaftsroman, der ein klein wenig mehr Tiefgang vertragen hätte
Einatmen. Ausatmen.Marlene Buchholz hatte die sprichwörtliche „schwere Kindheit“ mit einer gefühlskalten, dominanten Mutter. Das hat sie einerseits zu einem Gefühlskrüppel, andererseits zu einem effizienten Arbeitstier gemacht. ...
Marlene Buchholz hatte die sprichwörtliche „schwere Kindheit“ mit einer gefühlskalten, dominanten Mutter. Das hat sie einerseits zu einem Gefühlskrüppel, andererseits zu einem effizienten Arbeitstier gemacht. So ist sie zur designierten Nachfolgerin ihres Chefs aufgestiegen, sie hält die Firma erfolgreich am Laufen. Allerdings eckt sie häufig bei ihren Kollegen und Untergebenen an, denn es mangelt ihr erheblich an den Social Skills, die für eine erfolgreiche Personalführung vonnöten sind. Deshalb lässt ihr der Chef keine Wahl: ohne Teilnahme an einem Achtsamkeitsseminar - in dem ihre Ecken und Kanten abgeschliffen werden sollen – keine Karriere.
In einem Brandenburger Schloss trifft sie dann auf den Supercoach Alex Grow, der allerdings selbst an der Grenze zum Burnout und zur Sinnkrise steht. Der daraus resultierenden finanzielle Engpass könnte durch den Deal mit Marlenes Chef aufgehalten werden.
Die Kapitel handeln im Wechsel aus der Sicht der beiden Protagonisten. Auf humorvolle und unterhaltsame Weise werden jede Menge Klischees abgearbeitet und die Geschichte nimmt ihren erwartbaren Lauf: Marlenes Schutzpanzer bricht durch einige skurrile Zusammentreffen allmählich auf und auch Alex findet zu neuem Lebensmut. Wie es dazu kommt, schildert uns der Autor äußerst amüsant und gelungen. Er hält uns mit liebevollem Spott einen Spiegel vor und bereitet uns großes Lesevergnügen, regt aber auch zum Nachdenken an. Aber nicht zu viel, so dass es eine unterhaltsame Lektüre bleibt! Etwas mehr Tiefgang hätte vielleicht nicht geschadet, aber auch so gibt es von mir eine Leseempfehlung.