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Veröffentlicht am 15.02.2023

Berufung oder Liebe

Die Dorflehrerin
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War es gefühlt nicht erst gestern, als ich die junge Waise Antonie Weber vor einem Jahr kennenlernte und sie bei Ihrem Kampf um Anerkennung und Zugehörigkeit im kleinen Bergdorf Tannau begleitet habe? ...

War es gefühlt nicht erst gestern, als ich die junge Waise Antonie Weber vor einem Jahr kennenlernte und sie bei Ihrem Kampf um Anerkennung und Zugehörigkeit im kleinen Bergdorf Tannau begleitet habe? Es war ein langer, steiniger Weg, doch schlussendlich hatte auch der letzte Dorfbewohner sie ins Herz geschlossen. Jede Hürde und Herausforderung hat Antonie nur noch stärker werden lassen, denn Lehrerin zu sein ist ihre Berufung. Da sind sich nunmehr alle sicher.

Sieben Jahre unterrichtet Antonie mittlerweile in Tannau, sie ist fester Bestandteil des Dorfes und allseits beliebt für ihre Hilfsbereitschaft und ihr Talent die Kinder mit Liebe und Lob fürs Lernen zu begeistern. Einzig der neue Pfarrer Porz, der auch die Schulaufsicht unter sich hat, lässt kein gutes Haar an ihr. Dessen Ansichten und Anschuldigen gegenüber Antonie sind wirklich ungeheuerlich, so dass mir oft das ein oder andere Schimpfwort laut über die Lippen kam.
Auch in Tannau sind die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs allgegenwärtig. Jeder verfügbare Mann wurde eingezogen, so auch der Revierförster Sebastian Berger, für den immer noch Antonies Herz schlägt. Sämtliche Arbeit bleibt an den Frauen und Kindern des Dorfes hängen. Zur Erschöpfung kommt noch der stetige Hunger, da Lebensmittel rar sind.

Nach wie vor steht Antonie in engem Kontakt zu ihrer Freundin, der ehemaligen Lehrerin Elvira, die mit Mann und zwei Söhnen ihr Glück in München gefunden hat. Doch Elvira ist mehr als Mutter und Hausfrau, sie kämpft ohne das Wissen ihrer Familie für den Frieden und beteiligt sich an Aktionen der Sozialisten. In der gesellschaftlich hoch angesehenen Frau von Wolfbrück findet sie eine Freundin und Gleichgesinnte im Bemühen für Frieden und der Verbesserung der Frauenrechte.

Während Antonie bei Elvira in München eine Auszeit nimmt, bricht dort die Novemberrevolution aus. Nach einer schicksalhaften Begegnung steht Antonie erneut vor einer Entscheidung, die Auswirkungen auf ihr weiteres Leben hat.

Die Autorin Bettina Seidl schafft es erneut, mich mit ihrem ruhigen, jedoch fesselnden Schreibstil einzunehmen. Mit ungeheurer Präsenz habe ich jede Handlung, sei es in Tannau oder München miterlebt. Das kleine Bergdorf Tannau wurde vor meinem geistigen Auge lebendig, als wäre ich selbst dort. Neben dem starken Charakter Antonie hat auch Elvira eine immense Entwicklung vollzogen. Ich hatte meine Freude daran, wie sie sich für ihre Wünsche und Ansichten ins Zeug gelegt. Vielen Dank, dass ihr so viel Raum zur Entfaltung gegeben wurde.

Viel zu schnell musste ich von allen mir lieb gewordenen Charakteren Abschied nehmen, dabei würde mich brennend interessieren, wie es ihnen weiterhin ergeht. Liebe Bettina Seidl und lieber dtv Verlag, ich spreche bestimmt vielen LeserInnen aus dem Herzen, wir würden uns auf ein Wiedersehen freuen.

Von mir eine ganz klare Leseempfehlung mit vollen 5 Sternen.

Mein Fazit:
Mit ZWISCHEN STILLE UND STURM hat Bettina Seidl eine perfekte Fortsetzung der historischen Saga Die Dorflehrerin geschaffen. Authentische Handlungen und liebevoll ausgestaltete Charaktere machten jede Zeile zu einem Lesevergnügen. Ich habe mit Herz und Seele mitgefiebert, gelacht, geweint und gehofft. Danke dafür!

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Veröffentlicht am 17.01.2023

Gemächlicher Thriller mit Hammer-Ende

Das College
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Mit diesem Buch wagte ich wieder einen Ausflug ins wenig besuchte Thriller-Genre, wobei mich als England-Fan der Tatort eines Oxforder Colleges entscheidend beeinflusst hat.

Dank des flüssigen Schreibstils ...

Mit diesem Buch wagte ich wieder einen Ausflug ins wenig besuchte Thriller-Genre, wobei mich als England-Fan der Tatort eines Oxforder Colleges entscheidend beeinflusst hat.

Dank des flüssigen Schreibstils der Autorin kam ich schnell in die Geschichte hinein. So lernte ich die schwangere Hannah kennen, die in einer Buchhandlung in Edinburgh arbeitet. Nach einem Anruf ihrer Mutter holt die Vergangenheit sie ein. John Neville, der vor 10 Jahren begründet auf ihre Aussage für den Mord an ihrer besten Freundin April verurteilt wurde, ist im Gefängnis verstorben. Bis zum Ende hat Neville seine Unschuld beteuert, wie Hannah ein Journalist mitteilt. Die Zweifel in ihr nehmen Überhand, sie muss unbedingt herausbekommen, was damals wirklich passiert ist. Es wird Zeit zur früheren Clique Kontakt aufzunehmen. Doch ihr Mann Will ist absolut dagegen, 10 Jahre war Aprils Tod bei ihnen immer präsent, mit Nevilles Tod sei es Zeit abzuschließen.

In kurzen Abschnitten wechselt die Autorin in die Zeit vor und nach dem Mord, was durch die Titel DAVOR und DANACH gut unterschieden wird. Auf eine gemütliche Art und Weise lerne ich die Mitglieder der seinerzeitigen Clique kennen. Die eher schüchterne Hannah soll sich ausgerechnet mit der reichen und schönen April eine kleine Wohnung teilen. Doch so unterschiedlich die beiden sind, sie werden zu besten Freundinnen. Die Clique wird ergänzt durch Will und Hugh, die April schon vom Internat kennt. Dann ist da noch das Pärchen Ryan und Emily.

April ist der Mittelpunkt der Clique und gibt den Ton an. Alle lassen sich von ihr mitreißen in eine bunte, schillernde Welt. Doch April hat auch eine dunkle Seite, ihre Streiche sind mehr als böse. Aus der Sicht von Hannah wird die Vergangenheit noch einmal durchlebt und es fallen Unstimmigkeiten auf, Geheimnisse treten zu Tage und Motive in den eigenen Reihen werden sichtbar. Nach zahlreichen Wendungen und Erkenntnissen glaubte ich eine Zeit lang, dass der Fall klar ist und verlor mit Hannah den Boden unter den Füßen. Doch ich wurde eines besseren belehrt, denn Ruth Ware hatte für mich überraschend noch ein Ass im Ärmel und gestaltete die letzten Kapitel mit Hochspannung. Puh, was war das knapp, ich war froh, als ich wieder durchatmen konnte.

Trotz einiger Längen in der ersten Hälfte des Buches, wurde ich am Ende mit großer Spannung entschädigt. Dankeschön Ruth Ware für fesselnde Lesestunden. Vielen Dank auch an den dtv Verlag sowie Lovelybooks für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Fazit:
Ruth Ware schafft es perfekt, den Leser mit zum Miträtseln zu animieren. Setzt falsche Fährten und baut geschickte Wendungen ein. Selbst bei gemächlichem Tempo und einigen Längen siegte die Neugier, wie es sich entwickelt.

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Veröffentlicht am 16.01.2023

Spannender Ausflug in die Regency-Zeit

Verführung und Verrat. Die Somerset-Saga (2)
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Bereits mit Band 1 der Somerset-Saga hat mir Emma Hunter im letzten Jahr viel Vergnügen bereitet. Sowohl Rebecca Seagrave als auch ihre Gesellschafterin Betty Hartley sind mir noch gut in Erinnerung.

Rebecca ...

Bereits mit Band 1 der Somerset-Saga hat mir Emma Hunter im letzten Jahr viel Vergnügen bereitet. Sowohl Rebecca Seagrave als auch ihre Gesellschafterin Betty Hartley sind mir noch gut in Erinnerung.

Rebecca ist eine junge Witwe und betreibt eines der angesehensten Wirtshäuser in Bath. Sie ist hübsch, intelligent und äußerst willensstark. Ihre niedere Herkunft und ihr Mischlingsblut machen sie ein wenig zur Außenseiterin. Doch das weckt nur umso mehr ihren Ehrgeiz. So hat sie es sich in den Kopf gesetzt durch den Ankauf von stimmberechtigen Grundstücken einen in ihrem Sinne handelnden Kandidaten ins Unterhaus zu bringen, um den Ungehörten in der Politik eine Stimme zu geben. Für eine Frau zu der Zeit ein schwieriges Unterfangen.

Vor allen Dingen der Duke of Somerville, Henry Langford, versucht dies zu vereiteln und dennoch ist er fasziniert von Rebecca und ihrem Kampfgeist. Ihre Wege kreuzen sich öfter als der Zufall es will, was Rebeccas Herz ganz schön in Aufruhr bringt. Doch diese hat geschworen, sich nie mehr einem Mann zu zeigen, zu tief sitzt der Schmerz erneut zurückgewiesen zu werden. Als Henry ihr, bekannt als Lebemann mit ständig wechselnden Affären, ein unanständiges Angebot unterbreitet ist Rebecca selbstverständlich empört und wütend. Wenn nur nicht ihr verräterisches Herz so für ihn schlagen würde. Wie wird sie sich entscheiden?

Dies ist keineswegs eine leicht vor sich hinfließende Liebesgeschichte. Emma Hunter schafft es der Geschichte und den Charakteren viel Tiefgang einzuhauchen. Es geht um Selbstverwirklichung, Stärke, Verletzlichkeit, Intrigen und jede Menge Emotionen. Wobei der Spannungspegel gleichbleibend hoch bleibt. Bis auf das zu erwartende Happy End sind viele Handlungsstränge nicht oder wenig vorhersehbar.
Ich fand es wieder herrlich, mich unter die feine englische Gesellschaft zu mischen ganz getreu dem Motto „Sehen und gesehen werden“. Als lesende Beobachterin habe ich mich wieder absolut wohl gefühlt.

Die Charaktere, allen voran Rebecca und Henry, sind fein herausgearbeitet, wobei sich der wirkliche Henry erst Häppchen für Häppchen offenbart. Neben Betty hat mir auch Henrys Schwester Eliza sehr gut gefallen, die aus gutem Grund auf eine Heirat verzichten möchte.

Vielen Dank Emma Hunter für das erneute Lesevergnügen. Von mir satte 4 Sterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Fazit:
Die Rückkehr ins 18. Jahrhundert hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht. Zu bekannten Charakteren kamen interessante Neue hinzu. Geballte 624 Seiten Liebe, Spannung, Intrigen und Skandale. Willkommen in Somerset.

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Veröffentlicht am 10.01.2023

Die Giftmischerin

Die versteckte Apotheke
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Bei diesem Buch stach mir ehrlich gesagt zuerst das traumhafte Cover ins Auge. Da mir dann auch noch Titel und Klappentext gefielen, durfte es mit nach Hause.

Die Geschichte spielt in London und erstreckt ...

Bei diesem Buch stach mir ehrlich gesagt zuerst das traumhafte Cover ins Auge. Da mir dann auch noch Titel und Klappentext gefielen, durfte es mit nach Hause.

Die Geschichte spielt in London und erstreckt sich über zwei Zeitebenen, was mir persönlich immer sehr gut gefällt.

Im London der Gegenwart lernen wir Caroline kennen, die aufgrund eines Streits ihre Hochzeitsreise allein antritt, um den Kopf frei zu bekommen. Per Zufall findet sie im Schlamm des Themseufers ein mehr als 200 Jahre altes Medizinfläschchen. Mit Hilfe von Gaynor, einer Mitarbeiterin der British Library macht sie sich an die Recherche und stößt auf eine Apothekerin der besonderen Art, die Frauen nicht nur von ihren Alltagsleiden befreite, sondern auch von dem ein oder anderen männlichen Peiniger. Mit Auftauchen ihres Ehemannes scheint jedoch Caroline plötzlich diejenige zu sein, die in den Fokus der Ermittlungen gerät.

In der Vergangenheit treffen wir auf die Apothekerin Nella, eine Frau mittleren Alters, die auffallend gebrechlich ist. Sie führt – wie schon ihre Mutter zuvor – eine Apotheke für Frauenleiden. Seitdem ihr als junge Frau von einem Mann übel mitgespielt wurde, hat sie ihre Dienste für das Wohl der Frauen erweitert und ihre Apotheke vor den Augen der Menschen versteckt. Unter vorgehaltener Hand wissen die Frauen weit und breit, dass eine kurze schriftliche Nachricht in einem alten Graupenfass reicht, um für jeden unliebsamen Herrn das passende Gift zu bestellen. Alles streng geheim natürlich.

Für einen neuen Auftrag schickt ihre Herrin das junge Mädchen Eliza zu Nella, die ganz angetan von deren Geschick und ihrer aufgeweckten Art ist. Das Schicksal scheint die beiden zusammengeführt zu haben und so bringt Nella ihr das ein oder andere bei und lässt sie assistieren. Doch eine kleine Unachtsamkeit scheint für Beide das Ende zu bedeuten.

Die Geschichte rund um Nella und Eliza hat mich völlig in ihren Bann gezogen. Für mich haben die beiden nichts Falsches getan, indem sie gequälten Frauen in ihrer Not halfen, auch wenn es sich bei dem Einsatz von Gift natürlich um Mord handelte. Gerade Nellas persönliche Geschichte ist mir sehr zu Herzen gegangen. Absolut verständlich, warum sie von Eliza ganz angetan ist und sie beschützen möchte. Sie sieht in ihr die Tochter, die sie nie hatte. Doch am Ende ist es Eliza, die großen Mut beweist im Vertrauen auf wahre Magie. Hier schlug mein Fantasyherz ganz laut.
Sarah Penner fesselt mit einer eher ruhigen und emotionalen Schreibweise, denn geladene Action brauchte es hier auch nicht.

Der Part in der Gegenwart rund um Caroline wirkt teilweise sehr konstruiert. Die Tatsache, dass es auch heute noch sogenannte Schatzsucher an den Ufern der Themse gibt, genannt „Mudlarking“ finde ich hochinteressant. Was da nicht alles im Schlamm zu Tage kommen mag. Das Interesse an der Vergangenheit habe ich Caroline sofort abgenommen, eindeutig hat sie ihre Wünsche und Träume zugunsten ihres Mannes seinerzeit auf Eis gelegt und sich selbst aufgegeben. Mitten in Ihrer Forschung nach der seinerzeitigen Apothekerin erscheint dann ihr Mann auf der Bildfläche, ab da wirkte der ganze Hergang nur noch konstruiert und manches Handeln nicht nachvollziehbar. Für meinen Geschmack hätte man ihren Mann völlig rauslassen können und dafür eher den Part von Gaynor, die sich als gute Freundin Carolines entwickelt, ausbauen sollen. Doch das mag jeder anders sehen.

Auch wenn ich nicht ganz zufrieden war, so gebe ich für das Gesamtwerk gerne 3,5 von 5 Sternen. Würde Nellas Geschichte alleine stehen, wären es sogar 4-4,5 Sterne.

Fazit:
Eine atmosphärische Geschichte über eine Apothekerin, die zum Wohl der Frauen Gift mischt gepaart mit einem Hauch von Magie. Die Vergangenheit der Geschichte stand für mich absolut und im Vordergrund und bestärkt durch starke Charaktere. Schade nur, dass der gegenwärtige Erzählstrang etwas schwächelte.

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Veröffentlicht am 06.01.2023

Faszinierend und makaber, mit einer starken Protagonistin

Anatomy
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Dieses Buch habe ich mit einer Lesefreundin gemeinsam gelesen, da mich der Klappentext neugierig gemacht hat und ich das Cover absolut genial fand.
Schnell konnte ich mich der Protagonistin Hazel anfreunden, ...

Dieses Buch habe ich mit einer Lesefreundin gemeinsam gelesen, da mich der Klappentext neugierig gemacht hat und ich das Cover absolut genial fand.
Schnell konnte ich mich der Protagonistin Hazel anfreunden, die im Edinburgh im Jahre 1817 alles daran setzt Chirurgin zu werden. Natürlich war es für eine Frau undenkbar in dieser reinen Männerdomäne Fuß zu Fuß, geschweige denn, dass Chirurgen kein besonders gutes Ansehen hatten. Zu Hazels Leidwesen ist schon lange vorbestimmt, dass sie ihren Cousin Bernard, den Erben eines Titels, heiraten soll. Er hält ihre Ambitionen lediglich für ein Hobby und verweigert ihr seine Unterstützung. So hüpft Hazel in die Kleidung ihres verstorbenen Bruders George und besucht als männlicher Student die Vorlesungen des berühmten Arztes Dr. William Beechem. Als ihr Versteckspiel auffliegt, handelt sie mit Dr. Beechem aus, dass sie auch ohne den Unterricht die medizinische Prüfung ablegt. Wie gut, dass sie den jungen Jack Currer kennt, der Leichen ausgräbt und diese für Lehrzwecke verkauft. So gehört nicht nur die Anatomists´ Society Edinburgh, sondern auch Hazel zu seinen Kunden. Als die Leichen vermehrt Auffälligkeiten aufweisen wird es ganz schön brenzlig für Hazel und Jack.

Ich liebe einfach solche düsteren und geheimnisvollen Geschichten. Das Setting Edinburgh Anfang des 19. Jahrhunderts ist absolut passend gewählt. Mit Hazel hat die Autorin einen starken und authentischen Charakter geschaffen. Man konnte den Berufswunsch und ihre Leidenschaft dafür mit jeder Faser spüren. Es gehört als junge Frau schon jede Menge Mut dazu, denn eine Leiche zu sezieren ist eine blutige Angelegenheit. Von dem Verwesungsgeruch mal ganz zu Schweigen. Um sich weiterzubilden bietet Hazel bei jeder Gelegenheit die sich bietet ihre ärztliche Hilfe an.

In Jack Currer findet Hazel einen Freund, sie behandelt ihn wie ihresgleichen und so vertrauen sie einander schnell blind. Zu einer – eher zarten – Liebesgeschichte kommt es jedoch erst später im Verlauf der Geschichte. Der erste Kuss ist dort, wo er stattfindet jedoch unübertrefflich. Hier mag jeder selbst entscheiden was überwiegt, Romantik oder Ekel.

Dass es zu der Zeit Leichenräuber gab, die damit ihren Lebensunterhalt verdienten, war mir nicht neu. Woher sollten die Studenten schließlich ihre Versuchsobjekte bekommen. Es wurde ja nicht täglich einer zum Tode verurteilt. Doch dass diese sich selbst als Auferstehungsmänner bezeichnen hat schon fast etwas Poetisches und klingt gar nicht so makaber, wie es ist.

Gegen Ende bekommt die Geschichte auch den erwarteten Hauch von Fantasy, wobei ich hinsichtlich der Person Dr. Beechem schon früh eine Ahnung hatte. Wenn Ihr das Buch selbst lest, achtet auf die Schildkröte. Die Art und Weise, wie die Geschichte jedoch endet, hat mir nicht wirklich gefallen, da es für mich weder nachvollziehbar noch notwendig war.

Ich war hin und hergerissen bei der Bewertung. Da mir das Buch bis auf das Ende jedoch Spaß gemacht hat und lediglich das Ende für mich nicht passte, gebe ich gerne 4 von 5 Sternen.

Der Cliffhanger ganz stark vermuten, dass ich auch bei Teil 2 wieder dabei bin.

Fazit:
Ein spannender Ausflug ins düstere Edinburgh, in dem Leichenraum auf der Tagesordnung ist. Obskure Gestalten, dunkle Friedhöfe und der Handel mit Körperteilen. Mysteriös, geheimnisvoll und manchmal etwas eklig.

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