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Veröffentlicht am 30.11.2022

Das Finale hat alles übertroffen

Dunbridge Academy - Anytime
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Das ist er nun, der letzte Band der Trilogie rund um die DUNBRIDGE ACADEMY. Während Band 1 bereits ein persönliches Highlight für mich war und Band 2 nur kleine Schwächen aufwies, hat sich Sarah Sprinz ...

Das ist er nun, der letzte Band der Trilogie rund um die DUNBRIDGE ACADEMY. Während Band 1 bereits ein persönliches Highlight für mich war und Band 2 nur kleine Schwächen aufwies, hat sich Sarah Sprinz beim finalen Band selbst übertroffen. Denn es handelt sich hier nicht nur um eine Liebesgeschichte. Die beiden Hauptcharaktere haben dieses Mal sehr tiefgehende und belastende Probleme. Olive und Colin begegnen sich zu einem Zeitpunkt, als beide unglücklich und verzweifelt sind. Überzeugt, dass das Leben ihnen nichts mehr zu bieten hat.

Olive, die mir schon aus den vorangegangenen Bänden bekannt ist, wurde Opfer des Brandes in der Dunbridge Academy und hat lange Wochen mit ihren Verletzungen im Krankenhaus verbracht. Nun trägt sie nicht nur Narben auf dem Körper, sondern auch auf der Seele mit sich herum. Nachts wird sie von Alpträumen geplagt und ob sie jemals wieder zurück ins Schwimmteam kann ist auch ungewiss. Da sie vom neuen Schuljahr schon einiges verpasst, entscheiden ihre Eltern und Rektorin Sinclair, dass sie die 11. Klasse wiederholt. Getrennt von ihren Freunden aus der 12. Klasse fühlt sich Olive noch mehr als Außenseiterin.

Zeitgleich mit ihrer Rückkehr erhält die Academy einen neuen Schüler aus New York. Colin wurde von der Mutter nach Schottland strafversetzt. Sein Ziel ist schnellstmöglich wieder von der Schule zu fliegen und so benimmt er sich auch. Mit seiner Abwehrhaltung macht er es niemandem leicht ihn zu mögen. Gerade Olive treibt er mit seiner arroganten und gleichgültigen Art in den Wahnsinn. Wenn er nur nicht so verdammt heiß wäre.

Mit der Zeit bröckelt Colins Fassade. Er ist so eine Zugehörigkeit und Vertrautheit unter den Schüler:Innen nicht gewohnt. Von seinen angeblichen Freunden aus New York meldet sich keiner mehr. Doch auch wenn er sich tief im Innern wünscht, dazu zu gehören, redet er sich ein, dass es keinen Sinn hat. Wenn Sie erst einmal von seinem Geheimnis erfahren, werden ihn sowieso alles hassen. Erst recht seit er von Olives Verletzung weiß und sie ihm alles andere als egal ist.

Aus unterschiedlichen Ursachen sind die beiden Hauptcharaktere psychisch angeschlagen und dringend auf Hilfe angewiesen. Könnten sie sich gegenseitig helfen und daraus Stärke ziehen? Weder Olive´s noch Colin´s Eltern sind da eine Hilfe, die kümmern sich lieber um ihr eigenes Leben.

Liebe Sarah Sprinz, ich kann nur den Hut ziehen vor dieser wunderbaren, emotionalen und tiefgründigen Geschichte. Colin und Olive haben mich tief im Herzen berührt. An der Grenze zum Erwachsensein müssen sie Kraft und Reife zeigen, um nicht unterzugehen. Ihre bedeutenden Probleme empfand ich bestens recherchiert und authentisch dargestellt. Dies war gewiss sehr zeitintensiv, hat sich jedoch auf jeden Fall gelohnt.

Ich kann noch gar nicht glauben, dass es keine Rückkehr zur Dunbridge Academy geben wird. Drei aufregende Schuljahre konnte ich dort verbringen und mich Zuhause fühlen. Mir wird etwas fehlen. Zu gern würde ich noch mehr über Grace und ihre Essstörung erfahren. Wie wird es Henry, Emma, Charles und Tori auf den Universitäten ergehen? Hach, ich mag mich noch nicht von ihnen verabschieden.

Eigentlich reichen 5 Sterne nicht für meine Bewertung. Also hänge ich noch drei Ausrufezeichen !!! an. Vielen Dank für diese wunderbare Trilogie, die ich allen Leser:Innen wärmstens ans Herz lege.

Vielen Dank auch an meine Mädels @giselaslesehimmel @claudiasbuecherregal @katjakaddel @stefanieleben2.O und @europeantravelgirl für den lebhaften und unterhaltsamen BUDDYREAD. Ihr seid echt klasse und ich freue mich noch auf viele gemeinsame Bücher.

Mein Fazit:
Wie heißt es so schön, man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist. Mit der Trilogie der DUNBRIDGE ACADEMY hat die Autorin voll ins Schwarze getroffen. Meiner Meinung nach sprechen die Bücher jede Altersklasse an. Es geht um reife Entscheidungen, wahre Freundschaft, ehrliche Liebe und erwachsene Probleme. Absolut kein Mainstream.

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Veröffentlicht am 24.11.2022

Imposanter Auftakt zum Werdegang des KaDeWe

KaDeWe. Haus der Träume
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Die Autorin Marie Lacrosse ist bekannt für ihre historischen Familiensagen. Mit KaDeWe – Haus der Träume hat sie einen spannenden und ereignisreichen Roman rund um die Erfolgsgeschichte des Berliner Kaufhaus ...

Die Autorin Marie Lacrosse ist bekannt für ihre historischen Familiensagen. Mit KaDeWe – Haus der Träume hat sie einen spannenden und ereignisreichen Roman rund um die Erfolgsgeschichte des Berliner Kaufhaus des Westens geschrieben, in welchem sie geschickt historische Fakten mit fiktiven Personen und Gegebenheiten verwoben hat.

Ich war ein wenig in Sorge, dass dieses 720 Seiten starke Buch langatmig werden könnte, doch falsch gedacht. Ich hätte gut und gerne auch 1000 Seiten dieser ereignisreichen Geschichte gelesen. Wie schön, dass bereits Mitte Juni des kommenden Jahres die Fortsetzung erscheinen wird. Bin ich doch ganz gespannt, wie es mit einigen mir lieb gewonnenen Charakteren weiter geht und ob gewisse negative Charaktere doch noch einer Strafe zugeführt werden.

Doch ich schweife ab. Die Aufteilung des Buches finde ich absolut gelungen. So gibt es 5 Abschnitte, zwischen derer immer ein Zeitabstand von einem halben bis zu eineinhalb Jahren liegt, insgesamt jedoch die Jahre 1914 bis 1926 umfasst. Die relativ langen Kapitel wurden in zahlreiche Unterkapitel mit der Angabe von Zeit und Ort des Geschehens unterteilt. Genau dies machte die Geschichte für mein Empfinden lebhaft und nachvollziehbar, da ich genau erfuhr, was teilweise parallel oder in kurzer Folge passierte.

Schon im Prolog konnte mich Marie Lacrosse mit ihrer bildhaften Schreibweise begeistern. Auch ich machte große Augen und kam aus dem Staunen nicht heraus, als ich im Jahr 1907 mit der 10-jährigen Rieke, an der Hand ihrer Mutter, das glamouröse Kaufhaus in all seiner Pracht betrat. Dort begegnete sie nicht nur der gleichaltrigen Judith Bergmann, sie konnte sogar einen Blick auf den König von Siam erhaschen. Diese Begegnung hat bei ihr und mir Eindruck hinterlassen.
Im Fokus des Geschehens rund um das KaDeWe stehen drei Familien. Da wäre zum einen natürlich die Familie des Eigners Adolf Jandorf, der trotz seiner hohen Stellung in der Gesellschaft ein gutes Herz hat und seinen Angestellten gegenüber ein gerechter Arbeitgeber ist. Ebenfalls von besserer Herkunft ist die Familie von Paul Bergmann, nicht nur ein langjähriger Freund von Adolf Jandorf ist, sondern auch als Justiziar des KaDeWe fungiert. Im Gegensatz dazu gibt es dann die aus der Arbeiterschicht stammende Familie Krause. Die Mutter Käthe ernährt mit ihrer Stelle als Leiterin der Putzkolonne mehr oder weniger die Familie, nachdem ihr Mann arbeitslos und dem Alkohol verfallen ist. Ihre Tochter Rieke hat es nicht leicht, sich als Angestellte des KaDeWe zu bewähren und muss in den Jahren einige Demütigungen hinnehmen.

Marie Lacrosse beschreibt anschaulich und einfühlsam die Beeinträchtigungen und Entbehrungen während des ersten Weltkrieges. Not und Hunger sind gerade bei der ärmeren Bevölkerung ganz gravierend.
Veranschaulicht wird dies durch das Leben der Familie Krause sowie die Beobachtungen von Judith Bergmann, die eine soziale Frauenschule besucht und ehrenamtlich in einer Kindertagesstätte im sogenannten Scheunenviertel aushilft. Immer wieder fand ich es auch erschreckend, mit welchem Eifer sich die jungen Männer damals freiwillig gemeldet haben. Schnell wurden sie eines Besseren belehrt und konnten froh sein, wenn sie einigermaßen unbeschadet aus dem Krieg zurückkehrten. Auch die hier im Vordergrund stehenden Familien mussten teilweise Verluste in Kauf nehmen. Die Nachkriegszeit mit der stetig steigenden Inflation war alles andere als rosig. Die Schilderungen der Autorin hierzu sind sehr anschaulich und gerade im Bezug auf die leidtragenden Kinder empathisch geschildert.

Immer wieder fließen auch der beginnende Nationalsozialismus und die Verachtung des jüdischen Volkes mit ein. Ein Umstand, der auch immer mehr Einfluss auf die Protagonisten dieses Buches nimmt.
Sämtliche Charaktere, sei es nun real oder erfunden, wurde bis ins kleinste Detail herausgearbeitet und harmonisch miteinander verbunden. Gedanken und Handlungen wurden nachvollziehbar und plausibel dargestellt.

Vielen Dank Marie Lacrosse für den imposanten Auftakt, dem ich gerne 5 Sterne gebe und eine uneingeschränkte Leseempfehlung ausspreche.

Mein Fazit:
Eine perfekte Mischung aus historisch belegtem Zeitgeschehen, ausgeschmückt mit dem richtigen Maß an fiktiven Details. Die Geschichte des KaDeWe und der beteiligten Familien hat alles, was eine Saga für mich braucht: Spannung, Drama, Liebe, Hass und Erfolg.

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Veröffentlicht am 04.11.2022

Kraft und Liebe einer Familie

Das Verschwinden der Linnea Arvidsson
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Diesem Buch habe ich schon lange entgegengefiebert. Bisher kenne ich nur drei Wohfühlromane aus der Feder von Frida Skybäck. Doch dieses Buch ist etwas ganz anderes. Wie schon der Klappentext und das Cover ...

Diesem Buch habe ich schon lange entgegengefiebert. Bisher kenne ich nur drei Wohfühlromane aus der Feder von Frida Skybäck. Doch dieses Buch ist etwas ganz anderes. Wie schon der Klappentext und das Cover vermuten lassen, handelt es sich hier um eine tiefgehende Geschichte mit kriminellen Aspekten. Den angenehm flüssigen und umschreibenden Schreibstil von Frau Skybäck bin ich ja bereits gewohnt.

Die junge Lydia, Kind eines Einwandererpaares aus Kroatien, kümmert sich aufopferungsvoll um ihren aufgrund eines Schlaganfalls stark beeinträchtigten Vater. Sie wohnen in der ärmsten Gegend von Malmö. Polizeiliche Ermittlungen sind dort keine Seltenheit. Doch dieses Mal fragt die Polizei nach Dani, Lydias Bruder, der als Tatverdächtiger hinsichtlich der Entführung der jungen Linnea Arvidsson aus einer nobleren Gegend gilt. Lydia ist die einzige Person, die an seine Unschuld glaubt. Klar ist er als Jugendlicher an die falschen Leute geraten und wurde straffällig. Doch diese Phase hat er hinter sich gelassen, hat seit längerem einen Job und eine eigene Wohnung. Irrt sich Lydia etwa? Warum sind Dani und Linnea gemeinsam auf einem Überwachungsvideo am Bahnhof?

Die Polizei ist sich sicher, dass SO EINER immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt kommt. Die Familie zerbrach vor Jahren, als Lydias Mutter nach schwerer Krankheit verstarb. Mit ihrem Tod verließ die Familie das Licht und zurück blieb Dunkelheit. Der Vater ging zwar noch seiner Arbeit nach, zog sich ansonsten aber komplett zurück und kümmerte sich um nichts mehr. Mila, die Älteste der Kinder hielt es nicht zu Hause aus, wechselte die Schule und zog zu einer Schulfreundin ans andere Ende der Stadt in eine bessere Gegend. Lydia, die ihrer Mutter am Totenbett versprochen hat, die Familie zusammenzuhalten, versuchte mit ihren 14 Jahren alles zu meistern, so gut es geht. Doch ihr 1 Jahr jüngerer Bruder Dani entglitt ihr zusehends, schließlich gibt sie resigniert auf. Die Schuld versagt zu haben lastet auch jetzt noch schwer auf Lydias Schultern. Sie muss unbedingt herausfinden, was wirklich mit Linnea passiert ist, das ist sie ihrem Bruder schuldig.

Durch die Aufgliederung des Buches in Abschnitte aus der jeweiligen Sichtweise von Lydia, Dani und der verschwundenen Linnea sowie dem Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit gestaltet sich das Buch sehr lebhaft, abwechslungsreich und spannend. Die Autorin ermutigt den/die LeserIn eigene Vermutungen anzustellen und regt enorm zum Nachdenken an. Authentisch schildert sie die Einschränkungen und Nachteile, die Einfluss auf Einwandererkinder haben. Hinzu kommen die ärmlichen Verhältnisse. Was jedoch am Schwersten wiegt ist der Riss der Familienbande, hier ausgelöst durch den Tod der Mutter. Ohne ausreichende Unterstützung ist das Eis sozial abzurutschen und in üble Kreise zu geraten hauchdünn. Auch wenn Lydia ihrer Mutter versprochen hatte, die Familie zusammenzuhalten, kann man ihr keinen Vorwurf machen. Sie war erst 14, als sie die Verantwortung für alle übernehmen musste. Von einen auf den anderen Tag hatte man ihr die Kindheit genommen. Selbst jetzt hat sie kein eigenes Leben, Beruf und Pflege des Vaters nehmen so gut wie jede Minute ein. Aus diesem Grund scheut sie es auch, sich auf eine feste Beziehung einzulassen.

Auch Dani kann ich nicht wirklich Vorwürfe für die Entwicklung seines Lebens machen. Er hätte dringend die Unterstützung seines Vaters gebraucht, obwohl ich nicht sicher bin, ob das ausreichend gewesen wäre. Tief in seinem Herzen ist Dani ein guter Mensch. Ihm fehlt einfach positive Zuwendung. Für einige Zeit findet er diese bei Reza, einem Fitness-Studio-Besitzer, dem er aushilft oder später während seines zweijährigen Aufenthaltes in einer Pflegefamilie durch den Pflegevater. Danis Problem ist, dass er sich leicht provozieren lässt, die Wut treibt ihn dann immer wieder in die Fänge von Jackson und seiner Gang.
Doch welchen Einfluss hat die Vergangenheit auf das gegenwärtige Geschehen? In Eigenregie stellt Lydia Nachforschungen an über Linnea und ihren reichen Freund Richard Bofors, einen Banker. Welche Verbindung gibt es zu Dani?

Über allem schwebt immer die nagende Ungewissheit, was passiert ist. Gibt es ein Verbrechen? Warum kann und will Dani sich nicht zu den Anschuldigungen äußern? Erst im dritten Abschnitt des Buches aus Linneas Sicht beginnen die Ausmaße des Ganzen bruchstückhaft ans Licht zu kommen. Ich fühlte mich unfähig, noch an ein gutes Ende zu glauben. Linneas Angst war permanent fühlbar und verursachte mir Gänsehaut.

Herzlichen Dank Frida Skybäck für dieses spannungsgeladene und tiefgründige Lesevergnügen. Ich musste die Geschichte erst einige Tage verdauen, bis ich diese Rezension schreiben konnte. Im Nachhinein betrachtet hat sich dieses Buch für mich als Highlight des Monats entpuppt. Deshalb von mir absolut verdiente 5 Sterne.

Mein Fazit:
Absolut brillant beschreibt Frida Skybäck das Zerbrechen einer Familie unter dem Einfluss von Armut, Außenseiterstatus und den Verlust eines geliebten Menschen. Jeder Mensch braucht die Unterstützung, Stärke und Liebe der Familie. Ohne dies ist die Seele zur Dunkelheit verdammt und droht unterzugehen. Nicht jeder, der aus schlechten Verhältnissen kommt ist auch ein schlechter Mensch. Er hat es einfach nur etwas schwerer. Ich freue mich schon auf weitere Bücher aus der Feder der Autorin.

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Veröffentlicht am 28.10.2022

Gelungener Auftakt mit Backlust

Vanilletage – Die Frauen der Backmanufaktur
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Bei diesem Buch hat mich neben der Beschreibung auch gleich das nostalgisch gestaltete Cover mit dem mir bestens bekannten Logo eines großen Backprodukte-Herstellers überzeugt. Auch in meinem Vorratsschrank ...

Bei diesem Buch hat mich neben der Beschreibung auch gleich das nostalgisch gestaltete Cover mit dem mir bestens bekannten Logo eines großen Backprodukte-Herstellers überzeugt. Auch in meinem Vorratsschrank befinden sich die beliebten Helferlein Backin und Vanillin, die seit Generationen aus keinem Haushalt wegzudenken sind.
Schon nach wenigen Seiten hat mich die Autorin mit ihrem gefühlvollen und flüssigen Schreibstil in den Bann der Geschichte gezogen. Dr. Carl Meister, Sohn eines Bäckers, hat nach seiner Lehre als Apotheker, studiert und promoviert. Zusammen mit seiner Frau Josephine, die aus gutem Hause stammt, sowie ihrem Baby Julius leben sie in Charlottenburg. Von je her ist Carls Traum das Betreiben einer eigenen Apotheke und das Entwickeln von Medizin.
Als sein Onkel Louis Dohmen aus Amerika eine Flasche Backtriebmittel mitbringt, ist Carl´s Erfindergeist geweckt. Mit Eifer und Leidenschaft macht er sich daran, eine haltbare und günstige Variante des Mittels für den Hausgebrauch zu erschaffen. Josephine, die aus Liebe unter ihrem Stand geheiratet hat, steht voll und ganz hinter ihm und hat gelernt den Haushalt ohne Dienstboten zu meistern. Als die Firma, an der Carl beteiligt ist, kurz vor dem Ruin steht, eröffnen die beiden mit finanzieller Unterstützung von Josephine´s Mutter in Bielefeld eine Apotheke. Schon kurz nach der Eröffnung findet Carl die perfekte Mischung und Dr. Meister´s Backpulver erblickt das Licht der Welt. Vor Freude hätte ich am liebsten gleich etwas gebacken, doch dann hätte ich nicht weiterlesen können. So musste ich mich in meiner Not an einer Portion Spekulatius vergreifen.
Ich fand es faszinierend mitzuerleben, wie sich der Erfolg des Unternehmens entwickelt hat. Mit welcher Hingabe Carl und auch Josephine sich ganz dem Betrieb gewidmet haben. Josephine hat durch ihr künstlerisches Talent bei der Gestaltung von Plakaten und Verpackungen sowie ihr Verhandlungsgeschick einen großen Beitrag geleistet. Zu einer Zeit, als die Frauenrechte erkämpft wurden, war Josephine ihrer Zeit voraus. Mutig und tatkräftig bewies sie das nicht nur ihrem Mann, sondern auch den Geschäftspartnern und Mitmenschen. Dass sie die Frauenbewegung unterstützte erschien plausibel und untermauerte ihren Charakter.
Für mich stand Carl anfangs, trotz seiner erfolgreichen Erfindungen, immer ein klein wenig im Schatten von der starken und ideenreichen Josephine. So lässt er sich bedauerlicherweise, während einer ehelichen Unstimmigkeit, auf eine kurze Affäre mit einer Angestellten ein, die ihm Jahre später fast zum Verhängnis wird. Doch die herzensgute Josephine zeigt sich in jeder Hinsicht verständnisvoll. Ob ich an ihrer Stelle so gehandelt hätte, mag ich bezweifeln.
Die beteiligten Charaktere empfand ich allesamt sehr facettenreich und liebevoll ausgestaltet. Hier gefielen mir auch sehr das Kindermädchen Nanette und Matthias Wohlgemut, der die Meister´s bei der Entwicklung von Rezepten unterstützte.
Die Autorin hat perfekt historisch belegbare Fakten mit fiktiven Elementen verwoben und daraus eine mitreißende und unterhaltsame Geschichte gestaltet. Vielen Dank Eva-Maria Bast für diesen gelungenen Saga-Auftakt, der mich vollkommen begeistern konnte. Von mir gibt es 5 BACK-Sternchen und eine klare Leseempfehlung.

Mein Fazit:
Ein Buch, welches hält was es verspricht, nämlich einen tiefen ein Blick in die Entstehung einer uns allen bekannte Backdynastie. Die Autorin hat mit Charme, Spannung und Euphorie der Familien- und Firmengeschichte rund um DR. MEISTER Leben eingehaucht. Während des Lesens hatte ich immer wieder den Duft frischer Backwaren sowie einen Hauch von Vanille in der Nase.

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Veröffentlicht am 22.10.2022

Verborgen im See

Der Mondscheinsee
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Bereits mit Ihrem Romandebüt -Die Sternenbuch- hatte mich die Autorin Lorna Cook bereits im letzten Jahr begeistert. Deshalb war für mich gleich klar, dass ich ihr neues Werk ebenfalls lesen wollte. Cover ...

Bereits mit Ihrem Romandebüt -Die Sternenbuch- hatte mich die Autorin Lorna Cook bereits im letzten Jahr begeistert. Deshalb war für mich gleich klar, dass ich ihr neues Werk ebenfalls lesen wollte. Cover und Klappentext versprachen wiederum eine spannende Geschichte auf zwei Zeitebenen mit einem Geheimnis rund um ein altes Herrenhaus in Schottland. Alles Faktoren, die mich sehr ansprechen.
Auch mit -Der Mondscheinsee- hat mich Lorna Cook wieder bestens unterhalten. Mit ihrem bildhaften und flüssigen Schreibstil versetzt sie mich diesmal in die wildromantischen schottischen Highlands nach Invermoray House, dem Familiensitz der McLays. Den Ursprung nimmt die Geschichte im Hochsommer des Jahre 1940, als die junge Constance ihren 21. Geburtstag auf dem Landsitz ihrer Eltern feiert. Hier auf dem Land ist vom Einfluss des Krieges nicht viel zu merken. Als Constance vor ihrem zudringlichen Verehrer Henry ans nächtliche Seeufer flüchtet, stürzt nicht weit entfernt ein Militärflugzeug in den See. Ohne mit der Wimper zu zucken, springt sie ins Wasser, um ihn zu retten. Constance versteckt den Piloten Matthew in einer ungenutzten Jagdhütte und versorgt ihn mit Essen und Trinken. Bei zahlreichen Gesprächen kommen sich Matthew und Constance näher. Constance hat mich von Anfang beeindruckt, denn sie ist keinesfalls eine verwöhnte, reiche junge Frau. Sie zeigt im Verlauf der Geschichte immer mehr Mut und Stärke und will ihren eigenen Weg im Leben gehen. Als das Herrenhaus in ein Lazarett für verwundete Offiziere verwandelt wird, wird es von Tag zu Tag schwieriger das Geheimnis zu wahren. Matthew, der vom Schrecken des Krieges genug hat, will sich nicht mehr seinem Regiment anschließen, um weiter auf gegnerische Piloten zu schießen. Sollte man ihn kriegen, wäre ihm ein Gefängnis sicher. Matthew wirkte auf mich sehr verletzlich und zurückhaltend, er sprach wenig über sich und mir war klar, dass er etwas verschwieg. Als die Situation sich zuspitzt, hat die Wahrheit nicht nur Constance, sondern auch mich überrascht. Die Ereignisse überschlagen sich dermaßen, dass ich die Luft anhalten musste. Das Schicksal traf Constance doppelt hart, doch ich habe nichts anderes erwartet, als dass sie ihren Weg geht. Mehr mag ich an dieser Stelle nicht verraten.
In der Gegenwart -August 2020- braucht die PR-Beraterin Kate eine Auszeit von der Großstadt London und nimmt eine Stelle an, um das alte Herrenhaus Invermoray House in ein exklusives Bed & Breakfast zu verwandeln. Die Hausherrin Liz -Elisabeth Langley-McLay will so den immensen Unterhalt des Hauses finanzieren. Ihr verstorbener Mann hat das Haus seinerzeit über Umwege geerbt. Ihr Sohn James, der sich anfangs als mürrisches Scheusal präsentiert, ist alles andere als begeistert von Kate´s Einstellung. Mit der Zeit bröckelt seine Fassade jedoch und lässt mir kurze Einblicke auf seinen wahren Charakter. Obwohl die Familie kurz vor dem finanziellen Ruin steht, setzen sie, Kate sowie einige Freunde aus dem Dorf alles daran, das Haus in das gewünschte Hotel zu verwandeln. Hier gefiel mir besonders das charakterliche Zusammenspiel von Liz, Kate, James und dem Pubbesitzer Angus. Sie haben mich regelrecht angesteckt mit ihrem Eifer und ich war Feuer und Flamme, als das Projekt Gestalt annahm. Rückschläge verstehen sich von selbst. Geschickt wurde die Presse mit einer tollen Story um ein Geheimnis, welches im See verborgen ist, angeheizt. Der dann jedoch erfolgte Fund des vermeintlichen -Ungeheuers- sowie die Personen des ersten Gastpaares in der Jagdhütte machten das Buch zu einer perfekten, runden Geschichte, um Vergangenheit und Gegenwart zu vereinen.
Wohl verdiente 4,5 von 5 Sternen sowie eine absolute Leseempfehlung von mir. Vielen Dank an Lorna Cook und den Penguin Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares, auch der nächste Roman wird gleich auf meine Leseliste kommen.

Mein Fazit:
Ein spannender Roman voll Liebe, Schicksal, Geheimnis, Niedertracht und Glück. Ich bin wie auf den Wellen des Sees durch die Geschichte getrieben und habe mich von der Strömung mitreißen lassen. Die Charaktere mit ihrem Denken und Handeln wurden authentisch und plausibel gestaltet und konnten damit mein Herz erreichen. Die Story entwickelte sich gleichbleibend spannend, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Die Zusammenführung der Handlungsstränge bereitete mir ein wohligwarmes Glücksgefühl.

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