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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.09.2021

Voller Witz - aber mit Hintergrund

Was nicht glücklich macht, kann weg
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Billie und Thilo sind bereits in Rente, leben in einem Haus in einem beschaulichen, ruhigen Dorf, in dem jeder jeden kennt. Eigentlich sind sie zufrieden, wenn nicht Sohn Jonas vor Jahren den Kontakt abgebrochen ...

Billie und Thilo sind bereits in Rente, leben in einem Haus in einem beschaulichen, ruhigen Dorf, in dem jeder jeden kennt. Eigentlich sind sie zufrieden, wenn nicht Sohn Jonas vor Jahren den Kontakt abgebrochen hätte und nach Köln gezogen wäre. Doch nun ruft er an und benötigt Hilfe. Er wird für ein paar Monate nach London versetzt und bittet Billie und Thilo nach Köln zu kommen, um auf den 6jährigen Enkel August aufzupassen. Sie williger ein - und finden sich in einer ganz anderen Welt wieder.

Der Titel "Was nicht glücklich macht, kann weg" hätte von Carla Berling nicht besser gewählt werden können. Denn hier erlebt man mit, wie Billie sich verändert und aus ihrem Leben alles aussortiert, was ihr nicht mehr gefällt. Dieser Weg ist für sie lang und es bereitet viel Spaß, ihn mit ihr zu gehen. Ich konnte sie mir richtig gut vorstellen - vom Dorfleben ins quirlige Köln, von biederen Nachbarn zu Kölner Originalen. Denn genau das sind ihre neuen Freunde: Ein bunter Mix aus Exoten, einer liebenswerter als der andere. Kein Wunder, daß es hier einige humorvolle Szenen gibt. Diese Geschichte ist aber nicht einfach eine Geschichte, die lustig daher kommt. Es geht auch um Vorurteile aufgrund der Optik und des Lebensstils und das akzeptieren des jeweils anderen. Billie lernt, sich zu integrieren und einfach Spaß mit ihren neuen Freunden zu haben, die ihr letztlich auch beibringen, was wahre Freundschaft ist. Carla Berling schreibt wunderbar leicht und locker, so daß sie auch hier wieder eine flotte Geschichte geschaffen hat, die man sehr gern liest und man sich als Leser von Beginn an wohl in ihr fühlt!

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Veröffentlicht am 20.09.2021

Kleiner Hund zeigt wahre Größe

Coop, der Held
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Der alte Dackel Coop hat schon in vielen Familien gelebt. Nun lebt er wieder im Tierheim, besitzt nichts als seine alte Decke und hat sich damit abgefunden, dort den Rest seines Lebens zu verbringen. Denn ...

Der alte Dackel Coop hat schon in vielen Familien gelebt. Nun lebt er wieder im Tierheim, besitzt nichts als seine alte Decke und hat sich damit abgefunden, dort den Rest seines Lebens zu verbringen. Denn wer will ihn schon haben? Eines Tages steht Mike, ein alter Mann, vor seinem Zwinger und nimmt ihn bei sich auf. Auch wenn er sein neues Heim mit Katze Lucinda teilen muß, legt Coop seine Skepsis ab und beginnt sich heimisch zu fühlen. Als Mikes Enkelkinder Zach und Emma vorübergehend einziehen, droht Gefahr. Alle fünf müssen sich auf eine gefährliche Reise aufmachen und der kleine Coop wird zur einzigen Hoffnung der ganzen Familie!

"Coop, der Held" von Larry Verstraete hat mich verzaubert, begeistert und mitgerissen. Der Autor fängt das Seelenleben eines Hundes und speziell eines Dackels perfekt ein. Coop hat die typischen Probleme eines Dackels. Die Beine so kurz, daß manche Wege nicht passierbar sind, dazu wird er von manchen Menschen nicht ernst genommen - ja, sogar verspottet. Coop vermittelt hier sehr deutlich, daß man mit seiner Wortwahl vorsichtig sein sollte und jedes Lebewesen so akzeptieren soll, wie es ist. Die Geschichte ist spannend aufgebaut. Im Mittelpunkt steht zwar Coop, aber auch Mike schleicht sich stark ins Leserherz, während man Zach zunächst absolut unsympathisch empfindet und für sein Verhalten keinerlei Verständnis aufbringen kann. Seine Wandlung jedoch überrascht und ist interessant zu verfolgen. Auch Katze Lucinda bekommt hier ihre Bühne. Zunächst die verschlagene, hinterhältige Katze, freut man sich, als Coop ihr einen Streich spielt. Die Geschichte ist wirklich spannend, gerade als Coop zum Retter der Familie wird und er viele gefährliche Abenteuer bestehen muß, hält man die Luft an. Larry Verstraete schreibt dies alles auf so wunderbare Weise, daß man nur so durch das Buch fliegt und Coop am liebsten auf den Arm nehmen und trösten möchte.

Von mir bekommt dieses Buch eine absolute Empfehlung für alle Altersklassen!

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Veröffentlicht am 19.09.2021

Berührend!

Der Zug der Nonnengänse
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Bentes Leben ist total aus den Fugen geraten. Ihre Ehe steckt in einer tiefen Krise. Verzweifelt fährt sie nach Langeoog, um dort über ihre Zukunft nachzudenken. Durch Zufall trifft sie auf die totkranke ...

Bentes Leben ist total aus den Fugen geraten. Ihre Ehe steckt in einer tiefen Krise. Verzweifelt fährt sie nach Langeoog, um dort über ihre Zukunft nachzudenken. Durch Zufall trifft sie auf die totkranke Amelie, die schon viele Jahre auf der Insel lebt und dort Vögel beobachtet. Besonders die Nonnengänse haben es ihr angetan. Diesmal weiß sie jedoch, daß sie ihren Zug zum letzten Mal sehen wird. Die beiden Frauen merken sofort, daß sie etwas besonderes verbindet. Nach und nach erzählt Bente Amelie von ihrer enttäuschenden Ehe und ihren Problemen. Auch Amelie kann bei Bente ihr Herz öffnen und spricht mit ihr über ihr größtes Geheimnis. So kurz vor ihrem Tod kann Amelie endlich mit einem Menschen über ihren größten Wunsch reden, aber es könnte schon zu spät sein...

"Der Zug der Nonnengänse" von Franka Michels (Pseudonym von Regine Kölpin) ist ein sehr anrührendes Buch. Obwohl die Themen Tod und Sterben darin sehr präsent sind, hat die Geschichte auch etwas Positives. Der Umgang der Personen mit dem Tod wird sehr unterschiedlich und ehrlich dargestellt. Daß ausgerechnet die Person, die der Tod treffen wird, so gelassen damit umgeht, ist schon verblüffend. Man merkt auch deutlich die Hilflosigkeit der Umstehenden. Viele haben so eine Situation noch nie erlebt und die Angst, etwas Falsches zu sagen oder zu tun, ist spürbar. Vielleicht kann man durch dieses Buch sogar noch etwas lernen.
Die Autorin hat eine Geschichte geschrieben, die sehr zu Herzen geht. Dabei schreibt sie jedoch nicht melancholisch, sondern unterhaltend und fesselnd. Interessant sind die Details über die Nonnengänse. Hier lernt man noch einiges dazu und bekommt den Impuls, sich näher mit diesen Tieren zu beschäftigen. Das Buch würde sehr gut in den November passen. Mit einer Tasse Tee, Kerzenschein und einer Wolldecke stelle ich mir das sehr passend vor. Ich habe es bei Sonnenschein auf dem Balkon gelesen - es hat mich doch etwas herunter gezogen. Es ist definitiv keine Lektüre für Zwischendurch. Zum Glück gab es dann aber doch noch ein halbes Happyend.
Von mir bekommt dieses Buch eine ganz klare Empfehlung!

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Veröffentlicht am 19.09.2021

Gelungener Auftakt

Das Kreuz des Pilgers
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Koblenz im Jahre 1379: Die junge Grafentochter Reinhild wird von Wegelagerern übermannt und sieht sich dem Tode nah. Jedoch kommen ihr der Pilger Palmiro und sein Gefährte Conlin zu Hilfe. Für ihren Mann ...

Koblenz im Jahre 1379: Die junge Grafentochter Reinhild wird von Wegelagerern übermannt und sieht sich dem Tode nah. Jedoch kommen ihr der Pilger Palmiro und sein Gefährte Conlin zu Hilfe. Für ihren Mann kommt die Hilfe jedoch zu spät. Conlin und Palmiro begleiten Reinhild auf dem Weg in ihre Heimat, Reinhild erholt sich langsam von dem Erlebten und verliebt sich in Conlin. Ihr Vater würde solch eine Beziehung nie akzeptieren, was ihr sehr wohl bewusst ist. Zu all diesen Unwägbarkeiten führt Palmiro noch einen Schatz mit sich, der sie alle in große Gefahr bringt.

Mit "Das Kreuz des Pilgers" startet Petra Schier in eine neue Trilogie. Und dieser Auftaktband verspricht großartiges! Wie man es von ihr gewohnt ist, wirkt die Geschichte sehr realistisch. Handlungsorte und Charaktere werden vor dem Auge des Lesers lebendig, man bekommt einen Eindruck vom damaligen Leben in all seinen Facetten. Hier merkt man, daß die Autorin es mit ihrer Recherchearbeit sehr genau nimmt und nichts in ihren Romanen schreibt, was nicht "Hand und Fuß" hat. Dabei schreibt sie der Zeit angemessen, jedoch ohne Schnörkel, leicht, locker und mit einem Schreibstil, der Spaß bereitet. Damit begeistert sie mich immer wieder neu. Ihre Charaktere werden auch hier sehr schnell zu Vertrauten, man meint, sie schon lange sehr gut zu kennen und fühlt sich in ihrer Mitte wohl. Man leidet mit ihnen und freut sich mit ihnen, kann ihre Gefühle und Handlungen nachvollziehen, denn alles wirkt einfach wunderbar logisch. Dies alles zusammen mit einer von Beginn bis Ende spannenden Handlung ergibt für mich einen perfekten historischen Roman!

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Veröffentlicht am 16.09.2021

Ein Kunstwerk!

Die Vögel Amerikas
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John James Audubons Buch "Die Vögel Amerikas" wurde erstmals zwischen 1827 und 1838 veröffentlicht und gilt als eines der bekanntesten naturwissenschaftlichen Bücher. Die im Original lebensgroßen Aquarelle ...

John James Audubons Buch "Die Vögel Amerikas" wurde erstmals zwischen 1827 und 1838 veröffentlicht und gilt als eines der bekanntesten naturwissenschaftlichen Bücher. Die im Original lebensgroßen Aquarelle wurden für diese Ausgabe abfotografiert. Auch wenn dies Buch nicht die Originalgröße zeigt, hat man hier noch immer ein sehr gewaltiges und schweres Buch vor sich. Man bekommt Ehrfurcht davor, wie gewaltig die Originalausgabe sein muß. Obwohl die Bilder abfotografiert wurden, hat man das Gefühl, alte Zeichnungen vor sich zu haben. Nichts weist auf digitale Fototechnik hin. So blättert man bedächtig von einer Seite zur nächsten, hat das Gefühl etwas wirklich altes in den Händen zu halten. Schon die Griffigkeit der Seiten ist ein Erlebnis und wird jeden Bücherfreunde begeistern. Dabei verweilt man automatisch sehr lang bei jedem Aquarell. Die Zeichnungen sind äußerst liebevoll und detailreich. Man sieht die Vögel in ihrer natürlichen Umgebung, entdeckt kleine Details in den Zeichnungen wie z. B. winzige Käfer. Die Vögel selbst werden in verschiedenen Situationen dargestellt. Ruhend, jagend oder streitend. Dabei hat Audubon selbst kleinste Details im Gefieder eingefangen. Immer wieder entdeckt man neue Details. Die Bilder wirken so lebendig, man kann gar nicht glauben, daß dies gezeichnet ist. Zu jedem Vogel gibt es die Artenbezeichnung auf Latein und Englisch, diese ist zwar recht klein, aber dadurch auch nicht vom Bild ablenkend.

"Die Vögel Amerikas" ist kein normales Buch - für mich ist es ein großes Kunstwerk, welches aus vielen kleinen Kunstwerken besteht.

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