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Veröffentlicht am 15.05.2025

Beginnt ruhig und wird extrem fesselnd

Sturm über den Mühlen
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Mit "Sturm über den Mühlen" ist Gabriele Popma wieder ein herausragender Spannungsroman gelungen. Was eher gemütlich beginnt, steigert sich im zweiten Drittel fast zu zu einem Thriller, der meine Nerven ...

Mit "Sturm über den Mühlen" ist Gabriele Popma wieder ein herausragender Spannungsroman gelungen. Was eher gemütlich beginnt, steigert sich im zweiten Drittel fast zu zu einem Thriller, der meine Nerven sehr strapaziert hat! Was für eine Geschichte!
Bereits der Spannungsroman "Der Fjord schweigt" der Autorin, den ich bereits vor fünf Jahren gelesen habe, war ein 5 Sterne Buch und auch dieses hier reiht sich in die Fünf-Sterne-Riege ein.
Schon der dramatische Prolog hat es in sich. Danach wird es etwas ruhiger und es werden einige Figuren eingeführt die vielleicht zu Beginn noch etwas verwirren. Es dauerte jedoch nicht lange, bis ich diese zuordnen konnte. Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen, die sehr geschickt miteinander verwoben werden.

Im Jahr 1998 geht der 18jährige Rick auf Klassenfahrt in die Niederlande. Die Jugendlichen halten sich nicht wirklich an die vorgegebenen Regeln und Rick lernt in der nahegelegenen Bar Kim kennen. Sie geht ihm nicht mehr aus dem Kopf und er verliebt sich Hals über Kopf. Neun Jahre später steht Kim mit der gemeinsamen achtjährigen Tochter Marijke vor der Tür. Sie muss für ein halbes Jahr in die USA und hat niemanden bei dem das Kind bleiben kann. Rick, Langzeitstudent und eher sorglos unterwegs, fällt aus allen Wolken, denn von seiner Tochter hat er bis zu diesem Zeitpunkt nichts gewusst. Ab nun wird sich sein Leben von Grund auf ändern.

2024. In der Gegenwart steht Marijke vor den Trümmern ihrer Beziehung zu ihrem Freund Dominik. Kurze Zeit später lernt sie den Niederländer Arjen kennen, der sich sehr um sie bemüht. Er lädt sie für ein Wochenende in seine Heimat ein, doch Marijke ist noch nicht so weit. Außerdem war sie aus einem bestimmten Grund seit 2008 nie mehr in den Niederlanden, ihrer alten Heimat. Rick und sie haben nämlich ein gefährliches Geheimnis....

Der Schreibstil von Gabriele Popma ist ausdrucksstark, emotional und fesselnd. Die Autorin versteht es die Familiengeschichte Schicht um Schicht aufzublättern und schickt uns dabei auf eine emotionale Achterbahnfahrt, die meinen Puls in die Höhe getrieben hat. Was zuerst ruhig und amüsant beginnt, wird zu einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit.
Bildgewaltig sind auch die Beschreibungen der Niederlanden und ihren Sehenswürdigkeiten. In Zaansche Schaans war ich vor einer kleinen Ewigkeit, aber die vielen Windmühlen sind mir bis heute in Erinnerung geblieben.
Die Charaktere sind vielschichtig angelegt und man weiß oft nicht, wer die Wahrheit spricht oder welches Spiel generell gespielt wird. Auch die Nebencharaktere sind sehr lebendig gezeichnet und manche entpuppen sich zu einem Überraschungsei.
Die Autorin legt gekonnt falsche Fährten. Mein Instinkt war jedoch bei einer Sache richtig und ich hatte den richtigen Riecher. Das letzte Drittel des Romans ist extrem spannend und dramatisch und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Fazit:
Ein toller Spannungsroman, der ruhig beginnt und dann immer fesselnder wird und den man kaum mehr aus der Hand legen kann. Eine Geschichte über Liebe, Vertrauen, Verlust, Trauer, Hass und Geldgier. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 13.05.2025

Die Donaunixen

Tod auf der Donau
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Es geht weiter mit der sympathischen Journalisten Sarah Pauli vom "Wiener Boten", die ihre Spürnase immer wieder in Mordermittlungen steckt. Diesmal ist die Donau der Tatort für einige mysteriöse Todesfälle.

Als ...

Es geht weiter mit der sympathischen Journalisten Sarah Pauli vom "Wiener Boten", die ihre Spürnase immer wieder in Mordermittlungen steckt. Diesmal ist die Donau der Tatort für einige mysteriöse Todesfälle.

Als die Leiche der führenden Stylingexpertin und Modezarin Elina Thor unweit ihres Hauses neben der alten Donau gefunden wird, sind nicht nur ihre Freundinnen entsetzt. Elina hatte mit ihrer eigenen Fernsehsendung "Dein Style" massenweise Fans, die betroffen über den Tod ihres Idols sind.
Bald ist klar, dass Elina mit einem Gegenstand tödlich getroffen wurde, bevor sie in die alte Donau gelangt ist. Außergewöhnlich ist die eher billige Kette, die sie um den Hals trug. Sarah kommt der Modeschmuck an einer Stylingsexpertin seltsam vor und fragt sich, ob die Kette tatsächlich Elina Thorn gehören könnte. Der Anhänger in Form eines keltischen Knotens ist ein Symbol für zeitlose Verbundenheit, Liebe, Freundschaft und Ewigkeit.
Sarah erinnert sich an eine unbekannte Tote, die vor sieben Monaten aus der alten Donau gezogen wurde. Sie ahnt, dass die beiden Fälle zusammenhängen, aber es gibt keinerlei Indizien dafür.
Während sie am Friedhof der Namenslosen beim Alberner Hafen, wo vor allem unbekannte Wasserleichen begraben wurden, für einen ihrer Artikel recherchiert, spukt ihr immer wieder diese unbekannte Tote im Kopf herum. Ein mysteriöser Kreuzfund mit einer geheimnisvollen Inschrift, welches auf dem vor langer Zeit bereits stillgelegten Friedhof gefunden wurde, gibt zusätzliche Rätsel auf.
Als eine weitere Tote im Donaukanal gefunden wird, die ebenfalls eine Kette mit dem keltischen Knoten trägt, ist Sarah sicher, dass es sich hier um etwas Größeres handelt.....

Ich bewundere Beate Maxian, wie sie immer wieder interessante Plätze für ihre Wien Krimis findet, besondere Symboliken und alte Sagen, wie hier die des Donauweibchens, einbringt.
Ihre Ermittlerin Sarah Pauli hat mittlerweile Kultstatus erhalten und man hat beim Lesen das Gefühl eine gute alte Bekannte wieder zutreffen. Man kann gut mitraten und genießt den Wiener Flair, das gute Essen und erfährt nebenbei mehr über die eine oder andere Symbolik.
Der aktuelle Fall liegt in der Vergangenheit und ist spannend, wenn auch nicht nervenzerreibend, aber da es sich eher um einen Regionalkrimi handelt, geht es hier auch "gemütlicher" zu, als bei einem Psychothriller.
Man rätselt mit Sarah Pauli und Kommissar Stein mit und fragt sich, ob hier ein Serienmörder im Spiel ist oder jemand einfach Rache nimmt. Was wirklich dahinter steckt? Das müsst ihr selber lesen!

Fazit:
Ein weiterer Wien-Krimi aus der Feder von Beate Maxian mit der sympathischen Journalistin Sarah Pauli, der zum Miträtseln einlädt und gut unterhält.

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Veröffentlicht am 11.05.2025

Das Geisterhaus

Die stillen Gefährten
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England 1865. Elsie Bainbridge ist noch nicht lange verheiratet, als sie bereits zur Witwe wird. Ihr Mann Rupert ist bei einem Umfall ums Leben gekommen und die hochschwangere Elsie soll auf dessen Landgut ...

England 1865. Elsie Bainbridge ist noch nicht lange verheiratet, als sie bereits zur Witwe wird. Ihr Mann Rupert ist bei einem Umfall ums Leben gekommen und die hochschwangere Elsie soll auf dessen Landgut "The Bridge" ziehen - so wie es eigentlich vorgesehen war. Begleitet wird sie von Sarah, der Cousine ihres Mannes.
Bei ihrer Ankunft muss Elsie feststellen, dass das Landhaus noch nicht fertig renoviert ist und sich im umliegenden Dorf hartnäckige Gerüchte halten. Das Landhaus soll verflucht sein, seitdem eine der Vorfahren der Familie Bainbridge als Hexe angeklagt und verbrannt wurde. Das Dorf wirkt heruntergekommen und die Bewohner meiden das Anwesen und die Bewohner. Auch die Dienerschaft verhält sich äußerst merkwürdig.
Elsie fühlt sich in den kalten und ungemütlichen Gemäuern unwohl. Sie ist einsam und hört während der Nacht immer wieder scharrende Geräusche. Auch Sarah hört das komische Knarren und Knirschen.
In einem verschlossenen Raum finden die beiden das Tagebuch von Anne Bainbridge aus dem Jahr 1635 und eine Holzfigur, einen stillen Gefährten. Dieser scheint sie zu beobachten...und auf mysteriöse Weise scheinen sich die Gefährten zu vermehren....
Während Sarah immer mehr in Anne Bainbridges Tagebuch versinkt und sich von ihrer stummen Tochter Hetta nah fühlt, wird Elsie immer ängstlicher...

Die Autorin nimmt sich Zeit um Hintergründe, Personen und Szenen einzuführen. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven und auf zwei bzw. drei Zeitebenen, denn zu Beginn befinden wir uns in einer psychischen Einrichtung. Elsie wurde dort als Brandopfer eingeliefert und erzählt einem behandelten Arzt ihre Geschichte.

Der Schreibstil ist der Zeit angepasst und sehr atmosphärisch. Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet und facettenreich dargestellt.
Elsie ist nicht unbedingt eine Sympathieträgerin, aber sie tat mir trotzdem leid in ihrer Situation: hochschwanger, nur kurz verheiratet und jetzt Witwe und in einem düsteren Herrenhaus "untergebracht", welches keinerlei Geborgenheit gibt, sondern eher zum Fürchten ist. Sie vermisst ihr altes Zuhaue und ihren Bruder Joylon mit dem sie gemeinsam die Streichholzfabrik ihrer Eltern geführt hat.
Sarah ist eine etwas naive Figur, jedoch liebenswürdig und hilfsbereit. Sie steht Elsie zur Seite, die sie jedoch mit Missachtung straft.

Das Setting mit Großbritannien im viktorianischen Zeitalter ist eine meiner liebsten Epochen und eignet sich perfekt für historische Schauerromane oder Gruselgeschichten. Die angespannte gruselige Atmosphäre ist von Beginn an allgegenwärtig und zieht sich bis zum Ende durch die Geschichte. Man möchte unbedingt wissen, was es mit den Geräuschen, den seltsamen Vorkommnissen und den Geheimnissen um die "Stillen Gefährten" auf sich hat und kann das Buch schwer aus der Hand legen.
Die titelgebenden Holzfiguren habe ich mir wie eine lebensgroße Figur auf einem Holzsockel vorgestellt, die jedoch nicht platt, sondern eher reliefartig aussieht. Es war super interessant, wie unterschiedlich wir uns alle die stillen Gefährten vorgestellt haben.

Aber nicht nur die titelgebenden Figuren haben zum diskutieren angeregt, sondern auch das Ende. Es wird nicht alles aufgelöst und lädt zu Spekulationen ein. Einige von uns hatten diese eine Meinung dazu, die anderen waren anderer Meinung, wie das Ganze nun wirklich passiert ist und welche Rolle Elsie gespielt hat. Man bleibt deshalb mit einigen Fragen zurück, was für mich leider nicht gänzlich zufriedenstellend war. Ihr wisst ja - ich hasse offene Enden!
Ganz so schlimm war es nicht, aber einige Fragen hätte ich trotzdem gerne beantwortet gehabt.


Fazit:
Eine atmosphärischer und geheimnisvoller Schauerroman, der im viktorianischen Zeitalter spielt und von Beginn an fesselt.
Schade, dass das Ende noch Fragen aufwirft und somit etwas unzufriedenstellend bleibt. Trotzdem werden wir im Herbst wieder gemeinsam das nächste Buch der Autorin lesen. Ich freue mich schon darauf!

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Veröffentlicht am 11.05.2025

Fesselnd

Don't Let Her Stay
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Don't let her stay" ist ein richtiger Pageturner, den man kaum aus der Hand legen kann.
Joanne lebt mit ihrem neunzehn Jahre älteren Mann Richard und dem gemeinsamen Baby Evie in einem großen, eher abgelegenen ...

Don't let her stay" ist ein richtiger Pageturner, den man kaum aus der Hand legen kann.
Joanne lebt mit ihrem neunzehn Jahre älteren Mann Richard und dem gemeinsamen Baby Evie in einem großen, eher abgelegenen Haus außerhalb von London. Joanne ist glücklich, wenn auch etwas einsam. Für Richard ist es die zweite Ehe. Seine erste Frau starb unter etwas rätselhaften Umständen. Mit seiner Tochter Chloe hat er sich zerstritten, als er Joanne heiratete. Doch nun scheint sich diese zu besinnen und möchte Joanne, aber vor allem ihre kleine Halbschwester Evie kennenlernen.

Sie kündigt ihren Besuch an und Joanne freut sich sehr, dass die beiden wieder annähern wollen. Dass Chloe allerdings gleich einzieht - damit hat sie nicht gerechnet. Und während die fast erwachsene Tochter vor dem Vater die liebenswürdige Vorzeigetochter vorgibt, bemerkt Joanne immer wieder Veränderungen im Haus, die sie langsam an ihren Verstand zweifeln lassen.

Auch Richard scheint Chloe mehr Glauben zu schenken, als seiner Frau und verunsichert sie noch mehr.

Als sich Chloe sogar als Babysitter für die kleine Evie anbietet und Joanne dem bereits gebuchten Au Pair Mädchen absagen muss, zieht sich die Schlinge immer enger um sie, denn langsam zeigt Chloe auch ihres wahres Gesicht Joanne gegenüber, die um die kleine Evie fürchtet....

Nicola Sanders hat hier das Rad nicht neu erfunden, mich aber mit ihrer Art zu erzählen, völlig abgeholt. Sie hat mit "Don't let her stay" einen richtigen Pageturner geschrieben. Die Atmosphäre ist ab Chloes Ankunft durchgängig bedrohlich. Man wird beim Lesen immer hibbeliger und wütender und beginnt sich zu fragen, wem man eigentlich noch vertrauen kann. Zusätzlich sind die Figuren, die sie erschaffen hat, fast alle unsympathisch, anstrengend oder manipulativ. Natürlich gibt es auch ein paar eingebaute Klischees, was mich allerdings nicht störte.

Der Psychothriller kommt mit wenigen Figuren aus. Erzählt wird überwiegend aus der Ich-Perspektive von Joanne.

Neben Joanne, Richard, Chloe, Haushaltshilfe Roxanne, sowie Gärtner Simon, gibt es nur wenige Nebenfiguren, die kaum eine Rolle spielen. Auch das Setting ist minimal, denn der Psychothriller spielt sich nur im Haus der Familie ab.

Ich wusste nach einiger Zeit nicht mehr, wen ich vertrauen kann und was hier eigentlich gespielt wird. Die Autorin hat gekonnt ihre Fährten gelegt und ich bin tatsächlich in alle hineingetappt....


Und dann kam es plötzlich zu einer unerwartenden Wendung und zu einem Showdown, der einem dem Atem raubt. Doch damit nicht genug: Nicola Sanders wartet mit einem neuerlichen Twist auf, der am Ende nochmals alles in Frage stellt und mich kurz sprachlos zurückgelassen hat.

Fazit:

Ein richtiger Pageturner, der zwar das Rad nicht neu erfunden hat, aber toll erzählt wird und mit guter Spannung und so einigen Twists aufwarten kann. Ich empfehle den Psychothriller gerne weiter!

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Veröffentlicht am 07.05.2025

Deutschländle

Little Germany - Der Duft der Neuen Welt
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Maria Nikolais neue Dilogie startet mit Band 1 "Der Duft der Neuen Welt" und hat mich von der ersten Seite an begeistert.
Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil, der mich schon bei ihrer Schokoladenvilla ...

Maria Nikolais neue Dilogie startet mit Band 1 "Der Duft der Neuen Welt" und hat mich von der ersten Seite an begeistert.
Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil, der mich schon bei ihrer Schokoladenvilla total eingenommen hat.

In "Little Germany" lernen wir zwei junge Frauen aus unterschiedlichen Schichten kennen, die den Sprung über den Atlantik wagen.
Lissi arbeitet als Dienstmädchen in der herrschaftlichen Villa Wagner in Stuttgart und ist vom Sohn des Hauses schwanger. Sie hofft auf eine Heirat, doch stattdessen wird sie auf die Straße gesetzt.
Julia kommt aus gutem Haus und wird mit falschen Voraussetzungen in eine arrangierte Ehe gelockt. Ihre Liebe gehört den Pferden und ganz besonders ihrem Hengst Achill. Eigentlich sollte sie ihrem Mann Frederick bei der Gestütsleitung helfen, doch ihre herrische Schwiegermutter will sie als vorzeigbare Ehefrau ihres Mannes präsentieren. Als Frederick Achill verkauft, bricht für Julia die Welt zusammen. Sie verlässt heimlich das Rittergut Eckerde ihres Mannes und schifft sich in Bremerhaven auf der "Kaiser Wilhelm der Große" ein. Auch Lissi hat eine Fahrkarte im Mitteldeck ergattern können und so treffen die beiden Frauen aufeinander und freunden sich an. Die Überfahrt ist abenteuerlich. Kaum in New York angekommen möchte Lissi ins "Deutschländle", der Ecke von NY, wo sich deutsche Auswanderer angesiedelt haben. Dort möchte vor allem Lissi wenn möglich in einer Bäckerei arbeiten, denn sie liebt das Backen: Sie hat das Rezeptbuch ihrer Großmutter mit auf die Reise genommen, wo sich auch das Geheimrezept ihrer Brezeln befindet...

Maria Nikolai hat nicht nur die Reise über den Ozean und die Ankunft auf Ellis Island bildhaft und lebendig beschrieben, sondern auch die weiteren gemeinsamen Jahre von Lissi und Julia, die sich ein neues Standbein schaffen. Ich habe die beiden Frauen sehr gerne begleitet und habe mich auch an meinem Besuch im Auswanderermuseum in Hamburg 2018 erinnert. Lissi und Julia sind zwar von Bremerhaven aus gestartet, aber die Museen werden sich sicher etwas ähneln.

Wir erfahren über das Leben in "Little Germany", den Bekanntschaften, die die beiden Frauen machen, von diversen Schwierigkeiten, die sich ihnen in den Weg stellen, aber auch von neuen Hoffnungen. Alles wird so wunderbar lebendig beschrieben, dass man nicht nur mit den beiden Figuren mit fiebert, sondern sich mitten drinnen in "Little Germany" fühlt.
Die unbeschreibliche Atmosphäre in New York zur Jahrhundertwende, all die neuen Möglichkeiten, aber auch Armut und Bandenkriege, lassen uns in diese Zeit "hineinschnuppern".
Die Charaktere sind facettenreich und obwohl man manchen von ihnen nicht trauen kann, schließt man sie trotzdem ins Herz. Neben vielen fiktiven Figuren lernen wir auch historische kennen. Die fundierte Recherche der Autorin muss man ebenfalls einfach hervorheben. Ich habe über Instagram auch ihren Besuch im ehemaligen deutschen Stadtviertel "Little Germany" in New York mit Interesse mitverfolgt.

Die Geschichte ist in vier Teile geteilt und das Ende dramatisch. Teil 1 schließt mit einem Cliffhanger, der mich bestürzt zurücklässt und das Warten auf Band 2 noch länger erscheinen lässt.

Im Anhang befindet sich noch ein Personenverzeichnis historischer und fiktiver Figuren, historische Romanhintergründe, wie zur Auswanderung, dem Fahrrad fahren, über Little Germany und anderen Vierteln in New York, sowie ein Glossar und Rezepte.

Fazit:
Ein großartiger erste Band, der uns zur Jahrhundertwende nach "Little Germany" in New York führt und die Geschichte von Lissi und Julia erzählt, die als Auswanderer ein neues Leben beginnen. Spannend und atmosphärisch, hervorragend recherchiert und fesselnd. Gerne gebe ich eine Leseempfehlung und warte schon sehnsüchtig auf den Folgeband!

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