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Veröffentlicht am 20.03.2025

Leider nur mittelmäßig

Nachtwald
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Ich liebe Thriller mit einer begrenzten Personenzahl, die in einer abgeschiedenen Umgebung oder überhaupt abgeschnitten von der Welt, um ihr Überleben kämpfen müssen.
Schauplatz ist diesmal "Butler Hall", ...

Ich liebe Thriller mit einer begrenzten Personenzahl, die in einer abgeschiedenen Umgebung oder überhaupt abgeschnitten von der Welt, um ihr Überleben kämpfen müssen.
Schauplatz ist diesmal "Butler Hall", ein altes Herrenhaus in Irland, umgeben von dunklen Wäldern und nur zu Fuß erreichbar. Handyempfang gibt es ebenfalls kaum.
Lizzie hat gerade eine sechsmonatige Therapie hinter sich und versucht sich langsam wieder ihrer Mutter und ihrem Bruder Liam anzunähern. Sie ist zu einem Familienzusammentreffen in Butlers Hall eingeladen, nachdem ihre Mutter überraschend geheiratet hat. Das teilrenovierte Herrenhaus gehört ihrem frisch angetrauten Ehemann George, den Lizzie zum ersten Mal treffen soll. Unverhofft taucht auch Georges Tochter Freya mit ihrem Ehemann Hudson auf. Doch Freya und Hudson sind nicht die einzigen Überraschungsgäste, denn am Abend taucht plötzlich ein ungebetener Gast auf mit dem niemand gerechnet hat. Am nächsten Morgen wird eine Leiche gefunden und jeder wird verdächtigt den Mord begangen zu haben....

Wir erleben die Geschichte aus der Perspektive von Lizzie. Ihr Charakter steht im Mittelpunkt der Handlung und als Leser sind wir auf ihre Sichtweise angewiesen. Man weiß deswegen nicht, ob sie eine zuverlässige Erzählerin ist.
Trotzdem erfährt man als Leser am meisten über sie und ihren Charakter, der von der Autorin sehr lebendig beschrieben wird. Die anderen Figuren bleiben hingegen teilweise eher blass.
Lizzie hat von Beginn an ein ungutes Gefühl und vertraut der überschwänglichen Fröhlichkeit und Freundlichkeit nicht. Diese wechselt auch kaum, nachdem die Leiche gefunden wird und man versucht, diese irgendwie loszuwerden. Erst als sich die Bewohner des Hauses langsam gegenseitig mehr beobachten und verdächtigen, wird die Atmosphäre zusätzlich beklemmend. Als Leser versucht man herauszufinden, wer die Wahrheit spricht oder wer etwas vertuschen möchte.
Leider fand ich die Entwicklung der Handlung etwas an den Haaren herbeigezogen - vor allem das Benehmen der anderen Familienmitglieder war teilweise befremdlich. Einzig Lizzies Gefühlsregungen und Ängste konnte ich richtig nachvollziehen. Sie war für mich auch der Charakter, der als Einziger rational handelte und Mut und Stärke bewies.

Gefallen haben mir die Naturbeschreibungen und die kleinen Einblicke in die Pflanzenkunde. Der Garten hinter "Butler Hall" verbirgt nämlich auch giftige Pflanzen. Außerdem fühlte man in jeder Zeile die Abgeschiedenheit des Hauses und die dunklen, undurchdringlichen Wälder.
Vieles fand ich zu jedoch zu konstruiert und unglaubwürdig, auch wenn die Handlung spannend erzählt wird.


Fazit:
Ein Thriller mit Stärken und Schwächen. Atmosphärisch top, aber mit kleinen Längen, einigen unglaubwürdigen Handlungen und Eigenheiten, die mir zu konstruiert waren. So richtig überzeugen konnte mich Tríona Walsh mit "Nachtwald" nicht.

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Reflexion über das Leben und die Liebe

In einem Zug
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Der neue Roman von Daniel Glattauer hat bereits im Vorfeld ganz schön polarisiert. Ich mag seine Bücher und auch "In einem Zug" hat mir wieder gut gefallen.
Wie bereits bei "Gut gegen Nordwind" und "Alle ...

Der neue Roman von Daniel Glattauer hat bereits im Vorfeld ganz schön polarisiert. Ich mag seine Bücher und auch "In einem Zug" hat mir wieder gut gefallen.
Wie bereits bei "Gut gegen Nordwind" und "Alle sieben Wellen" ist dieser Roman ein Dialog zwischen zwei Menschen. Diesmal allerdings nicht über Email oder anderen Social Media Plattformen, sondern in einem Zug, wie bereits der Titel suggeriert.

Der Liebesroman-Autor Eduard Brünhofer sitzt im Zug von Wien nach München. Seit einigen Jahren hat er kein Buch mehr veröffentlicht und der Verlag wird langsam ungeduldig. Er hat nämlich den Vorschuss für sein neues Buch bereits kassiert. Nun bittet der Verlag den Autor um ein Gespräch nach München. Brünhofer weigert sich jedoch wieder einen Liebesroman zu schreiben und sitzt mit sehr gemischten Gefühlen im Zugabteil. Ihm gegenüber sitzt eine attraktive Frau in den mittleren Jahren, die ihm interessiert mustert. Der etwas von sich eingenommene Schriftsteller denkt, er würde erkannt werden und ist enttäuscht, als sein Gegenüber ein Gespräch beginnt und ihm bald erklärt, dass sie keines seiner Bücher kennt. Trotzdem bricht das Gespräch nicht ab, denn die Frau, die sich als Catrin Meyr vorstellt, ist Psychologin und fragt Brünhofer nach und nach Löcher in den Bauch.
Was zu Beginn noch eher belanglos klingt wird immer intensiver und sehr persönlich, was Brünhofer nicht wirklich gefällt. Catrin Meyer stellt ihm ungeniert sehr diskrete Fragen. Die vier Stunden Zugfahrt werden zu einem intensiven Gespräch über die Liebe und die Ehe. Die kleinen Rotwein- und Sektflaschen aus dem Bordrestaurant lockern mit der Zeit Brünhofers Zunge. Er teilt seinem Gegenüber einige doch sehr private Dinge mit. Sehr humorvoll wird es, als sich ein Italiener zu den beiden ins Abteil setzt. Im Laufe der Zeit verändert sich die Dynamik etwas und es kommt zu unvorhergesehenen Wendungen.

Glattauer schafft es tatsächlich, dass wir unsere Sympathien den beiden Hauptdarstellern gegenüber im Laufe der Zugfahrt wechseln - und das nicht nur einmal. Als Leser fragt man sich, außerdem wie zuverlässig der Erzähler ist.

Die Kapitelüberschriften sind die Haltestellen des Zuges von Wien auf den Weg nach München, der über Sankt Pölten, Amstetten, Linz, Attnang-Puchheim usw. führt. Für mich spannend, weil ich oftmals Teilstrecken dieser Verbindung fahre.
Die Erzählweise ist sehr dialoglastig. Der Autor spielt mit der Sprache. Sie ist aber auch direkt und oftmals sarkastisch treffend. Es gibt kaum äußere Handlung. Die Erzählung wirkt ähnlich einem Kammerspiel, wie schon in seinem Roman "Die Wunderübung".
Das Ende hält eine kleine Überraschung bereit, die mir gefallen hat.

Fazit:
Ich empfehle diesen Roman eher älteren Semestern und denke, dass die jüngere Leserschaft weniger damit anfangen kann. Es ist eine Reflexion über das Leben und die Liebe, das Altern und wie wir uns identifizieren. Mich hat der Roman gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Warmherziger Roman mit Lokalkolorit

Sommerhimmel über dem Möwenhof
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Maren und Tom haben sich getrennt und für die Mutter von drei Kindern geht es von Bayern zurück an die Nordsee. Dort leben ihre Mutter und ihre Tante Levke im Möwenhof und betreiben ein kleines Bed & Breakfast. ...

Maren und Tom haben sich getrennt und für die Mutter von drei Kindern geht es von Bayern zurück an die Nordsee. Dort leben ihre Mutter und ihre Tante Levke im Möwenhof und betreiben ein kleines Bed & Breakfast. Auch Marens Schwester Merle wohnt im selben Ort. Jobmäßig soll Maren demnächst bei einer Werbeagentur anfangen, doch nähere Informationen lassen noch immer auf sich warten.

Was mich beim Lesen von Beginn an etwas irritiert hat, war die furchtbar kleine Schrift. Wir Leser sind schon sehr verwöhnt von großen Lettern und Abständen in Büchern - im Gegensatz zu früher. Oftmals wird der Text auch aufgeplustert, damit man die Geschichte als Paperback teurer verkaufen kann. Das ist hier nicht so, was ich toll finde. Jedoch hätte ich mir manchmal trotzdem eine größerer Schriftgröße gewünscht.

Der Einstieg in die Geschichte fällt sehr leicht. Man ist sofort mitten im Geschehen. Maren packt ihre Sachen und macht sich auf den Weg in ihre alte Heimat. Es fällt ihr schwer, ihre Kinder aus der gewohnten Umgebung zu reißen, aber an der Nordsee warten auch Oma, Großtante und Tante, die alle Zeit für Nele, Nico und Noah haben.
Maren hat allerdings nicht damit gerechnet, ihr Herz schneller klopfen zu spüren, als sie zufällig Bootsbauer Henning kennenlernt. Für Maren bringt diese unerwartete Anziehung zu diesem Mann ihre Pläne durcheinander und außerdem sind da ja auch noch die Kinder...
Doch es kommen noch weitere dunkle Wolken auf Maren und ihre Familie zu. Ludger, der Onkel von Maren, dem der Möwenhof eigentlich gehört und dessen Schwestern ihn zwar für ihn verwalten und ihr lebenslanges Wohnrecht haben, möchte das idyllische Kleinod verkaufen. Maren und ihre Familie haben gerade erst die Zimmer renoviert und endlich ein Gefühl von Heimat erfahren...soll alles wieder so schnell vorbei sein?

Erzählt wird im Wechsel aus der Sicht von Maren und Henning. So bekommt man einen ehrlichen Blick in die Gefühlswelt der beiden. Die Figuren sind - bis hin zu den Nebenfiguren -sehr lebendig, authentisch und mit viel Liebe gezeichnet.
Maren ist eine sehr sympathische Frau, die das Familienleben an erster Stelle stellt. Dabei möchte sie aber auch so gut wie möglich unabhängig sein, was nicht immer so einfach ist.
Henning ist, wie Maren, ein gebranntes Kind, was Beziehungen angeht. Auch Job mäßig hat er früher einiges anders gemacht, was eine ganz andere Seite von ihm zeigt.

Der Schreibstil von Frida Jacobsen, den ich bereits kenne, hat mir wieder sehr gut gefallen. Er ist bildhaft und auch humorvoll. Das Flair der Gegend rund um die Nordsee und seiner Bewohner ist wundervoll eingefangen. Lokalkolorit verspricht auch der Dialekt der Region, der immer wieder "eingestreut" wird.

Fazit:
Mir hat dieser locker-leichte und warmherzige Sommerroman gut gefallen und unterhalten. Diese kleine Auszeit am Möwenhof ist eine hervorragende Wochenendlektüre, um sich einzukuscheln und vom Sommer zu träumen.

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Über große Bücherliebe und Trauerbewältigung

Die Bibliothek der zweiten Chancen
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Charlotte liebt Bücher seit sie denken kann und arbeitet in ihrem Traumjob in der Kölner Bibliothek. Vor fünf Jahren hat sie ihren Mann Cedric verloren, den sie zum ersten Mal in Paris am Friedhof Père ...

Charlotte liebt Bücher seit sie denken kann und arbeitet in ihrem Traumjob in der Kölner Bibliothek. Vor fünf Jahren hat sie ihren Mann Cedric verloren, den sie zum ersten Mal in Paris am Friedhof Père Lachaise gesehen hat. Doch richtig kennengelernt haben sie sich tatsächlich in der Kölner Bibliothek. Diese soll nun renoviert werden und die ungewisse berufliche Zukunft macht Charlotte schwer zu schaffen. Der fast gleichzeitige Auszug ihrer beiden Töchter Yvonne und Nicola sind dann noch das Tüpfelchen auf dem i. Nach dem Tod von Cedric hat sie ihr Leben ganz nach ihren Töchtern ausgerichtet. Charlotte fühlt sich deshalb nun auf dem Abstellgleis angekommen.
Frank, ein netter Kunde und Witwer, der sie umwirbt, hat keine Chance, denn Charlotte sucht nicht nach einer neuen Liebe. Schwägerin Nadine, die sich ziemlich übergriffig benimmt, macht ihr zusätzlich das Leben schwer. Charlotte denkt sehnsüchtig an ihren langgehegten Traum ein eigenes Buch zu schreiben. Die einsamen Abende könnte sie doch damit ausfüllen...
Die zufällige Begegnung mit der jungen Verlegerin Lisa scheint ihr den Weg genau in diese Richtung zu weisen. Doch Lisa kämpft ebenfalls an allen Fronten. Der eigene Verlag läuft noch nicht wirklich und schreibt rote Zahlen. In wenigen Wochen steht auch noch ihre Hochzeit mit ihrem Verlobten Marten an, der in letzter Zeit immer weniger Verständnis für sie und ihren Job aufbringt.
Als Charlotte alte Briefe von Cedric findet, der ihr nach seinem Tod Aufgaben stellt, ist eine davon eine Reise nach Paris, wo sie damals ihre Flitterwochen verbracht haben. Sie tritt diese Reise an und trifft in der Stadt der Liebe wieder auf Lisa, die mit ihrem Verlobten ein Wochenende verbringt. Die beiden Frauen freunden sich trotz des Altersunterschiedes an und unterstützen sich auch nach ihrer Rückkehr nach Deutschland gegenseitig.

Marie Adams hat einen leichten und einnehmenden Schreibstil, der sich gut lesen lässt. Die Figuren - bis hin zu den Nebencharakteren - sind sehr lebendig dargestellt. Alle haben ihre Stärken und Schwächen und einige davon sind mir beim Lesen ans Herz gewachsen. Allerdings hätte ich sowohl Lisa, als auch Charlotte, oftmals am liebsten geschüttelt, wenn sie sich wieder von denselben Menschen manipulieren lassen. Bis sich beide auf die eigenen Füße stellen und erkennen, wann es genug ist, dauert es eine Weile.
Der Blick hinter das Verlagwesen hat mir sehr gut gefallen und der Städtetrip nach Paris hat meine Sehnsucht nach dem französischen Laissez-faire wieder erweckt.
Manche Handlungen sind hingegen etwas vorhersehbar, manchmal gibt es aber auch überraschende Wendungen, die den beiden Frauen ein neues (Lebens-)Kapitel eröffnet. Neben dem Thema Bücher geht es größtenteils um Trauerbewältigung und den Mut zur Veränderung, um Freundschaft und das Wiederfinden der Lebensfreude.

Fazit:
Die kurzweilige und warmherzige Geschichte regt zum Nachdenken, aber auch zum Schmunzeln ein. "Alles hat seine Zeit" - Trauer und Verlust, genauso wie Hoffnung und neue Träume. Dies vermittelt Marie Adams sehr anschaulich. "Es ist nie zu spät für einen Neubeginn" ist das Credo der Autorin, die uns Leserinnen Mut macht.

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Die wilde Jagd

Rauhnächte - Sie werden dich jagen
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Die Rauhnächte, die zwölf Nächte, die vom 25. Dezember bis zum 5. Januar angesiedelt sind, sind die magische Zeit des Jahres. Es geht um Rückschau, innehalten, Ruhe und zu sich finden. Doch es gibt auch ...

Die Rauhnächte, die zwölf Nächte, die vom 25. Dezember bis zum 5. Januar angesiedelt sind, sind die magische Zeit des Jahres. Es geht um Rückschau, innehalten, Ruhe und zu sich finden. Doch es gibt auch die andere Variante, denn zu dieser Zeit steht das Geisterreich offen und die Seelen der Verstorbenen haben "Ausgang". Und zur Mitte der Zwölfnächte, nämlich zu Silvester, soll die Wilde Jagd aufbrechen. Diesem Thema widmen sich die Autorin Ulrike Gerold und der Autor Wolfram Hänel in diesem Thriller/Krimi. Deshalb hat mich auch der Klappentext sofort angesprochen. Ich liebe die Berge bei uns in Österreich, das Brauchtum zum Thema Krampus oder den Schiach-Perchten, die die bösen Geister des Winters austreiben sollen.

Der Einstieg war auch gelungen. Lisa kommt nach einigen Jahren in München zu den Weihnachtsfeiertagen wieder zurück in das Dorf in Salzburg, wo sie gelebt und von ihren Großeltern aufgezogen wurde. Schon immer hat sie die besondere Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag fasziniert. Im Rahmen ihrer Professur recherchiert sie über die Rauhnächte und kehrt noch einmal nach Oberalmdorf zurück, obwohl sie kein gutes Verhältnis zu ihren Großeltern hat.
Immer wieder verschwinden im kleinen Dorf in diesen Tagen junge Frauen, die nach acht Tagen verwirrt und völlig verstört zurückkehren. Das Dorf sucht weder nach ihnen, noch sprechen die Frauen darüber, was vorgefallen ist. Manche ziehen danach weg oder verüben sogar Selbstmord - und die Dorfbewohner schweigen dazu.
Auch Lisas Familie wirkt geheimnisvoll, denn sowohl ihre Mutter, als auch ihr Vater sind unabhängig voneinander verunglückt und das Schicksal ihrer Schwester Kathi bleibt unklar.
Da wird ein Mann, aufgespießt mit einem Horn einer Perchtenmaske, tot aufgefunden. Als Ermittler kommt Max, ein alter Freund von Lisa, von Salzburg in ihr Heimatdorf. Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, was hinter diesen mysteriösen verschwinden der Frauen steckt und wer den Mann ermordet haben könnte....

Die Geschichte wird aus der Sicht von Lisa erzählt. Dabei gibt es immer wieder kurze Einschübe einer jungen Frau, die anscheinend von den Perchten entführt wurde. Man weiß nicht wer sie ist und auch nicht, ob die Erzählung bereits vergangen oder gerade aktuell ist. Dies bringt noch einen Hauch mehr Spannung in den Thriller. Denn auch im selben Jahr, als Lisa nach Oberalmdorf zurückkehrt, ist wieder eine junge Frau verschwunden.
Und das erste Drittel wird auch sehr spannend erzählt, während in der Mitte die Spannung etwas abflaut. Hier hatte ich das Gefühl, dass sich die Autoren etwas verloren haben in ihrer Geschichte. Was bleibt, ist die düstere und beklemmende Stimmung, die von Beginn an anwesend ist.

Die Nebenfiguren, allen voran Moni, Lisas beste Freundin, und Max bleiben undurchsichtig. Man rätselt die gesamte Zeit fleißig mit und hat seine eigenen Verdächtigen. Bei manchen Aktionen musste ich allerdings auch den Kopf schütteln und habe mich gefragt, ob das in Wirklichkeit überhaupt durchführbar wäre. Aber hier kann man getrost ein Auge zudrücken, denn dieses "Phänomen" hat man doch sehr oft in diesem Genre.

Was ich richtig gut fand war, wie das norddeutsche Autorenpaar diese mystische Atmosphäre und das Dorfleben eingefangen haben. Ich hatte als Österreicherin nie das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmen und nicht in die salzburgische Bergwelt passen könnte. Die Eigenheiten der Dörfler wurden lebendig beschrieben und man hatte laufend das Gefühl, dass jeder der Einwohner Dreck am Stecken hat. Die Bedrohung war konstant durch die Zeilen zu spüren. Authentische Ermittlungsarbeit gibt es hingegen eher weniger, denn auch der Dorfpolizist unterschlägt jegliche Beweismittel und wird auch nicht wirklich aktiv.

Die Auflösung fand ich hingegen etwas oberflächlich und es bleiben einige Fragen offen. Hier haben es sich die Autoren etwas leicht gemacht. Trotzdem hat mich dieser atmosphärische Krimi gut unterhalten und vor allem die unheimliche Stimmung im Dorf hat mir gut gefallen.

Fazit:
Ein sehr atmosphärischer Thriller/Krimi, der vom Brauchtum und die Eigenheiten eines kleines Dorfes in den Bergen, das sich ihre eigenen Gesetze schafft, erzählt. Einige ungelöste Fragen und ein Abfallen der Spannung im Mittelteil begründen meine Bewertung.

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