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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.08.2020

Absolute Leseempfehlung!

Fly, Baby, fly!
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Die österreichische Autorin Sophie Edenberg hatte mich gefragt, ob ich ihren Roman gerne lesen und rezensieren würde. Ich habe in die Leseprobe reingelesen und danach sofort zugesagt und es wirklich nicht ...

Die österreichische Autorin Sophie Edenberg hatte mich gefragt, ob ich ihren Roman gerne lesen und rezensieren würde. Ich habe in die Leseprobe reingelesen und danach sofort zugesagt und es wirklich nicht bereut. Was für eine tolle und spannende Geschichte!

Die Handlung hat mich von Beginn an sofort gefangen genommen. Wir erleben mit Lea ihren schweren Autounfall und wie sie ohne Erinnerung an die letzten dreizehn Jahre im Krankenhaus erwacht. Ihre letzte Erinnerung ist der Abschlussball an ihrer Schule, den sie gemeinsam mit ihrem Freund Christopher besucht hat. Lea möchte direkt an die Zeit ihrer Erinnerung im Jahr 1999 anschließen, doch das ist nicht möglich. Mit keinem ihrer früheren Freunde, sowie mit den Eltern pflegte sie noch Kontakt. Ihren Mann Christopher, den sie scheinbar geheiratet und mit dem sie eine gemeinsame Tochter hat, hat sie vor mehr als drei Jahren verlassen. Lea ist geschockt und voller Schuldgefühle. Sie ist fest entschlossen ihren Mann und ihre Tochter zurückzugewinnen, der mittlerweile mit seiner ehemaligen besten Freundin Anna liiert ist.

Dies ist einer der selten Romane, bei dem ich sogar das Liebesdreieck nicht furchtbar fand. Sophia Edenberg erzählt mitreißend und tiefgründig. Die Charaktere bestechen durch Vielschichtigkeit und sind mitten aus dem Leben gegriffen. Sie haben Ecken und Kanten und sind alles andere als perfekt.

Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht von Lea, Anna und Christopher erzählt. Zusätzlich gibt es Rückblenden in die Jahre 1999 und 2006, während die Gegenwart im Jahr 2019 und Anfang 2020 spielt.
Die Charaktere sind sehr realitättsnah und vielschichtig dargestellt. Keine der Figuren ist perfekt, sondern alle haben Ecken und Kanten. Durch Rückblenden werden die Geheimnisse aus Leas Vergangenheit langsam schichtweise aufgedeckt. Dadurch wird die Spannung erhöht. Die zwischenmenschlichen Beziehungen werden sehr eingehend dargestellt und ich konnte mich teilweise gut in beide Frauen hineinversetzen. Auch wenn Lea nicht unbedingt ein Sympathieträger ist, konnte ich ihre Verzweiflung wegen ihrer Amnesie verstehen. Ich war neugierig, was hinter Leas Kontaktabbruch steckte, beobachtete mit Anna, wie sich Christoph plötzlich veränderte, nachdem er Lea wieder getroffen hat und fühlte ihren Kummer.

Die beiden Frauen sind sehr unterschiedlich. Während Lea vor ihrem Unfall nur vor Selbstvertrauen strotze und der es auch danach nicht wirklich an Selbstwertgefühl mangelte, muss sich Anna erst selbst wertschätzen lernen. Christophs Entwicklung überraschte mich allerdings am meisten.
Jeder der Figuren entwickelt sich in ihrem eigenen Tempo weiter. Es gibt keine plötzlich 180 Grad Wendung, sondern eine realistische Entwicklungder Charaktere bzw. deren Aufdeckung.

Zum Ende hin gibt es eine überraschende Wendung, mit der ich nicht gerechnet hatte. Die Idee dahinter ist von der Autorin großartig umgesetzt worden und ist sehr schlüssig. Für mich stimmt hier einfach alles. Und nun höre ich auf zu schwärmen und sage nur: Liest selbst!

Fazit:
"Fly, Baby fly" sticht aus diesen 08/15 Geschichten heraus, wie eine Orchidee zwischen Unkraut. Ein Roman, wie man ihn öfters gerne lesen möchte und doch so selten findet. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 11.08.2020

Spannende Lesestunden

Die Sündenbraut
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Es war mal wieder Zeit für einen "richtigen" historischen Roman, sprich einem Buch, das wirklich vor langer Zeit spielt. Das passt "Die Sündenbraut" perfekt. Von der Autorin habe ich bereits den Debütroman ...

Es war mal wieder Zeit für einen "richtigen" historischen Roman, sprich einem Buch, das wirklich vor langer Zeit spielt. Das passt "Die Sündenbraut" perfekt. Von der Autorin habe ich bereits den Debütroman "Die Klosterbraut" gelesen, welchen ich wirklich sehr gut fand.

Wir befinden uns im 13. Jahrhundert im Rheinland. Fenja ist eine Waise und lebt bei ihrer Ziehmutter Runhild. Die beiden sind heilkundig und ziehen von Ort zu Ort. Außerdem sind sie sogenannte "Sündenesserinnen" (Menschen, die bei ihrem Tod keine letzte Ölung erhalten, werden von ihren Sünden nicht erlöst. Die Sündenesserinnen nehmen diese Sünden auf sich und befreien so den Toten von den Sünden)
Fenja ahnt nicht, dass sie bereits einige Zeit verfolgt werden. Als Runhild ermordet wird, ist sie auf sich alleine gestellt. Sie schwebt in großer Gefahr, denn ihr Verfolger hat den Auftrag auch sie zu ermorden. Runhild hat ihr nie das Geheimnis ihrer Herkunft verraten. Fenja bleibt nur ein Tuch mit einem eingestickten Wappen und Runhilds letzte Worte, sowie ihre Warnung vor den Zisterziensern. Auf ihren weiteren Weg trifft sie auf Ritter Gerald, der inkognito als Handwerker verkleidet für Kaiser Friedrich einen Auftrag erledigen soll. Er scheint das Wappen auf dem Tuch zu erkennen und bietet Fenja Hilfe an. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg in Richtung Norden, nichts ahnend, dass ihnen der Mörder von Runhild noch immer auf den Fersen ist....

Wie schon bei der Klosterbraut flog ich auch hier nur so durch die Seiten. Die Geschichte lässt sich leicht lesen und hat jede Menge Spannungspotenzial. Die Flucht von Fenja vor ihrem Mörder und Geralds Auftrag für den Kaiser ergeben einen tollen Plot.
Fenja ist eine starke Protagonistin, die Ziele vor Augen hat und nicht vorschnell aufgibt. Sie möchte auf jeden Fall mehr über ihre Herkunft erfahren, egal welche Hindernisse ihr auch im Wege stehen.
Auch Gerald hält vorerst an seinem kaiserlichen Auftrag. Er stellt diesem aber immer mehr in Frage. Beide Figuren entwickeln sich weiter, sind aber eindeutig nur als Sympathieträger aufgebaut.

Manuela Schörghofer hat sich mit der Zeit, die sie beschreibt, sehr genau auseinandergesetzt. Man merkt ihre gute Recherche. Diese dunkle Zeit, die sehr vom Aberglauben und der Allmacht der Kirche abhängig ist, wurde sehr lebendig dargestellt.
Die unerwartete Überraschung am Ende ist sehr gut gelungen und gibt der Geschichte noch einen zusätzlichen Höhepunkt.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist flüssig, der damaligen Zeit angepasst und sehr bildhaft. Die Dialoge zwischen Fenja und Gerald sind oftmals voller Humor. Die Figuren bis hin zu den Nebencharakteren konnte ich mir gut vorstellen. Besonders mochte ich den Alchemisten Achatus, ein wirklich ein schräger Vogel. Auch den tierischen Freund, Fenjas Hund Rufus, habe ich sofort ins Herz geschlossen. Manche Charaktere sind etwas zu wenig facettenreich.
Zu Beginn des Buches gibt es eine Landkarte, ein Personen- und Ortsverzeichnis und ein Glossar.

Fazit:
Ein historischer Roman, der im 13. Jahrhundert angesiedelt ist und mir spannende Lesestunden beschert hat. Der Debütroman der Autorin hat mir einen Ticken besser gefallen, aber auch "Die Sündenbraut" ist wieder eine gelungene Geschichte mit einer starken Protagonistin.

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Veröffentlicht am 09.08.2020

Ein Dorf und seine Geheimnisse

Kalte Nacht
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Hinter dem Pseudonym Anne Nørdby verbirgt sich die deutsche Autorin Anette Strohmeyer, von der ich allerdings auch noch kein Buch gelesen habe. Somit ist "Kalte Nacht" mein erstes Buch der Autorin, aber ...

Hinter dem Pseudonym Anne Nørdby verbirgt sich die deutsche Autorin Anette Strohmeyer, von der ich allerdings auch noch kein Buch gelesen habe. Somit ist "Kalte Nacht" mein erstes Buch der Autorin, aber sicherlich nicht mein letztes. Den ersten Fall "Kalter Strand" werde ich mir auf jeden Fall noch besorgen und lesen, denn dieser Thriller konnte mich wirklich überzeugen.

Polizistin Maja Lövgren wird zu einem schweren Autounfall auf einer einsamen Straße unweit des schwedischen Dorfes Hultsjö gerufen. Der Fahrer und eine Jugendliche am Rücksitz sind tot, ein Kind am Beifahrersitz schwerverletzt. Sehr schnell stellt sich heraus, dass es sich bei den Nowaks um eine deutsche Urlauberfamilie handelt, die sich in der Nähe ihren Traum vom Ferienhaus erfüllt haben. Die Tote am Rücksitz weist jedoch bereits Totenflecken auf, was darauf hindeutet, dass sie bereits vor dem Unfall tot war. Die Mutter der beiden Mädchen ist außerdem verschwunden.
Die schwedische Polizei bittet Tom Skagen von Skanpol, der grenzübergreifenden Sondereinheit für Verbrechensbekämpfung zwischen Skandinavien und Deutschland, um Mithilfe. Für Maja ist Tom kein Unbekannter, denn er stammt aus der Umgebung. Als Kinder und Jugendliche waren er und Maja befreundet. Tom reist ohne das Wissen seiner Chefin Jette vor Ort. Er möchte nicht nur persönlich bei den Ermittlungen helfen, sondern versucht mit der Reise nach Schweden auch sein persönliches Trauma zu überwinden. Gemeinsam mit Maja und ihrem Chef Göran Berg versuchen sie die verschwundene Tina Nowak zu finden und den mysteriösen Unfall aufzuklären. Doch das gestaltet sich nicht so einfach...

Bei ihren Ermittlungen im Dorf treffen sie auf eine Wand des Schweigens. Immer wieder fällt der Name Ludvig Staffansson, der im Dorf anscheinend das Sagen hat und nicht nur gegen die Ansiedlung von Ausländern ist, sondern generell gegen jeden Fortschritt. Sein Gegner Ture Dahlberg hingegen fördert den Tourismus und möchte das Dorf aus den "Winterschlaf" holen. Die beiden Familien sind seit Generationen verfeindet und machen sich gegenseitig das Leben schwer.
Die geheimnisvolle und manchmal auch düstere Atmosphäre wird sehr lebendig dargestellt. Das Dorf in der Einöde Südschwedens mit seinen kauzigen Einwohnern wirkt sehr authentisch. Die Bewohner sind gegenüber Fremden teilweise sehr ablehnend und auch die Nowaks hatten es nicht leicht. Verdächtig erscheinen sie alle, was die Ermittlungen nicht gerade leichter machen. Nach und nach tun sich menschliche Abgründe auf, die einem beim Lesen Gänsehaut bereitet. Eine grandiose Milieustudie!

Die Story ist vielschichtig aufgebaut. Der Spannungsbogen ist hoch und bleibt konstant. Der Thriller konnte mich durchgehend fesseln und überrascht immer wieder mit neuen Wendungen. Kaum hat man eine Theorie aufgestellt, entpuppt sie sich im nächsten Abschnitt als Luftblase.
Neben den Ermittlungen, die Tom, Maja und Göran führern gibt es kurze Kapitel aus der Sicht von Tina, die gefangen gehalten und grausam misshandelt wird. Auch die Gedanken des Täters werden immer wieder eingeblendet ohne dass der Leser weiß, um wen es sich handelt. Zusätzliche Rückblenden in die letzte Woche vor dem Unfall der Familie und dem Verschwinden von Tina lassen Einblicke in das Familienleben der Nowaks zu. Dabei eröffnen sich unerwartete Einblicke in das Familiengefüge.

Schreibstil und Charaktere::
Der Schreibstil ist fesselnd und die wechselnden Perspektiven erhöhen die Spannung. Die Figuren facettenreich und sind sehr authenisch beschrieben. Ich hatte sie alle lebhaft vor Augen.
Lola war ein mehr als rebellischer Teenager, deren Gedanken mir ab und zu Gänsehaut bereiteten. Die autistische Ronja lebte hingegen in ihrer eigenen Welt und Mutter Tina scheint etwas zu verbergen, wobei ihre Ängste in der Einöde des Ferienhauses immer schlimmer werden. Einzig Vater Jochen ist glücklich, dass er sich endlich seinen Traum vom Ferienhaus in Schweden ermöglichen konnte.
Auch die Dorfbewohner sind bis in den kleinsten Nebencharaktere wunderbar skizziert. Jeder von ihnen scheint kleinere oder größere Geheimnisse zu haben. Als Leser hat man dadurch wirklich jeden Einzelnen in Verdacht.

Fazit:
Ein wirklich toller atmosphärischer Schwedenkrimi/thriller aus der Hand einer deutschen Autorin. Spannend, fesselnd und mitreißend...ich hole mir jetzt den ersten Band, den ich unbedingt lesen muss. Von mir gibt es eine klare Empfehlung!

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Veröffentlicht am 07.08.2020

Einaldung zum Sterben

Jedermannfluch
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Martin Merana verfolge ich bereits seit seinem vierten Fall. Ja, Band 1 -3 habe ich versäumt, aber man kann bei dieser Reihe problemlos auch mittendrin einsteigen und das sage ich nicht oft.
Manfred Baumanns ...

Martin Merana verfolge ich bereits seit seinem vierten Fall. Ja, Band 1 -3 habe ich versäumt, aber man kann bei dieser Reihe problemlos auch mittendrin einsteigen und das sage ich nicht oft.
Manfred Baumanns Krimis besitzen sehr viel Lokalkolorit. Oftmals geht es um Kunst, Theater oder Musik und alle Bände spielen in der Mozartstadt Salzburg oder Umgebung. Besonders in diesem achten Fall fand ich die teilweise sehr detaillierten Beschreibungen der Umgebung, der engen Gassen oder auch der kulinarischen Köstlichkeiten etwas zu dominant. Der Kriminalfall kam in meinen Augen diesmal zu kurz.

Dies ist Manfred Baumanns zweiter Krimi, der sich um die Aufführung des Jedermanns dreht. 2020 feiert das Stück von Hugo-von-Hoffmannsthal sein 100-jähriges Jubiläum - etwas schaumgebremst durch Corona. Da passt "Jedermannsfluch" perfekt dazu - ganz Baumann-like natürlich mit einem Mord an einer Darstellerin der Tischgesellschaft. Die noch weithin unbekannte Schwester der gefeierten Buhlschaft, Isolde Laudess, wird unter seltsamen Umständen beim Aufgang zum Nonnberklsoter tot aufgefunden. Sie wurde mit einer Gartenfigur erschlagen. Merana und Braunberger beginnen im Umfeld der Schauspieler zu ermitteln. Es scheint, als wäre die Tote nicht sonderlich beliebt und auch untalentiert gewesen. Doch wer hat ein Motiv Isolde zu töten? Jemand aus der Theater Laiengruppe, die mit "Jederfrau" in der Region auftreten? Oder jemand aus den eigenen Reihen? Oder hängt ihr Mord mit dem Unfalltod und einem illegalen Straßenrennen ihres Freundes zusammen?
Doch dann gibt es einen weiteren Toten und er ist ebenfalls Mitglied der Tischgesellschaft....

Merana ermittelt in verschiedenen Richtungen und hat wie immer den richtigen Riecher. Doch bis er herausfindet, wer dahintersteckt, darf auch der Leser fleißig mitraten. Die Ermittlungen sind im Buch auf vier Tage komprimiert.
Neben den bereits erwähnten sehr detaillierten Beschreibungen der Festspielstadt, rund um die Aufführung des Jedermanns, kam mir der Fall selbst zu kurz. Auch das Privatleben von Martin Merana spielt in diesem Band der Reihe keine Rolle, was ich ein bisschen schade fand, auch wenn ich es sonst nicht mag, wenn das Privatleben überhand nimmt. Ebenso fehlte mir Kollegin Carola Salmann bei den Ermittlungen. Der Fokus liegt diesmal einzig bei der Stadt Salzburg und ihrer eindruckvollen Kulisse - dadurch fehlt es aber leider an Spannung.
Manfred Baumanns Reihe um Martin Merana ist für mich ein Auf und Ab. Manche Krimis der Reihe sind spannend und voller Lokalkolorit, anderen fehlt es hingegen manchmal etwas am Nervenkitzel.

Fazit:
Mit Band acht rund um Kommissar Martin Merana hat es der Autor diesmal etwas zu gut gemeint mit seiner Liebe zur Festspielstadt. Sie spielt eindeutig die Hauptrolle, wobei der Kriminalfall selbst zu kurz kommt. Mir war es zu viel Kulisse und zu wenig Spannung.

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Veröffentlicht am 05.08.2020

Beethovens Muse

Frau Beethoven
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Verena Maatman nimmt sich in ihrem Roman "Frau Beethoven" der größten Muse Beethovens an, die die Adressatin seiner Liebesbriefe gewesen sein soll. Der Autorin gelingt es aus historischen Fakten und fiktiven ...

Verena Maatman nimmt sich in ihrem Roman "Frau Beethoven" der größten Muse Beethovens an, die die Adressatin seiner Liebesbriefe gewesen sein soll. Der Autorin gelingt es aus historischen Fakten und fiktiven Überlegungen einen bewegenden und spannenden Roman über Jospehine Brunsvik zu verfassen, der neben der Musik vorallem die engstirnige gesellschaftliche Stellung zu dieser Zeit thematisiert.

Josephine Brunsvik wächst in Österreich-Ungarn in der Nähe von Budapest auf Schloss Martonvásár auf. Die junge Adelige reist als junges Mädchen mit ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester Therese 1799 nach Wien. Dort soll sie debütieren und in die Gesellschaft eingeführt, um gut verheiratet zu werden. Zuvor sollen die jungen Frauen auf Wunsch ihrer Mutter noch ihr Klavierspiel perfektionieren. Die Schwestern sollen bei Ludwig van Beethoven Klavierunterricht nehmen, der zu dieser Zeit bereits bekannt, aber noch nicht berühmt ist. Wegen der außerordentlichen Begabung beider jungen Damen nimmt Beethoven sie kostenlos unter seine Fittiche. Josephine ist von Ludwig fasziniert und umgekehrt. Sie wird seine Muse. Doch die unüberbrückbaren Standesunterschiede lassen keine offizielle Beziehung der Beiden zu und Josephine wird an den ersten standesgemäßen "Bieter", einen doppelt so alten ungarischen Grafen, verschachert....

Vera Matmann geht nicht ganz chronologisch vor, sondern springt vorallem zu Beginn etwas in den Zeiten. Josephine blickt zurück und erzählt ihrer ältesten Tochter über ihre Liebe zu Beethoven. Dadurch erfährt man leider zweimal den Ausgang eines Ereignisses, welches erst danach erzählt wird. Das fand ich nicht sehr gut gewählt.
Man lernt Ludwig van Beethoven als jungen Mann kennen, der sich vollkommen seiner Musik (und den Frauen) hingibt. Die Leidenschaft zur Musik ist in jeder Zeile spürbar. Neben der Lektüre habe ich mir immer wieder die erwähnten Musikstücke dazu angehört.
Hat man heute ein Bild vor ihm vor Augen mit grauem wirren Haar, so vermittelt die Autorin einen anderen Blickwinkel auf den genialen Musiker. Doch auch schon damals dringt oftmals seine harsche Art durch - das Unverständnis, wenn jemand an seiner Komposition zweifelt. Auch die Erkenntnis, dass er langsam ertauben wird, stellt Beethoven vor eine große Prüfung. Gerade als begnadeter Musiker sein Gehör zu verlieren muss die Hölle auf Erden sein. Zusätzlich knabbert er an seiner unerfüllbaren Liebe zu Josephine.
Doch nicht Ludiwg van Beethoven steht hier im Vordergrund, sondern Josephine, seine "unsterbliche Geliebte", wie man bis heute annimmt. War mir diese zu Beginn noch sehr sympathisch, konnte ich sie spätestens ab ihrer zweiten Heirat nicht mehr verstehen. Was hat sie sich selbst das Leben schwer gemacht! Oftmals musste ich den Kopf betreffend ihrer Entscheidungen schütteln. Sie schien nicht aus ihren Fehlern zu lernen...
Zusätzlich zu den vorgegebenen Konventionen dieser Zeit, den Zwist mit ihrer Familie und ihr Drang sich immer den falschen Männern hinzugeben, stürzt sie mit ihren Kindern immer mehr in (Geld)Not. Ihre schleichende Krankheit und ihre Depressionen tun das Übrige. Während sie von einem Unglück ins nächste driftet, wird die unverheiratete Therese eine selbstständige Frau, die für Josephine alles zusammenhält, ihr hilft und trotzdem auch ihre eigenen Wünsche nicht aus den Augen verliert. Sie verdient nach dem Lesen des Buches meinen ganzen Respekt!

Schreibstil:
Der Roman wird aus der Perspektive von Josephine erzählt, wodurch der Leser nur ihre Sicht der Dinge erfährt. Dies macht die Geschichte vielleicht etwas einseitig, jedoch hat die Autorin ihren Roman Josephine und nicht Ludwig van Beethoven gewidmet. Bei den nicht erwiesenen Fakten entschied sich Vera Maatman für eine der vermuteten Wahrheiten. Dadurch entstand ein sehr tragisches Bild von Josephine Brunsvik.
Der Schreibstil liest sich sehr gut, was ich bereits vorher wusste, da es nicht mein erstes Buch der Autorin ist. Die Liebe und Leidenschaft zur Musik ist jederzeit spürbar.

Fazit:
Ein gut recherchierter und aufwühlender Roman, der verknüpft mit historischen Fakten und fiktiven Überlegungen über das Leben von Josephine Brunvik und ihre Liebe zu Ludwig van Beethoven erzählt, eingebettet in Beethovens Musik und den Geist der Zeit.

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