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Veröffentlicht am 02.09.2019

Sehr schön geschrieben

Washington Black
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Der ehemalige Sklave George Washington Black erzählt: Als kleiner Junge, verlebt er schreckliche Jahre auf einer Zuckerrohr-Plantage auf Barbados. Sein Besitzer ist grausam, gelangweilt und unberechenbar. ...

Der ehemalige Sklave George Washington Black erzählt: Als kleiner Junge, verlebt er schreckliche Jahre auf einer Zuckerrohr-Plantage auf Barbados. Sein Besitzer ist grausam, gelangweilt und unberechenbar. Erst als dessen Bruder Christopher "Titch" die Plantage besucht, ändert sich Washingtons Leben. Er soll dem ambitionierten Wissenschaftler helfen, einen Wolkenkutter zu bauen. Die beiden freunden sich an und so beginnt für Washingtion eine bewegte, neue Zeit...

Das Buch erschien erstmalig 2018 unter dem Originaltitel "Washington Black" und stammt aus der Feder der kanadischen Autorin Esi Edugyan.
Den Roman durfte ich im Rahmen einer Leserunde lesen und möchte daher nun meine Einschätzung zum Buch schreiben.

Gleich eingangs möchte ich sagen, dass der Klappentext etwas irreführend ist, da hier suggeriert wird, dass es sich um die Flucht eines Sklavenjungen in die Freiheit handelt. Diese Passage nimmt nur einen kleinen Teil der eigentlichen Handlung ein.
Auch die Pressestimmen, die den Roman mit Jules Vernes "In 80 Tagen um die Welt" vergleichen, sind meiner Meinung nach nicht zutreffend. Soweit dazu.

Nun möchte ich gern die eigentliche Handlung bewerten.

Die Autorin hat einen sehr bildhaften Erzählstil, dessen teilweise sehr poetischen Beschreibungen und wunderschönen Vergleiche dem Leser ein besonderes Leseerlebnis bieten. Mit dieser besonderen Art, zeichent sie ein lebhaftes, realistisches Bild von ihren Akteuren und der Umgebung, von den Ereignissen und Erlebnissen des Protagonisten.
Die handelndene Charaktere sind äußerst detailliert und ermöglichen dem Leser somit, an ihrem Leben teilzuhaben und lädt ihn ein, den Wendungen der Handlung zu folgen. Dies trifft besonders auf die ersten Kapitel im Buch zu, in denen Washington den Bruder des Plantagenbesitzers kennenlernt.
Weitere Protagonisten, die in die Handlung eingeflochten wurden, gingen irgendwann leider unter und hatten keinen nennenswerten Einfluss auf die Geschichte bzw. auf deren Verlauf.

Was ist noch zu sagen? Die Autorin verwendet für diese Geschichte den Blickwinkel von George Washington Black, der auf sein Leben zurückblickt und dem Leser von seinem Erlebten berichtet. So erfährt der Leser alles über die Gedanken und Gefühle des Protagonisten in der ICH-Perspektive. Hier zeigt sich allerdings auch ein kleines Manko: durch diese Sichtweise entgehen einem zum Teil die Beweggründe der anderen Personen, die im Roman eine Rolle spielen. Trotzdem hat die Sichtweise von Washington seinen Charme.

Ein weiterer kleiner Kritikpunkt meinerseits ist, dass die Handlung, trotz intensiver Beschreibungen und vielen Erlebnissen des Hauptcharakters doch einen nüchternen Touch beibehält. So folgt der Leser zwar Washs bewegtem Lebensweg, allerdings fehlt hier in meinen Augen teilweise das gewisse Etwas, das mich als "Zuschauer" dazu bringt, mit ihm zu fühlen, gemeinsam mit ihm traurig, glücklich oder überrascht zu sein.

Auch das Ende hat mich noch völlig überzeugen können. Zwar zeigt sich im gesamten Buch das schriftstellerische Können von Frau Edugyan, aber der krönende Abschluss ist nicht so gelungen, wie ich es mir erhofft hatte.

Kommen wir zu meinem Fazit: Ich habe es sehr genossen diesen Roman zu lesen, da hier ein besonderer Blickwinkel gewählt wurde. Schreibstil und die philosopischen, nachdenklichen Passagen in diesem Buch geben dem Roman einen sehr ernsthaften Anstrich. Auch die Darstellung der brutalen, willkührlichen Umstände auf der Plantage, auf der Washington seine ersten Lebensjahre verbringt, haben mich sehr nachdenklich werden lassen. Der bewegte Lebensweg des Protagonisten sowie die detaillierten Beschreibungen von Menschen, Umgebung und Ländern sind interessant und spannend, sodass man der Handlung gern folgen mag. Trotzdem gibt es das eine oder andere Manko, welches mir während des Lesens aufgefallen ist. Hier sind beispielsweise die Charaktere zu nennen, deren Einfluss auf die Geschichte so geringfügig war, dass man vielleicht auch auf die hätte verzichten können, oder die Tatsache, dass trotz sehr schöner Beschreibungen und bildhaften Darstellungen das Mitgefühl für den Protagonisten irgendwann nachließen.

Ich möchte "Washington Black" daher dreieinhalb Sterne geben. Die Idee und die Umsetzung sind in sich stimmig und ergeben ein beeindruckendes Gesamtwerk, doch Kleinigkeiten sorgen dafür, dass das Buch ein paar Sternchen einbüßt.
Aber Achtung! Wer einen Roman à la "In 80 Tagen um die Welt" erwartet hat, der wird mit diesem Buch vermutlich nicht glücklich werden. Für Leser, die nach einem nachdenklichen, melancholischen Zeitvertreib suchen, ist das Buch unbedingt zu empfehlen.

Veröffentlicht am 12.07.2019

Wunderbar!

Der Berg
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Im Jahr 1924 bricht eine inoffizielle Expedition auf, um den Himalaja zu besteigen. Die Bergsteiger sind auf der Suche nach verschollenen Kletterern. Doch sie ahnen noch nicht, was sie auf den unwirtlichen ...

Im Jahr 1924 bricht eine inoffizielle Expedition auf, um den Himalaja zu besteigen. Die Bergsteiger sind auf der Suche nach verschollenen Kletterern. Doch sie ahnen noch nicht, was sie auf den unwirtlichen Hängen des höhsten Berges der Welt erwartet...

Dan Simmons Roman "Der Berg" handelt von einem weiteren Versuch den Mount Everest zu besteigen. Hauptperson dieser Handlung ist der junge Bergsteiger Jake Perry.

Simmons hat für dieses Buch einen besonderen Stil verwendet: er erzählt die Ereignisse als eine Art Tagebuch, als Memoiren Perrys.
Zudem versteht er es, die Grenzen zwischen Fakten und Fiktion verschwimmen zu lassen, sodass man fast nicht mehr unterscheiden kann, was wahre Begebenheiten sind und welche Passagen der Fantasie des Autors entsprungen sind.

Grundlage dieses spannenden Buches bildet der Besteigungsversuch des Everest durch George Mallory und Andrew Irvine, die auf dem Weg zum Gipfel verschwanden. Bis heute ist nicht geklärt, wieso der Aufstieg nicht glückte und ob einer der beiden Bergsteiger je auf dem Gipfel des Berges war.
Zu diesen Fakten gesellen sich schnell wunderbare Charaktere, hier ist besonders der Protagonist Jake Perry hervorzuheben, bei dem man sich bis zuletzt nicht sicher sein kann, ob es sich um eine reale Figur handelt, oder nicht. Auch die anderen Charaktere, welche der Autor in seine Handlung einfügt, sind sehr plastisch und lebensecht dargestellt. Sie wachsen dem Leser schnell ans Herz und haben sowohl ihre positiven als auch negativen Seiten, was die Tiefe der einzelnen Akteure noch unterstreicht.

Was den Schreibstil selbst angeht, so hat Simmons eine sehr eloquente Ausdrucksweise und gibt dem Leser durch viele Beschreibungen die Möglichkeit, vollkommen in die Handlung einzutauchen. Schnell fühlt man sich an die wind - und schneeumtosen Hänge des Mount Everest versetzt und fiebert dem Aufstieg auf weit über 8000 Metern Höhe entgegen.

Ein kleines Manko gibt es allerdings. Der Autor verwendet viele alpine Fachbegriffe, die dem Laien nicht geläufig sind. Was für sehr ausführliche Recherche des Schriftstellers spricht, bringt dem normalen Leser ein paar zusätzliche Minuten Suche ein, damit man zumindest eine grobe Vorstellung der genannten Begrifflichkeiten bekommt.

Aber alles in allem fällt meine Bewertung sehr gut aus: vier Sterne.

Ich bin begeistert! Dieser Roman hat alles, was gute Unterhaltung haben muss. Spannung, Abenteuer und sehr gut ausgearbeitete Charaktere runden die Handlung ab.
Von mir gibt es auf jeden Fall eine Leseempfehlung, besonders für Leser, die bereits andere Werke des Autors kennen ("Terror", "Drood" etc.).
"Der Berg" wird nicht das letzte Buch von Simmons sein, das seinen Weg in mein Regal findet.

Veröffentlicht am 31.05.2019

Interessant, aber nicht das spannendste Buch der Autorin

Die Rosenzüchterin
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Ein Geheimnis umgibt das alte Rosenzüchterhaus von Le Variouf. Und alle Spuren scheinen in die Vergangenheit seiner Bewohnerinnen zu weisen – in die Jahre des Zweiten Weltkriegs, als die idyllische Kanalinsel ...

Ein Geheimnis umgibt das alte Rosenzüchterhaus von Le Variouf. Und alle Spuren scheinen in die Vergangenheit seiner Bewohnerinnen zu weisen – in die Jahre des Zweiten Weltkriegs, als die idyllische Kanalinsel Guernsey von deutschen Truppen besetzt war…

Dank meiner Mutter bin ich auf die Bücher von Charlotte Link gestoßen und so habe ich mir nach und nach einige ihrer Romane gekauft. Bisher war ich immer sehr begeistert von den Geschichten, doch "Die Rosenzüchterin" hat mich nicht richtig packen können.

Trotz eines historisch durchaus interessanten Hintergrunds und des tollen Schreibstils der Autorin, konnte mich dieses Buch nicht von Beginn an fesseln. Der Beginn zog sich recht lange dahin und war für meine Begriffe eher unspektakulär, wenn auch nicht langweilig. Dennoch habe ich sehr lange auf die richtige Spannung warten müssen. Hier und da flackerte sie auf, wurde aber durch viel Drama und die eine oder andere unwichtige Nebenhandlung wieder zurückgedrängt.
Glücklicherweise änderte sich das wieder mit den letzten Kapiteln. Hier wurde die Spannung wieder Schritt für Schritt in den Vordergrund gerückt, sodass ich schlussendlich doch von der Geschichte eingenommen wurde.

Was die Charaktere betrifft, so hat die Autorin hier wieder ihr Händchen für sehr detaillierte Beschreibungen bewiesen. Die Akteure wirken sehr lebendig, tiefgründig und echt. Rückblicke und kurze Gedanken der Protagonisten zur Vergangenheit, lassen den Leser am Leben der Handelnden teilhaben und geben somit noch Hintergrundinformationen zu jeder einzelnen Person. Dank dieser schriftstellerischen Kniffe, erschafft die Autorin sehr dreidimensionale Charaktere, zu denen man schnell eine Verbindung aufbauen kann.

Aber trotz des eingängigen und wortgewandten Schreibstils, der wunderbaren Kulisse und der interessanten Charaktere, hat mich dieses Buch nicht sofort packen können. Ich war zwar unterhalten, doch mir hat die Spannung gefehlt, sodass ich die Bezeichnung "Kriminalroman" etwas falsch gewählt finde.
Ich möchte daher drei Sterne und damit ein "Gut" vergeben. Leider ist "Die Rosenzüchterin" nicht das beste Buch von Charlotte Link.

Veröffentlicht am 31.05.2019

Leichte Geschichte über die Schicksale zweier Menschen

Nachtflug
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Auf dem Nachtflug von Berlin nach New York lernen sich die Garderobiere Ingrid und der erfolgreiche Anwalt Jakob kennen. Die beiden beginnen eine Unterhaltung, bei der alle Zweifel und Glücksmomente auf ...

Auf dem Nachtflug von Berlin nach New York lernen sich die Garderobiere Ingrid und der erfolgreiche Anwalt Jakob kennen. Die beiden beginnen eine Unterhaltung, bei der alle Zweifel und Glücksmomente auf den Tisch gepackt werden. Am Ende der Reise stehen große Entscheidungen an...

Bei dem Roman "Nachtflug" der Autorinnen Sofie Cramer und Kati Naumann handelt es sich um eine leichte, unaufgeregte und unkomplizierte Handlung, die von den Gefühlen, Gedanken und Erinnerungen der beiden Protagonisten lebt.
Ein komplizierter Erzählstrang ist hier vollkommen überflüssig, da sich die Geschichte nur um die Gefühlswelt der beiden Hauptcharaktere dreht.

Was den Charme des Buches ausmacht, ist gleichzeitig seine größte Schwäche: nach einer Weile wird es recht eintönig, den Selbstreflektionen und Gedankengängen der Protagonisten zu folgen, die sich scheinbar immerwärend im Kreise drehen, auch wenn die sonstige Ausarbeitung der beiden Charaktere sehr gut gelungen ist.
Sie wirken sehr plastisch, sind direkt aus dem Leben gegriffen und schlagen sich mit alltäglichen Problemen und Wehwehchen herum, die man selbst kennt.

Doch viel Drumherum gibt es in diesem Roman nicht. Auf 288 Seiten geht es um das Einschlagen neuer Lebenswege, den Versuch seine Zukunft besser zu gestalten und darum, wie angenehm es sein kann, einem völlig Fremden sein Leid zu klagen, die Anonymität eines langen Fluges und die Gewissheit, den Menschen vielleicht niemals wieder zu treffen.

Ich muss sagen, mir hat das Buch überraschend gut gefallen. Ich möchte vier Sterne vergeben.

Wer nach einem Buch sucht, das unterhält, berührt, Alltagssorgen anspricht und trotzdem nicht zu schwere Kost ist, kann mit "Nachtflug" nichts falsch machen.

Veröffentlicht am 29.04.2019

Gut geschriebener Südfrankreich-Thriller

Zara und Zoë - Rache in Marseille
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Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Zwillinge Zara und Zoe.
Die eine ist angesehene Europol-Ermittlerin, die andere arbeitet auf der anderen Seite des Gesetzes, für einen Mafia-Paten.
Ein grausiger ...

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Zwillinge Zara und Zoe.
Die eine ist angesehene Europol-Ermittlerin, die andere arbeitet auf der anderen Seite des Gesetzes, für einen Mafia-Paten.
Ein grausiger Mordfall führt die beiden Schwestern wieder zusammen...

An dieser Stelle möchte ich ersteinmal wieder meinen Dank aussprechen, dass ich ein Rezensionsexemplar dieses Buches bekommen habe, da ich nicht genau weiß, ob ich es mir selbst gekauft hätte.
Zwar ist der Klappentext sehr ansprechend und auch das Cover gefällt, doch das erste Kapitel hat mich anfangs eher abgeschreckt, denn für die Handlung begeistert... Vermutlich geht es anderen Lesern ähnlich.

Aber gut. Trotz des etwas gewöhnungsbedürften und sprachlich etwas entgleisten Einstiegs, hat der Autor einen spannenden Thriller erdacht, der, obwohl er teilweise recht vorhersehbar ist, schnell zu lesen ist und mich gut unterhalten hat.
Allerdings kann die tolle Idee des Buches die Klischeehaftigkeit einiger Passagen nicht überdecken.

Die Protagonisten sind zwar ebenfalls spannend, aber sie haben mich nicht erreicht. Hier fehlte es mir an Tiefgang. Beide Protagonistinnen blieben sehr kühl und wirkten auf mich distanziert und hölzern.

Der Aufbau der Handlung wiederum hat mich schnell überzeugt.
Der Autor verwendet viele verschiedene Perspektiven, sodass der Leser aus allen Richtungen Einblick auf die Handlung erhält. Zudem sind die Kapitel alle recht kurz gehalten und damit lesefreundlich.
Allerdings waren auch diese vielen Perspektivwechsel anfangs überraschend für mich, da ich bei einem Buch, in dessen Titel die beiden Hauptpersonen vorkommen, eigentlich davon ausgehe, dass es nur zwei Sichtweisen gibt, die in dem Buch vorherrschen: die von Zoe und die von Zara.

Kommen wir zu meinem Fazit.
"Zara & Zoe - Rache in Marseille" ist ein spannender und guter Thriller, der, nach kurzer Eingewöhnung in den teilweise vulgären Sprachgebrauch, durchaus unterhält. Trotz einiger Klischees, die hier verwendet wurden, ist die Idee interessant und im Großen und Ganzen gut umgesetzt.
Ich vergebe daher ein "Gut" und drei Sterne.