Leute im Rampenlicht
Die LiebeshungrigenDas Buch versprach mit seinem guten Einstieg interessant zu werden. Ein ehemaliger französischer, sozialistischer Präsident kommt nicht damit klar, dass er nicht für eine zweite Amtszeit gewählt wurde ...
Das Buch versprach mit seinem guten Einstieg interessant zu werden. Ein ehemaliger französischer, sozialistischer Präsident kommt nicht damit klar, dass er nicht für eine zweite Amtszeit gewählt wurde und gegen die extremen Rechten verloren hat. Vor seiner Wahl hat er seine langjährige Ehefrau, die ihre eigene Karriere als Schriftstellerin zurücksteckte, zugunsten einer jungen deutschen Schauspielerin verlassen. Diese Ehe ist nunmehr auch am Ende. Der Ex-Präsident verfällt dem Alkohol. Das eine oder andere erinnert mich an die realen Verhältnisse in der politischen Welt Frankreichs (im Ex-Präsidenten erkenne ich Züge von Hollande und Sarkozy). Der zweite Strang allerdings war enttäuschend. Er betrifft die Welt des Films, dessen Darstellung auf mich fast abstoßend wirkt. Die Ex-Ehefrau des Präsidenten hat ein Buch über einen Femizid geschrieben, den ein als genial geltender, aber narzisstischer Regisseur verfilmt. Die Hauptrolle vergibt er an die Noch-Ehefrau des Ex-Präsidenten, Body-Double ist seine junge Geliebte. Die Noch-Ehefrau erhofft sich mit der Rolle ein Come-back nach fünf Jahren als „die Frau des Präsidenten“. Die Figuren verachten einander, sind aber aufeinander angewiesen. Hier nun flicht die Autorin diverse Themen ein wie die Schwierigkeiten einer Romanverfilmung, die Bedeutung des Filmfestivals in Cannes, die MeToo-Bewegung, die Rolle der Sozialen Medien, sogar antisemitische Strömungen in Frankreich. Das alles ist zu viel des Guten, weil wichtige Themen nur gestreift werden, obwohl Ausführlichkeit geboten gewesen wäre.
Was ich aber als eigentlich störend empfunden habe, ist die Dekadenz, die die Autorin mit ihrem zynischen Blick Politik und Filmbranche zuschreibt. Da frage ich mich, ob es in diesen Welten wirklich so zugeht. Das Fass zum Überlaufen bringen für mich die wiederkehrenden Darstellungen der sexuellen Beziehungen der verschiedenen Romanfiguren in wechselnder Konstellation miteinander. Dabei bin ich mir der Absicht bewusst, auf diese Weise die Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen zu beleuchten. Doch mag ich so etwas nicht lesen, zumal wenn dann auch noch auf Fäkalsprache zurückgegriffen wird.
Ein Roman für Leser, die auch zu Boulevardpresse greifen.