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Veröffentlicht am 26.04.2026

Leute im Rampenlicht

Die Liebeshungrigen
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Das Buch versprach mit seinem guten Einstieg interessant zu werden. Ein ehemaliger französischer, sozialistischer Präsident kommt nicht damit klar, dass er nicht für eine zweite Amtszeit gewählt wurde ...

Das Buch versprach mit seinem guten Einstieg interessant zu werden. Ein ehemaliger französischer, sozialistischer Präsident kommt nicht damit klar, dass er nicht für eine zweite Amtszeit gewählt wurde und gegen die extremen Rechten verloren hat. Vor seiner Wahl hat er seine langjährige Ehefrau, die ihre eigene Karriere als Schriftstellerin zurücksteckte, zugunsten einer jungen deutschen Schauspielerin verlassen. Diese Ehe ist nunmehr auch am Ende. Der Ex-Präsident verfällt dem Alkohol. Das eine oder andere erinnert mich an die realen Verhältnisse in der politischen Welt Frankreichs (im Ex-Präsidenten erkenne ich Züge von Hollande und Sarkozy). Der zweite Strang allerdings war enttäuschend. Er betrifft die Welt des Films, dessen Darstellung auf mich fast abstoßend wirkt. Die Ex-Ehefrau des Präsidenten hat ein Buch über einen Femizid geschrieben, den ein als genial geltender, aber narzisstischer Regisseur verfilmt. Die Hauptrolle vergibt er an die Noch-Ehefrau des Ex-Präsidenten, Body-Double ist seine junge Geliebte. Die Noch-Ehefrau erhofft sich mit der Rolle ein Come-back nach fünf Jahren als „die Frau des Präsidenten“. Die Figuren verachten einander, sind aber aufeinander angewiesen. Hier nun flicht die Autorin diverse Themen ein wie die Schwierigkeiten einer Romanverfilmung, die Bedeutung des Filmfestivals in Cannes, die MeToo-Bewegung, die Rolle der Sozialen Medien, sogar antisemitische Strömungen in Frankreich. Das alles ist zu viel des Guten, weil wichtige Themen nur gestreift werden, obwohl Ausführlichkeit geboten gewesen wäre.
Was ich aber als eigentlich störend empfunden habe, ist die Dekadenz, die die Autorin mit ihrem zynischen Blick Politik und Filmbranche zuschreibt. Da frage ich mich, ob es in diesen Welten wirklich so zugeht. Das Fass zum Überlaufen bringen für mich die wiederkehrenden Darstellungen der sexuellen Beziehungen der verschiedenen Romanfiguren in wechselnder Konstellation miteinander. Dabei bin ich mir der Absicht bewusst, auf diese Weise die Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen zu beleuchten. Doch mag ich so etwas nicht lesen, zumal wenn dann auch noch auf Fäkalsprache zurückgegriffen wird.
Ein Roman für Leser, die auch zu Boulevardpresse greifen.

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Kind bleibt Kind

Pause
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Dieser Roman ist einmal eine andere Art von Familiengeschichte. Die 36jährige Hanna kommt nach einem Zusammenbruch und nachdem in ihrem Leben einiges kaputtgegangen ist, bei ihren Eltern in ihrem alten ...

Dieser Roman ist einmal eine andere Art von Familiengeschichte. Die 36jährige Hanna kommt nach einem Zusammenbruch und nachdem in ihrem Leben einiges kaputtgegangen ist, bei ihren Eltern in ihrem alten Kinderzimmer unter. Was zunächst nur für eine Nacht gedacht war, wird für sie zur langen Pause, an deren Ende sie schließlich den Neuaufbau ihres Lebens angeht. Der Weg dahin ist natürlich nicht leicht. Das lässt sich gut nachvollziehen. Denn angesichts der inzwischen eingespielten Routinen der Eltern kommt sich Hanna wie ein Störfaktor vor. Doch umgekehrt hat auch sie etwas, was sie an ihrer Familie stört. Bei der Bewältigung eines persönlichen Problems – das übrigens oft angerissen wird, bis zum Schluss aber nicht vollends offengelegt wird (dennoch lässt es sich erahnen) – fühlt sie sich allein gelassen mit Wut und Trauer. Denn die Eltern sind schlichtweg sprachlos und tun so, als wäre alles in Ordnung. Darüber wird sehr eindringlich und wiederkehrend erzählt und hat mich beeindruckt. Der Adressatenkreis dieses Romans ist angesichts der oft saloppen Sprache wohl eher die jüngere Generation. Nicht bedurft, weil nicht weiterführend, hätte es einiger Charaktere wie etwa einer am Ende aus dem Hut gezauberten alten Tante. Nicht lesen will ich in Romanen auch Sexszenen wie auch die sehr rasch entstandene Beziehung von Hanna zu einer Dating-App-Bekanntschaft. Das Cover mit dem plastischen Druck des Buchtitels und des Namens der Autorin gefallen mir übrigens sehr gut.

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Veröffentlicht am 28.03.2026

Tolle Mutter-Sohn-Geschichte

Sie wollen uns erzählen
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Dieser Roman handelt von dem Elfjährigen Oz und seiner Mutter Ann, beide an ADHS erkrankt. Während Ann aufgrund dieser Erkrankung in ihrer Kindheit einfach nur als wild galt, wird heute von Oz verlangt, ...

Dieser Roman handelt von dem Elfjährigen Oz und seiner Mutter Ann, beide an ADHS erkrankt. Während Ann aufgrund dieser Erkrankung in ihrer Kindheit einfach nur als wild galt, wird heute von Oz verlangt, dass er behandelt wird, um „normal“ zu werden. Doch seine Mutter stellt sich vor ihn wie eine Löwenmutter. Zwei Dramen sind es, die im Mittelpunkt stehen. Da ist zum einen ein Vorfall in der Schule, den Oz seiner Mutter beichten muss. Um das hinauszuschieben, wünscht er sich ein Unglück herbei, das dann auch noch einzutreten scheint und im Zusammenhang mit seiner Oma steht. Als Leser erfahren wir sehr viel aus dem Seelenleben von Mutter und Sohn und wie beide mit der Reizüberflutung umgehen. Ganz hervorragend wird ihr von gegenseitiger unbedingter Liebe geprägtes Verhältnis zueinander dargestellt. Sprachlich ist der Roman einfach nur klasse, besonders die oft mit feinsinnigem Humor gespickten Passagen und den typisch österreichischen Ausdrücken. Am Ende ist man sehr viel schlauer und verstädnisvoller, was die Modekrankheit ADHS anbelangt.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Enthält ein großes Geheimnis vor

Träume aus Salz
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In dem Buch steht ein junges, noch frisch verliebtes Paar im Mittelpunkt, das eine Woche Urlaub auf einer kleinen griechischen Insel macht. Sie, ein Scheidungskind, das von der Trennung der Eltern nachhaltig ...

In dem Buch steht ein junges, noch frisch verliebtes Paar im Mittelpunkt, das eine Woche Urlaub auf einer kleinen griechischen Insel macht. Sie, ein Scheidungskind, das von der Trennung der Eltern nachhaltig traumatisiert ist, verbirgt vor ihm Wesentliches aus ihrer Familiengeschichte. Erst eine einheimische Hellseherin, welche gerne so wie die Urlauberin leben würde, bewegt sie dazu, sich zu öffnen. Leider kommt dann nicht solch ein sensationelles Geheimnis zu Tage, wie ich es erwartet hatte. Neben Wahrsagen, Tarot und Astrologie spielt auch die griechische Mythologie eine Rolle. Allerdings vermögen mich diese Aspekte nicht zu packen, vielleicht, weil ich daran nicht glaube. Ich hätte mir etwas mehr Handlung gewünscht; auf keinen Fall aber einen eingeschobenen Drogentrip der Protagonisten, der Drogen zu sehr verharmlost. Hingegen hat mir wirklich gut gefallen, wie die Atmosphäre auf der Insel beschrieben wurde. Genauso kennt man Griechenland aus dem Urlaub. Adressaten des Romans dürften eher jüngere Leser:innen sein. Gewöhnungsbedürftig ist, dass die Autorin gendert, wie zuvor von mir auch getan, was evtl. nicht jeder mag.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Tolle Milieustudie

Solange ein Streichholz brennt
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Der Autor versteht es, berührende Romane zu schreiben. Das hat er bereits mit „Man vergisst nicht, wie man schwimmt“ gezeigt und setzt sich nun bei seinem aktuellen Roman fort.
Angesiedelt ist die Geschichte ...

Der Autor versteht es, berührende Romane zu schreiben. Das hat er bereits mit „Man vergisst nicht, wie man schwimmt“ gezeigt und setzt sich nun bei seinem aktuellen Roman fort.
Angesiedelt ist die Geschichte im Kölner Obdachlosenmilieu und stellvertretend wird das Schicksal des Mittdreißigers Bohm erzählt. Über ihn dreht die junge Fernsehjournalistin Alina eine Reportage, von deren Erfolg ihr Verbleib im Sender abhängt. Sie begleitet Bohm einige Tage bei seinem Leben draußen. Ganz allmählich und so zum fortgesetzten Lesen animierendend entblättert sich die Lebensgeschichte von Bohm, in deren Verlauf es wie bei so vielen Obdachlosen einen Punkt gibt, der ihn aus der Bahn geworfen hat. Spannungsfördernd werden dabei ein geheimnisvoller ungeöffneter Brief, adressiert an Bohm, und ihn plagende Albträume eingesetzt. Kapitelweise wechselnd wird daneben aus Alinas Leben erzählt, die unbedingt Karriere in der Medienwelt machen will. Ob sie ihr Ziel um jeden Preis und ohne jeden Skrupel erreichen will, ist die andere Schiene dieses Romans. Eine Verbindung zwischen beiden Protagonisten gibt es nicht nur auf beruflicher Ebene. Sehr schnell funkt es zwischen beiden. Doch ist das möglich – eine Beziehung zwischen einem Obdachlosen und einer voll im Leben stehenden Frau?
Alles ist sehr berührend dargestellt. Bohm wird sehr menschlich und sensibel gezeichnet. Gelungen ist, wie sich beide allmählich und mit leisen Tönen aufeinander zu bewegen und dabei noch Hindernisse ausräumen müssen. Als positiv empfand ich, dass es am Ende kein klassisches Happy End gibt, sondern der weitere Fortgang der Beziehung der beiden Protagonisten offengelassen wird.

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