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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.12.2018

Traurige Familiensaga rund um eine jüdische Familie

Jahre aus Seide
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Die Autorin verarbeitet in diesem zum Teil fiktiven, zum Teil auf wahren Begebenheiten beruhenden Roman die Geschichte der jüdischen Familie Meyer aus Krefeld. In diesem ersten Band, dem noch zwei Fortsetzungen ...

Die Autorin verarbeitet in diesem zum Teil fiktiven, zum Teil auf wahren Begebenheiten beruhenden Roman die Geschichte der jüdischen Familie Meyer aus Krefeld. In diesem ersten Band, dem noch zwei Fortsetzungen folgen werden, wird auf die Jahre 1926 bis zur Reichspogromnacht im November 1938 eingegangen. Die dem bürgerlichen Mittelstand zugehörigen Meyers sehen sich zunehmenden Einschränkungen und Repressalien in ihrem alltäglichen Leben ausgesetzt und denken verstärkt über eine Auswanderung nach, lassen allerdings viel kostbare Zeit verstreichen, weil sie Deutschland, das ihre Heimat ist, und ihr Hab und Gut eigentlich nicht verlassen wollen. Zum einstweiligen tragischen Höhepunkt in ihrem Leben kommt es im November 1938, als sich die beiden Töchter bei ehemaligen Angestellten verbergen können, die Eltern aber unauffindbar bleiben.

Der Roman ist sehr lehrreich, bringt er uns doch das düsterste Kapitel der deutschen Geschichte, den Nationalsozialismus, nahe. Anders als in entsprechenden ähnlichen Büchern zu diesem Thema setzt die Geschichte schon einige Jahre vor der Machtergreifung Hitlers in den 20er Jahren ein, wodurch ich einige neue Aspekte kennengelernt habe. Die Geschichte lässt einen sehr betroffen zurück, eben weil es in ihr um eine real existierende Familie geht. Sprachlich lässt sich ihr gut folgen, was daran liegt, dass aus der Perspektive der jungen Tochter Ruth erzählt wird. Sie ist sehr wissbegierig, die politische Situation und die Geschichte der Juden zu verstehen. Die Erläuterungen, die sie von den Erwachsenen erhält, helfen auch dem Leser, die Hintergründe zu begreifen. Die Autorin hat gut recherchiert und fasst den Anlass des Romans und den Gang ihrer Recherchen in einem gelungenen Nachwort zusammen. Zahlreiche Rechtschreibfehler gilt es in weiteren Auflagen noch zu bereinigen.

Auf jeden Fall ein lesenswertes Buch und ein wichtiger Beitrag, die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten. Ganz sicher werde ich die Fortsetzungen lesen.

Veröffentlicht am 15.12.2018

Leere im Ruhestand

Herr Katō spielt Familie
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Auf jeden Fall sollte man wissen, dass die Autorin japanische Wurzeln hat und die Geschichte in einer Tokioter Vorstadt angesiedelt ist. Japanische Bücher trafen bisher nur selten meinen Lesegeschmack. ...

Auf jeden Fall sollte man wissen, dass die Autorin japanische Wurzeln hat und die Geschichte in einer Tokioter Vorstadt angesiedelt ist. Japanische Bücher trafen bisher nur selten meinen Lesegeschmack. Vorliegendes Buch ist da aber eine Ausnahme.
Der Protagonist Herr Kato weiß mit seinem neuen Lebensabschnitt als Ruheständler nichts anzufangen. Seine Frau und er leben nebeneinander her, einstige Träume und Wünsche hat er aufgegeben. Auf einem Spaziergang begegnet er der jungen Mie, die die Agentur „Happy Family“ betreibt und deren Mitarbeiter als sog. Stand-ins bzw. Einspringer Menschen spielen, die es so nicht gibt. Herr Kato lässt sich zur Mitarbeit überreden und übernimmt etwa die Rolle eines Großvaters, der von seinem Enkel nichts wissen will, oder des Ehemannes, der endlich einmal seiner Frau zuhört. Es bleibt nur bei wenigen Einsätzen, aber seine Tätigkeit verändert ihn dann auch zum Positiven in seinem eigenen Ehetrott. Gerade diese allmähliche Wandlung zu lesen, fand ich faszinierend. Allerdings hätte ich mir etwas mehr Länge gewünscht. Der poetische, melancholisch anmutende Schreibstil gefällt mir gut.

Veröffentlicht am 13.12.2018

Eine Geschichte über Glück und Liebe

Das Haus ohne Männer
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Die Thematik des Buches gefällt mir. In einem Pariser Wohnhaus leben fünf Frauen nach einer besonderen Regel – Männer sind verboten, die Frauen haben der Liebe abgeschworen. Nur eine neue Bewohnerin – ...

Die Thematik des Buches gefällt mir. In einem Pariser Wohnhaus leben fünf Frauen nach einer besonderen Regel – Männer sind verboten, die Frauen haben der Liebe abgeschworen. Nur eine neue Bewohnerin – Juliette – will überhaupt nicht auf die Liebe verzichten. Sie sucht die wahre Liebe. Schafft sie es, die Regel außer Kraft zu setzen?
Das individuelle Schicksal der Frauen wird auszugsweise beschrieben, so dass sich allmählich verstehen lässt, wie sie zu ihrer Entscheidung gelangt sind (Verletzung, Wut, Trotz, Nostalgie). Es handelt sich um einen eher nachdenklich stimmenden Roman ohne rechte Handlung, weshalb mir irgendetwas gefehlt hat. Etwas verwirrend finde ich, dass Juliettes Gedanken in Kursivschrift abgefasst sind und sich nicht gut von ihren und den Gesprächsbeiträgen der übrigen trennen lassen.

Veröffentlicht am 08.12.2018

Warum eigentlich ein Weltbestseller?

Das Tal der Puppen
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Ich frage mich wirklich, warum dieses Buch als ein Weltbestseller gilt. Für mich ähnelt es mehr einem Dreigroschenroman. Immerhin liest es sich recht flott, so dass ich mich nicht durch die immerhin 640 ...

Ich frage mich wirklich, warum dieses Buch als ein Weltbestseller gilt. Für mich ähnelt es mehr einem Dreigroschenroman. Immerhin liest es sich recht flott, so dass ich mich nicht durch die immerhin 640 Seiten quälen musste.
Beim Lesen muss man immer im Hinterkopf haben, dass das Buch erstmals im Jahr 1966 veröffentlicht wurde. Damals muss es eigentlich einen Skandal verursacht haben. Alles dreht sich um im Showbusiness zu großem Erfolg gekommene extrovertierte Frauen, die aufgrund permanenten Drucks zur Sucht führende Appetitzügler, Beruhigungspillen und Schlaftabletten einnehmen. In bleibender Erinnerung sind mir die sich ständig wiederholenden Themen Drogenmissbrauch, häufiger Sex, oberflächliche Freundschaften. Wie die Rollen von Frau und Mann dargestellt werden, ist einfach nur furchtbar. Die Frauen wollen in ihren Jobs im Showbusiness durch ihr Aussehen, ihre Jugend und ihre Körper vorankommen. Sie setzen alles daran, von einem erfolgreichen Mann mit Status geheiratet zu werden. Die Männer dagegen nehmen sich Sex, wann immer sie wollen, und schmücken sich mit Frauen, die sich mit einem Pelz oder einem Collier als Geschenk zufriedengeben. So sieht Emanzipation mitnichten aus.

Nun ja, wer an Showbusiness und seinen Starlets interessiert ist, möge zu dem Buch greifen, zumal es auch noch in die heutige Zeit passt.

Veröffentlicht am 27.11.2018

Ein ernsthafteres Buch als die früheren Romane des Autors

Die Ballade von Max und Amelie
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Den Autor David Safier verbinde ich zwangsläufig mit Geschichten über Mensch und Tier, vor allem aber mit dem Thema Karma (etwa sein Buch „Mieses Karma“). Zu ersteren zählt auch das vorliegende Buch; was ...

Den Autor David Safier verbinde ich zwangsläufig mit Geschichten über Mensch und Tier, vor allem aber mit dem Thema Karma (etwa sein Buch „Mieses Karma“). Zu ersteren zählt auch das vorliegende Buch; was letzteres anbelangt, so tritt an die Stelle der Karma-Geschichte die Reinkarnation.
Soweit es um den wunderbar aus hündischer Perspektive geschriebenen Strang Tier-Mensch geht, hat mir das Buch bestens gefallen. Es ist eine wirklich rührende Liebesgeschichte zwischen dem Haushund Max und der Wildhündin Narbe. Max wurde von seinen Herrchen ausgesetzt und trifft auf einer Müllhalde auf die dort lebende Hündin Narbe. Gemeinsam machen sie sich auf den beschwerlichen Weg voller Gefahren und Abenteuer zu Max‘ Zuhause, auf dem sich eine innige, unverbrüchliche Liebe mit hundertprozentigem für einander einstehen zwischen den beiden Tieren entwickelt, an der sich so mancher Mensch ein Beispiel nehmen kann. Wer Geschichten über Tiere und vermenschlichte Tiere liebt, wird seine helle Freude an dem Buch haben.
Der zweite Strang über die Reinkarnationsthematik ist mir hingegen doch zu wirklichkeitsfremd, als dass er mir wirklich gefallen konnte. Hier werden verschiedene Episoden – zumeist in Gestalt von Träumen - aus früheren, mehrere tausend Jahre zurückliegenden Leben der beiden tierischen Protagonisten eingeflochten, die sich als Liebespaar der immer erneuten Rache eines Menschen ausgesetzt sehen. Das läuft darauf hinaus zu zeigen, dass beide füreinander bestimmt sind.
Ein Buch nicht nur für Hundefreunde und vor allem ernsthafter als die früheren Romane des Autors.