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Veröffentlicht am 04.05.2025

Kosmische Ordnung

Stars
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Auch wer mit Astrologie nicht viel anfangen kann, wird Gefallen an diesem Buch finden, das ich als Gesellschaftsroman einordnen würde. Er thematisiert die Sehnsucht des Menschen nach kosmischer Ordnung ...

Auch wer mit Astrologie nicht viel anfangen kann, wird Gefallen an diesem Buch finden, das ich als Gesellschaftsroman einordnen würde. Er thematisiert die Sehnsucht des Menschen nach kosmischer Ordnung in Zeiten der Krise und seinen Wunsch, in seinem Lebensverlauf das Muster eines höheren Plans zu erkennen. Antworten hierauf will die Protagonistin Carla Mittmann geben, die nach ihrer Zwangs-Exmatrikulation als Philosophiestudentin zunächst neben ihrem Teilzeitbürojob halbherzig und ohne groß selbst an die Sterne zu glauben als Hobbyastrologin tätig ist, um ihre Tätigkeit dann nach dem überraschenden Fund eines größeren Geldbetrags nach und nach äußerst professionell auszubauen, bis sie eine Star-Astrologin à la Elizabeth Tessier ist. Recht unterhaltsam erzählt der Roman, wie viele Leute unterschiedlicher Herkunft sich doch Rat bei den Sternen holen und es sich hierbei um ein nicht zu unterschätzendes Phänomen der Gegenwart handelt. Faszinierend ist vor allem, wie sich Carla selbst im Laufe der Geschichte wandelt und schließlich selbst an die Aussagekraft der Sterne glaubt, bis … , ja bis am Ende eine zufällige Entdeckung ihr Vertrauen schwanken lässt. Worum es hierbei geht, sollte jeder selbst lesen. Eine Antwort habe ich selbst auf die Frage vermisst, was es mit dem Zufallsfund der Geldscheine tatsächlich auf sich hat. Ihm wurde doch im ersten Teil sehr viel Raum gegeben.

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Sehr langatmig

Flusslinien
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Ich fand die Lektüre dieses Romans sehr anstrengend. Das liegt weniger an der bedächtigen, ruhigen Erzählweise als daran, dass alles über immerhin 390 Seiten so vor sich hinplätschert und es keine richtige ...

Ich fand die Lektüre dieses Romans sehr anstrengend. Das liegt weniger an der bedächtigen, ruhigen Erzählweise als daran, dass alles über immerhin 390 Seiten so vor sich hinplätschert und es keine richtige Handlung gibt. Daher passt der Buchtitel recht gut. Sind die ersten Seiten erst einmal gelesen, weiß man bereits Wesentliches. Die relativ kurzen Kapitel widmen sich abwechselnd jeweils einem der drei Protagonisten. Allen gemeinsam ist, dass jeder sein Päckchen im Leben zu tragen hat. Die 102jährige Margrit verbringt ihre Zeit am liebsten im Römischen Garten in Hamburg, den einst die Freundin ihrer Mutter gestaltet hat. Dorthin lässt sie sich täglich von Arthur, dem Chauffeur in ihrer Seniorenresidenz, fahren, um vor allem die Vergangenheit dieser Gärtnerin zu rekapitulieren. Arthur wiederum hat Schuldgefühle seinem verstorbenen Zwillingsbruder gegenüber. Schließlich ist da noch Margrits 18ährige Enkelin Luzie, die ein Trauma zu bewältigen und sich ganz dem Tätowieren verschrieben hat. Gestört hat mich außerdem, dass einige völlig realitätsfremde Dinge als selbstverständlich dargestellt werden, z.B. dass sich Margrit und einige weitere betagte Mitbewohner von Luzie Tätowierungen machen lassen.
Insgesamt trifft das Buch nicht meinen Geschmack.

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Veröffentlicht am 20.04.2025

Wut und Liebe als Antrieb zu Unmoralischem

Wut und Liebe
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Dieses Buch wird auf dem Cover als Roman bezeichnet, und sein Titel lässt auf einen Liebesroman schließen. Beides trifft irgendwie zu, reicht aber noch nicht. Denn zugleich trägt die Geschichte Elemente ...

Dieses Buch wird auf dem Cover als Roman bezeichnet, und sein Titel lässt auf einen Liebesroman schließen. Beides trifft irgendwie zu, reicht aber noch nicht. Denn zugleich trägt die Geschichte Elemente eines Krimis in sich. Eigentlich beginnt alles harmlos. Der brotlose Künstler Noah wird von seiner ihn immer noch liebenden Freundin Camilla verlassen, weil sie ihrer beider Leben bestreiten muss, während sie von einem finanziell sorglosen Leben träumt. Noah will seine geliebte Freundin um jeden Preis zurückgewinnen, entweder mit seinem Durchbruch oder mit dem ihm von einer älteren Dame (Betty) ausgelobten hohen Geldbetrag, für den er „nur“ den von ihre so sehr gehassten Geschäftspartner ihres verstorbenen Mannes beseitigen muss. Ob er aus Liebe tatsächlich bis zum Äußersten geht, sollte jeder selbst lesen. Jedenfalls begegnet Noah auf seinem Weg vielen Personen aus dem Umfeld von Betty, ihrem Mann und aus dem eigenen, die so manche unverhoffte Wendung bringen. Am Ende kommt noch eine gehörige Portion Wut bei einer Dritten hinzu, die die Hintergründe der ganzen Geschichte aufdeckt.
Alles ist so raffiniert konstruiert, dass das Lesen des Buchs sehr viel Freude bereitet. Die Wendungen in Bettys Vergangenheit sind faszinierend. Immer wieder Spirituosen und Mahlzeiten beim Namen zu benennen, scheint Suters Spezialität zu sein. Jedenfalls erinnere ich mich hieran auch in seinem Roman „Melody“ (erschienen 2023). M.E. ist es verzichtbar. Das Buchcover ist für den Diogenes-Verlag typisch und passt gut zu Nohas Art von Malerei, der gerne seine Freundin als Dauermotiv nimmt.
Das Buch erhält von mir eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Ein viel gelobter Roman, aber ...

Für Polina
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Soweit ich es sehe, gibt es nur wenige kritische Stimmen zu dem neuesten Roman von Takis Würger. Fast durchweg wird er hoch gelobt. So äußern sich bereits auf dem Buchrücken andere namhafte Autoren, dass ...

Soweit ich es sehe, gibt es nur wenige kritische Stimmen zu dem neuesten Roman von Takis Würger. Fast durchweg wird er hoch gelobt. So äußern sich bereits auf dem Buchrücken andere namhafte Autoren, dass der Roman „wie eine berührende Melodie wirkt“ oder sie „beim Lesen Tränen gehabt“ hätten. Leider kann ich mich dem nicht anschließen. Sicher, es ist eine Liebesgeschichte zwischen einem talentierten Klavierspieler und Kilim-Kennerin, die schon in ihrer Kindheit geknüpft wird, immer wieder durch Trennungen unterbrochen ist und von der wir am Ende gar nicht wissen, ob es tatsächlich ein Happy-end gibt. Was mich dabei allerdings stört, ist, dass sie sehr gekünstelt wirkt und den Eindruck eines zwanghaft gestalteten Märchens hinterlässt. Schon der Beginn ist nicht sehr lebensnah – die allein erziehende Mutter des Protagonisten Hannes findet in einer verwunschenen Villa im Moor mit dem dortigen einzigen älteren Bewohner und einer türkischen Arbeitskollegin nebst deren Tochter Polina eine Wahlfamilie. Hannes ist begnadet am Klavier, alles self-made. In dieser Abgeschiedenheit wundert es nicht, dass er und Polina schon als Kinder zueinander finden. Bis zum Abschnitt über den frühen Tod der Mutter liest sich die Geschichte für mich auch recht passabel. Von Hannes Übersiedlung zum unehelichen Vater nach Hamburg bildet dann aber einen Schnitt, ab dem alles etwas wirr und konstruiert erscheint. Beispielhaft seien da etwa seine Beziehung zu einer älteren Ärztin aus gutem Hause oder seine mehrjährige Tätigkeit als Klavierträger genannt, die er, der immer als klein und schwach beschrieben wird, wuppt. In Kitsch mündet dann das Ende, als Hannes vor vollem Publikum eine für Polina geschaffene Melodie mit nur neun verbliebenen Fingern spielt, um sie auf diese Weise wiederzufinden. Untermalt ist Vieles mit einer schwülstigen Sprache. Kurzum, das Buch wird sicher seine Leser haben, bei mir hinterlässt es aber keinen großen Nachhall.

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Veröffentlicht am 04.04.2025

Die Zeit kommt zum Stehen

Für immer
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Der Roman thematisiert ein interessantes, zum Nachdenken anregendes Gedankenspiel. An einem Sommertag bleibt plötzlich die Zeit stehen mit der Folge, dass zwar alles in der Natur fortschreitet, aber kein ...

Der Roman thematisiert ein interessantes, zum Nachdenken anregendes Gedankenspiel. An einem Sommertag bleibt plötzlich die Zeit stehen mit der Folge, dass zwar alles in der Natur fortschreitet, aber kein Mensch mehr stirbt oder geboren wird. Was die meisten Menschen zunächst wie ein Geschenk ansehen, wird für sie zusehends zum Albtraum und es wird fieberhaft nach Lösungen gesucht, den ursprünglichen Status wiederherzustellen. Alles wird anhand eines Dutzends von Leuten dargestellt, die wir während der wenigen Wochen, die dieses Phänomen anhält, wiederkehrend begleiten. Da ist etwa die sterbenskranke Fotografin und Mutter Jenny, deren Tumor nicht mehr wächst, der Pensionär Otto, der sich wie besessen der Hobbygärtnerei widmet, während seine Frau die ihr geschenkte Lebenszeit nicht mehr mit ihrem Mann verbringen will, der Extremsportler Philipp, der Verschwörungstheorien folgt, der werdende Vater, der sein Baby auf die Welt bringen will. Die neue Situation wird für alle zur Herausforderung. Sich durch diese Art der Lektüre mit Sterblichkeit und der Bedeutung von Zeit zu befassen, ist zwar anspruchsvoll. Aber keinesfalls ist es so, dass sich das Buch schwer lesen ließe, im Gegenteil.

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