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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.04.2025

Sehr langatmig

Flusslinien
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Ich fand die Lektüre dieses Romans sehr anstrengend. Das liegt weniger an der bedächtigen, ruhigen Erzählweise als daran, dass alles über immerhin 390 Seiten so vor sich hinplätschert und es keine richtige ...

Ich fand die Lektüre dieses Romans sehr anstrengend. Das liegt weniger an der bedächtigen, ruhigen Erzählweise als daran, dass alles über immerhin 390 Seiten so vor sich hinplätschert und es keine richtige Handlung gibt. Daher passt der Buchtitel recht gut. Sind die ersten Seiten erst einmal gelesen, weiß man bereits Wesentliches. Die relativ kurzen Kapitel widmen sich abwechselnd jeweils einem der drei Protagonisten. Allen gemeinsam ist, dass jeder sein Päckchen im Leben zu tragen hat. Die 102jährige Margrit verbringt ihre Zeit am liebsten im Römischen Garten in Hamburg, den einst die Freundin ihrer Mutter gestaltet hat. Dorthin lässt sie sich täglich von Arthur, dem Chauffeur in ihrer Seniorenresidenz, fahren, um vor allem die Vergangenheit dieser Gärtnerin zu rekapitulieren. Arthur wiederum hat Schuldgefühle seinem verstorbenen Zwillingsbruder gegenüber. Schließlich ist da noch Margrits 18ährige Enkelin Luzie, die ein Trauma zu bewältigen und sich ganz dem Tätowieren verschrieben hat. Gestört hat mich außerdem, dass einige völlig realitätsfremde Dinge als selbstverständlich dargestellt werden, z.B. dass sich Margrit und einige weitere betagte Mitbewohner von Luzie Tätowierungen machen lassen.
Insgesamt trifft das Buch nicht meinen Geschmack.

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Veröffentlicht am 20.04.2025

Wut und Liebe als Antrieb zu Unmoralischem

Wut und Liebe
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Dieses Buch wird auf dem Cover als Roman bezeichnet, und sein Titel lässt auf einen Liebesroman schließen. Beides trifft irgendwie zu, reicht aber noch nicht. Denn zugleich trägt die Geschichte Elemente ...

Dieses Buch wird auf dem Cover als Roman bezeichnet, und sein Titel lässt auf einen Liebesroman schließen. Beides trifft irgendwie zu, reicht aber noch nicht. Denn zugleich trägt die Geschichte Elemente eines Krimis in sich. Eigentlich beginnt alles harmlos. Der brotlose Künstler Noah wird von seiner ihn immer noch liebenden Freundin Camilla verlassen, weil sie ihrer beider Leben bestreiten muss, während sie von einem finanziell sorglosen Leben träumt. Noah will seine geliebte Freundin um jeden Preis zurückgewinnen, entweder mit seinem Durchbruch oder mit dem ihm von einer älteren Dame (Betty) ausgelobten hohen Geldbetrag, für den er „nur“ den von ihre so sehr gehassten Geschäftspartner ihres verstorbenen Mannes beseitigen muss. Ob er aus Liebe tatsächlich bis zum Äußersten geht, sollte jeder selbst lesen. Jedenfalls begegnet Noah auf seinem Weg vielen Personen aus dem Umfeld von Betty, ihrem Mann und aus dem eigenen, die so manche unverhoffte Wendung bringen. Am Ende kommt noch eine gehörige Portion Wut bei einer Dritten hinzu, die die Hintergründe der ganzen Geschichte aufdeckt.
Alles ist so raffiniert konstruiert, dass das Lesen des Buchs sehr viel Freude bereitet. Die Wendungen in Bettys Vergangenheit sind faszinierend. Immer wieder Spirituosen und Mahlzeiten beim Namen zu benennen, scheint Suters Spezialität zu sein. Jedenfalls erinnere ich mich hieran auch in seinem Roman „Melody“ (erschienen 2023). M.E. ist es verzichtbar. Das Buchcover ist für den Diogenes-Verlag typisch und passt gut zu Nohas Art von Malerei, der gerne seine Freundin als Dauermotiv nimmt.
Das Buch erhält von mir eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Ein viel gelobter Roman, aber ...

Für Polina
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Soweit ich es sehe, gibt es nur wenige kritische Stimmen zu dem neuesten Roman von Takis Würger. Fast durchweg wird er hoch gelobt. So äußern sich bereits auf dem Buchrücken andere namhafte Autoren, dass ...

Soweit ich es sehe, gibt es nur wenige kritische Stimmen zu dem neuesten Roman von Takis Würger. Fast durchweg wird er hoch gelobt. So äußern sich bereits auf dem Buchrücken andere namhafte Autoren, dass der Roman „wie eine berührende Melodie wirkt“ oder sie „beim Lesen Tränen gehabt“ hätten. Leider kann ich mich dem nicht anschließen. Sicher, es ist eine Liebesgeschichte zwischen einem talentierten Klavierspieler und Kilim-Kennerin, die schon in ihrer Kindheit geknüpft wird, immer wieder durch Trennungen unterbrochen ist und von der wir am Ende gar nicht wissen, ob es tatsächlich ein Happy-end gibt. Was mich dabei allerdings stört, ist, dass sie sehr gekünstelt wirkt und den Eindruck eines zwanghaft gestalteten Märchens hinterlässt. Schon der Beginn ist nicht sehr lebensnah – die allein erziehende Mutter des Protagonisten Hannes findet in einer verwunschenen Villa im Moor mit dem dortigen einzigen älteren Bewohner und einer türkischen Arbeitskollegin nebst deren Tochter Polina eine Wahlfamilie. Hannes ist begnadet am Klavier, alles self-made. In dieser Abgeschiedenheit wundert es nicht, dass er und Polina schon als Kinder zueinander finden. Bis zum Abschnitt über den frühen Tod der Mutter liest sich die Geschichte für mich auch recht passabel. Von Hannes Übersiedlung zum unehelichen Vater nach Hamburg bildet dann aber einen Schnitt, ab dem alles etwas wirr und konstruiert erscheint. Beispielhaft seien da etwa seine Beziehung zu einer älteren Ärztin aus gutem Hause oder seine mehrjährige Tätigkeit als Klavierträger genannt, die er, der immer als klein und schwach beschrieben wird, wuppt. In Kitsch mündet dann das Ende, als Hannes vor vollem Publikum eine für Polina geschaffene Melodie mit nur neun verbliebenen Fingern spielt, um sie auf diese Weise wiederzufinden. Untermalt ist Vieles mit einer schwülstigen Sprache. Kurzum, das Buch wird sicher seine Leser haben, bei mir hinterlässt es aber keinen großen Nachhall.

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Veröffentlicht am 04.04.2025

Die Zeit kommt zum Stehen

Für immer
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Der Roman thematisiert ein interessantes, zum Nachdenken anregendes Gedankenspiel. An einem Sommertag bleibt plötzlich die Zeit stehen mit der Folge, dass zwar alles in der Natur fortschreitet, aber kein ...

Der Roman thematisiert ein interessantes, zum Nachdenken anregendes Gedankenspiel. An einem Sommertag bleibt plötzlich die Zeit stehen mit der Folge, dass zwar alles in der Natur fortschreitet, aber kein Mensch mehr stirbt oder geboren wird. Was die meisten Menschen zunächst wie ein Geschenk ansehen, wird für sie zusehends zum Albtraum und es wird fieberhaft nach Lösungen gesucht, den ursprünglichen Status wiederherzustellen. Alles wird anhand eines Dutzends von Leuten dargestellt, die wir während der wenigen Wochen, die dieses Phänomen anhält, wiederkehrend begleiten. Da ist etwa die sterbenskranke Fotografin und Mutter Jenny, deren Tumor nicht mehr wächst, der Pensionär Otto, der sich wie besessen der Hobbygärtnerei widmet, während seine Frau die ihr geschenkte Lebenszeit nicht mehr mit ihrem Mann verbringen will, der Extremsportler Philipp, der Verschwörungstheorien folgt, der werdende Vater, der sein Baby auf die Welt bringen will. Die neue Situation wird für alle zur Herausforderung. Sich durch diese Art der Lektüre mit Sterblichkeit und der Bedeutung von Zeit zu befassen, ist zwar anspruchsvoll. Aber keinesfalls ist es so, dass sich das Buch schwer lesen ließe, im Gegenteil.

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Eine Sechzehnjährige und ihre Familie

Fischtage
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Das Buch wird auf dem Einband schlicht als „Roman“ charakterisiert, was es natürlich auch ist. Doch ist es eine Lektüre für Erwachsene oder ein Jugendbuch, worauf das abgebildete Mädchen auf dem Cover ...

Das Buch wird auf dem Einband schlicht als „Roman“ charakterisiert, was es natürlich auch ist. Doch ist es eine Lektüre für Erwachsene oder ein Jugendbuch, worauf das abgebildete Mädchen auf dem Cover hindeuten könnte? Ich muss zugeben, ich kann es nicht einer der beiden Kategorien zuordnen. Auf jeden Fall aber lässt es sich auch gut von bereits älteren LeserInnen wie mir lesen, wenngleich die jugendliche Sprache diese wohl nicht gerade ansprechen dürfte. Es häufen sich doch jede Menge Vokabeln, die dem Englischen entstammen und bei denen es sich um Jugendsprache handeln dürfte, manchmal in die Fäkalsprache abgleitend. Nicht immer erschließt sich mir ihre Bedeutung. Auf jeden Fall passen sie ebenso übrigens wie die knallrote Einbandfarbe gut zu der Protagonistin Ella, die seit langem mit unkontrollierbaren Wutausbrüchen zu kämpfen hat und deswegen sogar in therapeutischer Behandlung ist. Eigentlich auch kein Wunder bei ihrer merkwürdigen Familie, deren Mitglieder allesamt nur nebeneinander her zu leben scheinen, ohne sich für die anderen wirklich zu interessieren. Ella jedenfalls will hieran etwas ändern, als ihr jüngerer Bruder plötzlich verschwindet. Sie begibt sich auf seine Suche, begleitet von einem merkwürdigen sprechenden Plastikfisch. Dabei hat sie so manche Gefahr zu meistern.
Die Schilderung der ungefähr einwöchigen Suche nach dem vermeintlich vermissten Bruder hat mir Spaß gemacht zu lesen. Die eine oder andere Textstelle hat mich zum Schmunzeln gebracht. Die Protagonistin ist trotz ihres wütenden Wesens sympathisch. Psychologischen Tiefgang sollte man allerdings nicht erwarten. Angerissen werden auch weitere eher schwierige Themen wie Seitensprung der Eltern, Drogenhandel, Vergewaltigung, Demenz. Was bei dem Ganzen allerdings der sprechende (DekFisch soll, erschließt sich mir nicht. Ich kann ihn mir nicht einmal optisch vorstellen, ist doch von ihm immer als „Plakette“ die Rede. Am Ende löst sich alles plausibel und eigentlich unspektakulär auf.

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