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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.06.2026

Gaunereien in der Regency-Zeit

Die Queen von Mayfair
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Im London des Jahr 1898 feiert Quinn Le Blanc, bekannt als Queen of Mayfair in der Halbwelt, auf den wichtigsten Bällen der Saison. Sie ist schön, jung, charmant und hat ein Ziel. Sie möchte sich innerhalb ...

Im London des Jahr 1898 feiert Quinn Le Blanc, bekannt als Queen of Mayfair in der Halbwelt, auf den wichtigsten Bällen der Saison. Sie ist schön, jung, charmant und hat ein Ziel. Sie möchte sich innerhalb von fünf Tagen den begehrtesten Junggesellen Londons Duke of Kendal angeln und mit ihm das gesamte Vermögen. Ähnliches hat Quinn schon mit anderen Männern durchgezogen – Männer innerhalb von fünf Tagen, um den Finger zu wickeln, ihnen das Vermögen abzunehmen und anschließend zu verschwinden. Doch dieses Mal ist das Ziel eben ein sehr großes und alles nicht so einfach.

Ein Roman der historischen Fiktion mit Elementen eines Kriminalromans vereint und damit ein spannendes Setting aufwirft.

Durch den bildhaften, detailreichen Schreibstil des Autors fühlt man sich schnell in den Bann der Zeit gezogen. Im Kopfkino laufen die Szenen der Bälle ab, die wundervollen Kleider und prunkvollen Räumlichkeiten. Generell folgt man dem Text sehr leicht, auch wenn er, um authentisch zu bleiben, diverse eher altertümliche Begriffe und Stile einfließen lässt. Ja der Vergleich mit der Serie Bridgerton ist nicht von der Hand zu weisen.

Jedoch fand ich auch die Andeutungen in anderen Rezensionen auf Oceans Eleven nicht verkehrt, denn man taucht tief ins Gaunermilieu ab. Ja die Unterwelt der damaligen Zeit plant ihre Untaten nach ihrem eigenen Regelwerk, wie schon im Prolog sichtbar wird. Denn man wählt nicht irgendein Opfer, sondern ein verdientes, das schon schlechtes auf sich geladen hat. Ein spannender Ansatz, der auch gut aufgegriffen wird, wie auch die Tatsache, dass trotz aller Vorkenntnisse nicht immer alles glatt läuft, und eben auch andere Akteure andere Interessen haben können.

Alles ist recht humorvoll, etwas verworren, auch auf Grund des ständigen Katz und Mausspiels und rasch kommt die nächste Wendung. Unterhaltung ist damit garantiert, jedoch muss man sich auch auf die Prämisse der Erzählung einlassen. So wie auch auf den etwas eigenwilligen Charakter von Quinn, die mit Intelligenz, Gerissenheit und vor allem Loyalität zu sich selbst glänzt.

Bei der Rezension dieses Buches, darf man etwas nicht unerwähnt lassen: das Buch ist ein gestalterisches Highlight und ein wahrliches Schmuckstück im Regal. Durch die dunkelblaue Gestaltung inklusive goldene Prägungen und goldenem Farbschnitt (zumindest in der ersten Auflage), ganz ohne Schutzumschlag erscheint das Buch sehr wertig, und passend zum Thema.

Ein Roman mit einer spannenden Idee - verknüpft er doch die schillernde Regency-Zeit mit einer Gaunergeschichte.

Veröffentlicht am 01.06.2026

Unruhe in der Berliner Unterwelt - man sieht sich immer zweimal

Die Toten von morgen
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In Berlin wird im Österreichpark die Leiche eines jungen Mannes gefunden – getötet durch einen Kopfschuss. Zeugen lassen sich keine auftreiben und auch Papiere gibt es nicht. Ermittelt wird durch Kommissarsanwärterin ...

In Berlin wird im Österreichpark die Leiche eines jungen Mannes gefunden – getötet durch einen Kopfschuss. Zeugen lassen sich keine auftreiben und auch Papiere gibt es nicht. Ermittelt wird durch Kommissarsanwärterin Nihal Khigarian, die nun nach einem Abstecher nach Hamburg wieder in Berlin ist und mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen hat: einem Vater im Sterben, einen Bruder, den sie selbst in das Gefängnis gebracht hat. Außerdem denkt sie immer wieder an Saad und dessen Tochter Leila, mit denen sie ursprünglich nach Hamburg geflüchtet war. Nun tauchen auch die beiden wieder auf und auch beruflich wird es turbulent. Denn es scheint einen Kampf um den Absatzmarkt Berlin zu geben – zwei Drogenbosse kämpfen um die Vorherrschaft. Und rasch ist auch Saad involviert.

Auch wenn dies nun schon Band zwei der Serie Berliner Schattenwelten ist und die Geschichte um Nihal, Saad und Leila weitererzählt, ist der Einstieg auch ohne Vorkenntnisse problemlos möglich. Fragen, die sich vielleicht zur Vorgeschichte der Charaktere auftun, werden im Band erklärt und somit findet man leicht in die Geschichte.

Der Schreibstil ist flüssig, aber doch etwas gewöhnungsbedürftig, greift er doch viele umgangssprachliche Begriffe und leicht unvollständige Satzbildungen auf. Eben ein klares Abbild so mancher schnellen Konversation zwischen Figuren, ohne schön literarisch aufgearbeitet zu werden. Etwas das man mögen muss, aber dem Buch so wie ich finde auch durchwegs Charme verleiht.

Gut gefallen hat mir die Tatsache, dass aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt wird und die Kapitel eher kurzgehalten sind. Das Tempo bleibt damit hoch und man fängt gut ein Gefühl für die Stadt Berlin und deren Bewohner ein.

Die Charaktere sind spannend gewählt, nicht nur die vermeintlich Guten auch die vermeintlich Bösen. King Charles so wie sein Widersacher sind Clement sind schon Unikate, die etliche Klischees über Unterweltbosse aufgreifen. Aber auch auf Ermittlerseite wird es unterhaltsam: ein etwas dümmlicher Polizist aus der Einheit Organisiertes Verbrechen, Nihals Vorgesetzter, der oft sehr wortkarg ist. Und schließlich Nihal selbst, sarkastisch und mit Beziehungsängsten. Die immer mit ihrer Familie kämpft, hart im Nehmen ist und gerne auch auf eigene Faust agiert.

Für mich ein solider Roman über die Berliner Unterwelt – vielleicht allerdings nicht so sehr ein Thriller, als ein normaler Kriminalroman.

Veröffentlicht am 29.05.2026

Ein Buch wie eine Großstadt - bunt und manchmal unerwartet

Hope Joanna
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Die junge Kommissarin Hope Joanna Marlow wird zu einem Tatort in einer Berliner Villa gerufen. Das Opfer ist Indiana Jens, wie sein Namensvorbild ein Händler von Relikten und Antiquitäten fasziniert. Besonders ...

Die junge Kommissarin Hope Joanna Marlow wird zu einem Tatort in einer Berliner Villa gerufen. Das Opfer ist Indiana Jens, wie sein Namensvorbild ein Händler von Relikten und Antiquitäten fasziniert. Besonders ist, dass er auch selbst noch die Polizei gerufen hat, um einen Einbruch bei ihm zu melden. Weiters ist auch die Tatsache, dass man Schlangenbissspuren an ihm findet, eigenartig. Und bald schon findet sich auch eine weitere Leiche mit diesen Spuren. Zusätzlich zu dieser eigenartigen Serie, kämpft die Kommissarin, und ehemalige Olympiateilnehmerin im Taekwondo, noch mit einem Video, dass auf den Sozialen Medien von ihr kursiert: Hat sie doch vier gewalttätige Räuber vor einem Späti mit ihren Kenntnissen in die Flucht geschlagen.

Eines vorneweg, es ist ein Roman, der sich nicht einfach rezensieren lässt und auch generell nicht einfach in eine Sparte einordnen lässt. Ja natürlich hat man da die Mordfälle und die Rätsel, die sich daraus ergeben und erfüllt damit das genannte Genre Kriminalroman, jedoch ist da auch viel mehr. Nämlich so viel Humor und abstruse Situationen wie in so mancher Slapstickkomödie und auch viel Gesellschaftskritik. Und weil das noch nicht reicht – Elemente aus Actionfilmen und Fantasyromanen.

Hope Joanna ist eine sehr clevere und nahbare Figur und machte es mir leicht das Team zu lieben. Wie verständlich ist es, dass sie den Ruhm hasst und auch eine Abneigung gegen den Namen hat. Ich bewundere, wie sie die Situation erträgt – Kollegen so liebevoll sie auch sein mögen und auch die Prominenz und Erwartungshaltungen. Gut ergänzt wird sie durch ihren ehrgeizigen Kollegen, der für so manchen Lacher sorgt.

Die Handlung als solches ist, humorvoll wechselhaft, abgedreht und definitiv nicht erwartbar – dennoch irgendwie auch wieder logisch trotz aller Überdrehtheit. Es gibt definitiv eine Krimikomponente, allerdings darf man sich keinen blutigen und super verschachtelten Kriminalfall erwarten. So manche Idee mutet schon wie Satire an, allerdings bezweifle ich nicht, dass so manche Personengruppen so manche Ideen auch teilen.

Der Schreibstil ist schwer mit anderen zu vergleichen. Man findet rasch ins Buch und ist bald mit der „Berliner Schnauze“ konfrontiert – allerdings in einer für alle verständlichen Form. Mitgerissen vom Humor stolpert man durch das Buch – mit einem konstanten Schmunzeln im Gesicht.

Ein Buch, das bunt und unerwartet ist, so wie eine Großstadt eben ist und um genauer zu verstehen, was ich meine, sollte man es lesen.

Veröffentlicht am 22.05.2026

Spannende Jagd

Schlafende Vulkane
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Helga Jónsdóttir junge Ermittlerin im Dezernat für Gewaltverbrechen wird zu ihrem ersten Fall gerufen - eine Frau wurde nackt und tot in der Box eines Pferdestalls in der Nähe von Reykjavik gerufen. Als ...

Helga Jónsdóttir junge Ermittlerin im Dezernat für Gewaltverbrechen wird zu ihrem ersten Fall gerufen - eine Frau wurde nackt und tot in der Box eines Pferdestalls in der Nähe von Reykjavik gerufen. Als sie zum Haus der Toten fährt, um nach ihrem Sohn zu sehen, ist dieser nicht auffindbar und Verteidigungs- bzw. Fluchtspuren werden gefunden. Der gewalttätige Vater gerät unter Verdacht und man muss den Jungen in der kalten Vulkanlandschaft rasch finden. Barjki, ein Verkehrspolizist und Mitglied einer Rettungsorganistation, soll bei der Suche helfen. Bald taucht eine weitere Leiche auf, und bald wird klar, dass der Täter sehr akribisch vorgeht.

Neben dem eindrucksvollen Coverbild hat mich bei diesem Buch vor allem die Tatsache angesprochen, dass ich die Reihe von Hjorth & Rosenfeldt sehr genossen habe.

Man taucht hier sehr rasch in die Geschichte ein, lernt nur mit kurzem Vorgeplänkel das Ermittlerduo samt umstehenden Polizeiapparat kennen. Das Tempo ist hoch, natürlich auch weil die Suche nach dem Jungen drängt. Aber auch die kurzen Kapitel mit wechselndem Blickwinkel tragen gut dazu bei.

Man merkt Helga an, dass sie der schwedische Neuling im Ermittlerteam ist und teilweise noch etwas unsicher wirkt. Nichtsdestotrotz ist sie sehr engagiert und hängt sich voll in die Ermittlungen. Wer tauscht schon einfach so Kleidung mit einem Streifenpolizisten, um gleich einsatzbereit zu sein. Barijki ist dagegen schon ein alter Hase in seinem Milieu, der beruflich etwas hinter seinem Können eingesetzt ist und vor allem Islands Landschaft kennt und liebt. Jeder der beiden trägt sein so genanntes Päckchen und irgendwie schafft sich das Duo trotz Skepsis zusammenzuraufen – methodisches Arbeiten trifft Bauchgefühl.

Man erkennt auch wie schwer es Neulinge manchmal im Team haben und es auch ab und an Personen gibt, die sich etwas querstellen. So unsympathisch das manchmal ist, ist es dennoch sehr realistisch. Genauso auch die im Hintergrund ablaufenden Themen wie Kompetenzen, Hierarchie, Budget und Befehlsketten.

Island und die Besonderheiten in Landschaft und in der Struktur der Abläufe in diesem Land finden Eingang in das Buch. Vulkanlandschaft, Natur und Wildnis werden gut und atmosphärisch geschildert. Für mich trägt all das zur düsteren Stimmung im Buch bei, wobei ich zugeben muss, dass das bei jedem Krimi bzw. Thriller der Fall ist, der im Norden spielt.

Für mich ein solider Auftakt zu einer neuen Thriller-Reihe. Ich freue mich definitiv schon auf die Fortsetzung.

Veröffentlicht am 21.05.2026

eine Gesellschaftskritik transportiert durch eine spannenden Idee

Mit anderen Augen
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Eines Morgens bemerkt Tilda Finch, 52 Jahre alt, dass sie ihren kleinen Finger nicht mehr sehen kann, aber ihn noch spürt. Nach einigen Untersuchungen bei Ärzten steht fest, sie leidet unter Unsichtbarkeit. ...

Eines Morgens bemerkt Tilda Finch, 52 Jahre alt, dass sie ihren kleinen Finger nicht mehr sehen kann, aber ihn noch spürt. Nach einigen Untersuchungen bei Ärzten steht fest, sie leidet unter Unsichtbarkeit. Eine Krankheit, die vor allem Frauen ab einem bestimmten Alter betrifft und in verschiedenen Stadien auftritt – man wird übersehen, Körperteile verschwinden und schließlich verschwindet man selbst. Eine wirkliche Heilung ist nicht bekannt, allerdings scheint die Krankheit auch kaum erforscht zu sein. Tilda erkennt, wie sie über die Jahre ihre eignen Wünsche und Emotionen zurückgestellt hat und wie auch ihre eigene Kindheit sie beeinflusst. Auf Anregung ihrer Freundin, beginnt sei bei Selma, einer Vorreiterin in diesem Bereich, eine Therapie.

Ein Buch, das ein Thema aufgreift, dass auch in der Realität wirklich auftritt, jedoch hier mit etwas mehr künstlerischer Freiheit. Man erkennt, dass Frauen oft sehr strikt mit sich selbst sind, was Aussehen und Erwartungen betrifft. Oft auch übersehen werden, und um des Friedens willen so manches hinnehmen.

Hier begleitet man Tilda auf einer Reise in ihre eigene Vergangenheit und generell zu sich selbst. Man merkt, wie schwer ihr der Einstieg fällt und wie mutlos sie auf Grund der Erkrankung auch teilweise ist. Selma hält ihr einen Spiegel vor und regt sie zu einer Reise zu sich selbst an, die auch unangenehm und schwierig für Tilda ist. So z.B. der Weg in die Meditation, etwas das Tilda bisher belächelt hat.

Generell ist der Schreibstil leicht, humorvoll und flüssig, so dass man sich leicht in Tilda und ihre Lieben hineinfühlen kann. Die Charaktere, auch die Nebencharaktere starten sehr stark, leider verliert man so manche im Laufe der Geschichte. Leider wird auch das Konstrukt der Unsichtbarkeit nicht immer konsistent geschildert, oder war zumindest von mir ab der zweiten Hälfte nicht mehr vollumfänglich zu verstehen.

Ein Roman, der den Fokus auf ein wichtiges Thema richtet, jedoch für mich nicht vollkommen logisch war in seiner Erzählwelt.