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Veröffentlicht am 16.03.2026

Eine schöne Idee

Das White Octopus Hotel
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Eve ist Kunstgutachterin im Jahr 2015 und hat schon einen großen Schicksalsschlag hinter sich: hat sie doch ihre Schwester in Kindheitstagen verloren und gibt sich die Schuld dafür. Als sie eines Tages ...

Eve ist Kunstgutachterin im Jahr 2015 und hat schon einen großen Schicksalsschlag hinter sich: hat sie doch ihre Schwester in Kindheitstagen verloren und gibt sich die Schuld dafür. Als sie eines Tages von einem geheimnisvollen älteren Mann aufgesucht wird, bleibt dieses Treffen nicht ohne Folgen. Ihr kommt vor, als würde sie diesen Herrn schon einmal begegnet sein, und er trägt den Namen ihres Lieblingskomponisten Max Everly. Dieser jedoch wurde etwa hundertsechzehn Jahre früher geboren. Er erzählt ihr vom legendären White Octopus Hotel, das in den Schweizer Alpen liegt. Seine Hochzeit hatte das Bell Epoc Hotel in den 1930er Jahren, im Jahr 2015 ist es eher verlassen und fast vergessen. Warum schloss dieses legendäre Hotel die Pforten? Das White Octopus Hotel, bei dem fast alles einen Octopus als Logo trägt, wartet mit einer Welt voller Rätsel und Magie auf.

Dieser Roman vereint sehr viel: Romanzen, Zeitreisen, Mystery und historische Fakten. Aber auch Themen, die immer relevant sind, egal ob mit oder ohne Fantasybezug wie Schuldgefühle, Schicksal, zweite Chancen und die Suche nach Vergebung bzw. Erlösung.

Erzählt wird dies, indem man zwei Protagonisten Eve und Max in ihrer jeweiligen Geschichte folgt – Eve in ihrer Lebensrealität im Jahr 2015, mit Rückblicken in ihre Vergangenheit und Max im Jahr 1935 und Rückblicken in seine Vergangenheit im Jahr 1918. Dreh- und Angelpunkt für all diese Geschichte ist das Hotel Oktopus in dem Zeitreisen möglich sind. Ja all dies mag vielleicht kurzfristig verwirrend sein, allerdings eröffnet sich rasch ein Sog der Geschichte, wenn man sich darauf einlässt.

Sehr angenehm und passend fand ich den Schreibstil. Flüssig und mit einem guten Händchen, die Stränge zu verknüpfen, wird man gefesselt. Bekommt Emotionen und Spannung gut transponiert. Die verschiedenen Schauplätze und Epochen werden detailliert geschildert, so dass es einfach ist, sich vom Buch eingenommen zu fühlen. Man spürt die Anspannung der Charaktere, wie Realität und Fantasy verschwimmt und auch die einzelnen Zeitebenen.
Das Hotel bietet dafür eine auch faszinierende Kulisse, da es voller Geheimnisse, Skurrilitäten und eben schlichtweg magisch ist. Es erlaubt dadurch eine plausible Entwicklung der Charaktere.

Ich kann das Buch allen ans Herz legen, die eine kurze – magische- Auszeit vom Alltag suchen, die allerdings auch nach einer unterhaltsamen Geschichte noch länger nachhallt.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Familiengeheimnisse und Schicksale in Irland

Und das Glück duftet nach Wolken und Meer
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Kayla lebt in Berlin, weit weg von ihrer Heimat, einem kleinen Ort an der Küste Irlands. Der Weggang zum Studium war wie eine Flucht vor dem Leben dort, dass durch den Weggang ihrer Mutter im Kindesalter ...

Kayla lebt in Berlin, weit weg von ihrer Heimat, einem kleinen Ort an der Küste Irlands. Der Weggang zum Studium war wie eine Flucht vor dem Leben dort, dass durch den Weggang ihrer Mutter im Kindesalter geprägt war. Die Stimmung zu Hause war als Kind nicht einfach, doch ein Streit mit ihrem Bruder im Erwachsenenalter hielt sie in den letzten Jahren auf ihre Heimat inklusive Großmutter und Vater zu Besuchen. Doch die Rückkehr scheint durch einen Trauerfall unvermeidlich und Kayla nicht zuletzt dadurch verletzlich und unsicher. Läuft doch auch in Berlin nicht alles rund – geschäftlich und privat. Mit großer Unsicherheit reist Kayla in ihren Heimatort und wird mit der Vergangenheit konfrontiert. Manche Dorfbewohner reagieren verhalten. Auch bei Freundschaften müssen die letzten Jahre ohne physischen Kontakt aufgeholt werden Doch Kayla lernt auch interessante neue Leute kennen.

Eines vorneweg, der Roman bzw. die Themen sind leider nicht immer so leichtfüßig, wie das Cover suggeriert. Allerdings zahlt sich das Durchhalten dafür umso mehr aus, denn nicht jedes Leben ist immer Friede, Freude, Eierkuchen.

Susa Bartel nimmt uns vom quirligen Berlin, wo man als Trauerbegleiterin für Tiere anscheinend zumindest etwas Geld verdienen kann, ins doch eher bodenständigere Old Quay- einen kleinen Ort an der Küste Irlands. Man taucht ein in gut gelungene Landschaftsbeschreibungen und lernt auch so manches über irische Köstlichkeit. Garniert wird das ganze mit so manchem spannenden, vielleicht für ein kleines Dorf typischen Charakter wie der immer neugierigen älteren Nachbarin.

Das große Thema, bzw. der rote Faden des Romans sind die Überlegungen um das Familiengeheimnis – dem Verschwinden von Kaylas Mutter und wie dies alle Familienmitglieder geprägt hat. Eine Tatsache, die auch auf andere Probleme umgelegt werden kann und dadurch die Möglichkeit bietet auch für einen selbst etwas neue Hoffnung mitzunehmen. Man kann sein Glück finden, auch wenn die Situation traurig anmutet. Es bringt allerdings auch nichts eine traurige Situation komplett auszuklammern.

Etwas verwundert hat mich die Tatsache, dass Kayla die Familengeschichte nicht früher hinterfragt hat. Kayla erscheint zu Beginn des Romans auch etwas unreif zu sein, etwas das ihr von ihrem Freund auch vorgeworfen wurde. Das eine bedingt hier allerdings wahrscheinlich das andere und manchmal ist es einfacher mit dem Status quo zu leben und es zu verdrängen, als sich dem ganzen zu stellen.

Ein Roman der das Irland-Feeling wundervoll transportiert und auch sehr versöhnlich und rund endet.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Turbulenzen im Offshore-Windpark

Trügerisches La Rochelle
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Auf der Baustelle eines Offshore-Windparks nahe Rochelle wird ein Toter gefunden – Unfall, Selbstmord, Mord es ist nicht ganz klar. Commissaire Chevalier wird von seiner beschaulichen Arbeit mit seinem ...

Auf der Baustelle eines Offshore-Windparks nahe Rochelle wird ein Toter gefunden – Unfall, Selbstmord, Mord es ist nicht ganz klar. Commissaire Chevalier wird von seiner beschaulichen Arbeit mit seinem Schwager zum Einsatz auf dem Installationsschiff gerufen. Hier begegneter er einer eingeschworenen Crew, die durch die Distanz zum Festland isoliert ist, ist man doch einige Wochen am Stück auf dem Installationsschiff – ohne Empfang. Bald ist klar, dass es kein Unfall sein kann- trotz stürmischer See. Doch wer ist der Täter, er muss sich doch noch auf dem Schiff befinden.

Die Erzählung folgt dem klassischen Whodunit Prinzip der Kriminalromane: Ermittlungen des Teams um Commissaire Chevalier verlaufen in klassischer Polizeimanier. Man verfolgt Spuren, sucht Motive, landet in Sackgassen und wird durch so manche Entwicklung überrascht. Besonders spannend ist dabei die Tatsache, dass sich der Täter an Bord dieses Installationsschiffes befinden muss.

Neben der Hauptermittlung taucht man auch in einem gewissen Maße in das Privatleben des Ermittlerteams ein. Man lernt einerseits ein doch entspannteres Privatleben des Commissaires kennen, andererseits aber auch private Ermittlungen in der eigenen Familiengeschichte. Damit lernt man den Ermittler auch von einer anderen Seite kennen und lernt ihn sehr zu schätzen.

Der Schreibstil des Autors ist angenehm und auch sehr bildhaft. Man nimmt die geschilderte Atmosphäre in der wundervollen Stadt Rochelle gut war, ein maritimes Lebensgefühl, dass gleich Urlaubslüste weckt. Aber auch der Windpark und die technischen Details sind detailliert, aber auch verständlich dargestellt, so dass man auch gleich etwas fürs Leben lernt. Gelungen fand ich, wie das alles miteinander verknüpft wurde.

Für mich war dies der erste Roman aus dieser Krimiserie. Auch wenn dieser ohne Probleme für sich alleine gelesen werden konnte, werde ich bei Gelegenheit die restlichen Bände ansehen, um besser in die Geschichte um den Commissaire einzutauchen.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

ein tiefsinniger, fordernder Roman, für den man Zeit braucht

Alma
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Alma kehrt nach dem Tod ihres Vaters in ihre Heimatstadt Triest zurück, um ihr Erbe anzutreten. Überreicht soll ihr dies von Vili ihrer Jugendliebe und gleichzeitig Ziehbruder, werden. Die Rückkehr in ...

Alma kehrt nach dem Tod ihres Vaters in ihre Heimatstadt Triest zurück, um ihr Erbe anzutreten. Überreicht soll ihr dies von Vili ihrer Jugendliebe und gleichzeitig Ziehbruder, werden. Die Rückkehr in die Heimat, die sie abrupt hinter sich gelassen hat, lässt Alma an ihre Kindheit und Jugend erinnern. Ihre Großeltern mütterlicherseits, die das Erbe und Traditionen Triests aus der Habsburger Monarchie hochalten. Ihre Eltern, die sich davon befreien wollten. Eine Kindheit in der sie Tito kenngelernt hat und die turbulenten Jahre danach.

Eines vorneweg, dies ist definitiv ein Buch, dem man Zeit geben muss, denn es ist nicht ein leichtfüßiger Roman in einer italienischen Stadt, wie man vielleicht auf Grund des Covers vermuten mag.

Die Geschichte wird nicht geradlinig erzählt, so wechseln sich die Zeitebenen und aber auch die Blickwinkel sehr häufig ab. Dadurch braucht es einige Zeit einzutauchen. Die Beschreibungen der Orte und Eindrücke sind sehr bildhaft, wodurch man sich natürlich gut orientieren kann. Kunstvolle Satzgestaltungen, machen es allerdings notwendig, ausreichend Konzentration ins Lesen zu legen.

Wie man schon erahnen kann, verknüpft der Roman die persönlichen Erfahrungen einer Person vom Kinderalter beginnend mit den politischen Realitäten der jeweiligen Zeit. Für die politischen Realitäten wäre natürlich ein entsprechender Wissenshintergrund ideal, um die Zeiten besser zu verstehen. Die Einordnung der verschiedenen Kriegsparteien u

Doch auch die Geschichte um Alma, Vili und Almas Familie allein ist spannend. Almas Eltern die eher abwesend sind, und ihrer Tochter Alma, möglichst wenig Grenzen aufzeigen wollen, damit sie sehr frei und selbstbestimmt aufwachsen kann. Vili, der von seinen Eltern getrennt wird und von Almas Vater über die Grenze geschmuggelt wird und nun statt in Belgrad nun in Triest bei der Familie von Alma aufwachsen soll. Auch er fühlt sich durch diese Trennung zerrissen und unsicher, auch da er ja in der Fremde ist. Man merkt im Zuge der Geschichte, wie wichtig die Vergangenheit doch auch für die eigene Identifikation und das Verständnis ist – bewusst oder auch unbewusst.

Ein nachdenkliches Buch, das eine turbulente Zeit in einer Stadt mit wechselhafter Geschichte thematisiert. Man sollte sich allerdings Zeit nehmen sich darauf einzulassen.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

ein internationaler Regionalkrimi der auch die Ermittler persönlich fordert

Solothurn ruft nach Vergeltung
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Es sind Filmtage in Solothurn und der auszuzeichnende Regisseur taucht nicht auf. Von Pia, Tochter des Chefermittlers Dominik Dornach wird er getötet in seinem Zimmer aufgefunden. Doch was ist das Motiv? ...

Es sind Filmtage in Solothurn und der auszuzeichnende Regisseur taucht nicht auf. Von Pia, Tochter des Chefermittlers Dominik Dornach wird er getötet in seinem Zimmer aufgefunden. Doch was ist das Motiv? Hat es mit seinem Film über Femizide und Frauenhass zu tun. Hat es mit seiner eigenen Herkunft zu tun. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, da die Spuren gering sind. Hat alles mit einem spektakulären Fall in der Vergangenheit zu tun.

Eines vorneweg - auch wenn dies bereits der siebente Band einer Reihe um den Ort Solothurn und den Ermittler Dominik Dornach ist, viel mir der Einstieg leicht. Man lernt die Charaktere und ihre Geschichte peu à peu kennen und erkennt, dass viele der Personen eine lange und turbulente Geschichte verbindet.

Auch wenn dies ein Regionalkrimi ist, mit einer tiefen Verflechtung im Ort, hat er überraschend viele internationale Züge. So gesellen sich zu regionaltypischen Ausdrücken und eine schon fast pittoreske Beschreibung der Gegend, Ausflüge ins Ausland, aktionreiche Szenen und Hintergrundinformationen in verschiedenste internationale Ermittlungseinheiten, die man so vielleicht nicht erwartet.

Auch die Themen, die aufgegriffen werden, sind sehr aktuell – Femizide sind in vielen Ländern ein großes Problem. Weiters Mobbing, Belästigung und häusliche Gewalt. Alles von großer gesellschaftlicher Bedeutung. Als Leser ist man versucht, gleich einen bestimmten Personenkreis zu verdächtigen, doch man darf sich als Leser auf die ein oder anderen überraschende Wendung einstellen. Doch in diesem Netz aus Ehrenmord, Hass, Schuld, Lüge und Misstrauen ist nichts so einfach wie es zunächst scheint.

All dies lässt das Buch dann doch auch temporeich und düster erscheinen, präsentiert allerdings mit einem flüssigen und leichten Schreibstil. Man befindet sich als Leser im Strudel der Ermittlungen und Wendungen und bekommt schließlich aber eine schlüssige Aufklärung präsentiert.

Ich werde in nächster Zeit sicher auch noch die Vorgängerbände lesen.