Viel gelernt
Bis unsre Seelen Sterne sind. Rilke und Lou Andreas-SaloméZuerst fiel mir bei diesem Buch das Cover auf. Man sieht eine junge Frau und einen mittelalten Mann im Profil. Die Frau blickt den Mann direkt und bewundernd an, der Mann aber schaut seitlich an der Frau ...
Zuerst fiel mir bei diesem Buch das Cover auf. Man sieht eine junge Frau und einen mittelalten Mann im Profil. Die Frau blickt den Mann direkt und bewundernd an, der Mann aber schaut seitlich an der Frau vorbei in die Ferne. Dadurch wird schon rein äußerlich bei diesem Buch klar, dass Rainer Maria Rilke sich nie auf eine Frau richtig einlassen konnte, seine Dichtung war immer wichtiger.
Trotzdem war die 15 Jahre ältere Lou Andreas-Salomon die einzige Frau, für die Rilke eine lebenslängliche, wenn auch lange Zeit platonische, Liebe empfand. Allerdings täuscht das Titelbild mit dem Alter der Protagonisten, denn Rilke war erst 22, als er Lou kennenlernte. Schon da schreibt er wunderbare Gedichte, mit denen er seine Gefühle für Lou ausdrückt.
Rilke war ein unsteter Geist. Immer wieder Krankheiten, dann Phasen von unbezähmbarem Schaffensdrang, eine kurze Ehe mit der Bildhauerin Clara Westhoff, ständige Ortwechsel, häufige Geldnot - das alles ist fast schon zu viel für ein Leben von nur 51 Jahren.
Maxine Wildner hat sich in diesem Buch nicht nur der Beziehung zwischen Rainer und Lou angenähert. Sie hat auch ein Zeitgemälde vom Beginn des 20. Jahrhunderts geschaffen, von den Künstlerinnen und Künstlern in dieser Umbruchzeit auf dem Weg in die Moderne. Das ist weitestgehend gut zu lesen, bleibt dabei aber auch manchmal oberflächlich.
Interessant ist auch, dass dieses Buch ausgerechnet im Insel-Verlag erschienen ist, der auch im Buch eine - wenn auch nicht glückliche - Rolle spielt.
Ich habe mich von dem Buch gut unterhalten gefühlt, dazu kam ein Zugewinn an Wissen und ein neues Interesse an Rilkes Gedichten was will man mehr?