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Veröffentlicht am 16.01.2026

Definitiv keine Wohlfühlmusik hier...

Candy Girls
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„Candy Girls sind süß. Sie sind frisch und lecker. […] Sie lassen sich schnell konsumieren oder unauffällig wegwerfen.“ (S. 8)

Mit „Candy Girls – Sexismus in der Musikindustrie“ legt Sonja Eismann (Journalistin, ...

„Candy Girls sind süß. Sie sind frisch und lecker. […] Sie lassen sich schnell konsumieren oder unauffällig wegwerfen.“ (S. 8)

Mit „Candy Girls – Sexismus in der Musikindustrie“ legt Sonja Eismann (Journalistin, Kulturwissenschaftlerin und Mitgründerin des Missy Magazine) ein Buch vor, das nicht erklären will, warum Pop problematisch sein kann, sondern zeigt, warum er es ist. Erschienen im September 2025 im Edition Nautilus Verlag, verbindet dieses Buch kulturwissenschaftliche Analyse, Popgeschichte und feministische Theorie zu einer schmerzhaft klaren Bestandsaufnahme.

Meine Meinung

Schon auf den ersten Seiten wird deutlich, worum es Eismann geht: Nicht um Einzelfälle, nicht um „schwarze Schafe“, nicht um moralische Panik, sondern um ein strukturelles Problem: „Wie und wo ist die Musikbranche sexistisch? Kurze Antwort: überall.“ (S. 10)
Dieser Satz klingt zunächst provokant und auch etwas oberflächlich, aber im Verlauf des Buches wird er (leider!) erschreckend präzise belegt.

Eismann analysiert, wie Frauen und weiblich gelesene Personen im Pop gleichzeitig begehrt, entwertet und austauschbar gemacht werden. Der Begriff der Candy Girls steht dabei sinnbildlich für eine Industrie, die weibliche Körper konsumierbar macht: süß, verfügbar, ersetzbar. Besonders beeindruckt hat mich der intersektionalen Blick, den die Autorin einnimmt, und wie sie unterschiedliche Kontextebenen zusammendenkt: Musikerinnen, Fans, Groupies, Musikjournalismus, Kanonbildung und ökonomische Macht. Eismann zeigt, dass Sexismus nicht nur auf der Bühne passiert, sondern auch in Rezensionen, Line-ups, Backstage-Räumen und Fan-Narrativen.

Und immer wieder geht es um Gewalt. Nicht "nur" physisch, sondern auch symbolisch: um das Verharmlosen von Übergriffen, die Romantisierung männlicher Grenzüberschreitungen und die systematische Unsichtbarmachung weiblicher Perspektiven. Besonders betroffen gemacht haben mich Beispiele, bei denen nicht die übergriffigen Männer, sondern die Künstlerinnen gecancelt wurden. Viele der Täter waren mir als Künstler bekannt, jedoch bisher nicht als Täter. Mich hat schockiert, wie viele es sind, welches System dahintersteckt und wie konsequent Täter geschützt werden, während Betroffene gecancelt werden oder verschwinden.

Stilistisch ist „Candy Girls“ fordernd. Die Sätze sind teilweise lang, die Argumentation dicht, theoretische Begriffe werden nicht vereinfacht. Aber genau darin liegt auch eine Stärke: Eismann traut ihren Leser:innen zu, mitzudenken. Trotz aller Wut bleibt das Buch nicht im Zynismus stehen. Es öffnet Räume für Kritik, für Verantwortung und für kollektives Umlernen. Nicht als Happy End, sondern als Aufgabe. Denn „Popkultur ist nur ein Bestandteil einer sexistischen Gesellschaft, die wir gemeinsam bekämpfen müssen.“ (S. 171)

Fazit
„Candy Girls“ ist unbequem, wütend und notwendig. Ein Buch für alle, die Popkultur lieben, aber nicht länger wegsehen wollen. Für Leser:innen feministischer Sachbücher ein absolutes Must-read und vor allem für Menschen, die ihre Idole wie David Bowie, Justin Timberlake und co. bisher nicht hinterfragt haben. Danke an netgalley.de und an Edition Nautilus für das Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 11.01.2026

Meal Prep ohne Schnickschnack

Vegan Meal Prep
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Mit "Vegan Meal Prep – Meine 50 liebsten Rezepte für immer und überall" legt Oliver Petszokat (Oli.P) sein erstes Kochbuch vor, erschienen im ZS Verlag – ein Verlag der Edel Verlagsgruppe. Auf 176 Seiten ...

Mit "Vegan Meal Prep – Meine 50 liebsten Rezepte für immer und überall" legt Oliver Petszokat (Oli.P) sein erstes Kochbuch vor, erschienen im ZS Verlag – ein Verlag der Edel Verlagsgruppe. Auf 176 Seiten zeigt der Entertainer, wie vegane Ernährung trotz vollem Terminkalender funktionieren kann. Mit Gerichten zum Vorbereiten, Mitnehmen und Wiederaufwärmen.

Meine Meinung
Was sofort positiv auffällt, ist die klare Struktur des Buches. Das Inhaltsverzeichnis (inklusive Vorbereitung, Kategorien und doppeltem Rezeptregister jeweils nach Zutaten und von A-Z) ist durchdacht und benutzer:innenfreundlich. Das stringente türkis-grüne Design zieht sich konsequent durch das Buch und gibt einen angenehmen roten Faden vor.

Die persönliche Du-Ansprache schafft Nähe, und Oli.P macht früh transparent, warum er vegan lebt. Vor allem aus Tierliebe, aber auch aus gesundheitlichen Gründen. Die Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit Portionsangaben und Prep-Zeiten sind sehr hilfreich und machen die Rezepte auch für Kochanfänger:innen gut umsetzbar.

Gleichzeitig gab es für mich ein paar Punkte, die nicht ganz gezündet haben. Die ersten rund 30 Seiten widmen sich fast ausschließlich Theorie und Vorbereitung. Das mag für Einsteiger:innen sinnvoll sein, für mich persönlich aber zu ausführlich. Auch die vielen Autor:innenfotos hätte ich nicht gebraucht, zumal die eigentlichen Rezeptfotos ohne ihn auskommen und wirklich gelungen sind.

Was mir gefehlt hat, ist eine Kennzeichnung von Allergenen wie Gluten oder Soja. Auch im veganen Bereich gibt es viele Menschen mit zusätzlichen Unverträglichkeiten, für sie ist das Buch eher weniger geeignet. Zudem hätte ich mir statt der langen Einführung lieber mehr Rezepte gewünscht, vor allem im Bereich Sweets & Desserts, der mit nur vier Rezepten recht knapp ausfällt.

Inhaltlich überzeugt das Buch aber mit unkomplizierten Gerichten ohne Zutatenlisten-Marathon, genau das macht es so alltagstauglich. Meine Favoriten waren das Safranrisotto, die Lauch-Muffins, der Reisnudel-Gurken-Salat und die Tarte Tatin.

Fazit
"Vegan Meal Prep" ist ein solides, gut strukturiertes Kochbuch für alle, die vegane Küche praktisch und ohne viel Aufwand in ihren Alltag integrieren möchten. Besonders geeignet für Einsteiger:innen, Vielbeschäftigte und Meal-Prep-Fans; weniger für Menschen mit Unverträglichkeiten oder Lust auf ausgefallene Dessertideen. Danke an lovelybooks.de und den ZS Verlag für das Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 11.01.2026

Deftig, vegan, alltagstauglich – wenn es schnell gehen soll

Deftig vegan für jeden Tag
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"Deftig vegan für jeden Tag" von Anne-Katrin Weber (erschienen im Becker Joest Volk Verlag, Fotos von Wolfgang Schardt) ist ein 192 Seiten starkes Hardcover, das sich ganz der schnellen, pflanzenbasierten ...

"Deftig vegan für jeden Tag" von Anne-Katrin Weber (erschienen im Becker Joest Volk Verlag, Fotos von Wolfgang Schardt) ist ein 192 Seiten starkes Hardcover, das sich ganz der schnellen, pflanzenbasierten Küche verschreibt. In maximal 30 Minuten sollen hier Gerichte entstehen, die satt machen, gesund sind und vor allem schmecken.

Meine Meinung
Was mich an Anne-Katrin Webers Kochbüchern immer wieder überzeugt, ist ihr klares Motto: „Schmecken soll’s! Und gesund sein.“ Auch hier merkt man sofort, dass die Rezepte erprobt sind und aus einer Küche kommen, in der wirklich gekocht wird. Besonders positiv fand ich die vielen Hinweise zu Zubereitungszeit, Nährwerten pro Portion, Portionsgröße sowie Verträglichkeiten wie glutenfrei, sojafrei oder ohne raffinierten Zucker.

Die Foodfotografie ist ein echtes Highlight: stimmungsvoll, appetitanregend und genau das, was man braucht, wenn man nach einem langen Tag Inspiration sucht. Auch die persönliche Ansprache in der Du-Form macht das Buch angenehm nahbar.

Kritisch sehe ich das Layout: funktional, aber stellenweise etwas unruhig. Die Zubereitungsschritte sind im Fließtext gehalten, was das schnelle Erfassen erschwert, und die Zutatenlisten sind mir fast etwas zu klein gesetzt. Inhaltlich hätte ich mir stellenweise noch mehr „klassische“ Gerichte gewünscht, die bewusst veganisiert werden. Das ist aber eher eine Frage meiner Erwartungshaltung als ein echter Mangel.

Sehr gelungen fand ich wiederum die Basics wie vegane Mayonnaise & Co. und den Blick über den Tellerrand, etwa bei Gerichten wie Gemüse-Biryani oder Palak mit Tofu-Paneer. Meine persönlichen Favoriten waren u. a. das cremige Kartoffel-Kichererbsen-Curry, die Maiscremesuppe mit Tofu-Cashew-Topping und der Flammkuchen mit Pilzen und Weintrauben.

Fazit
"Deftig vegan für jeden Tag" ist ein verlässlicher Begleiter für alle, die unkompliziert, pflanzlich und mit Genuss kochen wollen. Kein perfektes Design-Kochbuch, aber eines mit ehrlicher Küche und viel Alltagstauglichkeit. Besonders geeignet für Neugierige, Umsteiger:innen und alle, die mehr Pflanzliches integrieren möchten. Weniger für Perfektionist:innen oder Fans klassischer Hausmannskost-„Veganisierungen“.

Danke an den Becker Joest Volk Verlag und an netgalley.de für das Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 10.01.2026

Einblick in die Geschichte Sri Lankas anhand einer tamilischen Familie erzählt

Der brennende Garten
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„Der brennende Garten“ von V. V. Ganeshananthan (aus dem Englischen übersetzt von Sophie Zeitz, erschienen beim Verlag Tropen) ist ein Roman, an dem die Autorin 18 Jahre (!) gearbeitet hat. Gut Ding braucht ...

„Der brennende Garten“ von V. V. Ganeshananthan (aus dem Englischen übersetzt von Sophie Zeitz, erschienen beim Verlag Tropen) ist ein Roman, an dem die Autorin 18 Jahre (!) gearbeitet hat. Gut Ding braucht Weile und in diesem Fall hat sich diese Geduld definitiv ausgezahlt. Erzählt wird die Geschichte der jungen Tamilin Sashi, die im Bürgerkrieg Sri Lankas erwachsen wird, während ihr Umfeld zerbricht. Zwischen Jaffna und New York, zwischen Medizin, Widerstand und Verlust sucht sie nach einem Weg, Mensch zu bleiben.

Meine Meinung

Ich bin ohne große Erwartungen in dieses Buch gegangen und wollte es zunächst auch gar nicht lesen. Erst die sympathische Vorstellung der Autorin auf der Buch Wien und der sanfte Schubs einer Bookstagram-Freundin haben mich schließlich überzeugt. Zum Glück. Denn Ganeshananthan schreibt mit einer Klarheit, die nicht vereinfacht, sondern Komplexität aushält. Meiner Meinung nach etwas, das man nicht in vielen Büchern findet. Besonders deutlich wird das an der Art, wie sie Begriffe wie „Terrorist“ hinterfragt: „Das Wort Terrorist ist zu einfach für die Geschichte, die wir erlebt haben“ (S. 13). Der Roman zwingt uns damit, genauer hinzusehen auf das vermeintlich Klare: auf Ideologien, auf Schuld und auf die Grauzonen dazwischen.

Auf den ersten Blick nicht explizit feministisch, spielen Frauen dennoch eine entscheidende Rolle im Roman. Mütter, Aktivistinnen, Professorinnen, deren Solidarität eine eigene Kraft entfaltet: „Jetzt erkannte ich, dass meine Mutter eine Wildheit besaß … eine Kraft, die von den Frauen um uns herum exponentiell vervielfacht wurde“ (S. 162). Feminismus wird hier nicht theoretisch, sondern existenziell verhandelt: Wer darf sprechen? Wer widerspricht? Und was kostet das?

Neben all dem findet auch die Liebe ihren Platz, wenn auch leise, zart und tragisch: „Alles war vollkommen, und alles war unerträglich, weil es enden würde“ (S. 303). Und immer wieder kehrt der Roman zu der zentralen Frage zurück, welche Bedeutung Geschichte(n) und die Berichterstattung über Gräueltaten selbst haben können. In diesem Fall auch als Überlebenstechnik, als Halt wie an diesem Zitat deutlich wird: „Die Worte nahmen den Nächten das Grauen“ (S. 261).

Fazit
"Der brennende Garten" ist kein leichtes Buch, aber ein notwendiges. Ein Roman über Krieg, der sich weigert, Menschen auf Rollen zu reduzieren. Für alle, die literarische Tiefe, politische Komplexität und emotionale Wahrhaftigkeit suchen. Von mir gibts eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 10.01.2026

Wenn die Gewalt nachhallt und Liebe trotzdem bleibt

Da, wo ich dich sehen kann
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"Da, wo ich dich sehen kann" von Jasmin Schreiber ist ein Roman, der richtig weh tut. Erschienen beim Eichborn Verlag, erzählt das Buch aus unterschiedlichen Perspektiven von einem Femizid und dem Danach: ...

"Da, wo ich dich sehen kann" von Jasmin Schreiber ist ein Roman, der richtig weh tut. Erschienen beim Eichborn Verlag, erzählt das Buch aus unterschiedlichen Perspektiven von einem Femizid und dem Danach: von Trauer, strukturellem Versagen, Schuldgefühlen und dem verzweifelten Versuch, weiterzuleben. Im Zentrum stehen die neunjährige Maja, deren Vater ihre Mutter Emma tötet, und Liv, Emmas beste Freundin, die plötzlich Verantwortung für Maja übernimmt.

Meine Meinung
Schon die Widmung des Buches trifft mit voller Wucht: „Für meine Nachbarin, die dieses Jahr von ihrem Ehemann vor den Augen ihres gemeinsamen Kindes in ihrer Wohnung erstochen wurde. Und für alle anderen, die durch männliche Gewalt verletzt wurden …“ Man merkt sofort: Dieses Buch liegt der Autorin sehr am Herzen.

Für mich liegt das Besondere dieses Buches in seiner Vielschichtigkeit. Schreiber arbeitet mit wechselnden Perspektiven (Tochter, Patentante, Eltern, sogar die Hündin Chloé) und mit unterschiedlichen Textsorten (Notrufprotokolle, Zeitungsberichte, gerichtsmedizinische Dokumente, Was-wäre-wenn-Passagen). Gerade die "Was-wäre-wenn-Passagen" haben mich nicht losgelassen, weil sie schmerzhaft zeigen, wo seitens der Hinterbliebenen überall ein anderes Handeln möglich gewesen wäre, ohne dabei in Schuldzuweisungen zu kippen.

Die psychologische Tiefe des Buches ist enorm. Etwa, wenn Majas kindliche Selbstschuld sichtbar wird: „Sie wusste, dass es ihr Job war, auf Mama aufzupassen … aber sie war nicht gründlich genug gewesen“ (S. 206). Oder Livs Wut auf eine Gesellschaft, die weibliches Leid konsumiert: „Der tote Frauenkörper als Erzählmotor für faule oder unkreative Drehbuchschreiber …“ (S. 268).

Platz bekommt im Buch auch die Auseinandersetzung mit Mutterschaft, Ambivalenz und Überforderung. Ein Satz hat sich mir eingebrannt:
„Ich trauere der Frau hinterher, die ich hätte sein können“ (S. 130). Einfach auch um zu zeigen, Mutterschaft kann was erfüllendes sein, aber es gibt auch immer eine Frau mit ihren eigenen Träumen, von denen Mutterschaft vielleicht ein Traum ist, aber wo noch mehr dahintersteckt als nur das Mama-Dasein.

Das Buch stellt vor allem auch unbequeme Fragen: Warum werden Warnzeichen übersehen? Warum wird Gewalt gegen Frauen noch immer verharmlost, ästhetisiert, instrumentalisiert? Und wie viele Verluste kann ein Mensch eigentlich ertragen?

Fazit
"Da, wo ich dich sehen kann" ist definitiv kein leichtes Buch, aber ein notwendiges. Es fordert Empathie, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, hinzusehen. Für alle, die feministische Romane lesen wollen, die nichts für nebenbei oder zur Zerstreuung sind. Ein Jahreshighlight für mich und ein Buch, das lange nachhallt. Ich empfehle es sehr gerne weiter.

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