Absolut gelungener zweiter Band der Rieker-und-Ahrens-Reihe
„Die Farbe des Bösen“, das zweite Buch um den Hamburger Criminalkommissar Hermann Rieker und Johanna Ahrens, die Tochter eines Richters, steht dem ersten Band „Der Herzschlag des Toten“ in nichts nach. ...
„Die Farbe des Bösen“, das zweite Buch um den Hamburger Criminalkommissar Hermann Rieker und Johanna Ahrens, die Tochter eines Richters, steht dem ersten Band „Der Herzschlag des Toten“ in nichts nach. Wir sind in Hamburg anno 1887, als eine schrecklich zugerichtete männliche Leiche auf einem Fabrikgelände aufgefunden wird.
Vorher ist es Johanna, die sich in die Büsche schlägt und dabei zwei Gestalten beobachtet, die einen schweren Gegenstand, in Tapeten eingewickelt, aus einem Hintereingang tragen. Allem Anschein nach handelt es sich um eine Leiche und nachdem sie sich vergewissert hat, dass sie unbeobachtet aus ihrem Versteck kann, wendet sie sich an Criminalcommissar Rieker. Ihn kennt sie von damals, als beide einer grausamen Mordserie auf die Spur kamen – was liegt da näher, als sich wiederum an ihn zu wenden…
…dies natürlich ohne Wissen ihrer Eltern, denn Johanna sollte mit ihren 23 Jahren endlich unter die Haube kommen. Ihre Mutter lädt geeignete Heiratskandidaten ein - was ihre Tochter jedoch nicht davon abhält, eigene Wege zu gehen. Sie lernt einen jungen Mann kennen, der nicht nur ihr soziales Herz im Sturm erobert. Durch ihn gerät sie mitten hinein in die Arbeit der Sozialisten, es geht um Arbeitsschutz und Arbeitsrechte, um die starke Position der Firmeninhaber, um die so gar nicht vorhandenen Frauenrechte und um den täglichen Kampf ums Überleben der Arbeiter und deren Familien.
Die Polizeiarbeit besteht auch darin, sich unter die aufmüpfigen Sozialisten zu mischen, was Rieker jedoch so gar nicht gefällt. Als Spitzel taugt er nichts, eher will er die Vorgänge in und um die Tapetenfabrik näher durchleuchten, denn bei dem einen Toten auf dem weitläufigen Fabrikgelände bleibt es nicht. Das Ganze entwickelt sich als sehr viel größer, Rieker ist voll eingebunden in die Aufklärungsarbeit, was nicht jedem zu gefallen scheint.
Schon der erste Band ist sehr viel mehr als „nur“ ein historischer Kriminalroman und auch dieser zweite, vielschichtig angelegte Fall gibt neben den Mordermittlungen Einblicke in die damalige Zeit. Die Herstellung und die Farbgebung der Tapeten ist Thema, dabei kommt dem Schweinfurter Grün besondere Bedeutung zu. Die Erstarkung der Sozialisten und deren Kampf für die Rechte der Arbeiter ist zentral, auch dem medizinischen Fortschritt wird Raum eingeräumt mitsamt sehr viel krimineller Energie.
Ralf H. Dorweiler hat mich auch mit diesem zweiten Band um die beiden Hauptcharaktere Rieker und Ahrens voll und ganz überzeugt. Beide verkörpern sie eine Schicht, die sich im gesellschaftlichen Leben nicht tangiert (Ausnahmen bestätigen die Regel). Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass in dieser Reihe jeweils einem Körperteil eine besondere Rolle zukommt. War es in Band eins das Herz, so sind es hier die Zähne, was interessant und sehr aufschlussreich so einiges wiedergibt, das ich so nicht gewusst habe. Es lohnt sich also in vielerlei Hinsicht, dran zu bleiben.
Der Hinweis zum Schluss dann, der Rieker einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen lässt, deutet darauf hin, dass es für ihn bald wieder genug zu tun gibt. Ich bin gespannt.