spannend, lehrreich- so lernt man Geschichte gerne kennen
Nahe des Berliner Kurfürstendamms wird im Januar 1936 ein Geldbote im Zuge eines Überfalls tödlich verletzt Lissy Kaminski, Frau von Reporter Max Kaminski, findet ihn gemeinsam mit Angestellten der Nahen ...
Nahe des Berliner Kurfürstendamms wird im Januar 1936 ein Geldbote im Zuge eines Überfalls tödlich verletzt Lissy Kaminski, Frau von Reporter Max Kaminski, findet ihn gemeinsam mit Angestellten der Nahen Geschäfte. Das Team um Kommissar Gennat übernimmt die Ermittlungen, auch wenn diese sich auf Grund des Zeitgeistes schon etwas anders als früher gestalten. Der Druck für erfolgreiche und rasche Ermittlungen ist hoch, möchte doch die neue Regierung der NSDAP ein makelloses Deutschland nach außen hin präsentieren, speziell da die Eröffnung der Winterolympiade bevorsteht.
Ein definitiv spannendes Werk, verknüpft es doch Tatsachen wie die Grundzüge des Falles und so mancher Personen mit fiktiven Charakteren wie dem Reporter Kaminski. So war Ernst Gennat, umgangssprachlich auf Grund der Körperfülle auch „Buddha“ oder „der Volle Ernst“ genannt, eine reale und vor allem wichtige Person in der Kriminalistik und in Berlin im Speziellen. War er doch maßgeblich dafür verantwortlich, dass Ermittlungen strukturierter abliefen und mehr systematisch dokumentiert wurde. So sollen das legendäre Mordauto – ein mobiles Büro für die Spurensicherung- und eine Verbrecherkartei auf seine Ideen zurückgehen.
Auch der Raubmord und den entsprechenden Täter hat es so auch gegeben und die Befragungen wurden nach originalen Protokollen nacherzählt. Die gesamte Ermittlungsarbeit wurde im Buch wirklich detailliert übernommen und macht das miträtseln zum Vergnügen.
Ebenso gelungen sind die allgemeinen Einblicke in das Berlin der Zeits, bzw. den Zeitgeist allgemein. Vieles davon wird durch die Erlebnisse der fiktiven Charaktere Max und Lissy Kaminsky und Georg Hawliczek transportiert. Erstere auf Grund ihrer Jüdischen Herkunft nicht mehr in ihren Berufen aktiv und in der Überlegung Berlin auf Grund des Antisemitismus zu verlassen. Letzterer als ausländischer Reporter mit Blick von außen auf das „Neue Deutschland“. Die Stimmung wird gut – und auch bedrückend transportiert. Ebenso die Tatsache, dass nicht alle zufrieden mit der neuen Situation waren.
Auch wenn dieses Werk, ein Band einer ganzen Reihe um die Person Kommissar Gennat ist, lässt es sich wunderbar eigenständig lesen. Ich bin froh die Reihe entdeckt zu haben, und werde in absehbarer Zeit auch die Vorgängerbände lesen.