Cover-Bild Die seltsame Reise mit meinem Bruder

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9,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch Verlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 304
  • Ersterscheinung: 10.07.2015
  • ISBN: 9783548285177
Renée Karthee

Die seltsame Reise mit meinem Bruder

Roman
Nelly weiß, der Tag wird kommen. In zehn Jahren — oder zwanzig. Doch dass er so schnell kommen würde, damit hatte sie nicht gerechnet. Und alles nur, weil ihre Mutter beim Säubern der Dachrinne gestürzt ist. Ausgerechnet zwei Tage vor der Reise nach England zu einer Hochzeit. Nelly muss sich kümmern. Wohl oder übel. So findet sie sich wieder im Dorf ihrer Kindheit, wo ihr autistischer Bruder Nils mit gepacktem Koffer auf sie wartet. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg. Eine Reise, die Nelly alles abverlangt. Bei der sie Geduld braucht, das Glück kennenlernt, zuviel Gin Tonic trinkt und am Ende kapiert: Wenn hier jemand nicht normal ist, dann sie.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.05.2020

Eine Reise, bei der nichts gesucht, aber viel gefunden wird

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Nelly hat ihr Leben im Griff: Sie steht jeden Tag pünktlich auf, bereitet super leckere Sandwiches zu und verkauft diese in ihrem Food-Truck "Pausenbrot". Als ein Anruf von ihrer Mutter kommt, die einen ...

Nelly hat ihr Leben im Griff: Sie steht jeden Tag pünktlich auf, bereitet super leckere Sandwiches zu und verkauft diese in ihrem Food-Truck "Pausenbrot". Als ein Anruf von ihrer Mutter kommt, die einen Unfall hatte und sich nun nicht mehr um Nellys Bruder Nils kümmern kann, muss sie das übernehmen. Also fährt sie in ihr Heimatdorf zurück und kümmert sich um ihren 45-jährigen autistischen Bruder. Da aber auch noch eine Hochzeit ansteht, muss Nelly mit Nils im Schlepptau nach England. Eine turbulente Zeit beginnt...
Rennée Karthee erzählt hier mit viel Humor eine schöne Geschichte über zwei völlig verschiedene Geschwister, die zusammen eine Reise antreten. Mit dem Schreibstil musste ich erst warm werden, aber nach einigen Seiten hat er mir gut gefallen und super zur Geschichte und Protagonistin gepasst. Diese ist mir im Laufe der Geschichte mit ihrer ruppigen Art und ihrem Humor sehr ans herz gewachsen und auch Nils ist wirklich ein liebenswerter Charakter. Das Setting ist sehr schön und man fühlt sich, als würde man direkt in der Geschichte drinstecken. Außerdem stecken in dem Buch viele gute Weisheiten, mit denen man was lernen kann.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.01.2019

Gut gekocht!

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Nelly liebt gutes Essen und dessen Zubereitung. Vor allem für ihren eigenen Food-Truck. Ihr Leben könnte so schön sein, wäre da nicht die ewige Sorge darum, dass sie sich später um ihren autistischen Bruder ...

Nelly liebt gutes Essen und dessen Zubereitung. Vor allem für ihren eigenen Food-Truck. Ihr Leben könnte so schön sein, wäre da nicht die ewige Sorge darum, dass sie sich später um ihren autistischen Bruder Nils kümmern muss, wenn es ihre Mutter nicht mehr kann. Durch einen Unfall dieser wird Nelly plötzlich dem Ernstfall auf Probe ausgesetzt.

Renée Karthee nähert sich in „Die seltsame Reise mit meinem Bruder“ einem schweren Thema auf eine lockere Art an. Die Betreuung und Pflege von Verwandten ist oft nicht leicht zu schultern. Nelly ist von Kindesbeinen an daran gewöhnt, dass ihr Bruder spezielle Aufmerksamkeit benötigt. Sie ahnt sehr genau, was für eine Belastung ihr Bruder für sie sein wird. Sie will diese Verantwortung nicht, um die sie nie gebeten hat. Das sollte man im Hinterkopf behalten, denn unsere Protagonistin legt vorerst alles andere als sympathische Eigenschaften an den Tag, die es schwer machen, sie gern zu haben.

Das Buch ist nicht als Hilfe zur Selbsthilfe oder Mutmacher zu verstehen. Auch ist man hier falsch, wenn man wissen möchte, was Autismus denn genau ist. Es wird einfach nur eine schöne kleine Geschichte erzählt, mit leichten Schmetterlingen im Bauch wie das Cover sie schon ankündigt. Darin enthalten sind bezaubernde englische Häuser und Landschaften, Nils mit seiner eigentümlichen, aber liebenswerten Art und eine unerwartete Bekanntschaft, die Nellys Leben wohl noch mehr auf den Kopf stellt als ihr Bruder.

In der Geschichte heißt es, dass nicht genau bekannt sei, was Nellys Bruder letztendlich hätte. Er wäre nie getestet worden. Wahrscheinlich Asperger Syndrom, vielleicht noch etwas zusätzlich. Unnötig vage, aber auf diese Weise hinterfragt niemand sein Verhalten, was mir die einzige Erklärung ist.

Die sehr detaillierten Beschreibungen der Essenskreationen und auch das jeweilige Rezept am Ende jedes Kapitels machen das Buch einmalig und passen gut zu unserer Hauptfigur Nelly. Weniger freute es mich, dass sich bei Nelly Gedanken dazu einschlichen, dass das Essen bei ihr auf die Hüfte gehen könnte. Drei Sätze dazu aus dem Roman gestrichen und es hätte mir besser gefallen. Essstörungen sind ein ewig aktuelles Thema und ein Frauenroman darf gerne ohne gedankliche Abwanderungen auskommen, die als Tendenzen in diese Richtung interpretiert werden können.

Veröffentlicht am 16.03.2017

Tiefgründig und unterhaltsam

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Nachdem sie das Studium geschmissen hatte, zog Nelly Schrader von der deutschen Provinz nach Hamburg, um sich mit ihrem eigenen Unternehmen selbständig zu machen. Ihre kleine Cateringfirma "Pausenbrot" ...

Nachdem sie das Studium geschmissen hatte, zog Nelly Schrader von der deutschen Provinz nach Hamburg, um sich mit ihrem eigenen Unternehmen selbständig zu machen. Ihre kleine Cateringfirma "Pausenbrot" hat einen Angestellten, den Inder Ashok, und der Stullen vertickende Foodtruck läuft gut, bis sich die Konkurrenz anmeldet, ebenfalls mit einem Foodtruck, und Nelly das Geschäft vermiest.

Zu allem Überfluß soll Nelly auch noch zuhause auf ihren gehandicapten Bruder Nils aufpassen, obwohl sie mit ihrem Umzug so viel Distanz wie möglich geschaffen hatte. Doch da die Mutter im Krankenhaus liegt, stellt sich Nelly höchst widerwillig der Aufgabe.

Und dann geht's ab nach Großbritannien, denn Nelly & Nils sind zur Hochzeit ihres Cousins eingeladen, und langsam , aber sicher findet bei Nelly ein Umdenken statt, denn ein sympathischer Schotte bringt sie ins Grübeln...

Stil und Sprache haben mir unheimlich gut gefallen, die eingefügten Rezepte liessen mir das Wasser im Munde zusammenlaufen. Auch Nils' Postkarten fand ich spitze. Die ersten zwei Drittel des Buches fand ich fantastisch, das letzte aber deutlich schwächer.

Anfangs hütet sich die Autorin vor Kitsch und Banalitäten, doch dann wird es doch klischeehaft, es fallen Sätze wie : "Die Liebe ist das Beste, was wir haben. "
Manches am Buch fand ich nicht stimmig : Zum Beispiel, dass Nils 'Krankheit nie genau bestimmt wurde. Man hätte ihm doch die richtige Therapie bieten können im Falle einer genauen Diagnose.
Ergotherapie, Physiotherapie etc.

Dann ist der Küchenzauberer "natürlich" Inder - das gab es in Film und Literatur schon so oft, "Lunchbox" lässt grüßen.

Nellys Beau ist natürlich ein kerniger Schotte, der - wie könnte es anders sein - ein richtiger Mann ist.
Das Verständnis für Nils bringt er auf, weil auch seine Schwester einen schweren Start ins Leben hatte. Mir wäre es lieber gewesen, er hätte Nils einfach "grundlos" akzeptiert.

Nelly ging mir anfangs mit ihrer Lamentiererei gehörig auf den Senkel, und doch ist die Figur ein Spiegel des Zeitgeistes.
Ich war dann versöhnt, weil es ein paar richtig starke Szenen gab - etwa, als Nelly die Unmenschlichkeit im Heim nicht geheuer war, oder als sie auf der Hochzeit die Isolation ihres Bruders anprangerte.

Und der offene Schluss war einfach klasse, keine Spur von Kitsch.

Das Buch war mein Sommerhighlight 2015 und ich spreche gerne eine Leseempfehlung aus!

Veröffentlicht am 15.09.2016

gefühlvoller Roman und Kochbuch zugleich Würde es nicht nur 5 Bewertungssterne, sondern 10 geben, gäbe ich hier die vollen 10 Sterne

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Renée Karthee hat mich mit ihrem flapsigen Erzählstil voll und ganz erwischt. Das Buch ist so kurzweilig geschrieben, dass ich es garnicht mehr weglegen konnte. Der Aufbau der Geschichte rund um ihr Leben ...

Renée Karthee hat mich mit ihrem flapsigen Erzählstil voll und ganz erwischt. Das Buch ist so kurzweilig geschrieben, dass ich es garnicht mehr weglegen konnte. Der Aufbau der Geschichte rund um ihr Leben und um das Leben ihres Bruders ist so ergreifend und nah, dass sich der Leser mitten im Geschehen befindet.

Die Autorin wagt sich an das Thema Behinderung/Autismus, das ja nicht unbedingt einfach in einem Roman zu erfassen ist, mit Leichtigkeit, Tiefsinn und dem nötigen Humor. Hier wird die Hemmschwelle mit Charme überschritten und macht es ungezwungen.

Schon zu Beginn wird dargestellt, was vom Betroffenen selbst und den Familienmitgliedern abverlangt wird und welche Hürden gemeistert werden müssen, um ein einigermaßen "normales" Leben führen zu können.

Zu Beginn der Kapitel wird das Gericht des Tages genannt und das dazugehörige Rezept ist der Abschluss des jeweiligen Kapitels und obendrein werden auch noch "flotte" Sprüche des Tages "serviert".

Mein Fazit: gefühlvoller Roman und Kochbuch zugleich
Würde es nicht nur 5 Bewertungssterne, sondern 10 geben, gäbe ich hier die vollen 10 Sterne