Cover-Bild Haus zur Sonne
(6)
  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
19,99
inkl. MwSt
  • Verlag: E-Books im Verlag Kiepenheuer & Witsch
  • Themenbereich: Belletristik - Biografischer Roman
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 14.08.2025
  • ISBN: 9783462311433
Thomas Melle

Haus zur Sonne

Roman | Shortlist Deutscher Buchpreis 2025
Nach seinem weltweit beachteten Buch »Die Welt im Rücken«, in dem er sein Leben mit bipolarer Störung literarisch brillant verarbeitet hat, legt Thomas Melle nun einen Roman vor, der die Grenzbereiche zwischen Autobiografie und Fiktion, zwischen Sehnsucht und Depression und letztlich zwischen Leben und Tod weiter auslotet. 
Wie viel Selbstbestimmung ist möglich, wenn das Leben von einer psychischen Krankheit fremdgesteuert ist? Wonach sehnt sich einer, der nichts mehr zu verlieren hat? Und wie könnte es aussehen, das letzte Glück? Willkommen im »Haus zur Sonne«, einer Institution, die zugleich Wunscherfüllungsmaschine wie Abschaffungsapparat ist. Lebensmüde und todkranke Menschen liefern sich in diese vom Staat finanzierte Klinik ein, um jeden nur erdenklichen Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen und dann – ohne großes Aufsehen – aus dem Leben zu scheiden. Aber will, wer nicht mehr leben will, wirklich sterben?
Thomas Melle geht unseren Sehnsüchten und Todestrieben auf den Grund und liefert so eine radikale Skizze der Conditio humana.

Weitere Formate

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.10.2025

harte, sehr gute Kost

0

Das Buch "Haus zur Sonne" des Autors Thomas Melle habe ich, als Hörbuch eingelesen von Jens Harzer, gehört.

Erzählt wird in der Ich-Perspektive, was den Protagonisten für mich sehr nahbar und authentisch ...

Das Buch "Haus zur Sonne" des Autors Thomas Melle habe ich, als Hörbuch eingelesen von Jens Harzer, gehört.

Erzählt wird in der Ich-Perspektive, was den Protagonisten für mich sehr nahbar und authentisch machte. Nach dem Erfolg seines Buches "Die Welt im Rücken" knüpft die vorliegende Erzählung kompromisslos an. Er schildert seine bipolare Störung so nachvollziehbar, dass es mir teilweise den Boden unter den Füßen wegzog und ich eine Pause benötigte. Als dem Protagonisten nach einer langen manischen Phase nichts mehr bleibt, außer der tiefe Depression, die ihn nur noch zur Beendigung seines Lebens drängt, scheint durch einen Flyer des "Haus zur Sonne" sein Wunsch in greifbare Nähe zu rücken. Eine staatliche Einrichtung für suizidale Menschen, denen dort letzte Wünsche einschließlich des Abschiedes vom Leben möglich gemacht werden sollen,

Zusätzlich zum Wunschessen gibt es Wellness-Behandlungen, doch in erster Linie arbeitet das "Haus zur Sonne" mit virtuellen Simulationen, in denen einfach alles möglich ist. Erinnerungen wieder zu erleben, sogar seinen eigenen Todeswunsch inkl. Todesart hautnah zu erfahren. Der namenlose Protagonist analysiert dort sein Leben, von dem ihm die Krankheit das meiste gestohlen hat und denkt an die vielen Menschen, einst Wegbegleiter und nun auch verloren. Mit jedem Satz und Gedanken wird die Scham, die Reue, aber auch die Verletzlichkeit und Verlorenheit, verursacht durch eine Krankheit, überdeutlich und eindringlich transportiert.

Der Sprecher unterstützt durch seinen sehr guten Lesefluss die qualvollen Gedanken außerordentlich gut.

Dieses Buch ist zu Recht auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis und ich wünsche dem Autor, dass er ihn diesmal bekommt.

Veröffentlicht am 21.09.2025

Was lohnt es sich zu leben

0

Es ist wirklich schwierig sich in seinem Umfeld mit psychischen Erkrankungen auseinander zu setzen. Wie so vieles, gehören psychische Erkrankungen zu Dingen über die nicht gesprochen wird! Wie schrecklich ...

Es ist wirklich schwierig sich in seinem Umfeld mit psychischen Erkrankungen auseinander zu setzen. Wie so vieles, gehören psychische Erkrankungen zu Dingen über die nicht gesprochen wird! Wie schrecklich und unfair, ganz besonders für Menschen die betroffen sind und deren Angehörigen! Umso wichtiger sind Bücher wie diese!

Was gibt es im Leben noch zu leben wenn durch eine psychische Erkrankung alles zerstört wurde? In der Institution „Haus zur Sonne“ sollen Menschen die des Lebens leid sind ihr letztes Glück finden können, und das erleben was sie schon lange herbei sehnen, den Tod!

Puh, ich bin in das Buch irgendwie reingeraten. Ich wollte die sechs Bücher der Short List lesen und habe mich mit dem Inhalt des Buches zu erst gar nicht gross beschäftigt. Nach den ersten Zeilen dann aber schon. Manien, Selbstmord und psychische Erkennungen sind normalerweise nicht der Inhalt von Büchern die ich sonst so lese. Lange hab ich überlegt ob ich das Buch wirklich lesen will! Aber ich habe! Und es war so gut! Psychische Erkrankungen gehören nun mal zum Leben dazu! Es ist schlimm zu lesen wie alleine und Selbstaufgebend sich Menschen mit diesen Erkrankungen fühlen. Das Haus zur Sonne war auch erschreckend! Mit den Ängsten, Hoffnungen und Sorgen der Menschen Geld zu verdienen ist immer unvorstellbar grausam! Nicht mehr zu wissen ob man leben oder sterben will, unvorstellbar. Wenn man dann noch den Hintergrund kennt, der Autor ist selbst erkrankt, macht mich das einfach nachdenklich. Einige Stellen warne mir ein wenig zu langatmig, aber das war vielleicht auch nötig um alles überhaupt verdauen zu können. Schwere Kost, aber ein wichtiger Beitrag für mehr gesehen werden in der heutigen Gesellschaft!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.11.2025

Ein intensives, tiefgründiges und sprachlich beeindruckendes Werk

0

Haus zur Sonne ist ein intensives, tiefgründiges und sprachlich beeindruckendes Werk, das einmal mehr zeigt, warum Thomas Melle zu den bedeutendsten Stimmen der Gegenwartsliteratur zählt. Schon nach wenigen ...

Haus zur Sonne ist ein intensives, tiefgründiges und sprachlich beeindruckendes Werk, das einmal mehr zeigt, warum Thomas Melle zu den bedeutendsten Stimmen der Gegenwartsliteratur zählt. Schon nach wenigen Minuten entfaltet das Hörbuch eine ganz eigene Sogwirkung – ruhig, präzise und von einer emotionalen Klarheit, die lange nachhallt.

Melle gelingt es, existentielle Themen mit feiner Beobachtung und großer Sensibilität zu erzählen. Seine Sprache ist prägnant und poetisch zugleich, oft leise, aber stets eindringlich. Das Werk strahlt eine tiefe Menschlichkeit aus und schafft es, komplexe Gefühle greifbar zu machen, ohne sie zu überzeichnen.

Jens Harzer als Sprecher ist eine großartige Wahl. Mit seiner unverwechselbaren Stimme und seinem ruhigen, eindringlichen Vortrag verleiht er dem Text genau die Tiefe und Nuancierung, die er braucht. Seine Interpretation ist präzise, respektvoll und von einer stillen Intensität, die das Zuhören zu einem echten Erlebnis macht.

Mein Fazit:
Ein großartiges Hörbuch, das sprachlich und inhaltlich beeindruckt – nachdenklich, klug und bewegend. Haus zur Sonne ist anspruchsvoll, aber zugänglich, tief melancholisch und zugleich tröstlich. Ein verdienter Platz auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2025.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.11.2025

Schwere Kost

0

Zum Inhalt:
Der Ich-Erzähler kämpft mit seiner psychischen Krankheit, die ihn schon viele Beziehungen und Freundschaften gekostet hat und ihn zudem im Beruf behindert. Jetzt hat er beschlossen, seinem ...

Zum Inhalt:
Der Ich-Erzähler kämpft mit seiner psychischen Krankheit, die ihn schon viele Beziehungen und Freundschaften gekostet hat und ihn zudem im Beruf behindert. Jetzt hat er beschlossen, seinem Leben ein Ende zu setzen und dafür das Angebot des "Haus zur Sonne" zu nutzen. Hier darf er bis zu seinem durchgeführten Tod auf Verlangen in Simulationen das Glück finden, dass ihm im wahren Leben verwahrt bleibt. Doch will man überhaupt noch sterben, wenn das funktioniert?

Mein Eindruck:
Zu Beginn zieht einen die Geschichte wunderbar in ihren Bann; man hofft und bangt mit dem Erzähler, bedauert ihn, leidet mit ihm und wünscht ihm einen Ausweg aus seiner Krankheit. Doch irgendwann wird es für die Leser ähnlich ermüdend wie für den Protagonisten, wenn sich die Konversationen immer wieder um "das eine" drehen, nämlich den Weg zum Ziel und warum er gegangen werden muss, oder ob man ihm letztendlich ausweichen möchte. Irgendwann ist dann auch die Empathie aufgebraucht (ähnlich wie bei Freunden, Verwandten und Kollegen des Erzählers) und man hofft auf ein Ende - wie auch immer dieses gestaltet sein mag - weil die Geschichte kreist und kreist. In schönen Sätzen, wunderbaren Ideen und mit wirklich gut ausgearbeiteten Charakteren... aber sie bewegt sich kaum vorwärts. Doch eins muss man dem Autor unbedingt lassen: Das Ende ist absolut genial!

Mein Fazit:
Für Menschen mit viel Empathie und Leidensfähigkeit und wunderbar geschrieben

Veröffentlicht am 14.10.2025

Ein Buch, das mich zerrissen zurückgelassen hat…

0

Selten hat mich ein Buch so ratlos gemacht wie „Haus zur Sonne“. Nicht, weil es mich emotional überfordert hätte sondern, weil ich bis zuletzt nicht wusste, was ich eigentlich davon halte.

Der Roman erzählt ...

Selten hat mich ein Buch so ratlos gemacht wie „Haus zur Sonne“. Nicht, weil es mich emotional überfordert hätte sondern, weil ich bis zuletzt nicht wusste, was ich eigentlich davon halte.

Der Roman erzählt von einem Mann, der seit Jahren an einer bipolaren Störung leidet. Zwischen manischen Höhenflügen und tiefsten Depressionen verliert er alles: Freunde, Job, Geld, sich selbst.
Er ist müde vom Leben und landet schließlich im „Haus zur Sonne“, einer staatlich geförderten Einrichtung, in der Menschen ihre letzten Wünsche in realitätsnahen Simulationen erleben dürfen, bevor sie aus dem Leben scheiden.
Die Idee hat mich sofort gepackt. Sie erinnerte mich an „Die Mitternachtsbibliothek“ nur in realer, härter und konsequenter.

Auch der Aufbau des Buches mit seinen kurzen Kapiteln und dem Wechsel zwischen Klinikalltag und Simulationen funktioniert gut. Das Buch liest sich flüssig, trotz seines schweren Themas.

Aber irgendwann verlor es mich…

Die Simulationen, anfangs faszinierend, begannen sich zu wiederholen. Jede versprach Erkenntnis doch am Ende stand immer dieselbe Leere.
Vielleicht ist genau das der Punkt: dass sich Leid und Hoffnung eben nicht auflösen. Trotzdem blieb bei mir das Gefühl, dass hier erzählerisch mehr möglich gewesen wäre.

Und dann das Ende. Ohne zu spoilern: Es kam zu plötzlich, zu offen, zu wenig „auserzählt“. Es soll wohl zum Nachdenken anregen, aber der entscheidende Impuls kam bei mir erst im Gespräch mit anderen Leser*innen – nicht durchs Buch selbst.

Trotzdem: „Haus zur Sonne“ ist ein gutes und wichtiges Buch. Es zeigt psychische Erkrankungen ungeschönt, nahbar und erschütternd realistisch. Es spricht über Lebensmüdigkeit, Selbstbestimmung und die Frage, was ein „würdevolles Ende“ überhaupt sein kann.
Nur erzählerisch bleibt es für mich ambivalent – irgendwo zwischen „Inception“ und „Mitternachtsbibliothek“, zwischen Faszination und Überdruss.
Ich bin fasziniert, aber nicht begeistert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere