Cover-Bild Herbststurm

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14,95
inkl. MwSt
  • Verlag: Suhrkamp
  • Genre: Krimis & Thriller / Historische Kriminalromane
  • Seitenzahl: 437
  • Ersterscheinung: 12.11.2018
  • ISBN: 9783518469231
Angelika Felenda

Herbststurm

Reitmeyers dritter Fall. Kriminalroman

Ermittlungen in zwei Mordfällen führen den unerschrockenen Münchner Kommissär Reitmeyer in die Kreise russischer Exil-Monarchisten, die sich nach der Oktoberevolution in der Stadt niedergelassen haben. In eben jene Kreise, in denen sein bester Freund, der Rechtsanwalt Sepp Leitner, die Tochter einer illustren russischen Adeligen suchen lässt, um sein Salär aufzubessern. Doch was hat das Verschwinden der Anja Alexandrowa mit den beiden toten Männern zu tun?

München, 1922. Die Inflation galoppiert, wegen der Reparationsforderungen werden Anschläge auf die Französische Gesandtschaft verübt und in der Stadt marodieren Mitglieder der inzwischen verbotenen Freikorps. Kommissär Reitmeyer hingegen könnte es eigentlich gut gehen – immerhin hat sich die Beziehung zu seiner Jugendfreundin Caroline deutlich entspannt. Doch seine Ermittlungen zwischen gestrandeten Ex-Militärs und zwielichtigen russischen Damen erweisen sich schwieriger als gedacht – zumal sich der Verdacht erhärtet, dass sein schlimmster Widersacher in den eigenen Reihen sitzt.

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Lesejury-Facts

  • Dieses Buch befindet sich in 12 Regalen.
  • 6 Mitglieder haben dieses Buch gelesen.

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.12.2018

Reitmeyer gerät zwischen politische Fronten

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Teil drei der Reihe um Kommissär Reitmeyer im zwischenkriegszeitlichen München. Angelika Felenda ist wieder eine wunderbare Mischung aus historischen Tatsachen und spannendem Krimi gelungen. Wie schon ...

Teil drei der Reihe um Kommissär Reitmeyer im zwischenkriegszeitlichen München. Angelika Felenda ist wieder eine wunderbare Mischung aus historischen Tatsachen und spannendem Krimi gelungen. Wie schon “Der eiserne Sommer” und “Wintergewitter” punktet auch “Herbststurm” mit Authentizität, der richtige Portion Gefühl und einer Prise Humor.

Und natürlich Toten. Ein Unfall, der doch ein Mord war, steht am Beginn von Reitmeyers Ermittlungen. Er und sein Team nehmen ihre Arbeit auf, fragen sich durch und radeln viel durch die herbstlich kalte Stadt. Es ist nur eine Frage der Zeit bis sie - auch aufgrund der politischen Entwicklungen und Verwicklungen - “anstehen”, bis es innerhalb der Polizeibehörde hinter den Kulissen zu brodeln beginnt. Hängen da etwa Beamte mit drinnen?

Es ist trotz der mörderischen Ereignisse ein sehr schönes Wiedersehen mit den geliebten Charakteren rund um Reitmeyer: Anwalt und Freund Sepp, Caroline, eine gemeinsame Freundin, die Kollegen Steiger und Rattler und diverse andere Figuren wie Vorgesetzte und Verwandte spielen erneut eine Rolle.

Doch auch für jene die die bisherigen Bände nicht kennen ist “Herbststurm” gut verständlich und die Geschichte auch nachvollziehbar. Sehr interessant auch die Anmerkungen der Autorin zum historischen Kontext.

Veröffentlicht am 16.12.2018

Teils ausufernder Krimi vor beeindruckendem historischen Hintergrund

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Auch der dritte Teil um den Münchner Kommissar Reitmeyer spielt in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Wie überall in Deutschland ist nach dem Krieg die Armut groß und die Arbeitslosigkeit hoch. ...

Auch der dritte Teil um den Münchner Kommissar Reitmeyer spielt in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Wie überall in Deutschland ist nach dem Krieg die Armut groß und die Arbeitslosigkeit hoch. Und gerade in München machen sich dies rechte Kreise zu Nutze, um AnhängerInnen für ihre kruden Ideen zu sammeln. Als zwei Mitglieder eines Freikorps ermordet werden und eine immense Dollarsumme gefunden wird, besteht schnell der Verdacht auf interne Streitigkeiten. Doch auch die Suche nach einer verschwundenen jungen russischen Frau könnte damit in Verbindung stehen, denn einer der Toten arbeitete als Detektiv. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, denn der Freicorps hat Beziehungen bis in die obersten Ebenen.
Neben den bereits genannten Handlungsfäden gibt es noch einige weitere, die zwar im privaten Bereich beginnen, sich im Laufe der Geschichte aber als Bestandteil des Kriminalfalles heraussstellen. Mir waren dies jedoch zu viele lose Fäden, die sich durch den Großteil des Buches ziehen. Die verschwundene Russin scheint zwar von Anfang an eine wichtige Rolle zu spielen, wird jedoch immer mehr zu einer Randfigur, bei der ich mich fragte, was sie mit dem Ganzen überhaupt zu tun hat. Oder diverse einzelne Personen des Freicorps, die einen mehr oder weniger großen Auftritt erhalten, um dann wieder zu verschwinden. Oder dass Menschen sterben, offenbar eines gewaltsamen Todes, und Alles nach zwei, drei Seiten vergessen scheint. Einige Handlungsstränge weniger hätten zwar keine 430 Seiten mehr ergeben, es hätte der ganzen Geschichte vermutlich aber sehr gut getan.
Wirklich richtig gut ist in diesem Buch der geschichtliche Hintergrund, der hier nicht nur als Kulisse dient. Angelika Felenda kennt sich aus mit dem, was sie schreibt (zumindest liest es sich so. Und sie hat auch Geschichte studiert ). Die damaligen Verhältnisse spiegeln sich in sämtlichen Ereignissen wider, egal ob in der Kriminalbehörde, im Nachtleben oder in den familiären Beziehungen. Ich habe wieder (wie bereits in den beiden Vorgängerbänden) eine Menge über diese Zeit der Zwanziger Jahre in München erfahren.

Veröffentlicht am 13.12.2018

Ein vielschichtiger Krimi

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Im nunmehr dritten Band der Kommissär-Reitmeyer-Serie wirken die Ereignisse der Vergangenheit nach. Der Krieg verloren, der Kaiser abgedankt und das Experiment der Räterepublik Geschichte. Was übrig bleibt, ...

Im nunmehr dritten Band der Kommissär-Reitmeyer-Serie wirken die Ereignisse der Vergangenheit nach. Der Krieg verloren, der Kaiser abgedankt und das Experiment der Räterepublik Geschichte. Was übrig bleibt, sind unterschiedliche Gruppen, die teilweise sehr militant auftreten. Die Saat des aufkeimenden Nationalsozialismus ist aufgegangen und viele Menschen, von denen es weder Reitmeyer noch Caroline, Reitmeyers Freundin, jemals vermutet haben, sind mit den Parolen des „Schreihalses“ einverstanden. So ist bei einem Hauskonzert die Musik von Mendelsohn verpönt.

Kommissär Sebastian Reitmeyer ist mit seinem aktuellen Fall, zwei junge Männer sind mit einer Nagant-Pistole erschossen worden, vollauf beschäftigt. Eine Nagant? Das deutet auf einen russischen Hintergrund hin, ist das ja eine Waffe der russischen Armee.

Doch nicht nur Reitmeyer hat mit Russen zu tun. Auch sein Mitarbeiter, der kluge Rattler trifft auf eine russisch-stämmigen Frau, Larissa. Rattler, aus dem Weltkrieg mit einem Lungenleiden zurückgekehrt, ist ein schmächtiger junger Mann, den die Frauen eher übersehen. Deswegen ist er von Larissa, die sich für ihn interessiert, fasziniert. Erst spät, fast zu spät, bemerkt er, dass er für Larissa nur Mittel zum Zweck ist.

Der dritte im Bunde ist Rechtsanwalt Sepp Leitner, der von einer Exilrussin den Auftrag erhält, deren verschwundene Tochter Anna zu finden. Die Suche nach Anne stellt sich schwieriger heraus als angenommen, denn die Frau ist glitschiger wie ein Aal und nicht zu fassen.

Lange tappen die drei im Dunklen und geraten beinahe zwischen die Fronten rivalisierender politischer Gruppen, die vor roher Gewalt nicht zurückschrecken.

Meine Meinung:

Angelika Felenda schafft es auch in ihrem dritten Krimi, die unheimliche Atmosphäre im München der 1920er darzustellen. Da sind zum einem die wohlhabenden Bürger, die nach wie vor in ihren Villen residieren und Hausmusik pflegen (wenn auch häufig ohne jüdische Komponisten) und zum anderen die desillusionierten Weltkriegsteilnehmer, die für eine politische Wende stehen. Dann führt uns die Autorin noch zu einer dritten Gruppe, die wohl die größte unter Münchens Bewohnern ist: Jene Menschen, die arbeits- und perspektivenlos mehrere prekäre Arbeitsverhältnisse eingehen müssen. Frauen, die aus Not ihren Körper verkaufen müssen und um halbwegs über die Runden zukommen, wie zum Beispiel die Tänzerin Susie.

Der historische Hintergrund ist wieder penibel recherchiert und die Charaktere gut ausgefeilt. Der Leser kann ihnen ihre Gefühle, Gedankengänge und Handlungen getrost abnehmen.
Die Leser werden durch falsche Spuren recht ordentlich in die Irre geführt. Interessant, dass man damals die „linke“ Gefahr höher eingeschätzt hat als jene von „rechts“. Der Leser erhält ein wenig Geschichtsunterricht, der subtil und unterschwellig in die Handlung eingebaut ist.

Die unterschiedlichen Handlungsstränge werden am Ende schlüssig zusammengeführt und die Auflösung ist elegant.

Fazit:

Wieder ein gelungener historischer Krimi aus der Feder von Angelika Felenda, dem ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 12.12.2018

Unruhiger Herbst

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1922 geht es den Leuten in München schlecht, die Inflation galoppiert und es gärt in der Bevölkerung. Die Kriegsfolgen sind überall spürbar und an der Dolchstoßlegende wird eifrig gestrickt.
Rechtsanwalt ...

1922 geht es den Leuten in München schlecht, die Inflation galoppiert und es gärt in der Bevölkerung. Die Kriegsfolgen sind überall spürbar und an der Dolchstoßlegende wird eifrig gestrickt.
Rechtsanwalt Leitner ist ganz froh eine Mandantin gefunden zu haben, die den Vorschuss in Devisen bezahlt, denn seine Rechnungen sind ein paar Tage später nicht mehr das Papier wert, auf dem sie geschrieben wurden. Da macht es auch nichts, dass die Suche nach einer verschwundenen Tochter nicht in sein Ressort fällt. Aber durch seine Freundschaft mit Kommissär Reitmeyer erhofft er sich Informationen und Hilfe bei der Suche nach der Exilrussin Anna Kusnezowa .
Doch Reitmeyer hat andere Sorgen, zwei unklare Todesfälle, Personalnot und ein Präsidium, das sich schon sehr stark nach rechts orientiert, erschweren seinen Arbeitsalltag. Die Toten gehörtem einem Freicorps an, wie sie sich nach dem Ende des 1. Weltkriegs überall gebildet haben. Ehemalige Offiziere und Soldaten, die sich mit dem verlorenen Krieg nicht abfinden wollen und einer Republik abweisend gegenüberstehen. Für sie sind die „Linken“ an allem Schuld und sie ziehen auf der Suche nach Verrätern durch München.
Doch bald kreuzen sich die beiden Fälle, Annas Name taucht im Zusammenhang mit den Toten auf und Reitmeyer spürt eine Mauer des Schweigens. Auch sein junger, sehr eifriger Mitarbeiter Rattler ist involviert. Bei der Suche lernt er die schöne Larissa kennen, eine Exilrussin, die sich mit Sprachunterricht über Wasser hält. Ihre eifrigen Nachfragen und ihr starkes Interesse an seiner Arbeit schmeicheln ihm und bald ist er über beide Ohren vernarrt.
Die Stärke dieses Kriminalromans ist die genaue und sehr lebendige Schilderung dieser unruhigen Jahre. Hier spürte ich viel Detailwissen und Kenntnis der historischen Zusammenhänge. Das hat mich fasziniert und den Wunsch geweckt mehr über diese Zeit zu erfahren. Wie früh schon die Saat der rechten Gruppierungen aufgeht, hatte ich nicht so im Gedächtnis. Monarchisten, Revanchisten, Zaristen, Rechtsbündler – alle Gruppen versuchen ihren Einfluss zu wahren. Die politische Führung agiert ziemlich machtlos, denn der Justizapparat und die Kriminalpolizei scheinen schon früh Position bezogen zu haben.
Bei all diesen politischen Verwicklungen kam mir der Krimi ein wenig zu kurz. Es war schon spannend Reitmeyer auf der Suche nach den Mördern und den Drahtziehern zu begleiten, aber es brauchte schon meine ganze Konzentration in dieser Gemengelage nicht die Übersicht zu verlieren. Sehr gut hat mir die niveauvolle Sprache gefallen, keine Selbstverständlichkeit mehr bei vielen Kriminalromanen.
Wenn auch ein – zwei Fragen für mich nicht beantwortet waren, kann ich dieses Roman geschichtsinteressierten Lesern sehr empfehlen.

Veröffentlicht am 30.11.2018

Spannend, fesselnd, atmosphärisch. Sehr gern gelesen!

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„Herbststurm“, den 3.ten Band der Kommissär-Reitmeyer-Serie aus der Feder von Angelika Felenda, habe ich sehr gern gelesen.
Der wohlgeübte, ausgereifte Schreibstil hat meine Aufmerksamkeit gleich an sich ...

„Herbststurm“, den 3.ten Band der Kommissär-Reitmeyer-Serie aus der Feder von Angelika Felenda, habe ich sehr gern gelesen.
Der wohlgeübte, ausgereifte Schreibstil hat meine Aufmerksamkeit gleich an sich gezogen. Dieses Vergnügen blieb mir bis zum Schluss erhalten.
Der Roman lebt von der Atmosphäre von 1922 in München, die auch recht authentisch und zum Greifen nah rübergebracht wurde. Man fühlt sich in diese Zeit versetzt und verfolgt die Geschehnisse aus den Perspektiven der jeweiligen Figuren. Sie alle eint, ob reich oder arm, dass sie mit den Folgen des Krieges, physischer und psychischer Natur, zu kämpfen haben.
Der Roman hat zwei Erzählstränge: Kommissär Reitmeyer ermittelt in zwei Mordfällen der jungen Männer, Ex-Militärs. Sein junger Kollege, der als kriminalistisch begabt und sehr gescheit gilt, hilft ihm nach Kräften. Doch seine neue Bekannte, die schöne Deutschbaltin, die ihm seit Kurzem Russischunterricht gibt und einige Grundzüge der russischen Kultur beibringt, und ganz nebenbei ihm den Kopf verdreht hat, scheint ein Geheimnis zu hüten. Zaghaft geht der junge Mann dem auf den Grund, ohne zu ahnen, was auf ihn dort wartet.
Reitmeyers bester Freund Rechtsanwalt Sepp Leitner wird von einer russischen Emigrantin beauftragt, ihre verschwundene Tochter, die schöne Anna, zu suchen. Je weiter die Suche fortschreitet, desto komplexer erweist sich das Ganze. Nichts ist, wie zunächst erscheint. Lange tappt Leitner im Dunklen. Die Spuren führen am Ende auf ein gefährliches Terrain.
Die beiden geraten im Laufe der Ermittlungen dorthin, wo die Männer, die nach dem ersten Weltkrieg keine weitere Verwendung für sich finden, eine politische Wendung mit ernsten Konsequenzen planen.
Diverse Milieus werden vor Augen der Leser ausgebreitet. Es gibt sehr arme Leute, die hart und viel arbeiten müssen, in ärmlichen Unterkünften hausen und oft krank sind. Man besucht viele entspr. Ortschaften, u.a. Spielunken, in denen sich Mädchen als Tänzerinnen ihr Brot hart verdienen. Es gibt aber auch wohlhabende Bürger, die sich nett ihre Zeit vertreiben und in schönen Villen wohnen. Dazu gehört Caroline, die Jugendfreundin Leitners. Mit den beiden kreist in der „besseren Gesellschaft“ Münchens, besucht man private Musikkonzerte usw. Auch dort versucht Sepp Leitner auf seiner Suche nach der schönen Anna weiterzukommen. Bloß niemand scheint etwas Genaueres über sie zu kennen.
Am Ende ist alles geklärt, die Motive freigelegt. Wer hinter den Morden steckt, erfährt man in einer spektakulären Szene erst zum Schluss.

Das Buch mochte ich kaum aus der Hand legen. Recht schnell waren die über vierhundert Seiten ausgelesen, auch weil die Spannung, die mal subtil mal drängend an den Roman ungemein gefesselt hatte.

Gern lese ich weitere Folgen der Serie. Bis dahin habe ich noch zwei erstere Bände nachzuholen.