Cover-Bild Amelia
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19,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Tropen
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 21.05.2022
  • ISBN: 9783608118643
Anna Burns

Amelia

Roman
Anna-Nina Kroll (Übersetzer)

1969 beginnen in Nordirland die Troubles. Doch Amelia Boyd Lovett versucht, sich auf ihre Habseligkeiten zu konzentrieren. Jeden Tag schaut sie sich die Schätze an, die sie unter ihrem Bett in einem abgewetzten Koffer versteckt: ein kleines Plastikschaf, ein Gebet für einen Penny, eine Tube Glitzer. Und siebenunddreißig Gummigeschosse. Die sammelt sie, seitdem die britische Armee angefangen hat, damit zu schießen.
Belfast. Amelia ist acht, als die Troubles beginnen. Zum Ende der Unruhen ist sie Mitte dreißig. Dazwischen spannt sich die Geschichte eines Mädchens, das in einer verrückten Gesellschaft aufwächst und dabei ganz auf sich gestellt ist – trotz der Großfamilie, mit der es unter einem Dach lebt. Amelia will um jeden Preis vergessen, was um sie herum passiert. Und das ist so einiges: Schülerinnen, die bewaffnet herumspazieren, Babys, die Bomben sein könnten oder auch nicht, Jugendliche, die sich als Ordnungshüter aufspielen, und Heimwege, die ein bitterböses Ende bereithalten. Wenn Amelia überleben will, muss sie ihren eigenen Weg finden. Aber kann sie das an einem Ort, an dem die Menschen jedes Gefühl füreinander verloren haben?

»Fantastisch: schockierend, bewegend, eindrucksvoll.« Daily Mail

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.05.2022

Irland ist auch mitten in Europa.

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Ukrainische Flüchtlingskinder können in Deutschland ihre Schule online fortführen, wenn sie es denn nach Deutschland schaffen und die Lehrer in der Ukraine die Bomben überleben.
Irische Kinder hatten ...

Ukrainische Flüchtlingskinder können in Deutschland ihre Schule online fortführen, wenn sie es denn nach Deutschland schaffen und die Lehrer in der Ukraine die Bomben überleben.
Irische Kinder hatten keine Fluchtmöglichkeit. Bomben, Scharfschützen, niedergebrannte Häuser waren ihre Normalität. Wenn man von 1969 bis 1994 im Krieg lebt, 25 Jahre lang nichts als Tod und Terror erlebt, dann verrohen die Menschen, verlieren ihre Menschlichkeit, werden zu Bestien, verlernen das rationale Denken. Wir begleiten Amelia Burns durch ihre Kindheit, Jugend und Teil ihres Erwachsenenalters. 1989 schafft sie endlich den Absprung und fährt nach London. Doch der Krieg lässt sie nicht los. Wie so viele anderer Kriegsmädchen leidet sie an Alkoholsucht, Anorexie, ihre im Krieg getöteten Freundinnen und Geschwister verfolgen sie, werfen ihr vor, weshalb Amelia noch lebe, wenn sie doch tot seien.
Wie erbarmungslos muss eine Gesellschaft sein, wenn fünf Vierzehn- bis Fünfzehnjährige befohlen wird sich an einem Ort einzufinden, damit ihnen die Kniescheiben zerschossen werden, für ihre Straftaten? Und die Kinder finden sich auch tatsächlich da ein, vier von Ihnen werden beide Kniescheiben zerschossen, der fünfte wird mit einer leichten Wunde an der Wade begnadigt, nur um nachher doch noch seinen Tod zu finden.
Wie brutal kann eine Gesellschaft werden, wenn ein junger Mann vom eigenen Cousin hinterrücks erstochen wird und ihm die Uhr geklaut wird? Eine Uhr die der junge Mann ihm freiwillig geben wollte und um die Familie nicht in Gefahr zu bringen wollte er sie in Zivilkleidung besuchen, nicht in Uniform.
Wie hartherzig und gewalttätig kann eine Gesellschaft sein, wenn eine Frau, Mutter von sechs Kindern, zuerst Sex haben muss, egal mit wem, um danach in Ruhe andere Menschen töten zu können? „Die Einstimmung auf einen Mord, das wird jeder bestätigen können, fordert ihren Tribut, und Bronagh war da keine Ausnahme. Glücklicherweise hatte ihr Unterbewusstsein ein Gegengift entwickelt. Bevor sie jemanden umbrachte, brauchte sie lediglich ein wenig zwangsgestörte menschliche Nähe, und das zwangsgestörte Mittel der Wahl war für Bronagh dominanter und sehr schneller Sex.“ (S. 264)
Und als der Frieden endlich da ist, wissen sie nicht, was mit sich machen, die Überlebenden. Ein banaler Tagesausflug wird zur Sensation, den zuerst alle ablehnen und dann vehement einzufordern. Es ist interessant, auf diesem Tagesausflug auf eine kleine Insel, Rathlin, begegnen ihnen auch vom Krieg gezeichnete Menschen: Fremde sind nur im Laden willkommen, ansonsten werden sie angefeindet. Sie haben sich so lange abgeschottet, dass sie in Fremden Feinde sehen. Aber auch die Lovett Familie, die diesen Tagesausflug unternimmt, kann den Tag nicht richtig genießen, bis sie nicht erst streiten: „Um sich entspannen zu können, mussten sie erst streiten“ (S. 377). Vielleicht gehört das auch zum Friedensprozess.
Ich frage mich, wie damals, 1648, nach dem Dreißigjährigen Krieg, der Friedensprozess vor sich ging? Wann begannen die Menschen endlich an den Frieden zu glauben?
Ohne Pathos, schlicht und nüchtern erzählt uns Anna Burns aus Amelias Sicht über das veränderte Leben. In der Kindheit waren es Raupen, niedergebrannte Häuser, Papierpuppen, erschossene Menschen - alle haben den gleichen Stellenwert. Später sind es dann Freunde, Geschwister, niedergebrannte Häuser, erschossene Menschen, Bomben. Dies ist ein Kriegsbericht aus erster Hand, eindringlicher und schärfer als Antonia Rados ihn je vorbringen könnte

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Veröffentlicht am 07.05.2022

Empfehlung!

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Spannend - es geht um Amelia, die ein mutiges Kind ist - um sie herum verletzte Menschen - aber das ist normal für ihre Familie - der Satz: S'geht bald los... damit meint sie die gewaltvollen Auseinandersetzungen ...

Spannend - es geht um Amelia, die ein mutiges Kind ist - um sie herum verletzte Menschen - aber das ist normal für ihre Familie - der Satz: S'geht bald los... damit meint sie die gewaltvollen Auseinandersetzungen in ihrer Nachbarschaft. Mit englischen Begriffen angehaucht - das macht das Lesen authentisch. Das Cover ist verstörend, aber zur selben Zeit aussagekräftig. Toller Titel - spannende Geschichte über die Vergangenheit eines Landes, die nicht in Vergessenheit geraten darf.

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Veröffentlicht am 25.07.2022

Unruhen

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Amelia ist noch ein Kind als die Unruhen Ende der 1960er in Nordirland beginnen. Doch natürlich bekommt auch sie mit, dass die Zeit gefährlich ist. Umso stärker behütet sie ihre Schatzkiste, in der sie ...

Amelia ist noch ein Kind als die Unruhen Ende der 1960er in Nordirland beginnen. Doch natürlich bekommt auch sie mit, dass die Zeit gefährlich ist. Umso stärker behütet sie ihre Schatzkiste, in der sie ihre liebsten und wertvollsten Sachen gesammelt hat. Als ihr Bruder ihren heiligen Besitz, siebenunddreißig Gummigeschosse der britischen Armee, entwendet, ist sie schockiert. Doch dies ist nur der erste Schock, den sie zu überstehen hat. Da ist der Verwandte aus England, der im Einsatz für England quasi zum Feind wird, die Freundin, die stirbt oder die, die Bomben legt, der Kumpel, der mit Mühe entkommt.

Über fast dreißig Jahre spannt sich diese Lebensgeschichte eines Kindes, das zur Jugendlichen und zur Frau wird, immer unter dem Eindruck der Auseinandersetzungen zwischen Iren und Englandfreunden. Da kann es gefährlich werden, einfach nur vor die Tür zu gehen. Und wenn sich mal ein Silberstreif im persönlichen Leben der streitbaren und intelligenten Amelia abzeichnet, dann kann es auch sie selbst sein, die die Chance nicht wahrnehmen kann. Wird Amelia es schaffen, ihr eigenes Leben zu überstehen? Während die Kämpfe ohne Unterlass weitergehen, scheint es auch mit Amelia immer weiter bergab zu gehen.

Für jemanden, der selbst eine doch eher ruhige und unaufgeregte Kindheit und Jugend hatte, kann sich dieser Roman zu einer echten Tour de Force entwickeln. Amelia verteidigt sich, ist schlau, sie schlägt, sie ist alkoholsüchtig, sie isst lieber nicht, sie ist in England. Sehr plakativ werden ihre Lebensphasen geschildert und wenn man denkt und hofft, es kann nicht noch schlimmer werden, wird es schlimmer. Für so halbwegs normale Spießer ist es manchmal nicht leicht zu ertragen, was einem hier zugemutet wird. Man freut sich selbst überraschend am eigenen eher langweiligen Leben. Wie schön, dass man einfach mal in Urlaub fahren konnte, einfach arbeiten, das Leben nach den Möglichkeiten gestalten. Wenn man es vorher vielleicht nicht zu schätzen wusste, nun ist man doch dankbar. Man fragt sich manchmal, wieso Amelia so ist, sie scheint auf eine Art viel ertragen zu können, doch scheint ihr die Resilienz zu fehlen. Sehr eindrücklich ist dagegen die Schilderung, der Gefahr, die über allen schwebt. Bei jedem Schritt muss mit einem Geschoss gerechnet werden oder einer Bombe, die einem um die Ohren fliegt. Das gilt wohl für beide Seiten und man wünschte, sie seinen froh, dass dies überwunden schien. So sicher kann man sich da nicht mehr sein.

Veröffentlicht am 28.05.2022

Unruhige Zeiten

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Die irische Schriftstellerin Anna Burns
beschreibt die Situation in den Unruhen der Jahre ab 1969.

Der Roman „Amelia“erzählt die Empfindungen der 8jährigen Amelia.
Erschreckend ist, wenn ein Kind schon ...


Die irische Schriftstellerin Anna Burns
beschreibt die Situation in den Unruhen der Jahre ab 1969.

Der Roman „Amelia“erzählt die Empfindungen der 8jährigen Amelia.
Erschreckend ist, wenn ein Kind schon ausrechnet, wann ihr Haus abbrennt.
Die Brutalität ist bedrückend. Auch in den Familien geht ziemlich brutal zu.

Für die Kinder ist es eine schwere Zeit, da ist es kein Wunder, das sie Schaden nehmen. Da kann man die heutige Situation in Ukraine so richtig verstehen und man hat Angst um die Kinder.

Die Autorin hat das alles ungeschminkt geschrieben.
Das Buch ist nichts für schwache Nerven, weil alles Realität war, da kann man sich nicht so leicht distanzieren.
Den Milchmann habe ich auch schon gelesen, das gefiel mir etwas besser.
Amelia war ihr Debütroman, der schon vor 20 Jahren geschrieben wurde.
Trotzdem ist Amelia auch lesenswert.


Veröffentlicht am 29.05.2022

Ein bizarres Leseerlebnis

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Meinung :
Leider muss ich zu aller erst sagen, dass ich dieses Buch nach ca. 150 Seiten abgebrochen haben. Denn obwohl die erzählerische Klasse der Autorin unumstritten ist, so hat dieses Buch eine so ...

Meinung :
Leider muss ich zu aller erst sagen, dass ich dieses Buch nach ca. 150 Seiten abgebrochen haben. Denn obwohl die erzählerische Klasse der Autorin unumstritten ist, so hat dieses Buch eine so wirre und wenig greifbare Grundstimmung, dass dieses Buch sicherlich nicht für jeder Mann ist.
Der Erzählstil und die Qualität der Sprache in diesem Roman, ist wirklich wundervoll, sehr ausgefeilt, poetisch und von großem literarischen Wert. Dennoch ist dies kein Buch, welches mein Leserherz so begeistern konnte, dass mein Interesse über lange Zeit nur von dem großartigen Schreibstil aufrecht erhalten werden konnte.

Fazit :
Ein überragend gut geschriebenes Buch, welches für Liebhaber der literarisch poetischen Erzählweise geeignet ist, die aber nicht vor einer eigensinnigen Protagonistin und einem melancholischen teils, wirren Plot zurückschrecken.